mini|Bekanntmachung im Reichsgesetzblatt vom 28. November 1940

Der Dreimächtepakt war ein am 27. September 1940 auf Initiative Adolf Hitlers geschlossener Vertrag des Deutschen Reiches mit dem Kaiserreich Japan und dem Königreich Italien, dem sich danach weitere Staaten anschlossen. Er wurde von den Vertragspartnern auch als Achse Berlin-Rom-Tokio bezeichnet.

Hintergrund mini|Japanisches Propagandaplakat von 1940: „Gute Freunde aus drei Ländern“, oben: Hitler, Premier Konoe und Mussolini (, nakayoshi san-goku) mini|Offizielle Feier zum Dreimächtepakt in Tokio (1940) mini|Dreimächtepakt, japanische Fassung, unterzeichnet von: Kurusu, von Ribbentrop und Ciano mini|Unterzeichnung des Dreimächtepakts (von links): Botschafter Kurusu Außenminister Ciano (stehend), Adolf Hitler und von Ribbentrop

Der für zunächst zehn Jahre gültige Pakt erweiterte den Antikominternpakt um eine ausgedehnte militärische Kooperation.

Das Bündnis mit Japan sollte mit der Drohung im Artikel III, zusätzlich zum Atlantischen Kriegsschauplatz im Pazifischen Ozean einen weiteren Kriegsschauplatz zu eröffnen, den Kriegseintritt der USA auf der Seite Großbritanniens verhindern.Claudia Prinz: Der Dreimächtepakt. Webseite auf „LEMO“ (Lebendiges Museum online) des DHM, 17. September 2014, abgerufen am 4. Dezember 2023. Japan behielt sich jedoch in einer Geheimakte vor, im Bündnisfall autonom zu entscheiden, ob es den USA den Krieg erklären werde oder nicht.

Nach der Niederlage Frankreichs im Westfeldzug hoffte Hitler, Großbritannien zu einem Waffenstillstand bringen zu können. Die USA unterstützten Großbritannien bereits indirekt. Der Pakt gab auch der Sowjetunion eine Gelegenheit zum Beitritt.

Neben der militärischen Zusammenarbeit sicherte der Pakt auch die Aufteilung der Welt in drei Interessensgebiete: Während das Mittelmeer als originäre Einflusssphäre Italiens deklariert wurde und das Deutsche Reich den osteuropäischen Raum als Einflussgebiet betrachten sollte, bekam Japan den ostasiatischen Raum als Einflussgebiet zugesprochen. Das bedeutete für Deutschland den Verzicht auf die Rückgewinnung seiner ehemaligen Kolonien im Pazifikraum – was die deutschen Diplomaten ihrer Regierung in Berlin verschwiegen.Gerhard L. Weinberg: Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1995, ISBN 3-421-05000-7, S. 277. Die Sowjetunion, die dem Pakt nicht beitrat, wäre als Führungsmacht von Ostasien und Europa ausgeschlossen worden und hätte sich nach Süden auf Persien, Afghanistan und Indien ausrichten müssen. Japan beanspruchte zwar auch Indien langfristig als Herrschaftsbereich, hätte aber bei der Realisierung eines Viermächtepaktes oder eines großen Kontinentalblocks akzeptiert, dass Indien in den sowjetischen Interessenbereich gefallen wäre.

Wegen unterschiedlicher politischer, wirtschaftlicher und militärischer Interessen kam es immer wieder zu Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den Signatarstaaten. Insgesamt hatte der Vertrag wegen der extremen Entfernung zwischen Japan und seinen europäischen Partnern (Trennung durch den asiatischen Kontinent und die Ozeane) eher symbolische Bedeutung.

Wortlaut des Dreimächtepakts zwischen Deutschland, Italien und Japan

Erweiterungen des Dreimächtepaktes Berlin und Rom versuchten im Herbst 1940, die Balkanländer in den Dreimächtepakt einzubeziehen. Sie waren bereits vor dem Krieg wichtige Rohstoff- und Nahrungsmittellieferanten und sollten damit nun auch politisch an die Achse gebunden werden. Jugoslawien und Griechenland hatten bis dahin eine großbritannien- und frankreichfreundliche Politik betrieben.

Königreich Ungarn Als erstes Land trat Ungarn am 20. November 1940 dem Dreimächtepakt bei. Die Unterzeichnung erfolgte durch Außenminister István Csáky im Gelben Saal des Schlosses Belvedere in Wien.Wie sich eine Monarchie zum Nazi-Staat wandelte. Foto in der SZ, 17. Juli 2012, abgerufen am 9. Dezember 2023. Das Land war als Bestandteil der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn mit dem Deutschen Reich während des Ersten Weltkriegs verbündet gewesen. Durch den Vertrag von Trianon hatte Ungarn den größten Teil seines Vorkriegsterritoriums an die Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien verloren. Ziel der Politik des autoritär regierenden Reichsverwesers Admiral Miklós Horthy war die Revision der Nachkriegsordnung. Dazu suchte Ungarn zunächst die Nähe Italiens, nach 1935 immer mehr die Deutschlands. Ungarn hatte an der Zerschlagung des Vielvölkerstaates Tschechoslowakei seinen Anteil, von der es im Ersten Wiener Schiedsspruch die hauptsächlich von Ungarn bewohnten Gebiete (Teile der Südslowakei, Karpato-Ukraine) zurückerhielt. 1940 erhielt Ungarn im Zweiten Wiener Schiedsspruch auch Teile Siebenbürgens und anderer Grenzgebiete zurück, die nach dem Ersten Weltkrieg an Rumänien abgetreten werden mussten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor es diese hauptsächlich von Ungarn bewohnten Gebiete wieder.

Ungarn beteiligte sich im April 1941 an der Zerschlagung Jugoslawiens und ab Juni 1941 am Deutsch-Sowjetischen Krieg. Nach der Vernichtung der 2. Ungarischen Armee in der Schlacht bei Woronesh 1943 bemühte sich Horthy heimlich um einen Separatfrieden mit den Westalliierten. Das Deutsche Reich besetzte daraufhin am 19. März 1944 das Land (Unternehmen Margarethe) und setzte eine deutschfreundliche Regierung unter Döme Sztójay ein, wobei Horthy im Amt blieb. Nachdem Horthy am 29. August die Regierung Sztójay entlassen und den Dreimächtepakt indirekt aufgekündigt hatte, setzten die von Deutschland unterstützten faschistischen Pfeilkreuzler ihn im Oktober 1944 ab; Ferenc Szálasi wurde „Führer der Nation“. Am 31. Dezember 1944 erklärte eine von der Sowjetunion aus ungarischen kriegsgefangenen Militärs gebildete Gegenregierung dem Deutschen Reich den Krieg.

Königreich Rumänien Ursprünglich ein traditioneller Verbündeter Frankreichs und Großbritanniens, trat Rumänien am 23. November 1940 dem Dreimächtepakt bei, um sich vor einer sowjetischen, aber auch vor einer deutschen Aggression zu schützen. Am 28. Juni hatte die Sowjetunion die rumänischen Provinzen Bessarabien, Herza-Gebiet und die nördliche Bukowina besetzt und annektiert. Am 30. August 1940 wurde Rumänien von Deutschland gezwungen, das nördliche Siebenbürgen im Zweiten Wiener Schiedsspruch an Ungarn abzutreten. Auch das 1913 von Bulgarien gewonnene Gebiet der Süd-Dobrudscha musste Rumänien 1940 auf deutschen Druck zurückgeben. 1941 rückte die deutsche Wehrmacht in Rumänien ein, um das Land als Aufmarschgebiet für das Unternehmen Barbarossa sowie als Rohstofflieferant von Öl und Getreide zu nutzen. Rumänische Streitkräfte kämpften an der Seite der Deutschen gegen die Sowjetunion und eroberten die 1940 sowjetisch besetzten Gebiete zurück, sowie darüber hinaus Transnistrien und begleiteten die deutschen Truppen weiterhin an der südlichen Ostfront bis Stalingrad und zum Kaukasus. Mit über 300.000 Gefallenen hat Rumänien nach Deutschland die höchsten Verluste der Achsenmächte in Europa hinnehmen müssen. Nachdem Rumänien am 23. August 1944 den Alliierten beigetreten war, konnte das an Ungarn abgetretene Transsylvanien wieder zurückgewonnen werden, allerdings wurden von der UdSSR das Herzagebiet, Bessarabien und die nördliche Bukowina einbehalten, zudem verblieb die Süddobrudscha bei Bulgarien. Zusätzlich musste Rumänien 1948 noch die Schlangeninsel an die Sowjetunion abtreten.

Slowakische Republik Die Slowakei erklärte sich 1939 von der Tschechoslowakei unabhängig und schloss danach umgehend am 23. März 1939 einen Schutzvertrag mit Deutschland. Damit wurden dem Deutschen Reich weitreichende Einflussmöglichkeiten auf die slowakische Wirtschafts- und Außenpolitik eingeräumt. Am 24. November 1940 wurde dann der Dreimächtepakt offiziell gezeichnet.

Slowakische Streitkräfte beteiligten sich am deutschen Überfall auf Polen und am Russlandfeldzug 1941–1945. Die Slowakei erklärte sogar Großbritannien und den USA den Krieg. Bis zum Slowakischen Nationalaufstand am 29. August 1944 blieb der Slowakei eine Besetzung durch die Wehrmacht erspart. Nach der deutschen Niederschlagung des Aufstandes wurde durch Partisanenverbände weiter starker Widerstand geleistet, bis das Land 1945 von sowjetischen und tschechoslowakischen Truppen befreit wurde. In den befreiten Gebieten wurde die Tschechoslowakische Republik wiederhergestellt, die Slowakei wurde wieder eingegliedert. mini|Bulgariens Beitritt am 1. März 1941

Königreich Bulgarien Bulgarien, im Ersten Weltkrieg ein Verbündeter Deutschlands, trat den Achsenmächten am 1. März 1941 bei. Zar Boris III. entschied, sich mit dem Deutschen Reich zu verbünden, nachdem Hitler ihm alle vom Friedensvertrag von San Stefano betroffenen Gebiete zugesichert hatte, u. a. die Städte Niš, Thessaloníki und Skopje. Hitler versprach ebenso eine Wiedervereinigung mit den mazedonischen „Brüdern“. Dadurch hatte der Kriegsbeitritt für Bulgarien eine eigenständig völkisch-nationale Komponente. Bulgarien verließ die „Achse“, als die Rote Armee im Norden näherrückte und am 9. September 1944 die Bulgarische Kommunistische Partei die Regierung Bulgariens stürzte. Bulgarien kämpfte an der Seite der Alliierten weiter, erhielt jedoch nach Kriegsende keine Gebietszuwächse. Lediglich die 1940 von Rumänien erzwungene Rückgabe der Süddobrudscha wurde im Friedensschluss 1947 bestätigt.

Königreich Jugoslawien Das Königreich Jugoslawien unterzeichnete am 25. März 1941 den Dreimächtepakt, aber nur zwei Tage später ließ ein von Großbritannien unterstützter Staatsstreich Jugoslawiens Loyalität zur „Achse“ fraglich erscheinen. Obwohl König Peter II. von Jugoslawien Bündnistreue schwor, wurde am 6. April die Hauptstadt Belgrad bombardiert und das Land von der deutschen Wehrmacht überfallen.Richard J. Evans: Das Dritte Reich, Bd. III: Krieg. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2009, S. 198 ff. Der Balkanfeldzug endete mit der Kapitulation Jugoslawiens am 17. April und Griechenlands am 23. April 1941.

Jugoslawien wurde zerschlagen und verschwand von der Landkarte: Das Deutsche Reich annektierte Slowenien, Italien annektierte Dalmatien, Bulgarien annektierte Mazedonien, und der italienische Satellitenstaat Albanien annektierte Montenegro. Aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina wurde der faschistische Unabhängige Staat Kroatien, der dann auch dem Dreimächtepakt beitrat. In Serbien wurde eine Marionettenregierung unter Führung des Achsen-freundlichen serbischen Generals Milan Nedić eingesetzt.

Die bulgarische Annexion Mazedoniens 1941 wurde von Ivan Mihailovs Innerer Mazedonischer Revolutionärer Organisation (IMRO) begrüßt. Bulgarien bezeichnete Mazedonien als historisch bulgarisches Land. Als die bulgarische Regierung die „Achse“ Anfang September 1944 verließ und dem Deutschen Reich den Krieg erklärte, bot Berlin Mihailov Unterstützung für mögliche Unabhängigkeitsbestrebungen Mazedoniens an, was Mihailov aber ablehnte.

Es formierte sich heftiger Widerstand gegen die faschistischen Besatzer Jugoslawiens. Die Partisanen unter Josip Broz Tito stellten die größte Widerstandsgruppe dar. Zeitweise gelang es ihnen, ganze Landesteile von der NS-Besetzung zu befreien und die Republik Užice innerhalb der serbischen Landesgrenzen auszurufen. Serbische nationalistisch-monarchistische Tschetnik-Verbände bekämpften ebenfalls das kroatische Ustascha-Regime und die Nationalsozialisten. Tschetniks und Partisanen bekämpften sich während des Krieges aufgrund unvereinbarer politischer Zielsetzungen auch gegenseitig. Jugoslawien wurde 1944 von jugoslawischen Widerstandskämpfern und der Roten Armee vom Faschismus befreit, und es wurde eine Volksrepublik nach Vorbild der Sowjetunion ohne vorherige demokratische Abstimmung deklariert.

Unabhängiger Staat Kroatien