mini|Altes Rathaus an der oberen Berger Straße Bornheim () ist seit 1. Januar 1877 ein Stadtteil von Frankfurt am Main. Er liegt im Osten der Stadt nahe dem Stadtzentrum und hat Einwohner. Bornheim entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Gründerzeitviertel.
Geografie Bornheim liegt auf einer Höhe von , etwa 2,2 km nordöstlich der Hauptwache und ist mit weniger als drei Quadratkilometern flächenmäßig einer der kleineren Stadtteile Frankfurts. Nach dem Nachbarstadtteil Nordend-Ost ist Bornheim der Stadtteil mit der zweithöchsten Bevölkerungsdichte.
Bornheim grenzt im Norden an Preungesheim und im Westen an die beiden West- und Ostteile des Nordends. Im Osten, unterhalb des Bornheimer Hangs, verläuft die Grenze zum Riederwald. Im Süden liegt das Ostend und im Nordosten Bornheims, durch die A661 getrennt, befindet sich der Stadtteil Seckbach.
Die Grenzen des heutigen Stadtteils sind nicht mit den Grenzen der historischen Gemeinde Bornheim identisch.Bornheims Grenzen. Katholische Pfarrgemeinde Sankt Josef, 9. April 2007.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Das Gebiet um den Günthersburgpark war bereits zu römischer Zeit besiedelt. Westlich und nördlich des Günthersburgparks (an der Hartmann-Ibach-StraßeLageplan. frankfurt-nordend.de, 9. April 2007. und am Bornheimer FriedhofGünther Schell: Die römische Besiedlung von Rheingau und Wetterau. In: Nassauische Annalen 75, 1964, S. 95.) wurden die Reste von zwei römischen Villen entdeckt. Der Gutshof sowie ein Wirtschaftsgebäude und die Hofmauer an der Kreuzung zur Böttgerstraße sind vom Frankfurter Architekten C. L. Thomas in den Jahren 1884–1905 ausgegraben und untersucht worden. Diese Bornheimer Villa besaß neun Räume, teils mit Fußbodenheizung, und Baderäumen im südlichen Teil, sie wurde um 110 n. Chr. erbaut. Auch sind Wandmalereien nachgewiesen. Sie gehörte zu einem Gutshof und lag am Scheitelpunkt zwischen Niddaebene und Maintal.Ingeborg Huld-Zetsche: Röm. Gutshof in Bornheim am Güntersburgpark. In: Dietwulf Baatz, Fritz-Rudolf Herrmann (Hrsg.): Die Römer in Hessen. Lizenzausgabe der 3. Auflage von 1989. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-58-9, S. 297f. Zwei römische Straßen verliefen hier: in Richtung Nida (Römerstadt/Frankfurt-Heddernheim), dem Hauptort der Civitas Taunensium und in Richtung des heutigen Domhügels, damals eine römische Kontrollstation auf einer Insel im Main. Die Villa wurde um 260 n. Chr. im Zuge des Limesfalls aufgegeben.
Mittelalter Bornheim entstand etwa im Jahre 500 als fränkische Siedlung, die älteste erhaltene Erwähnung stammt von 1194. Damals bewohnte ein Henricus von Bornheim die „Bornburg“, einen befestigten Gutshof, der von einer Mauer und einem Wassergraben umgeben war. Vom Frankfurter Bürgermeister Rulmann Weiß von Limpurg wird berichtet, dass er auch nach der Amtsübernahme 1327 seinen Wohnsitz außerhalb der Stadt behielt und die Bornburg bewohnte. Die Burg lag in der Ossenau (Ochsenau), etwa am Platz der ehemaligen Gnadenkirche (heute Orangerie) im Günthersburgpark und wurde später Günthersburg genannt. Das Gebäude ist nicht erhalten.Abbildung. frankfurt-nordend.de, 9. April 2007.
Im Mittelalter bildete Bornheim zusammen mit 18 weiteren Dörfern das Gericht Bornheimerberg, auch „Grafschaft Bornheimer Berg“ genannt, dessen Recht 1303 im „Bornheimer Weistum“ festgehalten wurde. Die Gerichtsstätte befand sich im nördlichen Teil der Gemarkung, etwa 100 Meter hinter und in Höhe der Berger Straße 448; der Straßenname Am Galgenberg bezeichnet noch heute den alten Standort.
1320 verpfändete König Ludwig IV. den Bornheimerberg an Ulrich II. von Hanau. 1336 gestattete der Kaiser der Stadt Frankfurt, den Bornheimerberg an seiner Stelle von Hanau einzulösen. 1351 erneuerte Kaiser Karl IV. allerdings diese Pfandschaft für Hanau. 1434 wurde Graf Reinhard II. von Hanau von Kaiser Sigismund mit dem Bornheimerberg belehnt. Bei der Teilung der Grafschaft Hanau 1458 kam der Bornheimerberg zur Grafschaft Hanau-Münzenberg. 1475 wurde Bornheim Landgemeinde der Stadt Frankfurt.
Das widersprüchliche Verhalten des Reichs führte selbstverständlich zum Streit zwischen Frankfurt und Hanau, zumal Frankfurt sich so von Hanauer Gebiet „umzingelt“ sah. Alle Versuche Frankfurts, dies zu verhindern, scheiterten. Zwar wurden die Ansprüche Frankfurts auf die neunzehn Dörfer des Amtes nach einem über hundert Jahre dauernden Prozess vom Reichsgericht bestätigt, jedoch verfügten weder Frankfurt noch das Reich über die Macht, das Urteil durchzusetzen. So ließ sich die Stadt schließlich auf einen Vergleich ein: 1481 gab Hanau seinen Anspruch auf die Dörfer Bornheim, Hausen und Oberrad auf, die drei Dörfer – und damit auch Bornheim – kamen endgültig zur Stadt Frankfurt und Hanau erhielt den übrigen Bornheimerberg exklusiv. Bornheim schied damit aus dem Bornheimerberg aus, seine „Hauptstadtfunktion“ für den Bornheimerberg übernahm nun Bergen. 1484 verlieh dann König Friedrich III. die Dörfer Bornheim, Hausen und Oberrad dem Rat zu Frankfurt als Reichslehen.
Grundbesitz in Bornheim hatten das Deutschordenshaus in Sachsenhausen, die Schelme von Bergen und die Ritter von Heusenstamm.
1476 bis 1477 wurde die Feldbefestigung Bornheimer Landwehr gebaut. Dabei wurde Bornheim in die Frankfurter Außenverteidigung einbezogen und auf dem Eulenberg entstand die Friedberger Warte, einer der vier heute noch erhaltenen Frankfurter Warttürme.
Historische Namensformen Burnheim (1194) Burnheym (1232) Burenchein (1242) Burnheim (1280) Burnheim (1281)
Frühe Neuzeit Erzbischof Albrecht von Brandenburg, Kurfürst von Mainz, unterband als Reaktion auf reformatorische Ideen in Frankfurt die Holzlieferungen aus dem Spessart in die Stadt. Die Bornheimer sahen die gute geschäftliche Möglichkeit, holzten den Bornheimer Wald ab und verkauften das Holz an Frankfurt. Die Reformation wurde dann aber 1527 doch eingeführt.
Durch diesen Kahlschlag entstand 1522 die Bornheimer Heide, durch die eine Allee aus Pappeln führte, Katholische Pfarrgemeinde Sankt Josef, 9. April 2007. die Frankfurt mit Bornheim verband. Die Bornheimer Heide lag im Gebiet des heutigen Nordend. Sie war Schauplatz von Heeresaufmärschen und vieler Großveranstaltungen. Am 3. Oktober 1785 stieg der Franzose Jean-Pierre Blanchard hier vor den Augen von 100.000 Menschen in einem Heißluftballon auf und flog in 39 Minuten nach Weilburg an der Lahn. Damals wurde die Strecke mit 14 Wegstunden berechnet. Aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums dieser ersten Ballonfahrt startete am 28. September 1985 ein Wettbewerb von 32 mit Wasserstoff gefüllten Gasballons von dem an Bornheim angrenzenden Ostpark im Ostend.
In den Revolutionskriegen eroberte eine französische Armee unter General Jean-Baptiste Kléber gegen den Widerstand des österreichischen Generals von Wartensleben die Stadt Frankfurt. Die Beschießung der Stadt führte am 15. Juli 1796 zur Zerstörung der Pappelallee in der Bornheimer Heide. Die Kapitulation der Frankfurter nahm der französische General im Bornheimer Gasthof Goldener Adler entgegen.
Jüngere Geschichte Mit der Gründung des Rheinbundes 1806 kamen die Freie Reichsstadt Frankfurt und mit ihr die Frankfurter Dörfer an den Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg, der das Recht erhielt, „sie mit seinen Staaten zu vereinigen“.Artikel 22 der Letzteres geschah mit der Gründung des Großherzogtums Frankfurt 1810; Bornheim gehörte zur Landdistriktmairie Frankfurt innerhalb des gleichnamigen Départements. Mit der Wiederherstellung der alten Reichsstadt als Freie Stadt Frankfurt auf dem Wiener Kongress 1815 wurde auch die Herrschaft der Stadt über die früheren Frankfurter Dörfer wiederhergestellt.Artikel 46 der
Mit dem „Hohen Brunnen“ wurde Bornheim am 9. Dezember 1827 an die Wasserversorgung der Stadt Frankfurt angeschlossen. Zeugnis davon legt der „Bernemer Halblangebrunne“ ab, den ein roter Obelisk krönt.Harald Fester: Abgerufen am 9. April 2007.
1837 wurde der Günthersburgpark angelegt, nachdem Freiherr Amschel Mayer Rothschild die ehemalige Bornburg erworben hatte. Beauftragt mit der Ausführung war der Frankfurter Stadtgärtner Sebastian Rinz. Der Neffe und Adoptivsohn Rothschilds, Mayer Carl von Rothschild, ließ später die Günthersburg abreißen und durch ein Schlösschen ersetzen („Sommerresidenz“), die allerdings im Jahre 1891 nach seinem Tode in Befolgung seines Testamentes wieder abgerissen wurde. Das Gelände ging in das Eigentum der Stadt Frankfurt über, die kurz darauf den Günthersburgpark der Öffentlichkeit zugänglich machte. 1863 wurde in Bornheim die Gasbeleuchtung eingeführt.
Nach dem Krieg von 1866 verlor Frankfurt seine staatliche Selbständigkeit. Bornheim wurde 1867 in die preußische Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Stadtkreis Frankfurt, eingegliedert und zum 1. Januar 1877 als erste Gemeinde des Umlandes nach Frankfurt eingemeindet.Vertrag betr. die Vereinigung der Gemeinde Bornheim mit Frankfurt am Main v. 20.10.1876 nebst Genehmigungsvermerk der kgl. Regierung zu Wiesbaden v. 14.01.1877 in: Eingemeindungsverträge der Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1960. Das Vermögen Bornheims von einer Million Gulden fiel an die Stadt Frankfurt.
Im Jahr 1920 entstand am Ratsweg das Alte Stadion am Riederwald, das bis 1943 von der Eintracht Frankfurt genutzt wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstand dort aus Trümmern der von den Frankfurter Bürgern so bezeichnete Monte Scherbelino. Als erstes wurden dort Trümmer von bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main zerstörten Betrieben entlang der Hanauer Landstraße aufgeschüttet. 1949 entstand auf dem Gelände, das von den Straßen Ratsweg, Am Riederbruch und Riederspießstraße begrenzt wird, die Aufbereitungs- und Verwertungsanlage für Trümmerschutt der Trümmerverwertungsgesellschaft (TVG). Diese stellte gemäß Beschluss der städtischen Körperschaften vom 29. April 1963 die Produktion ein.Chronik von Riederwald. auf: frankfurt.de Seit 1968 findet auf dem Platz des ehemaligen Trümmerbergs die Frankfurter Dippemess statt. 1981 wurde auf einem Teil dieses Geländes die Frankfurter Eissporthalle errichtet.
Der Frankfurter Baustadtrat Ernst May baute in der Zeit von 1926 bis 1930 am Bornheimer Hang eine große Wohnsiedlung. Der Bau wurde durch Nutzung industriell vorgefertigter Teile beschleunigt, so dass in vier Jahren 1234 Wohnungen fertiggestellt werden konnten. Gleichzeitig entstand auf Initiative des Pfarrers Joseph Höhler als Ausgründung der Kirchengemeinde St. Josef die Heilig-Kreuz-Kirche von Martin Weber am östlichen Ende der Wittelsbacherallee.
Mit Bekanntgabe im Amtsblatt für Frankfurt am Main am 24. Dezember 2013 wurde der Stadtbezirk 240, der bisher zum Stadtteil Nordend-Ost gehörte, dem Stadtteil Bornheim zugeordnet.Amtsblatt Nr. 52/2013, S. 1562.
Einwohnerentwicklung
Kultur mini|Berger Straße mini|Schild der ehemaligen Apfelweinkneipe Eulenburg Bornheim oder „Bernem“, wie die Einheimischen Bornheim nennen, ist auch als das „lustige Dorf“ bekannt. Die Bezeichnung entstand durch die Gasthöfe mit Apfelweinausschank, die Tanzböden und die dort verbreitete Prostitution. In und neben der Berger Straße gibt es traditionelle Apfelweinkneipen wie zum Beispiel die Lokale Zur Sonne, Apfelwein Solzer und Der Buchwald. Die Bedeutung traditioneller Lokale schwand jedoch im 21. Jahrhundert, u. a. durch Gentrifizierung. Die seit 1732 bestehende Eulenburg in der Eulengasse 46 schloss im Juni 2012 und wurde durch Wohnungen des gehobenen Standards ersetzt.Die „Eulenburg“ schließt für immer. In: Frankfurter Neue Presse. 14. März 2012. Abgerufen am 17. März 2012. Seit Jahrhunderten gibt es die Bernemer Kerb, das Kirchweihfest, das seit 1608 jährlich am Wochenende des zweiten Sonntags im August stattfindet. Bornheim war aus diesen Gründen seit dem späten Mittelalter ein beliebtes Ausflugsziel für Frankfurter Bürger.
Heute ist der Stadtteil geprägt von der Berger Straße, die im Stadtteil Nordend beginnt und durch ganz Bornheim bis zur Stadtteilgrenze zu Seckbach hindurchführt.