Der Oberleitungsbus Solingen, im Volksmund auch Stangentaxi genannt, ist neben Eberswalde und Esslingen am Neckar eines von drei verbliebenen Oberleitungsbus-Systemen in Deutschland. Mit einer Streckenlänge von 102 KilometernVerkehrsbetrieb mit Weltruf, Stadtwerke, abgerufen am 14. Februar 2024 und einem Fahrzeugbestand von 57 Gelenkwagen und 8 Solowagen (bis hierhin Stand 2024) besitzt Solingen das größte O-Bus-System in Deutschland. Elektrisch betrieben werden die sechs Durchmesserlinien 681 bis 686 und 695 sowie seit Januar 2024 die Linien 691 und 694.

Örtliches Verkehrsunternehmen sind die Stadtwerke Solingen (SWS). Sie betreiben ergänzend zu den O-Bus-Linien auch diverse Stadtbus-Verbindungen. Ein kleiner Teil des Solinger O-Bus-Netzes führt in der benachbarten Stadt Wuppertal zum dortigen Bahnhof Vohwinkel.

Linien Linie Strecke Fahrtzeit in Minuten Haltestellen Fahrzeuge 681 Hauptbahnhof – Merscheid – Graf-Wilhelm-Platz – Bahnhof Mitte – Hästen 36 28 / 27 Swisstrolley 3, AG 300 T 682 Hauptbahnhof – Wald – Central – Graf-Wilhelm-Platz – Grünewald – Höhscheid-Brockenberg 45 / 43 32 Swisstrolley 3, AG 300 T 683 Wuppertal-Vohwinkel Bahnhof – Wuppertal-Vohwinkel Schwebebahn – Gräfrath – Central – Graf-Wilhelm-Platz – Bahnhof Mitte – Krahenhöhe – Burger Bahnhof 47 / 46 36 / 35 Swisstrolley 3, Trollino 18 IV 684 Schule Widdert – Vockert – Wittenberg – Bahnhof Mitte P&R – Graf-Wilhelm-Platz – Hasselstraße 27 / 28 22 AG 300 T 685 Aufderhöhe – Schmalzgrube – Klingenhalle – Graf-Wilhelm-Platz 33 / 34 24 / 23 Trollino 12 IV 686 Graf-Wilhelm-Platz – Mangenberg – Kotten – Schmalzgrube – Aufderhöhe 40 / 39 29 Trollino 12 IV691Höhscheid – Aufderhöhe – Hauptbahnhof – Ohligs Markt – St.-Lukas-Klinikca. 3017 / 24Trollino 12 IV694Hauptbahnhof – Aufderhöhe – Landwehr/Rupelrath – Leichlingen Bahnhof – Leichlingen Busbahnhofca. 2518 / 20Trollino 12 IV 695 Gräfrath, Abteiweg – Graf-Wilhelm-Platz – Bahnhof Mitte – Meigen 40 / 33 29 / 24 Trollino 12 IV

Die Linien 681 und 682 sind am Hauptbahnhof genauso wie die Linien 685 und 686 am Graf-Wilhelm-Platz betrieblich miteinander verknüpft, sodass eine Weiterfahrt im selben Fahrzeug möglich ist. Seit Januar 2024 wurden die Linien 691 und 694 ebenfalls mit den Linien 685 und 686 am Busbahnhof Aufderhöhe miteinander verknüpft. Dadurch besteht zwischen der Innenstadt und dem Hauptbahnhof ein Ringverkehr. In der Innenstadt existiert im Abschnitt Rathaus–Mühlenplatz–Graf-Wilhelm-Platz eine Stammstrecke, die von sechs der sieben Linien (681–684, 686 und 695) bedient wird. Insgesamt werden 137 Haltestellen bedient, davon sieben auf Wuppertaler Stadtgebiet. 27 von ihnen werden mit dem Hilfs- bzw. Batterieantrieb angefahren, darunter zwei in Wuppertal. Die insgesamt sechs Zwischen-Wendeschleifen Gräfrath, Wald Kirche, Höhscheid, Schmalzgrube, Bülowplatz und Krahenhöhe ermöglichen verkürzte Linienführungen. Die Wendeschleife Schmalzgrube ist als einzige nicht elektrifiziert.

Die Linien 681, 682 und 683 verkehren werktags alle 10 Minuten, wobei der Streckenabschnitt Burger Bahnhof – Krahenhöhe nur alle 30 Minuten bedient wird. Auf der 684 wird alle 15 Minuten gefahren. Die restlichen Linien verkehren im 30-Minuten-Takt, wobei sich auf den Linien 685 und 686 ein 15-Minuten-Takt ergibt, lediglich in der Innenstadt wird der Ring halbstündlich wechselnd befahren.

Geschichte mini|Oberleitungsbus der ersten Generation: ÜHIIIs mini|Drehscheibe Unterburg

Ende der Straßenbahn und Umstieg auf den Oberleitungsbus

Die Infrastruktur des seit 1896 bestehenden Solinger Straßenbahnnetzes nahm infolge der Luftangriffe auf Solingen während des Zweiten Weltkriegs beträchtliche Schäden. Ein moderner, zweigleisiger Ausbau des Netzes hätte etwa zehn Millionen D-Mark gekostet; so diskutierte der Stadtrat in den ersten Nachkriegsjahren über Alternativen zur Straßenbahn. Zunächst wurde sie jedoch provisorisch weitestgehend wieder instand gesetzt, so dass der Öffentliche Personennahverkehr in Solingen wieder gewährleistet werden konnte.

Anfang der 1950er Jahre beschloss die Stadtverwaltung die Einstellung der Straßenbahn und den Umstieg auf den Oberleitungsbus. Wesentliche Gründe für diese Entscheidung waren trotz der hohen Kosten für die Installation der Oberleitungsinfrastruktur die niedrigen Betriebs- und Treibstoffkosten sowie die lange Lebensdauer der O-Busse. So wurden die Straßenbahnstrecken innerhalb von siebeneinhalb Jahren schrittweise auf Oberleitungsbusbetrieb umgestellt. Die letzte Straßenbahnlinie ging im November 1959 außer Betrieb.

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten in Deutschland hatte Solingen damit sein gesamtes Hauptverkehrsnetz auf den Betrieb mit Oberleitungsbussen umgestellt und nicht nur kleinere Teilstücke wie andere Städte.

Die einzelnen Abschnitte der ersten vier Oberleitungsbuslinien gingen wie folgt in Betrieb, aufgeführt sind die heutigen Haltestellenbezeichnungen: 19.06.1952 Graf-Wilhelm-Platz – Rathaus – Mangenberg – Hauptbahnhof 8,3 km Linie 1 01.08.1953 Hauptbahnhof – Wald Kirche 4,2 km Linie 2 01.10.1953 Wald Kirche – Central – Rathaus 3,9 km Linie 2 15.06.1955 Graf-Wilhelm-Platz – Birkerstraße – Höhscheid 2,4 km Linie 2 07.08.1955 Graf-Wilhelm-Platz – Werwolf – Bahnhof Mitte – Hästen 3,4 km Linie 1 01.06.1957 Werwolf – Schule Widdert 4,6 km Linie 4 07.10.1958 Central – Wuppertal-Vohwinkel Schwebebahn 5,8 km Linie 3 02.12.1959 Bahnhof Mitte – Burg Brücke 6,1 km Linie 3

Die neuen Linien wurden hauptsächlich mit Fahrzeugen des Typs ÜHIIIs bedient. Zum 2. Dezember 1959 war mit der Umwandlung der letzten Straßenbahnstrecke das Schienennetz von 1939 vollständig umgestellt. Gleichzeitig ging auch die Drehscheibe Unterburg in Betrieb, inzwischen ein überregional bekanntes Kuriosum des Solinger Betriebes.

Mit einer Streckenlänge von 38,7 Kilometern hatte Solingen damals nach dem Oberleitungsbus Moers und dem Oberleitungsbus Siegen das drittgrößte O-Bus-Netz Deutschlands. Bezüglich des Fahrzeugbestands war Solingen sogar führend, alle vier Linien wurden zu den Hauptverkehrszeiten im Fünf-Minuten-Takt bedient.Der Obus in Solingen - kurzer Rückblick Zum O-Bus-Netz der Wuppertaler Stadtwerke, es bestand von 1949 bis 1972, existierte hingegen nie eine Verbindung.

Die Ära Trolleybus Solingen (1968–1988) mini|Der im Eigenbau entstandene Typ Trolleybus Solingen

Die Fahrzeuge der ersten Generation erreichten teilweise eine Lebensdauer von über 20 Jahren; sie wurden erst Anfang der 1970er Jahre ausgemustert, nachdem die zweite Oberleitungsbus-Generation mit insgesamt 80 Fahrzeugen – die in Eigenbau der Stadtwerke entstandenen Wagen des Typs Trolleybus Solingen – vollständig betriebsbereit war. Der Hintergrund dieser Eigenbaumaßnahme war das Fehlen eines passenden, serienmäßigen Fahrzeugtyps, der den Ansprüchen der Solinger Stadtwerke bezüglich Geräumigkeit und Leistungsstärke gerecht wurde.

Seit der Gründung des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) am 1. Januar 1980 ist auch der Solinger Oberleitungsbus in diesen integriert. Infolgedessen änderten sich die Liniennummern, aus den Linien eins bis vier wurden die Linien 681 bis 684. Zu Beginn der 1980er Jahre erfolgten zudem zwei kleinere Erweiterungen: 30.05.1981 Rathaus – Hasselstraße 2,6 km Linie 684 11.09.1982 Höhscheid – Höhscheid-Brockenberg 0,787 km Linie 682

Im Jahr 1988 wurden sämtliche Fahrzeuge der zweiten Generation ausgemustert und bis auf zwei Ausnahmen an den Oberleitungsbusbetrieb im argentinischen Mendoza verkauft, am 1. Mai 2010 wurde sie endgültig außer Dienst gestellt.

Die Generation der MAN-Solo- und Gelenkwagen (1984–2003) mini|MAN-Gelenkoberleitungsbus der dritten Generation mini|Dreiachsiger MAN-Solowagen

Schon Ende der 1970er Jahre entstanden die Planungen zur Beschaffung der dritten Fahrzeuggeneration. Man entschied sich diesmal wieder für Serienfahrzeuge. Nach ausführlicher Erprobung des bei ÖAF Gräf & Stift gebauten Prototyps MAN SG200THWerner Stock: Gelenktrolleybus-Prototypen. In: Der Stadtverkehr, Heft 11/12–1979, Verlag Werner Stock, Bielefeld 1979, S. 483–485 wurden ab 1984 die ersten Gelenkwagen des Typs MAN SG 200 HO ausgeliefert und in Dienst gestellt. Zwei Jahre später folgten die dreiachsigen MAN SL 172 HO-Solowagen. 1987 war der komplette Fuhrpark erneuert.

In den 1990er Jahren wurde das Netz erweitert, sodass es seine heutige Ausdehnung erreichte. In diesem Zusammenhang erhöhte sich die Zahl der Linien von vier auf sechs: 22.08.1993 Mangenberg – Kotten zusammen8,2 km Linie 686 22.08.1993 Birkerstraße – Kotten Linie 685 22.08.1993 Kotten – Aufderhöhe Linien 685 und 686

Mitte der 1990er Jahre wurden die Stadtwerke Solingen, der Betreiber des ÖPNVs in Solingen, teilprivatisiert. Der neue Investor schlug 1995 aus Kostengründen die Aufgabe des O-Bus-Betriebes vor. Man beabsichtigte, die inzwischen veraltete Fahrzeugflotte durch moderne Dieselbusse zu ersetzen. Von 1996 an formierte sich immer mehr Widerstand aus Politik und Bevölkerung gegen diese Planungen, neue Gutachten ergaben unter anderem durch die Kosten für die Deinstallation der Infrastruktur (Oberleitungen, Masten, Unterwerke) einen viel geringeren Kostenvorteil als zunächst angenommen. Im November desselben Jahres verwarfen die Stadtwerke die Planungen, zum Wechsel des Jahrtausends sollten mithilfe von Fördermitteln des Landes neue Oberleitungsbusse angeschafft werden.

Im Jahr 1999 gründete sich das Obus-Museum Solingen als ehrenamtlicher Verein zur Wiederinstandsetzung und Pflege von historischen Oberleitungsbussen.

Im Zusammenhang mit dem Übergang zur vierten Fahrzeuggeneration wurden die MAN-Gelenkwagen Anfang des neuen Jahrtausends schrittweise stillgelegt, den Abschluss bildete Wagen 20 am 18. Juni 2003. Auch viele Solowagen gingen außer Betrieb. Lediglich 15 Fahrzeuge dieses Typs blieben erhalten und bedienten bis zum Herbst 2009 hauptsächlich die Linie 683 auf der Strecke von Wuppertal-Vohwinkel nach Burg. Wagen 32 ging 2006 an das Deutsche Museum in München und ist seitdem im Verkehrszentrum ausgestellt.

Ein Großteil der außer Dienst gestellten O-Busse der Typen SG 200 HO und SL 172 HO wurde an den Oberleitungsbus Sarajevo abgegeben. Dort sind sie teilweise bis heute im Einsatz. Zuletzt sind im November 2015 die jahrelang in Solingen abgestellten 13 Fahrzeuge vom Typ SL172HO in die Ukraine nach Mariupol transportiert worden. Nach einer technischen und optischen Wiederaufarbeitung befinden sich die Obusse bis heute im Einsatz.http://obus.info/obus/solingen/index.htm Obus Solingen, 8. April 2016 Elf der dreizehn in die Ukraine verbrachte MAN-Solo-O-Busse sind mittlerweile in Mariupol in Dienst gestellt. Ausgenommen davon sind die beiden Museumswagen 5 und 42. Sie gehören dem Obus-Museum Solingen, kommen aber fallweise im planmäßigen Linienverkehr der Stadtwerke zum Einsatz. Dadurch sollen in erster Linie Standschäden vermieden werden.

Wagen 5 wird seit 2010 nicht mehr im Verkehr eingesetzt und muss nach Beseitigung diverser Standschäden aufgearbeitet werden; er befindet sich zerlegt im Obus-Museum. Wagen 42 kommt fast täglich im morgendlichen Schülerverkehr auf der Linie 681 zum Einsatz.

Vierte Generation (seit 2001) Mit Einführung der vierten Fahrzeuggeneration ging gleichzeitig der Umstieg auf moderne Niederflurtechnik einher. Zudem verkehren seit 2009 ausschließlich Gelenkwagen.

2001 begann die Auslieferung der ersten von insgesamt 15 Berkhof-Gelenkwagen, die ersten der insgesamt 20 Van-Hool-Gelenkwagen folgten ein Jahr darauf. Beide Fahrzeugtypen entstammten Gemeinschaftsbestellungen mit anderen Oberleitungsbusbetrieben in Deutschland, Österreich und den Niederlanden.