Słobity () ist ein Dorf in der Gmina Wilczęta (Landgemeinde Deutschendorf) im Powiat Braniewski (Kreis Braunsberg) der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen.

Geographie Słobity liegt im ehemaligen Ostpreußen, in der Landschaft Ermland-Masuren, etwa 13 Kilometer nordöstlich der früheren Kreisstadt Pasłęk (Preußisch Holland) und 27 Kilometer südlich der heutigen Kreismetropole Braniewo (Braunsberg).

Geschichte mini|Schlobitten, südsüdwestlich von Königsberg, nordnordöstlich der Stadt Preußisch Holland und südlich der Stadt Braunsberg, auf einer Landkarte von 1910 Ortsgeschichte Der Ortsname wird von der altpreußischen Familie Slobithe oder Slobuthe hergeleitet, die in Urkunden genannt worden ist.Siegmar Friedrich von Dohna: Aufzeichnungen über die Vergangenheit der Familie Dohna. Teil I, Berlin 1877, S. 75–80. Im 14. Jahrhundert hieß der ursprünglich prußische Ort Slabitten.Lotar Weber: Preussen vor 500 Jahren in culturhistorischer, statistischer und militairischer Beziehung nebst Special-Geographie. Bertling, Danzig 1878, S. 462.

Im 15. Jahrhundert war Diederich von Marwitz der Besitzer von Schlobitten gewesen. Es wird angenommen, dass seine Tochter Anna den Johann Landgreff geehelicht hatte, der im Jahr 1500 als Besitzer von Schlobitten, Scharnitten, Ruskeim, Hensels, Neumark und Fürstenau bezeichnet wird. Ihr Sohn Hartwig galt noch 1553 als Herr dieser Güter. Letzterer verstarb 1553 und hinterließ eine Witwe Anna und eine noch unmündige Tochter Elisabeth, die sich als Erbin der Güter betrachtete. Zwar unternahm sie den Versuch, als Erbin bestätigt zu werden, jedoch ohne Erfolg.

Peter von Donaw (1483–1553)Siegmar Friedrich von Dohna: Die Dohna’s. Aufzeichnungen über die Vergangenheit der Familie Dohna. Band 1. Berlin 1877 S. 34–43. hatte unter Einsatz seines Privatvermögens am Reiterkrieg (1519–1521) des Deutschordensstaats gegen Polen teilgenommen, dabei materielle Einbußen erlitten und war deshalb 1520 von Herzog Albrecht mit einem SchadloshaltungsbriefSiegmar Friedrich von Dohna, 1877, ebenda, Anhang Urkunden-Buch der Dohna’s, S. 8. ausgestattet worden. Durch eine Anordnung vom 30. Dezember 1525 wurde Peter von Donaw in den Besitz von Hof und Haus Schlobitten versetzt. In den darauf folgenden Jahren hat Peter von Donaw die erlittenen Verluste kompensiert und ist ein wohlhabender Großgrundbesitzer, der aus seinem Vermögen sogar dem Herzogshaus Kredite in beachtlicher Höhe gewähren kann. Auf seinem Schloss Mohrungen schrieb er eigenhändig ein an seine Nachkommen (acht Söhne, eine Tochter namens Sophia) gerichtetes Memorandum nieder,Siegmar Friedrich von Dohna, 1877, ebenda, S. 41–42. in dem er folgende Güter als sein Eigentum bezeichnet: 1. Deutschendorf (84 1/2 Huben), 2. Lauca (60 Huben), 3. Eberssbach, 4. Newen-Markt, 5. Hermessdorff, 6. Schlobitten (20 Huben, der Hof 10 Huben), 7. Klein-Scharnitten, 8. Herrendorff, 9. Furstenau, 10. Karnitten, 11. Gross-Scharnitten, 12. Hensels. Seiner Aufstellung zufolge standen ihm außerdem Leistungen aus zehn anderen Dörfern des Amtes Mohrungen zu.

Um 1785 gehörte das Konglomerat der großen und wichtigen Dohnaschen Güter, einschließlich Schlobitten, zu den 310 adligen Gütern des Mohrunger Kreises.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 25–26; . Herrschaftlicher Sitz des Schlobittenschen Majorats war das Rittergut Schlobitten mit dem gleichnamigen Kirchdorf, dem gleichnamigen Vorwerk und dem ansehnlichen Schloss, das eine wertvolle Familienbibliothek beherbergte. Dazu gehörten das Kirchdorf Herrndorf, wo sich eine Wasser- und Windmühle besonderer Bauart befand, sechs andere Bauerndörfer und fünf Vorwerke, die sämtlich im Kreis Preußisch Holland lagen.

Am 28. Mai 1874 wurde Schlobitten Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im ostpreußischen Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg.Rolf Jehke: Amtsbezirk Schlobitten Zu ihm gehörten anfangs sieben, am Ende noch vier Orte:

Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Giebitten Gibity 1928 zu Bunden Guhrenwalde Górski Las 1928 nach Luxethen bzw. Schlobitten Herrndorf Młynarska Wola Jonikam Janiki Pasłęckie Karwitten Karwity Monbrunsdorf Broniszewo 1939 nach Herrndorf eingegliedert Schlobitten Słobity ab 1908: Davids Dawidy 1928 zu Bunden Erlau Olszówka 1928 nach Sumpf eingemeindet Guhren Góry 1928 zu Schlobitten Nikolaiken Mikołajki 1928 zu Schlobitten Schönfeld b. Mühlhausen Krasinek 1928 zu Schlobitten

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Schlobitten eine evangelische Kirche, ein Schloss des Fürsten Dohna-Schlobitten und eine Ziegelbrennerei. Um 1922 waren in Schlobitten zwei Gutsbezirke, beide im Besitz der Familie Dohna-Schlobitten. Das Fideikommissgut Schlobitten (Flächeninhalt 987 ha, davon 539 ha Ackerland, 104 ha Wiesen und 320 ha Holzungen) mit den acht Vorwerken Schlobitten (218 ha), Guhren (512 ha), Nikolaiken (450 ha), Schönfeld b. Mühlhausen (634 ha), Brünneckshof (530 ha), Stöpen (116 ha) und Davids (212 ha) gehörte Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten in Schlobitten; das Gut Erlau (108 ha) einschließlich Guhrenwalde und Bunden, Abbau (170 ha) besaß Marie Mathilde Fürstin zu Dohna-Schlobitten.Paul Niekammer: Güter-Adreßbuch für die Provinz Ostpreußen mit Anhang: Memelland. 4. Auflage, Reichenbach, Leipzig 1922, S. 302–303.

Schlobitten gehörte bis ins Jahr 1945 zum Landkreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, und war Sitz des Amtsbezirks Schlobitten.Amtsbezirk Schlobitten – territorial.de (R. Jehke, 2005)

Im Frühjahr 1945, zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde die südliche Hälfte Ostpreußens mit dem in Słobity umbenannten Ort Teil Polens.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1780 – 38 Feuerstellen (Haushaltungen), davon 32 auf dem adligen Gut und Dorf Schlobitten und sechs auf dem zugehörigen Vorwerk SchlobittenJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 166.; . 1818 329 davon 266 im Dorf und 63 auf dem VorwerkAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 4: P–S. Halle 1823, S. 248, Ziffern 1923, 1924; . 1858 442 davon 265 (262 Evangelische, 3 Katholiken) auf dem Rittergut (Flächeninhalt 5485 Morgen) und 177 (168 Evangelische, neun Katholiken) auf dem zugehörigen Vorwerk (Flächeninhalt 2135 Morgen)Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 120, Ziffern 166, 167.1864 544 am 3. Dezember, davon 271 im Gemeindebezirk und 273 im GutsbezirkDie Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: 9. Kreis Pr. Holland. Preußisches Finanzministerium, Berlin 1966, S. 18, Ziffern 135, 136. 1867 583 am 3. Dezember, davon 174 im Kirchdorf und 409 auf dem Rittergut 1871 599 am 1. Dezember, davon 167 im Kirchdorf (162 Evangelische, 5 Katholiken) und 432 (420 Evangelische, 12 Katholiken) auf dem RittergutKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 174–175, Ziffer 73, und S. 178–179, Ziffer 157. 1905 600 1910 559 am 1. DezemberSchlobitten, Ostpreußen. In: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Schlobitten). 1933 715 1939 681

Religion Kirchengebäude mini|200px|Die Kirche in Słobity (Schlobitten) Bereits vor 1586 gab es in Schlobitten eine Kirche. An ihrer Stelle wurde 1872 eine neue Kirche errichtet: ein Bauwerk im neugotischen Stil mit Turm.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 74 Sie verfügte über einen hellen und freundlich wirkenden Innenraum mit einfacher Ausstattung. Altar und Kanzel waren neugotisch. Zwei Altarflügel stammten von 1606 und waren mit den Wappen der Stifter Achatius zu Dohna und seiner Ehefrau Barbara von Wernsdorf versehen. Den Prospekt der Orgel von Janzen in Danzig schmückten Werke des Bildhauers König in Königsberg (Preußen). An einem großen Kruzifix war der Christuskörper eine italienische Arbeit aus Elfenbein.

Bis 1945 war die Schlobitter Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der römisch-katholischen Kirche übernommen, die sie den veränderten liturgischen Bräuchen auch baulich anpasste. Sie ist der Zmartwychwstania Pańskiego („Auferstehung des Herrn“) gewidmet und seit 1987 Pfarrkirche.Bistum Elbląg: Pfarrei Słobity (polnisch)

Evangelische Kirche Die evangelische Kirchengemeinde in Schlobitten wurde vor 1586 gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 471 In jenem Jahr wurde die erste Kirche errichtet. Bis zum Jahre 1604 war das große Gutsdorf eine Filialgemeinde der Stadtpfarrei Mühlhausen i. Ostpr. (polnisch Młynary). Schlobitten wurde dann mit Herrndorf (polnisch Młynarska Wola) eine „Vereinigte Kirchengemeinde“, wobei Herrndorf der Pfarrsitz war.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 54 Von hier aus amtierten von 1604 bis 1945 ununterbrochen die evangelischen Geistlichen. mini|Der heutige Innenraum der Kirche Schlobitten gehörte demnach ab 1604 zum evangelischen Kirchspiel von Herrndorf, das erst seit 1594 bestand,Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 279. und war ursprünglich zu Mühlhausen eingepfarrt. 1872 wurde eine neue Kirche im gotischen Stil erbaut. Sie enthielt Altarbilder von Pfannschmidt.Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band III: Das Oberland, Bernhard Teichert, Königsberg 1893, S. 30–31.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen. Nach gedruckten und ungedruckten Quellen. S. Nipkow, Neidenburg 1890, S. 140–141.

Im Jahre 1925 gehörten zu den vereinigten Kirchengemeinden Herrndorf-Schlobitten 1.480 Gemeindeglieder. Von ihnen entfielen 720 auf den Sprengel Schlobitten. Das Kirchenpatronat hatte der Fürst zu Dohna-Schlobitten inne.

Kirchspielorte bis 1945: Zum Kirchensprengel Schlobitten gehörten die vier Orte: Guhren (polnisch Góry), Jonikam (Janiki Pasłęckie), Muttersegen (Karpówek) und Schlobitten (Słobity).

Römisch-katholische Kirche Seitens der katholischen Kirche wurde das bisher evangelische Gotteshaus in Anspruch genommen. Hier fanden regelmäßige Gottesdienste statt, und zum 12. April 1987 errichtete hier der ermländische Bischof Edmund Piszcz eine eigene Pfarrei. Sie ist dem Dekanat Pasłęk I zugeordnet und gehört zur Diözese Elbląg.

Pfarreiorte sind: Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Bronki Breunken Józefowo NN.Kein deutscher Name bekannt Góry Guhren Karwiny Karwinden Janiki Pasłęckie Jonikam Stojpy Stöpen

Schloss

mini|Schloss Dohna-Schlobitten (2009) mini|Schloss Schlobitten um 1860, Sammlung Alexander Duncker