Instruktionsdesign (, kurz: ID bzw. Instructional Systems Design, kurz: ISD) oder didaktisches Design1987 durch den Göttinger Erziehungswissenschaftler Karl-Heinz Flechsig geprägt bezeichnet im Kern die systematische Planung, Durchführung und die Auswertung von Lehr- und Lernsituationen. Hauptziel ist das Ausgestalten von Umgebungsbedingungen, die geeignet sind, Kompetenzen zu fördern.
Definition Kerres betont, dass der Instruktionsbegriff im deutschen Sprachraum zumeist mit dem Begriff der Unterweisung assoziiert wird. Im englischen Sprachraum und somit auch dessen Herkunft entsprechend, bezieht sich der Begriff jedoch auf ein breiteres Verständnis, welches verschiedenste geplante Lernsettings inklusive ihrer didaktischen Methoden umfasst. Er definiert Instructional Design daher folgendermaßen: „...die systematische Konzeption und Entwicklung von Lernangeboten [...], bei der das Vorgehen einem Modell folgt, das auf Ergebnissen der Lehr/-Lernforschung und der Auswertung von Projekterfahrung basiert.“ Reinmann beschreibt das Instructional Design im Sinne einer systematisierten sowie prozesshaften Übersetzung von Lehr/-Lerntheorien und Prinzipien für die praktische Planung beziehungsweise Anwendung dieser. Darüber hinaus sieht sie die Entwicklung, Implementierung, Evaluierung sowie die Erhaltung wirksamer Lehr/-Lernsituationen auf Grundlage empirischer Erkenntnisse als Ziele des Instructional Design. Als Definition beschreibt sie Instructional Design dementsprechend als: „...theoretische, empirische und praktische Auseinandersetzung mit Fragen der Gestaltung jener Faktoren von Lernumgebungen, die von lehrenden Personen (im weitesten Sinne) veränderbar sind. Instructional Design ist anwendungsorientiert und soll Lehrenden praktikable Empfehlungen für die Gestaltung von Lernumgebungen geben. Grundlage dieser Empfehlungen sind Lerntheorien, empirische Befunde aus der Lernforschung und anderen Fachbereichen der Psychologie (wie z. B. der Kognitions- und Motivationsforschung) sowie Theorien und Erkenntnisse aus der (Allgemeinen) Didaktik.“ Das Fundament der Modelle des Instructional Design bilden empirische Befunde. Ihre Fundierung beruht auf statistischen Gesetzmäßigkeiten, welche zumeist aus der psychologischen Forschung stammen. Als Beispiele für diese in Untersuchungen als förderlich festgestellten Prinzipien gelten demnach: Trennung von gesprochenem und geschriebenem Text bei Veranschaulichung eines Sachverhaltes. Feedback mit individualisierter Bezugsnormorientierung anstelle sozialer Bezugsnormorientierung. Reduktion von Bild- und/oder Textmaterial, welches nicht im direkten Zusammenhang mit dem Lerngegenstand steht. Es wird jedoch gleichzeitig betont, dass trotz der geratenen Beachtung dieser Prinzipien, der Nutzen beziehungsweise die Wirksamkeit des Vorgehens in den jeweiligen Lernsettings und deren Planung empirisch zu reflektieren sind.
Historische Entwicklung Die konkreten Ursprünge des Instructional Design reichen bis in die USA der 1950er Jahre zurück und wurden dort insbesondere durch Robert Gagné begründet. Die Grundannahme seines Modells war, dass effizientes Lernen nur möglich ist, wenn die Lernvoraussetzungen der Lernenden (interne) beachtet werden und die Lerninhalte sowie die strukturellen Bedingungen (externe) auf psychologischen Grundsätzen beruhen.
Aus dieser Differenzierung von internen und externen Lernvoraussetzungen entwickelten sich Lehrzieltaxonomien, welche als Grundannahme auch heute noch als gültig betrachtet werden. Ausgehend von den 1960er- bis in die 1980er-Jahre entwickelte sich das Instructional Design zu einem Ansatz, welcher insbesondere auf die individualisierte Entwicklung von kognitiven Lernprozessen abzielte. Im Weiteren etablierte sich die Nutzung digitaler Medien im Instructional Design als besonderes Merkmal und es hielten zudem konstruktivistische Aspekte Einzug.
Verhältnis zur Didaktik Nicht nur in der historischen Entwicklung gibt es Unterschiede zwischen dem Instructional Design und der Didaktik, sondern auch in ihrer heutigen Gestalt lassen sich verschiedene Schwerpunktsetzungen und Ausdifferenzierungen feststellen, was ein synonymes Verständnis beider Begriffe nicht angemessen erscheinen lässt.
Die im deutschen Sprachraum stärker verbreitete Didaktik, welche als Wissenschaft beziehungsweise Theorie des Lehrens und Lernens verstanden wird, weist im Vergleich zum Instructional Design ein höheres Abstraktionsniveau sowie die vermehrte Auseinandersetzung mit Fragen zur Lehrplanentwicklung und der Legitimation von Lehrinhalten auf. Das Instructional Design bezieht sich im Verhältnis verstärkt auf die praktische Umsetzung des Lehrens und Lernens sowie methodischen Aspekten.
Elemente des Instruktionsdesigns nach Reinmann Eine mögliche Untergliederung des Begriffs kann man, wie von der Psychologin Gabi Reinmann in ihrem Studientext vorgeschlagen,Gabi Reinmann: Studientext Didaktisches Design. München 2013. lernen-unibw. de/sites/default/files/studientext_dd_april13; abgerufen am 15. Juli 2013 anhand der Entscheidungen, die man während der Planung und Gestaltung von Lerneinheiten treffen muss, vornehmen. Jede dieser Entscheidungen wird im Kontext bestimmter Lehr-Lern-Ziele getroffen, die einer der drei folgenden Hauptkomponenten des didaktischen Designs zugeordnet werden können: Vermittlung (materiale Seite des Lehrens): „beschreibt einen Vorgang, bei dem ein Akteur (eine Akteursgruppe) einem Adressaten (einer Adressatengruppe) eine Sache weitergibt“.Gabi Reinmann: Interdisziplinäre Vermittlungswissenschaft: Versuch einer Entwicklung aus der Perspektive der Didaktik. Forschungsauftakt. In: Erwägen – Wissen – Ethik. Band 23, Nr. 3, 2012, S. 232–340. Reinmanns Verständnis von Vermittlung ist dabei klar abzugrenzen von dem, was im Lehrkontext als Didaktisches Dreieck verstanden wird. Aktivierung (prozessuale Seite des Lehrens): "alle beschreibbaren Maßnahmen, die dazu dienen, dass sich Lernende produktiv oder reproduktiv mit den im Zentrum des Interesses stehenden Inhalten auseinandersetzen." Betreuung (soziale Seite des Lehrens): "alle sozialen Interaktionen zwischen Lehrenden und Lernenden, unter bestimmten Bedingungen auch zwischen Lernenden untereinander, […] die dazu dienen, Lernende[n] auf die Ergebnisse ihrer Lernaktivitäten Rückmeldung zu geben, ihnen bei Schwierigkeiten zu helfen, emotional-motivationale Unterstützung zu geben und auf diesem Wege in gewisser Weise einen sozialen und emotional-motivationalen Rahmen für Vermittlungs- und Aktivierungsprozesse zu schaffen." Je nach Gesamtzielsetzung können den drei Komponenten verschiedene Gewichtungen zugewiesen werden, jedoch nur alle drei zusammen bilden ein didaktisches Szenario.
Vermittlung Im Sinne des Instruktionsdesigns wird die Vermittlung von lernrelevanten Dingen intentional von einem Vermittler (z. B. Lehrer) vorgenommen und diesem gegenüber steht der Lerner, welcher die Inhalte aufnimmt. Das so entstehende Lernen wird als rezeptives Lernen bezeichnet. Die neuen Inhalte werden dabei in die bereits vorhandenen kognitiven Strukturen des Lerners eingeordnet (Subsumption). Eine entsprechende Strukturierung von Lerninhalten kann dabei die Subsumption unterstützen. Allerdings werden hierzu Kenntnisse über das rezeptive Lernen vom Vermittler vorausgesetzt. Die Cognitive Load Theory spielt hierbei eine wichtige Rolle. Laut Reinmann sind besonders drei kognitive Belastungen in diesem Kontext relevant und zu berücksichtigen: Intrinsische Belastung: entsteht durch die Komplexität der Lerninhalte und ihrer eigenen internen Vernetzung. Das Vokabellernen wird in diesem Sinne als geringe intrinsische Belastung klassifiziert. Extrinsische Belastung: entsteht durch die Art und Weise, wie man die Lerninhalte dem Lerner darstellt. Lernbezogene Belastung: entsteht durch das Lernen und wird benötigt, um Lerninhalte im Langzeitgedächtnis zu verankern. Diese Belastung ist in diesem Sinne erwünscht. Bei der Vermittlung von Wissen können unterschiedliche Inhalte genutzt werden, die verschiedene Charakteristiken aufweisen. Grundlegend werden sprachliche oder bildhafte Inhalte zur Vermittlung eingesetzt. Es gibt auch Inhalte, welche dynamisch bzw. interaktiv gestaltet sein können.
Sprachliche Inhalte Sprachliche Inhalte und Texte können im Instruktionsdesign zur Vermittlung und Präsentation von Inhalten eingesetzt werden. Es kann zwischen dem geschriebenen Wort (z. B. ein Text) und gesprochenen Wort (z. B. Audiodateien) unterschieden werden. Darüber hinaus kann auch eine Kombination dieser beiden Formen verwendet werden, etwa in Form von Vorträgen. Text: Bei dem Einsatz von Texten ist die Kohärenz wichtig für den Sinnfluss und das Verständnis. Texte sind nicht zeit- und ortgebunden sowie gut strukturierbar. Sie liefern aber auch nur ein visuelles Feedback und das Aufnehmen und Verstehen von Texten fordert ein hohes Maß an Konzentration. Vorträge: Es gibt verschiedene Arten von Vorträgen: Referate, spontane Inputphasen oder auch vorbereitete Vorträge. Sie alle beinhalten die Kombination von gesprochenem und geschriebenen Wort. Diese Kombination ermöglicht es, das Wissen zum Ereignis werden zu lassen, bei dessen Vermittlung der Vortragende zum Performer wird. Die Möglichkeit der multimedialen Gestaltung kann einen Überblick bei schwierigen Sachverhalten schaffen. Zur reinen Informationsvermittlung sind Vorträge weniger geeignet. Auch ist eine starke Abhängigkeit der Effektivität vom Vortragenden anzumerken. Audio: Audiodateien beinhalten das gesprochene Wort in asynchroner Form. Dadurch ist das Audiomaterial nicht flüchtig und weder an Ort noch Zeit gebunden. Durch den Einsatz von Soundeffekten ist das Lenken von Aufmerksamkeit und eine dialogische Gestaltung möglich. Audiomaterial liefert kein visuelles Feedback und für seinen Einsatz müssen technische Voraussetzungen (Aufnahme und Wiedergabe) gegeben sein.
Bildhafte Inhalte Bilder Bildhafte Darstellungen können schwer beschreibbare Sachverhalte verständlicher und übersichtlicher darstellen. Sie sind einprägsamer als Texte und wecken mehr Aufmerksamkeit. Sie verhindert überdies die Flüchtigkeit des gesprochenen Wortes. Dabei wird zwischen verschiedenen Bildtypen unterschieden. Darstellende Bilder (z. B. Fotos, Strichzeichnungen): Eine Ähnlichkeit zwischen abgebildeten Gegenstand und der Darstellung ist gegeben. Sie dienen der Veranschaulichung von nützlichen oder dem bloßen Auge nicht zugänglichen Details. Sie können außerdem Funktionsweisen oder den Aufbau von Gegenständen erklären. Logische Bilder (z. B. Diagramme, Modelle etc.): Logische Bilder sind hingegen abstrakt und können nicht-räumliche Eigenschaften darstellen. Sie eignen sich unter anderem gut, qualitative und quantitative Beziehungen zu vermitteln. Bei der Gestaltung von Bildern ist das Wissen um verschiedene Gestaltungskriterien wichtig, um Wahrnehmungs- und Verständnisprobleme zu reduzieren und erfolgreiches Lernen wahrscheinlicher zu machen. Darunter zählen unter anderem folgende Kriterien: Syntaktische Kriterien (Gestaltgesetze): Gute Gestalt, Ähnlichkeit, Nähe Semantische Kriterien: Verknüpfung visueller Merkmale mit Bedeutung Pragmatische Kriterien: Gestaltung auf Verwendungszweck ausrichten Bilder können den Lernprozess allerdings nur unterstützen, wenn sie neue Informationen vermitteln und auch verständlich für den Betrachter sind.
Text-Bild-Kombination Eine Kombination von Text und Bild ist grundsätzlich zu empfehlen und prinzipiell lernt man nie allein mit Bildern, da sie in der Regel immer in einem Kontext in Form von Text (z. B. Unterschriften und Legenden) oder Audio (bei multimedialen Inhalten) eingebettet sind. Bilder eignen sich gut als Unterstützung beim Lesen. Sie haben einen belegbaren Effekt auf das Verständnis und den Lernerfolg, da sie emotionale und kognitive Prozesse gleichzeitig anregen. Bilder dienen als Gedankenstütze, entlasten kognitiv und erhöhen die Transferleistung.
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