mini|Gebäude des ehemaligen Amtsgerichts von Bad Schwartau (bis 2009) mit dem Nachbau des Peterich-Brunnens hochkant|mini|Historischer Wasserturm von Bad Schwartau

Bad Schwartau (niederdeutsch Bad Swartau, bis 1913 Schwartau) ist die größte Stadt im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein (Deutschland) und ein staatlich anerkanntes Jodsole- und Moorheilbad.

Geographie Lage Die Stadt Bad Schwartau liegt am Fluss Schwartau unmittelbar nördlich angrenzend von der Hansestadt Lübeck. Gemeinsam mit dieser Stadt und der westlich angrenzenden großen Amtsfreien Gemeinde Stockelsdorf bildet sie eine Agglomeration.

Nachbargemeinden Hansestadt Lübeck Stockelsdorf Ratekau

Ortsteile Bad Schwartau ist gemäß Hauptsatzung der Stadt Bad Schwartau in fünf Ortsteile gegliedert: Cleverbrück Groß Parin Kaltenhof Rensefeld Schwartau

Geschichte Der Ortsname geht auf den wendischen Namen des Flusses Schwartau zurück, der als „die Schlängelnde“ gedeutet wird. Damit wird Bezug auf den sehr gewundenen Unterlauf des Flusses vor der viel später erfolgten Begradigung genommen.

Vor 1600 Im Jahr 1177 wurde der heutige Ortsteil Rensefeld erstmals in einer Urkunde erwähnt, die bischöfliche Mühle Schwartau Molendinium szwartowe wurde erstmals 1215 in einem Dokument genannt. 1258 richtete der Lübecker Bischof ein Siechenhaus („Domus leprosum“), das Schwartauer Siechenhaus, für Leprakranke in der Nähe der heutigen Georgskapelle ein.Siehe Übersicht der Gesellschaft für Leprakunde über alle Leprosorien in Schleswig-Holstein unter (PDF), letzter Zugriff am 26. Dezember 2014 Dieses wurde im 15. Jahrhundert – nach dem Abklingen der Lepra („Aussatz“) – in ein Alten- und später Armenhaus umgewandelt. Im Jahr 1280 gründete der Lübecker Bischof Burkhard von Serkem den Wirtschaftshof Kaltenhof außerhalb der Stadt Lübeck an der Schwartau.

17. Jahrhundert Um 1640 wurde das dort entstandene bischöfliche Amt Kaltenhof nach Schwartau verlegt, das sich zum Marktflecken entwickelte.

18. Jahrhundert mini|links|Aufruf von Magnus Stenbock an die Einwohner Schwartaus Ende 1712 während des Nordischen Krieges mini|hochkant|Schwartauer Marktprivileg von 1742

Vom 20. bis 31. Dezember 1712 (im Großen Nordischen Krieg) richtete der schwedische Befehlshaber Magnus Stenbock in Schwartau sein Hauptquartier ein. Im Jahr 1742 erteilte der Fürstbischof des Hochstifts Lübeck Adolf Friedrich Schwartau das erste Marktprivileg für den Montag und Dienstag vor Johanni (24. Juni), dieses Marktprivileg wurde 1763 auf zwei Tage vor Michaeli (29. September) erweitert.

19. Jahrhundert mini|Schild „Gebrüder-Fromm-Weg“ – benannt nach Paul und Otto Fromm, den Begründern der Schwartauer Werke

Nach der Schlacht bei Lübeck zogen die preußischen Truppen unter Blücher auf dem Weg nach Ratekau am 6. November 1806 durch Schwartau. Die ihnen folgenden französischen Truppen plünderten. Im Jahre 1842 wurden die Ämter Kaltenhof und Großvogtei zum Amt Schwartau im Fürstentum Lübeck/Großherzogtum Oldenburg vereinigt.

Am 1. November 1859 erhielt Schwartau durch die neue Oldenburger Gemeindeordnung den Status einer Fleckengemeinde.

Im Vorfeld des Deutsch-Dänischen Krieges wurde 1864 der Schwartauer Schlagbaum von preußischen Truppen zerstört und damit die Neutralität des Großherzogtums Oldenburg verletzt („Erstürmung des Schwartauer Schlagbaumes“).

Im Jahr 1899 wurden die Schwartauer Werke durch die Brüder Paul und Otto Fromm eröffnet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts mini|hochkant|Anzeige für die „Villenkolonie Schwartau“ (1910) mini|Bad Schwartau vor 1922

Vor 1900 entwickelte sich Schwartau zu einem Luftkurort („Sommerfrische“), in dem die Gäste sich von der mit Industrialisierung einhergehenden Luftverschmutzung in den Großstädten erholten. Zeitgleich wurde Schwartau ein beliebter Wohnort/Ruhesitz, was zur Entwicklung von Villenkolonien in Schwartau, Cleverbrück und Kaltenhof führte. Im Jahr 1895 wurde die erste Solequelle mit hohem Jodgehalt entdeckt. 1901 eröffnete Anton Baumann das „Elisabeth-Sol- und Moorbad“, womit die Entwicklung des Kur- und Badewesens in Bad Schwartau begann.

Im Jahr 1912 erhielt Schwartau das Stadtrecht, ein Jahr später wurde Schwartau Bad.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Am 26. Oktober 1932 hielt Hitler auf den Sportplatz des Riesebuschs seinen ursprünglich für den 6. November (Lübeck) geplanten Wahlkampfauftritt ab. Um eine möglichst große Menge zu erreichen, fanden die Veranstaltungen der NSDAP unter freiem Himmel statt. Der Lübecker Marktplatz war, bedingt durch Brunnen, Baumreihe und Kaak, der NSDAP zu klein, der Alternativort, der Buniamshof, lag der Partei zu weit abseits. Ergo wurde die Veranstaltung nach Bad Schwartau verlegt.Gerhard Schneider: Gefährdung und Verlust der Eigenstaatlichkeit der Freien und Hansestadt Lübeck und seine Folgen. Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck, Reihe B, Band 14, Verlag Schmidt-Römhild, 1986, ISBN 3-7950-0452-7Manfred Bannow-Lindtke: Bad Schwartau unterm Hakenkreuz. Albers & Range, Bad Schwartau 1993.

Auch in Bad Schwartau wurden Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt. Heute zeugen eine Reihe von Stolpersteinen in Bad Schwartau von diesen Verfolgungen.

1934 wurden die Dörfer Rensefeld, Groß Parin und Cleverbrück der aufgelösten Landgemeinde Rensefeld eingemeindet. Im Jahr 1937 ging Schwartau aufgrund des Groß-Hamburg-Gesetzes als Teil des aus dem Fürstentum Lübeck gebildeten Kreises Eutin vom Freistaat Oldenburg auf die preußische Provinz Schleswig-Holstein über.

Bad Schwartau blieb während des Zweiten Weltkrieges weitgehend von Luftangriffen verschont.Jens Orback: Schatten auf meiner Seele: Ein Kriegsenkel entdeckt die Geschichte seiner Familie, Abschnitt zum Jahr 1945, Freiburg im Breisgau 2015 Während der Schlacht um Berlin, unmittelbar nach dem letzten Geburtstag Hitlers, am 20. April 1945, kamen vorbereitete Evakuierungsmaßnahmen der Reichsregierung, Reichsministerien und dem Sicherheitsapparat zur Ausführung.Stephan Link: „Rattenlinie Nord“. Kriegsverbrecher in Flensburg und Umgebung im Mai 1945. In: Gerhard Paul, Broder Schwensen (Hrsg.): Mai ’45. Kriegsende in Flensburg. Flensburg 2015, S. 20 f. Alle Reichsminister sammelten sich sodann im Raum Eutin-Plön, also nördlich von Bad Schwartau, da dieses Gebiet noch kampffrei war.Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. München 2005, S. 620.Lübecker Nachrichten LN suchen Zeitzeugen Vor 70 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende, vom: 14. Februar 2015; abgerufen am: 7. Juli 2017 Auch der frisch ernannte Präsident des Volksgerichtshofs Harry Haffner flüchtete nach Schleswig-Holstein. Nachdem der vorherige Vorsitzende Roland Freisler im Februar 1945 bei einem Luftangriff ums Leben gekommen war, hatte Hitler am 12. März 1945 ihn zum neuen Präsidenten des Volksgerichtshofs ernannt. Haffner setzte sich am 24. April 1945 auf Anraten Wilhelm Keitels von Potsdam nach Schwerin ab und von dort weiter nach Bad Schwartau. In Bad Schwartau wollte er den Volksgerichtshof neu etablieren.Friedrich-Wilhelm von Hase: Hitlers Rache. Das Stauffenberg-Attentat und seine Folgen für die Familien der Verschwörer, Holzgerlingen 2014, Abschnitt: 2.5.3. Das Ende des VolksgerichtshofsEdmund Lauf: Der Volksgerichtshof und sein Beobachter: Bedingungen und Funktionen der Gerichtsberichterstattung im Nationalsozialismus, Wiesbaden 1994, S. 19 Vor den herannahenden britischen Truppen floh Karl Dönitz, der vor dem Suizid Hitlers von diesem zum Reichspräsidenten bestimmt worden war, zusammen mit der letzten Reichsregierung schließlich am 2. Mai 1945 von Plön weiter in den Sonderbereich Mürwik. Der Volksgerichtshof wurde dabei offenbar nicht mit verlegt.Die Zeit: Das braune Schleswig-Holstein, vom: 6. Dezember 1989; abgerufen am: 21. März 2019 Trotzdem fällte die NS-Militärjustiz weiterhin harte Urteile, so zum Beispiel im Fall des Matrosen Fritz Wehrmann, der aufgrund eines noch am 9. Mai durch ein von einem spontan zusammengetrenen Militärgericht verhängten Urteils am 10. Mai hingerichtet wurde.Flensburger Tageblatt: Bustour durch Flensburg: Auf den Spuren der Zeitgeschichte, vom: 30. Januar 2012; abgerufen am: 22. März 2015 Über die Aktivitäten des Volksgerichtshofs in Bad Schwartau existieren keine weiteren Belege.Edmund Lauf: Der Volksgerichtshof und sein Beobachter: Bedingungen und Funktionen der Gerichtsberichterstattung im Nationalsozialismus, Wiesbaden 1994, S. 19 Die Besetzung Bad Schwartaus durch die englischen Truppen am 2. Mai 1945 verhinderte weitere Aktivitäten des Volksgerichtshofs.Friedrich-Wilhelm von Hase: Hitlers Rache. Das Stauffenberg-Attentat und seine Folgen für die Familien der Verschwörer, Holzgerlingen 2014, Abschnitt: 2.5.3. Das Ende des Volksgerichtshofs Am 4. Mai 1945 unterschrieb Hans-Georg von Friedeburg im Auftrag von Dönitz die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande. (PDF, 16. S.; 455 kB) Der Krieg endete schließlich mit der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai. Am 20. Oktober 1945 löste der Alliierte Kontrollrat des Weiteren den Volksgerichtshof endgültig auf.Friedrich-Wilhelm von Hase: Hitlers Rache. Das Stauffenberg-Attentat und seine Folgen für die Familien der Verschwörer, Holzgerlingen 2014, Abschnitt: 2.5.3. Das Ende des Volksgerichtshofs

Nachkriegszeit Während des Kalten Krieges wurden die Relikte des Zweiten Weltkrieges, die Sprengschächte im Verlauf der Kaltenhöfer Straße, in die Straße integriert, um die Brücke über die Schwartau im Ernstfall sprengen zu können. Es wurde ein Vordringen feindlicher Kräfte von Osten angenommen und entlang des natürlichen Hindernisses Schwartau, deren Taleinschnitten und umliegender Feuchtgebiete einige Brücken über die Schwartau mit Sprengschächten ausgestattet. Die zugehörigen fünf Pioniersperrmittelhäuser (Sprengstoffbunker) stehen in der Nähe des Ratekauer Blocksbergs und werden als Fledermausbehausung genutzt. Ein Sprengschachtdeckel befindet sich heute im Schwartauer Museum.

1957 erwarb die Stadt Bad Schwartau den Kurbetrieb von den Schwartauer Werken und verkaufte die städtischen Kurbetriebe 1994 in private Trägerschaft.

Bevölkerungsentwicklung 31. Dezember 1912: ca. 4.000 31. Dezember 1934: ca. 7.000 (nach den erfolgten Eingemeindungen)

Mit dem Zuzug nach Ende des Zweiten Weltkrieges verdoppelte sich die Einwohnerzahl.Quelle: Statistische Berichte des Statistischen Amts für Hamburg und Schleswig-Holstein Seit 1998 war ein leichter Rückgang der Einwohnerzahl zu beobachten. Seit 2010 wächst die Bevölkerung jedoch wieder.

mini|400px|Einwohnerentwicklung von Bad Schwartau von 1998 bis 2016 nach nebenstehender Tabelle

Jahr Einwohner 1998 20.211 1999 20.026 2000 20.098 2001 20.120 2002 20.095 2003 19.901 2004 19.728 2006 19.794 Jahr Einwohner 2007 19.714 2008 19.619 2009 19.683 2010 19.714 2012 19.756 2016 20.096 2017 19.997 2018 20.036

Konfessionsstatistik Gemäß Zensus 2022 waren 41,7 % der Einwohner evangelisch, 5,4 % römisch-katholisch und 52,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022.

Politik Stadtverordnetenversammlung Die letzten drei Kommunalwahlen am 26. Mai 2013, am 6. Mai 2018 und am 14. Mai 2023 führten zu folgenden Ergebnissen: Parteien und Wählergemeinschaften %2023 Sitze2023 %2018 Sitze2018 %2013 Sitze2013 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 38,0 14 40,5 11 42,2 14 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 20,8 7 29,5 8 29,1 9 WBS Wählergemeinschaft Bad Schwartau 11,9 4 – – 14,0 4 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 16,5 6 20,8 5 11,3 4 FDP Freie Demokratische Partei 7,0 2 7,2 2 3,3 1 WiBS 2023 Wir in Bad Schwartau 20235,92–––– BfBS Bürger für Bad Schwartau – – 2,0 1 – –Gesamt 100 35 100 27 100 32Wahlbeteiligung 45,2 % 43,3 % 46,8 %

Bürgermeister