Rotberg (bis 1938 Rotzis) ist heute ein bewohnter Gemeindeteil des Ortsteils Waltersdorf der Gemeinde Schönefeld im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald. Rotberg war bis zur Eingemeindung nach Waltersdorf 1998 eine selbständige Gemeinde.
Geographische Lage Rotberg liegt südlich von Berlin unweit des Flughafens Berlin Brandenburg im Land Brandenburg, etwa 5,5 km südsüdöstlich dem Ortskern von Schönefeld und etwa 3,5 km südwestlich von Waltersdorf. Die Gemarkung Rotberg grenzt(e) im Norden an die Gemarkungen Diepensee (devastiert) und Waltersdorf, im Osten an die Gemarkung Kiekebusch, im Süden an die Gemarkung Brusendorf, im Südwesten an die Gemarkung Groß Kienitz und im Nordwesten an die Gemarkung Selchow. Der Ortskern liegt auf . Südlich des Ortskerns liegt der Rotberger Flutgraben, die sich auf der Gemarkung von Kiekebusch zunächst mit dem Karlshofer Flutgraben und dann mit dem Selchower Flutgraben vereinigt. Er mündet dann in den Brennereigraben zwischen Kiekebusch und Waltersdorf. Im Norden der Gemarkung finden sich im Bereich des Selchower Flutgraben, der hier die Gemarkung quert, zwei nennenswerte Stillgewässer, künstlich angelegte Teiche. Unmittelbar südwestlich des Ortskerns ist im Messtischblatt 1.25.000 (um 1900) ein kleiner Teich eingezeichnet, der inzwischen trockengelegt ist. Ein weiterer sehr kleiner Teich liegt am südlichen Gemarkungsrand (Langer Wiesen-Pfuhl).
Der Ort ist über die L402 von Groß Kienitz zu erreichen; die Straße führt weiter nach Kiekebusch. Auf der Gemarkung von Rotberg liegt der Wohnplatz Tollkrug. Allerdings gehören hier auch einige Häuser des Wohnplatzes zu Groß Kienitz.
Geschichte Im Jahr 1318 wurde der wahrscheinlich von deutschen Kolonisten gegründete Ort Rotberg als Rodeses erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname kann sich vom deutschen Wort für Rodung ableiten wie auch vom slawischen rot, was so viel wie nasses Gelände bedeutet. Möglicherweise gab es daher zuvor schon eine slawische Siedlung. Allerdings liegen bisher keine slawischen Funde vor. Nach der Dorfform ist es ein durch Gutsbildung deformiertes Straßendorf. Der Name entwickelte sich weiter über Rodensees (1372), Rodense/Rodeses (1375), Rodcis (1395), Rothcitcz (1428), Rotzes (1450), Rotzsisz (1454) zu Rotzschidcz (1472). 1541 wurde der Ortsname Ratzis geschrieben, von 1542 ist die Schreibweise Rotzius überliefert.
14. Jahrhundert Am 4. April 1318 einigten sich die Dorfherren von Rotzis und Kiekebusch, dass ihre Bauern gemeinsam Gräben ziehen und diese Gräben auch regelmäßig räumen sollten, um das Wasser aus dem Luch (südlich vom Dorfkern) abzuleiten, „damit die Leute nicht in Verderb und Armuth geraten“. Die Sommer des Jahrzehnts von 1311 bis 1320 waren im Durchschnitt sehr nass und vergleichsweise kalt. Der Winter 1317/18 war lang und kalt mit viel Schnee. Es ist anzunehmen, dass das Wasser im Luch südlich Rotberg sehr hoch stand und daher durch Gräben abgeleitet werden musste.
1355 schenkte der Berliner Bürger und Kaufmann Henning zur Ausstattung des Altars der Heiligen Dreikönige in der Nicolaikirche in Berlin, die Abgaben von sechs Hufen in Rotzis, die von den Bauern Hug und Dam bewirtschaftet wurden. Im selben Jahr bestätigte Markgraf Ludwig „der Römer“ diese Ausstattung des Dreikönigsaltars in der Nikolaikirche in Berlin mit acht Frusta Jahreszins, von sechs Hufen in Rotzis und vier Hufen in Waltersdorf.
Am 21. Februar 1371 stellte der Ortsherr von Rotzis Henning von Sticken einen Lehnbrief über vier Hufen im Dorf Rotzis für Klaus Dielße aus; die vier Hufen hatten vorher die Brüder Bernhard und Clemens Wildberg zu Lehne, Am 11. Februar 1372 gewährte Friedrich von Torgau, Herr zu Zossen den Einwohnern von Rotzis Holzungsrechte gegen einen Zins in einer ihm gehörenden Heide zwischen Pramsdorf, Dabendorf und Mittenwalde (südlich des Zülowkanals), 1597 war diese Heide abgeholzt und der damalige Ortsherr Henning Reiche bat den Kurfürsten Johann Georg (als Herr des Amtes Zossen), den Bauern für den weiter zu entrichtenden Holzhafer (= Zins) stattdessen Wiesen anzuweisen.
Nach dem Landbuch von 1375 hatte Rotzis 40 Hufen, von denen der Pfarrer drei freie Hufen hatte. Der Schulze hatte sechs Hufen, von denen vier pacht- und zinsfrei waren, auch waren sie von den Wagendiensten befreit. Er musste auch keine Bede für diese Hufen entrichten, solange er als Richter zum Gerichtssitz ritt. Für die restlichen zwei Hufen musste er aber Pacht und Zins entrichten, ansonsten waren sie aber von Bede und Diensten befreit, Die restlichen bäuerlichen Hufen hatten in der Vergangenheit Abgaben in Höhe von acht Scheffeln an Pacht gehabt, jetzt (1375) aber nur noch sechs Scheffel. Außerdem musste für jede Hufe zwei Schillinge Zins und fünf Schillinge Bede entrichtet werden. Vermutlich sind aber die Abgaben hier im Landbuch nur unvollständig aufgeführt, denn 1428 musste jede Hufe sechs Scheffel Roggen, sechs Scheffel Hafer und zwei Scheffel Gerste und drei Groschen Zehend entrichten (oder die Abgaben wurden später wieder erhöht).
Petrus Blankenvelde war berechtigt, Pacht und Zins von fünf Hufen einzuziehen. Tylo Glaze bezog die Pacht und den Zins von elf Hufen, und Nicolaus Bartolomeus stand Pacht und Zins von zehn Hufen zu. Die drei Genannten waren Bürger von Berlin und Cölln. Sechs Hufen entrichteten Pacht und Zins an den Dreikönigsaltar in der Nicolaikirche in Berlin, den der Berliner Bürger Henning 1355 gestiftet hatte. Von einer Hufe hatte der Schulze den Roggenanteil an der Pacht, Petrus Blankenvelde hatte Hafer und Gerstenabgabe sowie den Zins.
Rotzis gehörte den Brüdern Tilo und Henning von Sticken/Stücken mit dem Ober- und Untergericht, den Wagendiensten, der Bede und dem Patronat über die Kirche im Dorf. Es gab acht Kossätenhöfe, von denen jeder einen Schilling an die Bauern geben musste sowie je ein Huhn an die Ortsherren. Außerdem hatte jeder bäuerliche Hof ein Rauchhuhn abzuliefern. Der Krug war abgabenfrei, sollte er aber verkauft werden, war eine Gebühr von 5 Schillingen fällig, die dem Schulzen zu bezahlen war. Der Markgraf besaß ihm Dorf nichts (mehr), und niemand konnte sich daran erinnern, dass er jemals etwas im Dorf besessen hatte. Die Abgabe der Mühle in Höhe von 9 Scheffel Roggen kam der Kirche zugute.
15. und 16. Jahrhundert 1428 hatte Friedrich von Wilmersdorf von seinem verstorbenen Vater Kuno geerbt u. a. fünf Stücke Geld an sechs Groschen zu Rotzis.
Nach dem Schossregister von 1450 gehörte das Dorf dem Markgrafen. Auch hier muss davon ausgegangen, dass die von Sticken keine männlichen Lehnserben hatten und das Dorf deshalb an den Markgrafen zurückgefallen war. Nach diesem Verzeichnis hatte lediglich noch der Pfarrer drei Freuhufen, die anderen Hufen zinsten jeweils 5 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gerste und 6 Scheffel Hafer sowie 6 Groschen. Außerdem musste für jede Hufe ein halber Scheffel Roggen, ein halber Scheffel Gerste und ein Scheffel Hafer an Bede gegeben werden. Die Kossäten mussten 15 Groschen bezahlen. Die Mühle zinste der Kirche.
1454 verlieh Kurfürst Friedrich seinem Küchenmeister Ulrich Zeuschel Lehnstücke, die früher Thile Glasow besessen hatte zu Mannlehen, darunter in Rotzis vom Schultenhof mit zwei Hufen, zwölf Scheffel Roggen, zwölf Scheffel Hafer vier Scheffel Gerste und sechs Groschen, vom Hof des Bartholomeus Dalewitzmit drei Hufen 18 Scheffel Roggen, 18 Scheffel Hafer, 6 Scheffel Gerste und 9 Groschen Zehnt, vom Hof des Jacoff Laurenz mit einer Hufe sechs Scheffel Roggen, sechs Scheffel Hafer, zwei Scheffel Gerste und 3 Groschen Zehnt, vom Hof des Hans Laurenz mit vier Hufen ein Wispel Roggen, ein Wispel Hafer, acht Scheffel Gerste und 12 Groschen vom Zehnt. Diese Abgaben waren wohl an den Markgrafen heim gefallen. Zeuschel starb zwischen 1466 und 1481. Diese Abgaben kamen danach direkt (Mannlehen!) in den Besitz des Otto von Milow, der sie 1517 an Joachim Reiche verkaufte.
1463 belehnte Kurfürst Friedrich II. Bartholomeus Bergholz mit Ruhlsdorf und verschiedenen anderen Hebungen, darunter in Rotzis vom Hof des Achim Steinhus mit 2 Hufen 12 Scheffel Roggen, 12 Scheffel Hafer, 4 Scheffel Gerste, 6 Groschen und den Zehnt, vom Hof des Peter Mittelstraß mit zwei Hufen, 12 Scheffel Roggen, 12 Scheffel Hafer, 4 Scheffel Gerste, 6 Groschen und den Zehnt, vom Krug mit einer Hufe 6 Scheffel Roggen, 6 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Gerste und 3 Groschen, vom Hof des Jorgen Dames mit einer Hufe, 6 Scheffel Roggen, 6 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Gerste und 3 Groschen. Diese Hebungen waren schon vor 1450 im Besitz der Mußloff zu Waßmannsdorf gewesen. Bergholz verkaufte sie bald darauf an Michael von Aken, der sie 1487 an Joachim Reiche weiter veräußerte.
1478 belehnte Kurfürst Albrecht Cone und Hans von Wilmersdorf u. a. auch mit den Zehnten und Rauchhühnern von drei Höfen mit 10 Hufen in Rotzis.
Am 21. Januar 1487 erhielt der Berliner Bürger Joachim Reiche (der Ältere) einen Lehnbrief von Kurfürst Johann über einige Besitzungen und Einkünfte in Rotzis, die er von Michael von Aken gekauft hatte. Am 15. Oktober 1517 konnte sein Sohn Joachim Reiche der Jüngere weitere Lehnstücke von Otto von Milow erwerben, und erhielt die Belehnung mit diesen durch Kurfürst Joachim I. Kurfürst Joachim II. bestätigte 1543 diese Einkünfte.
Noch vor 1553 muss Jakob von Rochow auf der Burg Zolchow in den Besitz von Rotzis gekommen sein, denn am 21. Februar 1553 belehnte er Joachim und Hieronymus Reiche, beide Berliner Bürger mit dem Dorf Rotzis. Nach dem Historischen Ortslexikon waren die Reiche schon vor 1522 im Besitz von ganz Rotzis, vermutlich schon als Afterlehnsleute der von Rochow auf Golzow.
Nach dem Visitationsprotokoll von 1541 waren die Reichen die Patrone der Kirche. Ortsherr 1597 und 1603 war Henning Reiche. Dieser Henning Reiche erwarb 1589 das Lehnschulzengut und zwei weitere Höfe und bildete daraus ein Vorwerk bzw. einen Rittersitz mit 8 Hufen. 1603 erhielt Henning Reiche die 8 Hufen als freie Hufen. Henning Reiche war Lehensmann des Wolf Dietrich von Rochow (1577–1653).
1553 gab es vier Vierhufenhöfe, drei Dreihufenhöfe, drei Zweihufenhöfe (inkl. Krüger) und drei Kossäten (inkl. des Kossäten des Krügers) und eine Mühle in Rotzis. Das Schulzengut war 1522 erblich geworden.
Ein kleiner Teil von Rotzis war dem Markgrafen verblieben. Das Amt Mühlenhof besaß 1591 Abgaben vom Schulzengut und drei Leuten. Auch die Straube besaßen Abgaben vom Schulzengut, zwei Höfen sowie den Dienst von einem wüsten Hof (1610). Sie könnten nur wenig später (um 1613) in den Besitz der Familie Beyer gekommen sein.
17. bis 18. Jahrhundert 1620 verschrieb der brandenburgische Markgraf Georg Wilhelm dem Ernst von der Groeben zu Kotzeband (seit 1684 Bötzow), Hauptmann zu Zossen und Trebbin, das Angefälle am Gut Rotzis.
1645 existierte ein zweiter Rittersitz mit 4¼ Hufen in Rotzis, der der Familie Beyer gehörte. Der andere Rittersitz mit nun 8¾ Hufen war nun wieder im direkten Besitz des Wolf Dietrich von Rochow. 1647 konnte er auch den Rittersitz der Beyer erwerben. Die Pächte vom Rittersitz und die Pächte von drei Bauernhöfen, hatten die Beyer sich vorbehalten. Sie dürften jedoch später auch in den Besitz der von Rochows gekommen sein. Der Dreißigjährige Krieg verwüstete auch Rotzis schwer. 1652 gab es noch fünf Bauern mit fünf Söhnen (von den ursprünglich neun Bauern vor dem Krieg). Außerdem wohnten damals in Rotzis zwei Knechte, ein Schneider und zwei Kossäten mit drei Söhnen.