Mürschnitz ist ein Ortsteil der Südthüringer Stadt Sonneberg in Thüringen.
Lage Mürschnitz befindet sich nördlich des Sonneberger Stadtteils Bettelhecken am Fuß der Südabdachung des Thüringer Waldes im kupierten ländlichen Raum. Zur südlich vorbeiführenden Bundesstraße 89 ist es nicht weit. Die Kernstadt ist gut erreichbar. Die Landesgrenze zu Bayern liegt in der Nähe.
Der Mürschnitzer Teich ist bei Anglern im ganzen Landkreis und den angrenzenden Landkreisen Coburg und Kronach sehr beliebt, da er sehr fischreich ist. In den Sommermonaten gibt es das Freizeitbad Baxenteich. Im Ort steht ein markantes Bauwerk, ein Viadukt mit einer Länge von 171 m und einer Höhe von 23 m, über das die Bahnstrecke Eisfeld–Sonneberg führt.
Geschichte Mittelalter Im Jahr 1149 wurde das damalige Dorf erstmals urkundlich erwähnt.< Zehntpflichtig waren die Einwohner des Ortes zunächst gegenüber dem Sonneberger Adelsgeschlecht. Das Recht, diese Abgabe auf den Ertrag der Landwirtschaft einzutreiben, ging dann an das Kloster Langheim über. 1453 verkaufte dieses den Anspruch an die Kirche in Neustadt. Die dortigen Geistlichen erhielten in der Folge die Zehnteinkünfte als Pfründe.Johann G. Brückner, Landeskunde des Herzogthums Meiningen, Band 2. Die Topographie des Landes, Meiningen 1853, S. 445
Frühe Neuzeit und Neuzeit Quellen für die Geschichte des Ortes in dieser Zeit sind in erster Linie verschiedene zeitgenössische Beschreibungen der Wirtschaft, Geographie und Demographie des später zum Herzogtum Sachsen-Meiningen gehörenden Amtes Sonneberg und der darin liegenden Ortschaften. Erwähnt wird in einer Darstellung aus dem Jahr 1781 eine bereits seit dem 16. Jahrhundert geführte Dorfchronik, auf die sich möglicherweise einige Autoren stützen. Die Chronik soll traditionell von dem Besitzer eines bestimmten Hofes geführt worden sein. 1781 wird die Familie Oberender als Eigentümer dieses Hofes und damit als verantwortlich für die Fortführung der Chronik genannt.Christian Friedrich Keßler von Sprengseysen, Topographie des herzoglich-sachsen-koburg-meiningischen Antheils am dem Herzogthum Koburg, Sonneberg 1781, S. 140
Die verschiedenen, folgend dargelegten Quellenbefunde ergeben das Bild einer sich nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges schnell wirtschaftlich und demographisch erholenden Ortschaft, die im Vergleich mit anderen Gemeinden des Amtes Sonneberg als besonders wohlhabend gelten muss. Profitiert haben die Einwohner wohl insbesondere von der lukrativen Forstwirtschaft.
Der Dreißigjährige Krieg als gravierender Einschnitt 1624 soll ein Teil des Ortes durch ein zufällig ausgebrochenes Feuer abgebrannt sein. Große Verluste an Menschen und erhebliche materielle Einbußen brachte wohl der Dreißigjährige Krieg mit sich. Letzteres scheint wahrscheinlich, da die Gemeinde Mürschnitz bis 1652 mit der Zahlung der hoheitlichen Abgaben in großem Umfang in Rückstand geraten war. Weite Teile der Ackerfluren und Wiesen konnten zuvor wegen des Mangels an Arbeitskräften nicht bewirtschaftet werden. Viele Flächen wurden erneut von Buschwerk und Wald überwuchert.Johann G. Brückner, Landeskunde des Herzogthums Meiningen, Band 2. Die Topographie des Landes, Meiningen 1853, S. 446 Die Lage des Ortes an der Grenze zwischen protestantischen und katholischen Herrschaftsgebieten ebenso wie die Nähe zu den wichtigen, auch von den Heeren genutzten Durchmarschrouten führten dazu, dass die Region mehrfach stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. In den Jahren ab 1632 bewegten sich sowohl kaiserliche als auch schwedische Truppen mehrfach plündernd durch das Gebiet der Pflege Coburg. Die durch Nahrungsmangel geschwächte Bevölkerung wurde zusätzlich durch eine damals grassierende Pestepidemie dezimiert. Weitere Verluste resultierten daraus, dass Einwohner getötet wurden, sich für den Militärdienst anwerben ließen oder in größere, befestigte Städte bzw. andere, weniger gefährdete Regionen flohen. Dies traf vor allem auf die Bevölkerung kleinerer und mittlerer Ortschaften zu.Franz Günther, Der Dreißigjährige Krieg und das deutsche Volk. Untersuchungen zur Bevölkerungs- und Agrargeschichte, 4. Auflage, Stuttgart und New York 1979, S. 39 Für die Jahre 1636–1639 nahm Günther an, es seien nur noch etwa 5 % der Nutzfläche in der Pflege Coburg bearbeitet worden. Von 10.658 Rindern im Jahr 1632 waren demnach 1639 nur noch 693 übrig. 1640 lagen sich in Saalfeld für mehrere Wochen insgesamt knapp 100.000 kaiserliche und schwedische Soldaten gegenüber. Fouragekommandos beider Kriegsparteien erschienen auf der Suche nach Verpflegung auch in der bereits ausgepowerten Pflege Coburg, die erneut hart getroffen wurde.Franz Günther, Der Dreißigjährige Krieg und das deutsche Volk. Untersuchungen zur Bevölkerungs- und Agrargeschichte, 4. Auflage, Stuttgart und New York 1979, S. 36, 39 Es ist also davon auszugehen, dass die Gemeinde Mürschnitz einen großen Teil ihrer Einwohner während des Krieges verloren hat. Die Einbußen werden sich wahrscheinlich mindestens im Bereich des für Thüringen im Durchschnitt angenommenen Verlustes von 70 % bewegt haben.Gundula Gahlen, Dreißigjähriger Krieg und städtische Bevölkerungsentwicklung in Brandenburg, in: Matthias Asche, Krieg, Militär und Migration in der Frühen Neuzeit, Münster 2008, S. 143
Wirtschaftliche und demographische Erholung nach dem Krieg In einer 1781 erschienenen Darstellung der wirtschaftlichen und demographischen Charakteristika der Region wurde Mürschnitz als ein im lokalen Vergleich wirtschaftlich besser gestelltes Dorf erwähnt. Zwar sei die Landwirtschaft auch hier wegen der schlechten Ackerböden und der sauren Wiesen wenig einträglich. Zusätzliche Einkünfte könnten aber aus der Nutzung der umliegenden Wälder erwirtschaftet werden. Der Verkauf von Holz, nicht aber die Holzverarbeitung z. B. zu Spielwaren, wurde hervorgehoben. Bereits 1735 hatte Heinrich August Sonnhoff Mürschnitz als Ort charakterisiert, an dem keine intensive Produktion stattfinde.Renate und Otto Hahn, Vom Drechseln zur Plastespritzgussmaschine – Entwicklung und Formen der Spielzeugfertigung in Judenbach und Umgebung, in: Dies. (Hrsg.), Sonneberger Spielzeug-Made in Judenbach. 300 Jahre Spielzeugherstellung an der alten Handelsstraße, Münster 2010, S. 45 Spätestens seit dem 17. Jahrhundert waren mehrere Teiche angelegt worden. Nach Brückner waren es um 1660 neun künstliche Gewässer, in denen Fischzucht betrieben wurde. Fisch war daher eine weitere Einkommens- und Nahrungsquelle. In der Ortschaft gab es zu dieser Zeit neun Fronhöfe in privatem Besitz, eine Sölde und ein herrschaftliches Gut, dessen Erträge dem Forstbeamten als Entlohnung zur Verfügung standen. In insgesamt 19 Häusern lebten 75 Erwachsene und 30 Kinder. Der ansässige Förster war verantwortlich für Jagd und Holzwirtschaft im gesamten, umfangreichen Waldgebiet des Amtes Sonneberg.Christian Friedrich Keßler von Sprengenseysen, Topographie des herzoglich-sachsen-koburg-meiningischen Antheils am dem Herzogthum Koburg, Sonneberg 1781, S. 51 Bereits mehr als ein Jahrhundert zuvor, hatte der herzogliche Forstbeamte in Mürschnitz ein Gut zur Bewirtschaftung inne. Hanns Augustin Kohlhaas, damaliger Amtsinhaber, hatte 1662 die Kuppe des Sonneberger Schloßberges mit der Ruine des abgebrannten Schlosses und den umliegenden Flächen zum Preis von 400 fränkischen Gulden erworben.Christian Friedrich Keßler von Sprengenseysen, Topographie des herzoglich-sachsen-koburg-meiningischen Antheils am dem Herzogthum Koburg, Sonneberg 1781, S. 66
Seit den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts war auch die Abdeckerei des Amtes Sonneberg in Mürschnitz angesiedelt.Christian Friedrich Keßler von Sprengenseysen, Topographie des herzoglich-sachsen-koburg-meiningischen Antheils am dem Herzogthum Koburg, Sonneberg 1781, S. 72
Das 19. Jahrhundert
Gemäß einer Darstellung aus dem Jahr 1811 bestand der Ort zu diesem Zeitpunkt aus 20 Häusern, die von 103 Personen bewohnt wurden. Es wird nicht ganz klar, ob hier lediglich die erwachsenen Einwohner gezählt wurden, oder auch die Zahl der am Ort lebenden Kinder in die Rechnung eingegangen ist.Ernst Julius Walch, Beschreibung der königlich- und herzoglich-sächsischen Häuser und Lande überhaupt und des sachsen-coburgisch-meiningischen Hauses und dessen Lande insbesondere, Nürnberg 1811, S. 394 Die Einwohner lebten von der Landwirtschaft. Hervorgehoben wurde erneut die wirtschaftliche Bedeutung der Forstwirtschaft wie auch der Fischzucht in mehreren am Ort angelegten Teichen. Als Bauern gemeldet waren 13 Personen. Hinzu kamen drei Weber, ein Drechsler, ein Schmied und ein Förster. Auch hier zeigte sich das Überwiegen der Landwirtschaft, im dörflichen Handwerk waren nur wenige Personen beschäftigt. Primär wurden Holzwaren, Gebrauchsgegenstände wie Spielzeuge, zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Drechslern hergestellt. Entsprechend gab es in den Zentren der Produktion, wie etwa Judenbach, schon im 18. Jahrhundert eine große Zahl an solchen Handwerkern. In Mürschnitz war diese Berufsgruppe unterrepräsentiert. Es scheint wahrscheinlich, dass ein großer Teil der Einwohner als Tagelöhner in Land- und Forstwirtschaft Arbeit suchte. Außerhalb der saisonalen Beschäftigungsspitzen – etwa während Aussaat und Ernte – dürften diese Personen ohne Anstellung und Einkommen gewesen sein. In Thüringen galt westlich der Schwarza überwiegend das Erbrecht der Realteilung, das heißt die Betriebe wurden zu gleichen Teilen unter den Erbberechtigten aufgeteilt.Lienhardt Rösler, Die Agrarreformen des 19. Jahrhunderts in Thüringen, Erfurt 1996, S. 2 Ein zahlenmäßiger Anstieg der dörflichen Bevölkerung musste daher immer zu einer Verkleinerung der landwirtschaftlichen Besitzungen und damit zu einer Reduzierung der wirtschaftlichen Ressourcen der einzelnen Familien führen. Landarme oder sogar landlose Einwohner hatten, anders als in umliegenden Siedlungen, in der Holzwirtschaft eine bedeutende Einnahmequelle. Der durch den erhöhten Bedarf an Holz im 19. Jahrhundert hervorgerufene Umbruch zunächst der hoheitlichen WaldwirtschaftForschungsprojekt, Historisch geprägte Kulturlandschaften und spezifische Landschaftsbilder in Ostthüringen, 31. Dezember 2004, http://www.kulturlandschaft.fh-erfurt.de/kula_ostth/textteil.html, S. 15 f. muss zu einem erheblichen Bedarf an Arbeitskräften geführt haben. Bauern, die selbst über Waldgebiete verfügten, profitierten unmittelbar von den stark ansteigenden Holzpreisen in dieser Zeit. Es scheint, als habe die Herstellung von Spielzeugen in Heimarbeit lediglich eine geringe Bedeutung gehabt.
Einwohner des Ortes waren auch Teil der vom Herzogtum Sachsen-Meiningen als Mitglied des Rheinbundes für Napoleon aufgestellten Truppenkontingente. Im Dezember 1818 forderte die Regierung per öffentlicher Bekanntmachung alle Einwohner, die am Spanien- bzw. am Russlandfeldzug in den Jahren 1810–1812 teilgenommen und sich bisher noch nicht offiziell zurückgemeldet hatten, auf, sich bis März 1819 beim herzoglichen Militärkommando einzufinden. Alle Personen, die dies nicht taten, sollten für tot erklärt werden. Namentlich genannt wurden 21 Personen aus dem Amt Sonneberg, unter ihnen Carl Müller aus Mürschnitz.Allgemeiner Anzeiger der Deutschen, Gotha, Nummer 334, 17. Dezember 1818, S. 3723 f.