__NOTOC__ miniatur|Bauwerk 91 Straßenunterführung zwischen Burgsinn und Gräfendorf miniatur|Brückenpfeiler bei Gräfendorf (Weitere Bilder)miniatur|Mitteldeutschland mit den 1938 geplanten Reichsautobahnen miniatur|Bauwerk 25 Unterführung bei Rupboden Strecke 46 bezeichnet ein knapp 70 km langes unvollendetes Autobahnteilstück in Deutschland, das zwischen Bad Hersfeld – Kirchheimer Dreieck – Hattenbacher Dreieck – Fulda und Würzburg verläuft und als Vorläufer der heutigen A 7 gilt.

Geschichte

Die „Strecke 46“ gliedert sich in zwei Baubereiche:

Für den nördlichen Bereich (Bad Hersfeld – Fulda – Landesgrenze Preußen/Bayern bei Eckarts) war die Oberste Bauleitung (OBR) Kassel zuständig. Für den deutlich kleineren südlichen Baubereich (Landesgrenze Preußen/Bayern bei Eckarts – Gemünden am Main – Karlstadt – Würzburg – Kist) zeichnete die OBR Frankfurt verantwortlich.

Während der Bereich Kirchheimer Dreieck – Hattenbacher Dreieck wegen der Verbindungen nach Kassel bzw. Frankfurt am Main Priorität hatte und demzufolge bereits im Jahre 1936 mit dem Bau begonnen wurde, starteten die Bauarbeiten im Abschnitt Hattenbacher Dreieck – Fulda erst im Frühjahr 1937.

Nachdem die Streckenplanung für den nördlichen Bereich mit dem Generalinspektor für das Deutsche Straßenwesen abgestimmt worden war, wurden Trassierungsarbeiten wie die Anlage von Schürfgruben bzw. Vermessungsarbeiten durchgeführt. Nach den Rodungsmaßnahmen und dem Abtrag des Mutterbodens wurde im nördlichen Bereich nur einige wenige Bauwerke, meist Entwässerungsbauwerke errichtet. Aus Mangel an Arbeitskräften wurden alle Arbeiten in diesem nördlichen Abschnitt der Strecke 46 bereits Anfang 1940 eingestellt.

Einzig im Baubereich der OBR Frankfurt entstanden mitten im „Nirgendwo“ nennenswerte Bauwerke. Der Baubereich der OBR Frankfurt war zudem der erste Bau einer Reichsautobahn im damaligen NSDAP-Gau Mainfranken. Während solch ein Ereignis in anderen NSDAP-Gauen gefeiert wurde, erfolgte im Gau Mainfranken keine Feier. Der Gau Mainfranken mit dem Gauleiter Dr. Hellmuth verschlief quasi dieses Ereignis. Die Strecke 46 ist somit die einzige Reichsautobahnstrecke, welche ohne nationalsozialistische Feier in Bau ging.

Mit dem Bau dieses südlichen Abschnittes wurde im Jahre 1937 begonnen und unmittelbar nach Kriegsbeginn am 4. Oktober 1939 eingestellt, da die Bauarbeiter abgezogen wurden. Insgesamt wurde an ca. 30 km zusammenhängender Strecke zwischen Rupboden (Schmidthof) im Norden und Karsbach (Schönauer Weg) im Süden gebaut. Der Abzug von Arbeitskräften und Materialien zu Kriegszwecken und die Einführung neuer Normen nach Beginn des Baus erschwerten die Arbeiten. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Planung des südlichen Bereichs wegen zu enger Kurven und extremer Steigungen bzw. Gefälle verworfen. Die Strecke 46 hätte in Teilbereichen nur mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h befahren werden können. Stattdessen wurde eine Trasse gewählt, die wegen der Kugellagerfabriken von Schweinfurt an dieser Stadt vorbeiführt und größere Kurvenradien besitzt, die heutige A 7. Ebenfalls eine Rolle spielte die innerdeutsche Grenze. Die Rhön und der Spessart waren ohne die Hinterlandanbindung (an Meiningen, Bad Salzungen, Eisenach) relativ schlecht zugängliche Zonenrandgebiete geworden. Zudem war auch eine Vernetzung mit der in Thüringen begonnenen Strecke 85 nun obsolet.

Zahlreiche Fragmente der fast fertig trassierten Autobahn befinden sich noch in der Landschaft, wie Erdbauten, Unterführungen, Entwässerungsbauwerke und Brückenpfeiler. Ein Großteil der Autobahntrasse wurde 2003 -damals europaweit einmalig- unter Denkmalschutz gestellt. Da die Autobahnbaustelle quasi über Nacht verlassen wurde, befinden sich neben zahlreichen fertiggestellten Bauwerken auch Bauwerke in verschiedenen Fertigstellungsgraden, wodurch die Bauweise der damaligen Zeit nachvollziehbar ist. Ebenfalls vorhanden sind viele sog. Nebenanlagen, welche nur temporär für die Zeit des Baus benötigt werden z. B. Erdmieten, Bremsberganlage, gefasste Quellen, Wasserhochbehälter, Steinbrüche, Sprengstoffbunker, Fundamente von Baubuden bzw. Arbeiterlagern. Auf der alten Trasse befinden sich 48 Bauwerke in verschiedenen Fertigstellungsgraden, die meisten versteckt im Wald.

Am augenfälligsten sind:

Bauwerk 25 (Unterführung der Gemeindeverbindung Rupboden – Weißenbach) bei Rupboden Bauwerk 69 (Unterführung beim Salusbrunnen) neben der Gemeindeverbindungsstraße Roßbach – Kreisstraße MSP 17 Bauwerk 91 (Unterführung der Kreisstraße MSP 17 zwischen Burgsinn und Gräfendorf) ohne Hinterfüllung des Bauwerkes Bauwerk 144 (Brücke über die Fränkische Saale bei Schonderfeld). Hier findet auch die aktuell einzige Nutzung der damals erstellten Bauwerke statt. Der Deutsche Alpenverein – Sektion Main-Spessart- nutzt einen der Pfeiler als Kletterfelsen.

Im Jahre 2019 wurden fußläufige Lehrpfade (sog. Spurensucherpfade) zur Erläuterung der damaligen Bauweise, der sozialen Lage der Bauarbeiter sowie der Planung und Ausgestaltung einer Autobahn aus der Anfangsphase des Autobahnbaus angelegt. Diese sind mit einer ausgeschilderten Mountainbikeroute miteinander verbunden, können aber auch mit dem Auto angefahren werden.

Eintragungen in den Denkmallisten

Gemeinde Gräfendorf Gemeinde Burgsinn Gemeindefreies Gebiet Forst Aura Gemeinde Zeitlofs

Siehe auch

Strecke 24 Strecke 77 Strecke 85 Reichsautobahn Wien–Breslau Bundesautobahn 46 Reichsautobahn Berlin–Königsberg Unfertige Bauwerke

Literatur

Dieter Stockmann: Strecke 46. Die vergessene Autobahn. 4. überarbeitete und ergänzte Auflage. Stockmann, Veitshöchheim 2017, Inhaltsverzeichnis.Inhaltsverzeichnis. Abgerufen am 7. Oktober 2025.

Weblinks

Informationsseite zur Strecke 46 OpenStreetMap - Trassenverlauf mit Nebenanlagen

Lebensader Autobahn, NDR 24. Juli 2025

Einzelnachweise

Kategorie:Nicht realisiertes Autobahnprojekt 46 Kategorie:Autobahn Kategorie:Bundesautobahn 7 Kategorie:Osthessen Kategorie:Verkehrsdenkmal (Straßenverkehr) Kategorie:Straßenverkehrsgeschichte (Deutschland) Kategorie:Verkehrsgeschichte (Hessen) Kategorie:Erbaut in den 1930er Jahren Kategorie:Baurest