Ḫarimtum (auch Charimtum, Harimtum, Harimtu; sumerisch KAR.KIDWilfred George Lambert: Prostitution. S. 127.) war im Altertum einerseits die akkadische rechtliche Bezeichnung einer Gesellschaftsschicht, der unverheiratete Frauen angehörten, die über einen begrenzten Zeitraum das Prostitutionsgewerbe ausübten, und andererseits ein Beiname der Himmelsgöttin Inanna beziehungsweise Ištar. Als Synonym kennzeichnete der Name „Šamḫat“ diesen Frauentypus. Der auch im Gilgamesch-Epos verwendete Begriff „Ḫarimtu“ steht wertneutral für „Dirne“, „Kurtisanin“ und in positivem Sinn für „Hure“.

Begriffsdefinition Die Bezeichnung „Ḫarimtum“ hat die Bedeutung von „abgesondert“ und umfasst insbesondere Frauen, die als „vogelfrei“ im Sinne von „ungebunden“ galten und im Normalfall keinem Tempel oder anderen Organisationen verpflichtet waren. Insbesondere, aber nicht ausschließlich, gehörten dieser rechtlichen Kategorie Frauen an, die ihr Einkommen mit der gewerbsmäßigen Prostitution sicherten oder sexuelle Handlungen mit Partnern ihrer Wahl vollzogen.

Die Stadt Uruk war im Altertum dafür bekannt, zahlreiche Angehörige der Ḫarimtum-Klasse zu beherbergen. Die Vermutung, dass der Begriff „Ḫarimtum“ einen weiblichen Priestertitel darstellte, hat sich nach Auswertung der zugehörigen Texte nicht bestätigt.Jörg Klinger: Priester. In: Dietz-Otto Edzard u. a.: Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Bd. 10. de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-1101-8535-0, S. 633 In der mittelassyrischen Rechtssammlung (1500 bis 1000 v. Chr.) ist unter anderem die Verschleierung von Frauen geregelt. Das rechtliche Merkmal einer Ḫarimtu beziehungsweise KAR.KID wird auch hier gegenüber der Charakterisierung einer Priesterin unterschieden:Eckhart Otto: Das Deuteronomium: Politische Theologie und Rechtsform in Juda und Assyrien. de Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-1101-6621-6, S. 178, 181

Inanna als Ḫarimtu In ihrer Eigenschaft als „Ḫarimtu“ beziehungsweise „KAR.KID“ ist Inanna in vielen Erzählungen im Schenkenmilieu anzutreffen: Wenn ich (Inanna) im Tor der Herberge sitze, bin ich die KAR.KID, die die Männer kennt. Dem Ninegal-Hymnus ist ebenfalls zu entnehmen, dass sich Inanna wie eine KAR.KID kleidet und schmückt, und in der Schenke mit den Männern Kontakte knüpft. Eine Frau, die sich in einer Liebesbeschwörung als „KAR.KID“ bezeichnet, berichtet über ihre Eigenschaften:

Erwähnung der Ḫarimtu Šamḫat im Gilgamesch-Epos Im Gilgamesch-Epos wird der Frauentypus „Ḫarimtum“ in den altbabylonischen Texten durch Šamḫat vertreten, die den Steppenmensch Enkidu verführte und anschließend dabei half, ihn in die Kultur des Menschen einzuführen:

Literatur Adam Falkenstein: Sumerisch-religiöse Texte In: Zeitschrift für Assyriologie und Vorderasiatische Archäologie (ZA), Bd. 56. de Gruyter, Berlin 1964, S. 44–129. Andrew R. George: The Babylonian Gilgamesh Epic: Introduction, critical Edition and cuneiform Texts; Bd. 1. Oxford University Press, Oxford 2003, ISBN 0-1992-7841-5 Wilfred George Lambert: Prostitution In: Volkert Haas: Außenseiter und Randgruppen: Beiträge zu einer Sozialgeschichte des Alten Orients. Xenia, Konstanz 1992, ISBN 3-8794-0429-1, S. 127–161. Stefan M. Maul: Das Gilgamesch-Epos. Beck, München 2006, ISBN 3-406-52870-8

Anmerkungen

Kategorie:Gilgamesch-Epos Kategorie:Sumerische Mythologie Kategorie:Geschichte der Prostitution Kategorie:Strafrechtsgeschichte Kategorie:Prostitutionsrecht