Wappen Lage in Ostpreußen 120px|Wappen des Kreises Elchniederung 160px|Lage des Kreises Elchniederung in Deutschland 1944/45 Basisdaten Bestandszeitraum 1818–1945 Land Deutsches ReichPreußen Provinz Ostpreußen Regierungsbezirk Gumbinnen Sitz der Verwaltung Heinrichswalde Fläche 995,55 km² (17. Mai 1939) Einwohner 54.867 (17. Mai 1939) Bevölkerungsdichte 55 Einwohner je km² Kfz-Kennzeichen IC1953 vorgesehen NDG Kreisgliederung 231 Gemeinden5 Gutsbezirke in 34 Amtsbezirken (1. Januar 1936) mini|Der Kreis Niederung in den Grenzen von 1919

Der Kreis Niederung (ab 1938 Kreis Elchniederung) in Ostpreußen war ein preußischer Landkreis, der von 1818 bis 1945 bestand. Sein ehemaliges Gebiet gehört heute zum größten Teil zur russischen Oblast Kaliningrad.

Geographie Der Kreis lag im Norden Ostpreußens und grenzte im Norden an den Kreis Heydekrug, im Nordosten an den Kreis Tilsit, im Osten an den Kreis Ragnit, im Südosten an den Kreis Insterburg, im Süden an den Kreis Labiau und im Westen mit einer Seegrenze im Kurischen Haff an den Kreis Fischhausen.

Den größten Teil des Kreisgebiets nahm die Elchniederung ein, nach der der Kreis 1938 umbenannt wurde. Durch diese Niederung fließt der Gilgestrom, ein Mündungsarm der Memel, der beim Dorf Gilge knapp südlich der Kreisgrenze ins Kurische Haff mündet. Mit dem Ibenhorster Forst am Haffufer und dem Schneckenschen Forst im Süden lagen zwei große Waldgebiete im Kreisgebiet.

Obwohl östlich außerhalb des Kreisgebiets gelegen, war die Stadt Tilsit der wichtigste Zentralort der Region. Im Kreisgebiet selbst gab es keine Städte. Sitz der Kreisverwaltung war die Gemeinde Heinrichswalde, mit etwa 3500 Einwohnern der größte Ort des Kreises.

Geschichte Das Gebiet des Kreises Niederung gehörte seit der Einteilung Ostpreußens in landrätliche Kreise von 1752 zu dem damaligen Kreis Insterburg.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha: Perthes 1858, S. 320 (books.google.de). Im Rahmen der preußischen Verwaltungsreformen ergab sich mit der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 die Notwendigkeit einer umfassenden Kreisreform in ganz Ostpreußen, da sich die 1752 eingerichteten Kreise als unzweckmäßig und zu groß erwiesen hatten. Zum 1. September 1818 wurde im Regierungsbezirk Gumbinnen aus Teilen des alten Kreises Insterburg der neue Kreis Niederung gebildet. Dieser umfasste die damaligen Kirchspiele Heinrichswalde, Inse, Kaukehmen, Lappienen, Neukirch, Plaschken und Skaisgirren.

Das Landratsamt war ursprünglich in Kaukehmen, wechselte aber später nach Heinrichswalde. Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der Provinzen Preußen und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg i. Pr. Nach der Teilung der Provinz Preußen in die Provinzen Ostpreußen und Westpreußen wurde der Kreis Niederung am 1. April 1878 Bestandteil Ostpreußens. 1836 wurden die Ortschaften des Kirchspiels Plaschken aus dem Kreis Niederung in den Kreis Tilsit umgegliedert.

mini|Grenzänderungen 1920/22:A 1922 vom Kreis Heydekrug zum Kreis NiederungB 1920 vom Kreis Niederung zum MemellandC 1922 vom Kreis Niederung zum Kreis Tilsit-Ragnit

Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrags verlor der Kreis Niederung am 10. Januar 1920 die nördlich des Memeler Mündungsarmes Ruß liegenden Landgemeinden Groß Schilleningken, Heinrichsfelde, Klein Schilleningken und Leitgirren sowie den Gutsbezirk Perwallkischken an das Memelgebiet. Die Landgemeinden traten zum dortigen Kreis Heydekrug und der Gutsbezirk zum neuen Kreis Pogegen.

Der beim Deutschen Reich verbliebene Restkreis Heydekrug wurden zunächst von Heinrichswalde aus mitverwaltet. Zum 1. Juli 1922 wurden dieses Gebiet zwischen Gilge und Ruß mit den Gemeinden Abschrey, Ackelningken, Ackmenischken, Ackminge, Bredszuill, Derwehlischken, Girgsden, Jäkischken, Jodischken, Kallningken, Karkeln, Katrinigkeiten, Labben, Lebbeden, Lukischken, Luttken, Nausseden, Parungaln, Perkuhnen, Pustutten, Rewellen, Schakuhnen, Schillgallen, Schneiderende, Schudereiten, Skirwieth, Spucken, Staldszen, Thewellen, Tirkseln, Tramischen, Wieszeiten, Wirballen und Wittken sowie den Gutsbezirken Ibenhorst, Jodraggen und Valtinkratsch auch formell in den Kreis Niederung eingegliedert. Gleichzeitig gab der Kreis Niederung die Gemeinden Alloningken, Gaidwethen, Groß Brettschneidern, Groß Dummen, Groß Ischdaggen, Groß Wingsnupönen, Kattenuppen, Kaukwethen, Kaukweth-Kludszen, Kellmienen, Klein Brettschneidern, Klein Dummen, Krauleiden, Kühlen, Papuschienen, Puskeppeln, Sandlauken, Schillkojen, Seikwethen, Skardupönen, Skroblienen und Smaledumen sowie die Gutsbezirke Birkenwalde, Blausden und Pauperischken an den neuen Kreis Tilsit-Ragnit ab.

Zum 30. September 1928 fand im Kreis Niederung entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke bis auf fünf aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Am 7. September 1938 wurde der Kreis in Elchniederung umbenannt. Zum 1. Oktober 1939 wechselten die Gemeinden Elchwinkel und Skirwiet aus dem Kreis Elchniederung in den Kreis Heydekrug, der infolge des Deutschen Ultimatums an Litauen seit dem 22. März 1939 wieder zu Ostpreußen gehörte.

Am 12. Oktober 1944 wurde der Kreis Elchniederung von der deutschen Bevölkerung und den Behörden geräumt. Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet während der Ostpreußischen Operation durch die Rote Armee besetzt und kam danach unter sowjetische Verwaltung. Das Gebiet liegt heute überwiegend im Rajon Slawsk in der russischen Oblast Kaliningrad. Der nördliche Zipfel um die Gemeinde Leitgiriai liegt im Distrikt Klaipėda in Litauen.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1818 28.580 1846 49.341 1871 52.609 1890 55.614 1900 55.342 1910 54.417 1925 55.717 1933 54.798 1939 53.889

Politik Wahlen Im Deutschen Kaiserreich bildete der Kreis Niederung zusammen mit dem Kreis Tilsit den Reichstagswahlkreis Gumbinnen 1.Datenbank der Reichstagsabgeordneten

Landräte 1818–1820Friedrich Eduard von Wedelstädt (* um 1768/70; † 1830)Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1917. Achtzehnter Jahrgang-GGT/A, Justus Perthes, Gotha 1916, S. 938 1820–1828Philipp Gerhard 1828–1832Johann Eduard Heinrich Schlenther 1832–1840Carl Ferne 1840–1851Carl Schlick (1809–1874) 1851–1872Heinrich von Sanden (1801–1875) 1872–1873Hans Carl Federath, kommissarisch 1873–1880Karl Ruprecht 1880–1887Friedrich von Zander 1887–1889Wilhelm von Schlenther, kommissarisch 1889–1900Georg Schickert (1860–1926) 1900–1912Richard Bank (1867–1934) 1912–1918Franz Gelpke 1918–1919Rudolf Krull (1886–1961) 1920–1924Otto Kahl 1924–1928Hans Honig 1928–1945Erich Stockmann (1893–1973)

Kommunalverfassung Der Kreis Niederung gliederte sich in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständigem Wegfall – Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Gemeinden Der Kreis Niederung setzte sich am 1. Januar 1936 aus 231 Gemeinden und fünf Gutsbezirken zusammen: