Little Miss Cornshucks oder auch Lil’ Miss Cornshucks war der Künstlername von Mildred Jorman (geborene Cummings; * 26. Mai 1923 in Dayton, Ohio; † 11. November 1999 in Indianapolis, Indiana). Sie war eine US-amerikanische Rhythm-and-Blues- und Jazzsängerin und Songwriterin, die für ihre extravagante Bühnenshow als Mädchen vom Lande in den 1940er und frühen 1950er Jahren bekannt war und mit ihrem Gesangsstil zum Vorbild für R&B- und Soulsänger wie LaVern Baker, Ruth Brown oder Aretha Franklin wurde. No Depression (abgerufen am 31. Mai 2010). Ihr Künstlername heißt übersetzt Kleines Fräulein Maisstroh.cornshucks oder cornhusks sind die Hülsen des Maiskolbens.

Leben und Wirken Die 1940er Jahre Mildred Cummings war das jüngste Kind einer großen musikalischen Familie afroamerikanischer Herkunft; sie sang schon früh mit ihren Schwestern, die als die Cummings Sisters in Dayton und Umgebung Spirituals singend auftraten. Bereits in den 1930er Jahren trat sie als Jugendliche in Amateurshows oder vor der Familie als Solistin auf. Dabei bevorzugte sie Balladen und entwickelte eine Bühnengarderobe, die bei vielen vom Lande stammenden Südstaatlern, die in die Städte im Norden gezogen waren, als Country Style ankam.

Eine Künstleragentin, die für Gospel-Künstler im Raum Dayton arbeitete, verschaffte Cummings 1940 ihren ersten Soloauftritt in Chicago. In dieser Zeit heiratete Cummings den sechs Monate älteren Cornelius Jorman, mit dem sie dann gemeinsam drei Kinder hatte. Ihr Mann, der als ihr Manager tätig war, begleitete sie stets bei ihren Auftritten. In Chicago machte sie bald mit ihrer außergewöhnlichen Bühnenshow auf sich aufmerksam, barfuß, versehen mit Strohhut, Zöpfen, hinterwäldlerischer Kleidung und Bastkorb. Ihre Auftritte wurden bald auch in Los Angeles und New York gefeiert.

Ihr Bühnenprogramm bestand neben neueren Blues-Nummern aus alten Torch Songs wie Time After Time oder Why Was I Born?, den Kern und Hammerstein 1929 geschrieben hatten. Judy Garland, die häufig ihre Konzerte besuchte, übernahm später Elemente dieser Bühnenpräsenz, so für ihr Konzert im New Yorker Palace Theater 1951. Sie wiederholte es 1954 in dem Spielfilm A Star Is Born, der sie in einem – Cornshucks nachempfundenen – Landmädchen-Outfit mit schwarzen Kindern tanzend zeigt.

mini|hochkant|links|Joe Louis Bereits 1942Forgotten Blues Ladies bei Sundayblues.org wurde Little Miss Cornshucks in Chicago ein Star; sie feierte Erfolge im Rhumboogie Club, der dem Boxer Joe Louis gehörte und in dem der Bandleader und Arrangeur Marl Young arbeitete.Dieser arbeitete damals auch mit T-Bone Walker und Charlie Parker. Vgl. Barry Mazor. Als Marl Young in den damals berühmten Club DeLisa wechselte, um dort mit dem Fletcher Henderson Orchestra zu arbeiten, nahm er Cornshucks mit und verschaffte ihr ein mehrere Jahre währendes Engagement.Der 1934 gegründete Club DeLisa (auch Delisa oder De Lisa geschrieben) befand sich an der Ecke State Street und Garfield Avenue, an der South Side von Chicago.

Das DeLisa genoss zu dieser Zeit einen Ruf wie der New Yorker Cotton Club, mit dem Unterschied eines rassisch eher gemischten Publikums; Künstler wie Gene Autry und Louis Armstrong waren dort Gäste. Im Jahr 1945 veranstaltete der Club themenbezogene Revuen, in der auch Tänzer wie die Step Brothers auftraten oder Cozy Cole, Komiker wie George Kirby und bekannte Swing-Orchester. Cornshucks wurde regelmäßig vom Fletcher Henderson Orchestra begleitet; darin spielte auch der Keyboarder Sonny Blount, der die extravagante Show um Cornshucks’ Bühnenrolle genau beobachtete. Später produzierte er selbst moderne Jazz-Revuen und übernahm für sich die Bühnenrolle Sun Ra. mini|hochkant=0.85|Sun Ra im Februar 1992 Miss Cornshucks bot meist die vom Publikum gewünschten rhythmischen Nummern im Stil des rauen Jump Blues dar; der Clubbesitzer Mike DeLisa wollte aber, dass sie auch Blues-Songs sänge, darunter die langsame Ballade So Long. Diese wurde ein großer Erfolg für sie und avancierte bald zu ihrer Erkennungsmelodie. So Long war zuvor das Schlussthema in Russ Morgans Radioshow; schon 1940 war das Lied ein Hit der im Stil der Ink Spots singenden Vokalgruppe Charioteers aus Dayton gewesen, die 1943 bei Bing Crosbys Radioshow mitwirkte. Cornshucks übernahm ihren Song und überarbeitete ihn für sich.

Der spätere Besitzer von Atlantic Records, Ahmet Ertegün, schrieb in seinen Erinnerungen: „1943 war ich ungefähr 19 Jahre alt; ich ging zu einem Nachtclub in nordöstlichen Schwarzen-Bezirk von Washington, D.C. und hörte da eine Sängerin namens Little Miss Cornshucks und dachte: ‚Oh Gott!‘ Sie war besser als alles, was ich bislang gehört hatte. Sie kam wie ein Landmädchen daher, mit einem Kopftuch versehen und einem Korb in der Hand und so weiter; aber sie konnte den Blues besser singen, als jeder, den ich bis heute gehört habe. In dieser Nacht fragte ich sie, ob ich eine Schallplatte mit ihr aufnehmen dürfe. Wir spielten dann Kansas City ein und einige andre Blues-Nummern sowie den Song So Long. Sie hatte einen so wunderbaren Klang und ich erinnere mich, wie ich immer nur dachte: ‚Oh Mein Gott, und ich habe keine Plattenfirma; ich kann die Platte nur für mich selbst machen‘.“Im Original: „In 1943, when I was 19 or so years old, I went to a nightclub in the northeast black ghetto section of Washington and heard a singer whose name was Little Miss Cornshucks and I thought, ‚My God!!!‘ She was better than anything I'd ever heard. She would come out like a country girl with a bandana around her head, a basket in her hand, and so forth, which she'd set aside fairly early on into the show. She could sing the blues better than anybody I've ever heard to this day. I asked her that night if she would mind if I made a record of her for myself. We cut Kansas City along with some other blues and she also sang a song called So Long. She had such a wonderful sound and I remember just thinking, ‚My God! My God! And I didn't have a record company, I just made those records for myself‘.“ Ahmet Ertegun: What'd I Say: The Atlantic Story. Zitiert bei Informationen bei Rockabilly.nl (abgerufen am 31. Mai 2010)

Cornshucks nahm bereits 1943 während einer Tournee in Washington D.C. mit Ahmet Ertegün Lieder privat auf,Diese Aufnahmen, die ersten von Ahmet Ertegün überhaupt produzierten, an denen der Pianist Johnny Malachi mitwirkte, gingen leider verloren. Vgl. Barry Mazor. bevor dieser sein eigenes Label hatte. Ihre ersten offiziellen Aufnahmen spielte sie 1947 für das kurzlebige Label Sunbeam ein, darunter auch ihre Erkennungsmelodie So Long, die ein regionaler Hit wurde.Das kurzlebige Label Sunbeam war im Besitz von Marl Young und dessen Bruder. Vgl. Barry Mazor.

Bei den So-Long-Sessions entstand auch der zusammen mit Marl Young komponierte Song I Don’t Love You Anymore, eins der bemerkenswertesten der sechs Stücke der Sunbeam-Session. Der Song war eine swingende Upbeat-Bluesnummer. Im Songtext „verspottet sie den sie missbrauchenden Mann, der sie auf die Straße geworfen hat und sie nun von Tür zu Tür ziehen lässt; und Cornshucks wendet das Lied, in einen Moment der Selbstfindung neu entdeckter Freiheit, in einen Triumph weiblicher Unabhängigkeit“.Im Original: „taunt the abusive man who has tossed her out into the street, left her drifting door to door — and Cornshucks turns it, in a moment of self-discovery of newfound freedom, into a triumph of female independence“. Zitat Barry Mazor

Aus gesundheitlichen Gründen musste Miss Cornshucks ihre Karriere häufiger unterbrechen und kehrte dann nach Ohio zurück. Es kam schließlich zur Trennung von ihrem Mann Cornelius, der in Drogengeschäfte verwickelt war; dieser zog danach in seine Heimatstadt Indianapolis. Doch durch die Scheidung verlor Cornshucks in den Folgejahren mehr und mehr die Kontrolle über ihre Psyche und wurde zur Alkoholikerin. mini|150px|links|Apollo Theater in Harlem Nach dem Ende des kurzlebigen Sunbeam-Labels wurde Arthur Bryson, ein Theateragent am Broadway, ihr Manager. Die Sunbeam-Aufnahmen wurden nun auf dem Label Old SwingMaster erfolgreich wiederveröffentlicht. Mitte der 1940er Jahre feierte sie Erfolge in Detroit, wo sie den Jump-Blues-Star Wynonie Harris in der Frolics Bar ablöste; in New York trat sie im Club Baby Grand auf und gastierte in einer Around The World genannten Tour in vielen Theatern: dem Howard in Washington D.C., dem Earle in Philadelphia, dem Regal in Chicago und dem Apollo Theater in New York.

Während einer dieser Tourneen lernte sie in Detroit den Tänzer Henry „Henny“ Ramsey kennen, mit dem sie dann mehrere Jahre auf Gastspielreisen ging, während ihre Kinder bei ihrer Familie in Dayton blieben. Ramsey und Cornshucks lebten eine Zeitlang – ohne verheiratet zu sein – in Los Angeles, wo sie in den Clubs der Central Avenue auftrat, wie im Last Word Room, begleitet von der Joe Lutcher Jump Band und Joe Liggins, sowie im Club Alabam, wo auch T-Bone Walker, Johnny Otis und Wynonie Harris spielten.

Die Sängerin wurde im Club Alabam von den beiden führenden Bands, der von Otis und von Harlan Leonards Kansas City Rockers, begleitet. Cornshucks trat außerdem Anfang 1948 im Million Dollar Theatre in Downtown Los Angeles auf, einem früheren Filmpalast; sie wurde als „the new look in comedy“ und „a rustic comedienne“ angekündigt. Ihr komödiantisches Talent verschaffte ihr im November 1947 auch eine kleine Filmrolle in Campus Sleuth, einem B-Movie der Monogram Pictures, die auch Filme von den Bowery Boys und Charlie Chan produzierten.

Little Miss Cornshucks In the Rain (1948) zeitgenössische 78er der Sängerin OldSwingMaster Label Link zum Bild (Bitte Urheberrechte beachten)

Im Mai 1948 nahm sie weitere Songs für das kleine Label Miltone in Kalifornien unter dem Saxofonisten und Produzenten Maxwell Davis auf, der ein führender Vertreter des Rhythm & Blues der Westküste war und zu dieser Zeit an Aufnahmen von Percy Mayfield, B. B. King und dem frühen Charles Mingus mitwirkte. Er nahm mit Cornshucks neun Songs auf, darunter die Ballade In the Rain, die später von Ruth Brown gecovert wurde, sowie den Jazz-Standard He’s Funny That Way und die Blues-Nummer Cornshucks Blues aus dem Film Campus Sleuth.Campus Sleuth in der Internet Movie Database

Die von Miltone veröffentlichten 78er-Schallplatten wurden als Little Miss Cornshucks with The Blenders herausgebracht. The Blenders war eine Studioband, die auch bei Aufnahmen des Labelbesitzers Roy Milton mitwirkte. Die Ballade Keep Your Hand on Your Heart wurde von dem Pianisten Calvin Jackson arrangiert. Cornshucks kehrte darauf nach Chicago zurück, hatte weitere Engagements in den Clubs der Stadt, bei denen sie auch den alten Harry-Woods-Song Try a Little Tenderness interpretierte. Bei einem weiteren Aufenthalt in Kalifornien entstanden 1949 Aufnahmen für Aladdin als Miss Cornshucks & Her All-Stars, darunter die Songs Waiting in Vain und (Now That I’m Free) You Turned Your Back on Me, erneut mit Maxwell Davis als Produzenten.

In New York hatten Ahmet Ertegün und Herb Abrahamson 1948 ihre Firma Atlantic Records gegründet; Ertegün erinnerte sich noch gut an Cornshucks’ Auftritte, wusste aber für geplante Aufnahmen nicht, wo er die Sängerin finden konnte. Atlantic Records nahm dann Ruth Brown unter Vertrag. Deren erster erfolgreicher Song So Long war 1949 eine Kopie von Cornshucks’ Gesangsstil. Ertegün erinnerte sich:

„Haben Sie mal Ruth Browns Aufnahme von So Long gehört? Nun, das klingt gerade nicht nach Ruth Brown, das klingt nach einer ganz anderen Sängerin. Und das klingt auch nicht so wie irgendeine andere Aufnahme, die sie jemals gemacht hatte. Wir haben sie unter Vertrag genommen, weil sie wie Cornshucks klingen konnte.“„You’ve heard Ruth Brown’s record of ‘So Long’?“ Ertegun asks. „Well, that doesn’t even sound like Ruth; she sounds like a different singer! And it doesn’t sound like any other recording she made ever after, either. We signed her at first because she could sound like Cornshucks!“ Zitiert bei Barry Mazor.