Michel Vaillant () ist eine Comic-Figur, die 1957 von dem französischen Zeichner und Autor Jean Graton geschaffen wurde. Die Serie erscheint bis heute kontinuierlich, seit 2012 aber als Reboot mit einem neuen Künstlerteam. Der Name ist eine Hommage an Carl Benz, den Erfinder des Automobils, welcher als Karl Friedrich Michael Vaillant geboren wurde. Im Mittelpunkt der Serie stehen Abenteuer in der Welt des Motorsports.
Geschichte der Serie mini|Ein Jordan EJ11 im Design von Michel Vaillants Formel-1-Auto
Der gelernte Werbe- und Industriezeichner Jean Graton war bereits seit mehreren Jahren als Comiczeichner tätig, bevor er 1957 in dem franko-belgischen Comic-Magazin Tintin die ersten kurzen Vaillant-Geschichten publizierte. Ab 1958 erschienen dann Abenteuer mit einer Länge von 62 Seiten. In dem erfolgreichen Tintin-Magazin wurden seinerzeit viele Abenteuer- und Krimi-Serien abgedruckt, die für eine jugendliche männliche Leserschaft konzipiert und meist – nach dem Vorbild der Serie Tim und Struppi – im Stil der Ligne claire gestaltet waren.
Die Serie handelt von den Abenteuern des Rennfahrers Michel Vaillant, der auf und jenseits der Piste als heldenhafte Figur gegen Gegner aller Art kämpft. Er tritt weltweit bei Rennen an. Vaillant startet für den Rennstall der Vaillante-Werke, die von seinem Vater Henri geleitet werden. Sein Bruder Jean-Pierre trat in den ersten Alben ebenfalls als Fahrer auf und war später Rennleiter, Ingenieur und Firmenchef. Michel Vaillant zur Seite steht in der Regel sein engster Freund, der amerikanische Rennfahrer Steve Warson.
Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren war die Serie durch ein stark konservatives Weltbild geprägt. Michels Vater Henri wurde zum Beispiel als autoritärer Firmenpatriarch gezeigt, die Darstellung von Frauen entsprach traditionellen Rollenbildern. Als sich der Zeitgeist wandelte, hat Graton diese weltanschauliche Ausrichtung deutlich abgeschwächt. 1974 heiratete Michel Vaillant – ein Novum im frankobelgischen Comic-Kosmos. Da diese Entwicklung bei den Lesern auf eine sehr negative Resonanz stieß, hat Graton später nur noch selten auf den Ehemann und späteren Familienvater Michel Vaillant Bezug genommen. Erst in den Geschichten der Saison 2 (siehe unten), die seit 2012 erscheinen, spielt Michel Vaillants Sohn eine wichtige Rolle.
Vor allem in den 1960er Jahren gestaltete Jean Graton regelmäßig Michel-Vaillant-Abenteuer, in denen nicht das Renngeschehen im Mittelpunkt stand. Vaillant und Warson hoben in diesen Alben zum Beispiel Gangsterorganisationen aus oder kämpften auf einer unheimlichen Burg gegen ein Schlossgespenst. Sie bewährten sich als Helfer beim Brand einer Chemiefabrik oder klärten Bombenanschläge in der französischen Provinz auf. Da die Leser vor allem an Renn-Abenteuern interessiert waren, hat Graton später nur noch selten Geschichten dieser Art erzählt. Die Michel-Vaillant-Geschichten zeichnen sich durch besonders aufwendige Hintergrundrecherchen aus. Graton hat in der Regel alle Rennstrecken und Handlungsorte besucht und entsprechende Foto-Dokumentationen erstellt. Er reiste beispielsweise in die USA, um dort eine Dokumentation über die Ford-Werke und amerikanische Rennstrecken anzufertigen. Die Serie ist heute insofern nicht zuletzt als zeithistorisches Dokument von Interesse.
Die Michel-Vaillant-Serie wurde von Jean Graton zunächst im typischen Stil der sogenannten „Klaren Linie“ gezeichnet, der den frankobelgischen Comic rund zwei Jahrzehnte lang stark prägte. Als sich in den späten 1960er Jahren abzeichnete, dass dieser Zeichenstil nicht mehr zeitgemäß war, ging er zu einem aufgelockerten, moderneren Stil über, der sich auch bei der Aufteilung der Seiten bemerkbar machte. In dem Album Mach 1 für Steve Warson (1967) gestaltete er beispielsweise die seitenlange Sequenz, in der Steve Warson ein Raketenfahrzeug pilotiert, mit ungewöhnlichen stilistischen Mitteln und schien sich dabei an den Schnittmontagen von Kinofilmen zu orientieren.
Graton wurde ab den späten 1960er Jahren von den Mitarbeitern seines Zeichenstudios unterstützt. Hier gab es beispielsweise einen Spezialisten für die Darstellung von Motorrädern, einen für die Darstellung der Rennwagen und einen Assistenten, der die Hintergründe zeichnete. Jean Graton selbst war für das Schreiben der Szenarios, das Seitenlayout, die zeichnerische Darstellung der Figuren und für organisatorische Belange zuständig. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre arbeitete Graton für den deutschen Koralle-Verlag und musste – zusammen mit der Nebenserie Julie Wood – oft drei Alben jährlich produzieren. Häufig wurde kritisiert, dass die Qualität der Geschichten während dieser Massenproduktion stark gelitten habe. Dazu wurden seit den frühen 1970er Jahren immer wieder Werbe-Comics mit Michel Vaillant produziert, mit denen beispielsweise für Firmen wie Bang & Olufsen geworben wird.
Ab den 1980er Jahren publizierte Jean Graton die Michel-Vaillant-Alben im Selbstverlag Graton Éditeur und wurde dabei von seinem Sohn Phillipe, einem international renommierten Fotografen, unterstützt. Ab den 1990er Jahren schrieb Philippe auch die Szenarios. Da Jean Graton in den späten 1990er Jahren erkrankte, wurden die Zeichnungen bis 2006 von einem Zeichnerteam angefertigt, dem Graton zunächst noch beratend zur Seite stand. Altersbedingt zog sich der Zeichner dann komplett zurück. Er lebte zuletzt in einem Altersheim in Brüssel, wo er am 21. Januar 2021 verstarb.
Als bestimmende Figur im Vaillant-Kosmos agierte nach dem Rückzug seines Vaters Philippe Graton, der alle Aktivitäten im Hinblick auf Michel Vaillant steuerte.Wie geht's weiter mit MICHEL VAILLANT?, Philippe Graton im Interview mit Gerhard Förster Comic Radio Show, 31. Dezember 2011. Abgerufen am 13. Juni 2020. Ende 2012 erschien mit neuer Serienkonzeption das 71. Album, als Start der Saison 2 mit dem neuen Kreativ-Team Philippe Graton / Denis Lapière (Szenario) und Marc Bourgne / Benjamin Benéteau (Zeichnungen). Die Serie wurde thematisch und optisch neu ausgerichtet, die Hauptfiguren wurden von Zeichner Bourgne deutlich verändert gestaltet. In diesen neuen Geschichten spielen nun auch die Söhne der gealterten Hauptfiguren Michel Vaillant und Jean-Pierre Vaillant eine wichtige Rolle. Weiterhin involviert sind die „Senioren“ der Serie, zum Beispiel Henri und sein Bruder Benjamin, ein Fuhrunternehmer. Es wird Bezug genommen auf aktuelle Themen wie beispielsweise die Elektromobilität.
Mit dem siebten Album der Saison 2 wurde der bisherige Hintergrundzeichner Benjamin Benéteau 2018 zum Hauptzeichner der Serie und Marc Bourgne schied als Zeichner aus. Mit dem achten Album 13 jours kehrte Michel Vaillant 2019 nach längerer Pause wieder zur Formel 1 zurück. Seit 2020 arbeitet Phillipe Graton nicht mehr an der Vaillant-Serie mit, da er sich auf seine Arbeit als Photograph konzentrieren will. Damit ist erstmals kein Mitglied der Familie Graton mehr an der Herstellung der Serie Michel Vaillant beteiligt.
Personen Michel Vaillant startet für die Vaillante-Werke, einen der führenden Autohersteller Frankreichs. Er fährt alle Rennklassen, unter anderem Formel 1, Langstreckenrennen wie das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, das 12-Stunden-Rennen von Sebring, Rallyes, Motorradrennen und Motorbootrennen. Mit seiner Frau Françoise Latour hat er einen Sohn, Patrick, sein Neffe Jean-Michel ist sein Patensohn. Obwohl Vaillant mittlerweile um die 80 Jahre alt sein müsste, scheint er in den aktuellen Alben ungefähr Mitte 40 zu sein.
Jean-Pierre Vaillant war der ältere Bruder von Michel. Er war mit Agnès de Chanzy verheiratet. Ihr gemeinsames Kind, Jean-Michel Vaillant, ist Michels Patensohn. Jean-Pierre war früher auch als Rennfahrer aktiv, später übernahm er die Leitung der Vaillant-Werke von seinem Vater. Für Kontroversen bei der Leserschaft sorgte sein überraschender Suizid in den Alben 4 und 5 der Saison 2 (2015/2016).
Henri und Elisabeth Vaillant sind die Eltern von Jean-Pierre und Michel. Nach seiner Ausbildung zum Automechaniker war Henri Vaillant in den 1930er-Jahren als Rennfahrer aktiv, später gründete er die Vaillante-Werke, deren Vorsitz er lange innehatte. Er agiert als knorriger, wenngleich sympathischer Senior vom „alten Schlag“, der seinem Sohn Michel gelegentlich Standpauken hält und mit der modernen Zeit nicht mehr richtig klarkommt. Ein Running Gag der Serie zeigt den Autokonstrukteur Henri immer wieder als Radfahrer, der beispielsweise in den Straßengraben fährt oder auf dem Parkplatz seiner eigenen Fabrik vom Rad stürzt.
Steve Warson ist ein US-amerikanischer Rennfahrer, er ist ein enger Freund der Familie Vaillant und gehört – mit Unterbrechungen – zum festen Fahrerteam des Vaillante-Rennstalls. Warson zeichnet sich durch einen unsteten Lebenswandel aus und wurde beispielsweise in den 1970er-Jahren häufig als notorischer Casanova gezeigt. In den 1990er-Jahren übernahm er sogar die Leitung des verfeindeten Leader-Konzerns. Später kehrte er wieder zu Vaillante zurück. Warson ist häufig auch für humoristische Einlagen zuständig, wenn er beispielsweise bei Moto-Cross-Rennen mit seinem Motorrad mehrfach in Bäche oder Schlammpfützen stürzt.
Der Leader ist der Chef des gleichnamigen, konkurrierenden Rennstalls und Konzerns. Er tritt als ebenso charismatischer wie skrupelloser Gegner auf, der das Vaillante-Team jahrelang mit allen Mitteln bekämpft. Der Leader erscheint zum ersten Mal 1967 in dem Album Nr. 14 Mach 1 für Steve Warson. Graton schuf die Figur in Anlehnung an diverse James-Bond-Schurken. Tatsächlich betreibt der Leader mehrere unterirdische Stützpunkte im Bond-Stil, zum Beispiel in einem Krater oder einem tibetischen Bergmassiv. Das Leader-Team zeichnet sich durch den Einsatz modernster Technologien und Strategien aus. Von den Rennfahrern wird bedingungsloser Einsatz und Risikobereitschaft gefordert. Nach dem Tod des Leaders übernimmt seine Tochter Ruth die Führung des Rennstalls.
Julie Wood ist eine US-amerikanische Motorradfahrerin, die zusammen mit ihrem Bruder Jack „Indy“ Wood für das Team Vaillant fährt. Zwischen 1976 und 1980 produzierte das Studio Graton acht eigenständige Alben unter dem Namen Julie Wood.
Verlage Michel Vaillant wurde von 1957 bis 1976 in dem großen belgischen Verlagshaus Le Lombard publiziert. Nachdem einige Alben beim französischen Verlag Dargaud erschienen waren, wechselte Graton in den späten 1970er Jahren zum deutschen Koralle-Verlag. Als dieser 1981 sämtliche Comic-Aktivitäten einstellte, gründete Graton den Kleinverlag Graton Éditeur, in dem bis 2007 sämtliche Vaillant-Alben publiziert wurden. Diese ungewöhnliche Publikationsform erwies sich im neuen Jahrhundert als nicht mehr zeitgemäß, da die Produktion und der Vertrieb einer Serie wie Michel Vaillant von einem Kleinverlag nicht mehr zu handhaben waren.
Seit 2010 erscheint die Serie beim großen Verlagshaus Dupuis, das bereits im selben Jahr mit einer zügigen Neu-Edition der bereits erschienenen Alben begann. Seit 2008 erschien bei Le Lombard außerdem eine bibliophile, 20-bändige Werkausgabe der Serie, die um redaktionelle Inhalte ergänzt ist. Diese Gesamtausgabe erscheint heute ebenfalls in Neuauflage beim Verlag Dupuis, der in enger Abstimmung mit Philippe Graton alle Vaillant-Aktivitäten koordiniert und 2020 auch den Verlag Graton Éditeur übernommen hat.Dupuis prend le contrôle de Graton éditeur L’Echo, 13. März 2020. Abgerufen am 13. Juni 2020.
Besonders in Frankreich und den Benelux-Ländern ist die Serie mit einer Gesamtauflage von über 20 Millionen Alben sehr populär.
Publikation in Deutschland In Deutschland erschien Michel Vaillant zunächst von 1965 bis 1972 im Magazin Mickyvision bzw. MV-Comix, wo er Michael Voss hieß und den jungen Lesern als deutscher Rennfahrer präsentiert wurde. Von 1972 bis 1981 wurde die Serie unter ihrem richtigen Namen mit großem Erfolg im Comic-Magazin ZACK und dessen Ablegern publiziert. Während der 1970er-Jahre erreichte die Serie ihre größte Popularität.