mini|Karte des unteren Donaulimes mini|Verlauf der Flüsse Donau, Drau und Save mini|Mark-Aurel-Säule: Römische Transportschiffe überqueren die Donau, Szene aus den Markomannenkriegen von 171 n. Chr. mini|Trajansäule: römische Kriegsschiffe an der unteren Donau, wahrscheinlich Liburnen mini|Römische Truppen überqueren auf einer Schiffsbrücke die Donau, Relief auf der Trajansäule mini|Transportschiffe auf der Donau, Relief auf der Trajansäule mini|Modell eines römischen Transportschiffes (Typ Zwammerdam 6) mini|Zwei römische Schiffswracks (Oberstimm 1 und 2) mini|Römische Flussliburne mini|Rekonstruktion einer Navis lusoria der Rheinflotte (Classis Germanica) im 4. Jahrhundert n. Chr. Sie basiert auf den Überresten von fünf römischen Schiffen die Anfang der 1980er Jahre im Rhein bei Mainz entdeckt wurden. Dieses Schiff, Typ Mainz A, wurde als schnelles Einsatzschiff mit langer, schmaler Form und flachem Kiel konstruiert. Es wurde von den Marinesoldaten gerudert (32 Ruder, je 16 auf jeder Seite). Die seitlich montierten Schilde schützten die Ruderer zusätzlich vor feindlichen Wurfgeschossen, ausgestellt im Museum für Antike Schifffahrt, Mainz mini|Römischer Marinesoldat (2. Jahrhundert n. Chr.) Die Classis Pannonica (CP), später Classis Histricae, war ein Teil der römischen Grenztruppen im Norden und Osten und operierte vom 1. bis zum 5. Jahrhundert auf den Flüssen Danuvius (Donau), Dravus (Drau) und Savus (Save), ihr Überwachungsgebiet erstreckte sich von Castra Regina (Regensburg) bis Singidunum (Belgrad).
Für die Donau sind zwei große Flottenverbände bekannt: die Classis Pannonica und die Classis Moesica. Obwohl man aufgrund ihrer Bezeichnung annehmen könnte, dass sich ihr Operationsgebiet nur auf diese beiden Provinzen erstreckte, war dies nicht immer der Fall. Durch Militärdiplome (für Angehörige beider Flotten) ist ihre Zugehörigkeit zum Heer der römischen Provinzen Pannonia inferior bzw. Moesia inferior (Niedermösien) belegt. Die Donauflotte bestand (in veränderter Organisationsform) bis in die Spätantike.
Flottenoperationen
1. bis 2. Jahrhundert
Vorläufer der Donauflotte war eine um 35 v. Chr. auf der Save eingesetzte Flottenabteilung. Aus dem späten 1. Jahrhundert besitzen wir keine Nachrichten über die römische Marineaktivitäten auf der Donau. Die Flotte wurde aber wahrscheinlich in den Jahren um 6–10 n. Chr. unter Kaiser Augustus aufgestellt.
6 n. Chr. überquerte Tiberius’ Armee bei Carnuntum die Donau, um die Markomannen anzugreifen. Die Donauflotte sicherte dabei das Übersetzen und den Nachschub der Interventionstruppen. Während der Kämpfe im Pannonischen Aufstand erhielt sie den Ehrennamen Classis Flavia Pannonica. Tacitus berichtet für das Jahr 50 n. Chr. ebenfalls von einer Donauflottille.Werner Jobst: 1983, S. 84.
Nach dem gescheiterten Versuch der Römer, auch die Germania magna in den Reichsverband einzugliedern und die nördliche Reichsgrenze bis an die Elbe vorzuschieben, hatte die Flotte nun – neben den o. a. Aufgaben – vor allem das Einsickern von Plünderern und landsuchenden Stämmen zu unterbinden. Die Schwierigkeiten der Fahrt flussaufwärts zwangen die Römer überdies dazu, die einzelnen Flottillen in den ihnen zufallenden Überwachungsräumen auf Dauer zu stationieren.
Die Szenen auf der Trajanssäule zeigen, dass an den Dakerkriegen auch Flottenverbände beteiligt waren. In einer Inschrift wird ein gewisser Manlius Felix als Praefectus classium Pannonicae et Germanicae (Admiral der pannonischen und germanischen Flotte) genannt. Es dürfte also beide Flotten in Personalunion kommandiert haben. Das Zusammenziehen weit voneinander entfernt stationierter Flotteneinheiten für Feldzüge war auch in späterer Zeit noch üblich.
Die Grabinschrift des Marcus Valerius Maximianus verrät uns seine Funktion während der Markomannenkriege des Marc Aurel. = Er war unter anderem für den Lebensmittelnachschub der beiden pannonischen Heersäulen verantwortlich. Für diese Aufgabe unterstanden ihm bemerkenswerterweise aber Abteilungen der misenischen, ravennatischen Flotte und Einheiten der Classis Britannica. Es fällt in diesem Zusammenhang des Weiteren auf, dass die CP, die eigentlich zuständige Provinzflotte für das Operationsgebiet, an diesen Aktivitäten nicht beteiligt wurde. Sie scheint für andere Einsätze vorgesehen gewesen sein. Dies könnte – neben eventuellen Mannschafts- und Ausrüstungstransport – die weitere lückenlose Überwachung des nordöstlichen Donauufers gewesen sein, da das pannonische Heer ja andernorts gebunden war. Die Donaugrenze wäre ohne Absicherung durch die Flotte gegen feindliche Übergriffe ansonsten völlig ungeschützt gewesen.
Georg Alexander Rost hält es auch für möglich, dass die Flotte entweder teilweise vernichtet oder von den Angreifern gekapert wurde. Kaiser Mark Aurel konnte in harten Kämpfen von 165 bis 175 die Angreifer wieder abwehren. Im zweiten Markomannenkrieg (178–180) stießen die Römer dann auch bis in das Siedlungsgebiet der Markomannen vor. Hierzu bedurfte es wiederum einer leistungsstarken Flotte. Die Donauflotte wurde reorganisiert, durch Neubauten verstärkt und spielte in den Kämpfen eine wichtige Rolle.
3. bis 5. Jahrhundert Ab 374 drangen Jazygen und Quaden in Pannonien ein. Die Donauflotte war bei ihrer Bekämpfung jedoch nicht sonderlich erfolgreich. Ende des 4. Jahrhunderts wurde – laut der Notitia Dignitatum (ND) – der Stützpunkt der Classis Histricae in Carnuntum aufgelassen und deren dort stationierte Liburnarii nach Vindobona verlegt.
Die Donauflottillen dürften auch in der Spätantike, auf Grund der Angaben der ND trotzdem noch eine wichtige Rolle für den Grenzschutz am Limes gespielt haben. Auch die Vita Sancti Severini liefert über den im 5. Jahrhundert herrschenden Schiffsverkehr auf der Donau einige Hinweise. Dem von einer Hungersnot bedrohten Favianae (Mautern) z. B. brachten Schiffe, die zuvor auf dem Inn im Eis eingeschlossen waren, Lebensmittel aus Rätien. Nachdem Severin der Bevölkerung von Castra Batava (Passau) den bevorstehenden Untergang der Stadt vorhersagt und sie nachdrücklich zum Abzug nach Lauriacum aufgefordert hatte, kehrte er auf einem Schiff nach Favianae zurück.Eugippius: Vita Sancti Severini; Ausgabe von Rudolf Noll: Das Leben des hl. Severin. Linz 1947. Im Laufe des 5. Jahrhunderts verschwindet die Donauflotte aber endgültig aus den literarischen Quellen.
Funktion Die Flotten im Mittelmeer wurde überwiegend für die Piratenbekämpfung und wasserpolizeiliche Maßnahmen eingesetzt, die Flotten im Norden hatten vor allem militärische bzw. logistische Aufgaben und kooperierten dabei meist eng mit den Landstreitkräften. Aufgabe der CP war neben dem Schutz der Flussgrenze der Provinzen Raetia, Noricum und Pannonia die Offenhaltung der wichtigen Verkehrswege Donau, Drau und Save sowie Transport- und Logistikaufgaben für die Einheiten des Landheeres. Zusammen mit den Kastellen und den Einheiten der Classis Moesica (an der unteren Donau und Schwarzmeerküste) bildete die CP auch einen wichtigen Teil des Handelsschutzes an der Donau, da einer der meistfrequentierten Haupthandelswege in den Norden, die Bernsteinstraße, bei Carnuntum (Bad Deutsch Altenburg) den Strom querte. Bevor der Donaudurchbruch am Eisernen Tor durch einen Kraftwerksbau im 20. Jahrhundert gestaut wurde, war die Schlucht mit Stromschnellen viel tiefer und wegen gefährlichen Strudeln nicht befahrbar. Man nimmt an, dass sie die Trennungsstelle zwischen dem Aufgabenbereich der Classis Pannonica (stromaufwärts) und der Classis Moesica (stromabwärts bis zum Schwarzen Meer) markierte.
Das nördliche Ufer war auf weiten Strecken nicht befriedet und die Handelsaktivitäten in den Städten und Kastellen am Donaustrom sehr umfangreich. Größere Gefechte auf dem Wasser kamen aber mangels eines gleichartig ausgerüsteten Gegners vermutlich gar nicht oder nur sehr selten vor. Auch in Friedenszeiten stellte sie einen wichtigen Aspekt für die Provinzialen dar, da ein Großteil der öffentlichen Transporte – vor allem die Versorgung mit Getreide – über sie abgewickelt wurde.
Große Bedeutung hatte die Donauflotte anlässlich großangelegter Flussüberquerungen der Armee. Meist wurde hierfür eine Schiffsbrücke angelegt. Hierzu wurde die Schiffskette zuerst mit dem Bug gegen die Stromrichtung mit mit Steinen gefüllten Weidenkörben am Grund vertäut. Danach legte man Balken und Bohlen über die Rümpfe, um diese miteinander zu verbinden. Als zusätzliche Verstärkung wurde an beiden Seiten auch ein stabiles Geländer angebracht, um die Überquerung für Fuhrwerke sicherer zu gestalten. Zum Schluss wurde an beiden Brückenköpfen noch ein Graben ausgehoben, ein Erdwall aufgeschüttet und mit einer Wachmannschaft versehen.Arrian, Anabasis 5,7,3–5 sowie Flavius Vegetius Renatus, Epitoma rei militaris 3,7.
Grenzsicherung Die Donau bot in der Antike ein gänzlich anderes Erscheinungsbild: Ihr Wasser floss langsamer, die Sedimente wurden nicht weggeschwemmt, weshalb das weitverzweigte Flussbett nicht so tief war wie heutzutage, obwohl es im Vergleich zu den Flüssen in Italien breiter und tiefer erschien.Herodian, Ab excessu Divi Marci 6,7,6. Im Frühjahr fanden regelmäßig Überschwemmungen statt die die umliegende Landschaft in einen schwer zugänglichen Sumpf verwandelten. Ufer und Flussinseln waren mit dichter Vegetation überwuchert, da sie auf weiten Strecken nicht vom Menschen genutzt wurden. An Inseln floss das Wasser auch schneller vorbei, da das Flussbett dort enger war. Im Zuge dessen wurden solche Inseln von Invasoren und Plünderern (latrones) oft als Verstecke und Rückzugsort benutzt. Kaiser Marcus Aurelius verbot daher den Jazygen diese zu betreten und eigene Schiffe zu benutzen.Cassius Dio, Historiae Romanae epitome 71,19,2. Zur Fortbewegung auf dem Strom bedienten sich die germanischen Stämme meist Einbäume (monoxyla) oder ähnlicher Boote.
Die Kämpfe auf der Donau fanden meist in den Sommermonaten oder im Winter statt (naumachiati).Radislav Hosek, Markomannenkriege 1993, S. 33–37. Zwar gab es für die Sicherung der Reichsgrenze an der Donau auch eine Vielzahl von Kastellen, eine wirklich effektive Überwachung der Flussgrenze war jedoch nur mit Hilfe der schnellen und wendigen Schiffen der Flotte möglich die zu diesem Zweck täglich Patrouillenfahrten unternahmen, wie es der Chronist Ammianus Marcellinus für das Jahr 376 n. Chr. überliefert:
„Während unsere Truppen anderweitig beschäftigt waren, bemerkten die Greuthungen, dass die Schiffe, die durch ihre üblichen Patrouillen ihr Übersetzen verhinderten, untätig im Hafen blieben und bewerkstelligten deshalb ihre Überfuhr auf nur notdürftig zusammengefügten Flössen.“Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte 31,5,3.
Aufgrund dieser Aussage kann man annehmen, dass diese täglichen Fahrten mögliche Angreifer vom Übersetzen an das römische Ufer wirksam abhielten. Dies hatte auch einen guten Grund. Ammianus berichtet im Anschluss daran von einer regelrechten Seeschlacht, die mit einer empfindlichen Niederlage der auf Einbäumen und Flößen übersetzenden Greuthungen endete.Zosimos, Neue Geschichte 4,35,1 und 4,38; Claudian 8,623.
Schiffstypen Für die Überwachung der Donau standen den Soldaten Patrouillenboote und Truppentransporter mit einer Rumpflänge von 15 m bis 20 m, für Riemen- und Segelbetrieb, zur Verfügung. Der Waren- und Gütertransport wurde mit Pramen bewerkstelligt, auf denen Lasten bis zu 20 Tonnen bewegt werden konnten. Diese Schiffe hatten nur geringen Tiefgang, um mit ihnen auch sehr seichte Gewässer problemlos durchqueren zu können.