Unter Goldautomatismus wird ein automatischer Ausgleichsmechanismus für die Zahlungsbilanzen im Handelsverkehr zwischen Ländern mit Goldwährung bzw. goldgedeckten Währungen verstanden. Das insbesondere von David Hume vorgeschlagene Konzept kam z. B. während der Geltungsdauer des sog. Goldstandards bis 1914 zum Einsatz.

Humes Ausführungen zum Goldautomatismus Der Goldstandard umfasst viele starke, automatisch wirkende Mechanismen. Diese wirken auf ein simultanes Zahlungsbilanzgleichgewicht sämtlicher Länder hin. Der Bedeutendste dabei ist der Goldautomatismus (Goldwährungsmechanismus), der 1752 von David Hume, einem schottischen Philosophen, erklärt wurde.Paul R. Krugman und Maurice Obstfeld, Internationale Wirtschaft-Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 2009, S. 661.

Humes Beschreibung des Goldautomatismus übersetzt heißt, dass angenommen wird, dass der laufende Überschuss der Leistungs- und Vermögensübertragungsbilanz Großbritanniens das Defizit der Kapitalbilanz (ohne Währungsreserven) übersteige. Weil die Nettoimporte des Auslands aus Großbritannien nicht vollständig aus britischen Krediten finanziert werden, muss ein gewisser Teil durch den Zufluss internationaler Reserven – d. h. Gold – nach Großbritannien gedeckt werden. Die Mehrung des Goldes senkt automatisch die ausländischen Geldmengen und dehnt die britische Geldmenge aus. Infolgedessen gehen die Auslandspreise nach unten und die britischen Preise werden nach oben gedrückt. Hume stellte dar, dass sich das Preisniveau und die Geldmengen in langer Frist proportional entwickeln.

Der gleichzeitige Anstieg der britischen Preise und des Rückganges der ausländischen Preise senkt die Auslandsnachfrage nach britischen Gütern und Dienstleistungen und erhöht nebenher die britische Nachfrage nach ausländischen Gütern und Dienstleistungen. Diese Nachfrageverschiebungen führen zu einer Reduzierung des britischen Leistungsüberschusses und des ausländischen Leistungsbilanzdefizites. Daher kommen über einen längeren Zeitraum die Reservebewegungen zum Stillstand und beide Länder erreichen ein Zahlungsbilanzgleichgewicht. Der Prozess funktioniert auch in die andere Richtung und würde damit eine Ausgangssituation beseitigen, in der im Ausland ein Überschuss und in Großbritannien ein Defizit herrscht.Paul R. Krugman und Maurice Obstfeld, Internationale Wirtschaft-Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 2009, S. 662.

Bezug zum Geldmengen-Preismechanismus

Ursprünglich wurde dieser Mechanismus unter den Annahmen des Goldstandards entwickelt. In diesem Währungssystem sind die Zentralnotenbanken zum Ankauf und Verkauf von Gold zu einem festen Preis verpflichtet. Daher besteht in den Ländern eine feste Relation zwischen der Gewichtseinheit Gold und dem Nennwert der jeweiligen Währungseinheit. Somit ist auch der Wechselkurs bestimmt: Stehen nämlich alle Währungen in einer festen Relation zum Gold, so stehen sie auch untereinander in einem festen Verhältnis.Klaus Rose und Karlhans Sauernheimer, Theorie der Außenwirtschaft, 2006, S. 106.

In Humes Werk Political Discources behandelte er zum Beispiel die Rolle des Geldes und der Zinsen in der Ökonomie, die internationale Handelspolitik oder die Finanzierung des Staates via Steuern und Krediten. Wenn man die Diskussionen über die Bedeutung des Geldes betrachtet, stimmen alle darin überein, dass Geld als Tauschmittel für den nationalen und internationalen Handel unabdingbar sei, da sonst die Spezialisierung der Produktion und der Tausch völlig unrentabel werden oder die Gewinne aus dem Tausch sogar vollständig verloren gingen. Hume betont dieses Argument in seinem Essay Of Money. Dabei setzt er das Mittel zum Tausch, nämlich Geld, mit Gold- und Silbermünzen, also mit Hartgeld, gleich und misstraut dem Papiergeld, falls es nicht sofort in Hartgeld umgewandelt werden kann. Weiterhin stimmt man darin überein, dass es einen Zusammenhang zwischen der Veränderung der Geldmenge und einer Veränderung des Preisniveaus gibt. Doch über den genauen Mechanismus und die exakte quantitative Beziehung über die Zeit hin, in der die Änderung der Geldmenge Preisänderungen bewirkt, ist man sich uneinig. Hume stellte fest, dass über einen längeren Zeitraum die Geldmenge langsamer steige als die Preise. Daraus ergibt sich zwar eine feste Beziehung zwischen Geld und Preis, jedoch keine proportionale. Nach Humes Erklärung ist es so, weil jede Preisregulierung Zeit in Anspruch nimmt und ein allmählicher Anstieg der Nachfrage, der aufgrund einer vergrößerten Geldmenge entsteht, durch ein Anpassen des Warenangebotes ausgeglichen werden kann. Hume schlussfolgert: „Das Wohlergehen eines Staatswesens hängt nicht davon ab, ob das Geld in einer größeren oder kleineren Menge vorhanden ist. Die richtige Politik der Regierung besteht darin, die Geldmenge wenn möglich zu erhöhen, denn dadurch wird in der Nation der Gewerbefleiß aufrechterhalten, und das Arbeitspotential nimmt zu, das die eigentliche Wirtschaftskraft und den Reichtum bildet.“

In seinem Essay On Republic Credit gibt Hume zu verstehen, dass der Staat sich nicht allein auf die Vermehrung des Papiergeldes als Mittel zur Kontrolle der Geldmenge verlassen sollte. Eine wachsende Staatsschuld und die Auflage von Staatsanleihen würde nur das Vertrauen in die Währung sinken lassen und viel eher eine Inflation auslösen als eine Ausweitung der Produktion bewirken. Die Regierung könnte ihre Geldmenge, das heißt die Menge an Gold- und Silbermünzen nur beeinflussen, wenn sie für Bedingungen sorgt, die den Bürgern eine Ausdehnung und Entwicklung des Handels mit den Geldbesitzern oder den Gold- und Silberproduzenten ermöglichen würde. „Eine Regierung hat gute Gründe, ihre Bürger und Manufakturen mit Umsicht zu behandeln. In Gelddingen mag sie sich unbesorgt auf den Lauf der Dinge verlassen“ (aus dem Essay Of the Balance of Trade). Humes Betrachtung des Geldes ist Ausgangspunkt, um ein weiteres wichtiges ökonomisches Problem zu erörtern, nämlich Humes Zinstheorie. Es galt zu seiner Zeit als gesicherte These, dass einer der Vorteile der Geldmengensteigerung in der Senkung des Zinssatzes liege. Hume stellt die Frage, wie man die Aussage testen könne. Angenommen, dass die Behauptung wahr sei, so müssten Länder mit relativ großer Geldmenge relativ niedrige Zinssätze haben. Doch dies ist nicht der Fall. Er merkt an, dass diese Annahme sowieso unglaubwürdig sei. Eine Verdopplung der Geldmenge bedeutet nur, dass man sich eine größere Menge an Arbeit und Waren leihe und man den äquivalenten Geldwert plus der Zinsen zurückzahlen müsste, wobei die Zinsen ein bestimmter Teil des Geldäquivalents sind. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass dieser Anteil am Geldwert sich einfach ändern würde, weil der Wert der Arbeit oder der Waren (ausgedrückt in Geld) sich verändert hat.Alan Peacock und Ernst Topitsch, David Hume in unserer Zeit - Vadecum zu einem frühen Klassiker, 1987, S. 48–52

Bezug zur Quantitätstheorie Die Beschreibung von Hume basiert auf der Quantitätstheorie der Preise, einer Schlüsseltheorie zum Thema allgemeines Preisniveau, mit dem sich die Makroökonomie beschäftigt.Paul A. Samuelson und William D. Nordhaus, Volkswirtschaftslehre - Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie; Übersetzung aus dem Amerikanischen von Regina Berger, Annemarie Pumpernig und Brigitte Hilgner, 2007, S. 853. „Die Quantitätstheorie besagt, dass sich die inländischen Preisniveauveränderungen jeweils in gleicher Richtung entwickeln wie die Veränderungen des Geldangebotes im Verhältnis zur Geldnachfrage.“Helmut Wagner, Einführung in die Weltwirtschaftspolitik, 2009, S. 187. Unter dem Goldstandard war Gold ein wichtiger Teil des Geldangebotes, entweder direkt, in Form von Goldmünzen, oder indirekt, wenn die Staaten Gold zur Deckung ihres Papiergeldes verwendeten. Humes Theorie zum Ausgleich der Zahlungsbilanz:

Angenommen, die USA hätten ein großes Außenhandelsdefizit und würden daher anfangen, Gold zu verlieren. Getreu der Quantitätstheorie vermindert dieser Goldverlust die amerikanische Geldmenge und senkt so die Preise und Kosten in den USA. Als Ergebnis reduzieren die USA ihre Importe britischer und anderer ausländischer Güter. Diese haben sich relativ verteuert. Da die in den USA produzierten Waren auf den Weltmärkten relativ billig geworden sind, steigen die amerikanischen Exporte.

Der entgegengesetzte Effekt tritt in Großbritannien und anderen Ländern ein. Bei einem enormen Anstieg der britischen Exporte erhält das Land im Gegenzug Gold. Die britische Geldmenge steigt an. Dies treibt, gemäß der Quantitätstheorie, die britischen Preise und Kosten in die Höhe. Zwei weitere Phasen des Mechanismus von Hume kommen hinzu: Die britischen und sonstigen ausländischen Exporte haben sich verteuert, daher nimmt das Volumen der in die USA und in andere Länder exportierten Güter ab. Die britischen Bürger importieren nun, angesichts eines höheren heimischen Preisniveaus, größere Mengen an billigen amerikanischen Gütern. Die Folge ist eine Verbesserung der Zahlungsbilanz jenes Landes, das Gold verliert, und eine Verschlechterung der Zahlungsbilanz des Landes, das Gold gewinnt.Paul A. Samuelson und William D. Nordhaus, Volkswirtschaftslehre - Das internationale Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie; Übersetzung aus dem Amerikanischen von Regina Berger, Annemarie Pumpernig und Brigitte Hilgner, 2007, S.853; 854

Hume und die Merkantilisten Den zweiten Ausgangspunkt der Geldtheorie von Hume findet man in seiner Analyse des internationalen Handels. Hume untersuchte die bekannte merkantilistische Ansicht,Alan Peacock und Ernst Topitsch, David Hume in unserer Zeit - Vadecum zu einem frühen Klassiker, 1987, S.54;55 dass der internationale Handel und Zahlungsverkehr starken Einschränkungen unterworfen werden müsse, da sonst Großbritannien infolge von Zahlungsbilanzdefiziten die Verarmung und ein Mangel seiner umlaufenden Goldwährung drohen könne. Hume widerlegte ihre Ausführungen, indem er nachwies, dass die Anpassung der Zahlungsbilanz automatisch ein hinreichendes Geldangebot in allen Ländern gewährleisten würde. Der Merkantilismus sah in Silber und Gold die Hauptstützen des nationalen Wohlstandes und die wesentliche Voraussetzung für einen lebhaften Handel. Daher bereitete jeder Abfluss der Edelmetalle den Merkantilisten große Sorge. Ihr wesentliches politisches Ziel bestand darin, einen ständigen Überschuss der Zahlungsbilanz zu gewährleisten.

Hume wies nach, dass ein ständiger Überschuss unmöglich ist. Da der Zufluss der Edelmetalle die Inlandpreise erhöht und die Zahlungsbilanz ausgleicht, verschwindet der Überschuss mit der Zeit. Gleichermaßen senkt ein Mangel an Zahlungsmitteln die Inlandpreise und produziert einen Überschuss im Zahlungsverkehr mit dem Ausland. Dieser bringt Geld in der benötigten Menge in das Land. Nach Hume würde jeder Eingriff des Staates in den internationalen Handel der Volkswirtschaft schaden, ohne den Zuwachs an „Wohlstand und Reichtum“ zu erzeugen, der den Merkantilisten vorschwebte. Hume machte darauf aufmerksam, dass die Merkantilisten einen einzigen und verhältnismäßig untergeordneten Bestandteil des nationalen Wohlstandes, nämlich die Edelmetalle, überbewerteten, unterdessen sie seine wichtigste Quelle, die produktive Kapazität, übersahen.Paul R. Krugman und Maurice Obstfeld, Internationale Wirtschaft-Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 2009, S. 664.

Entstehung