EC Comics (kurz für „Educational Comics“ bzw. „Entertaining Comics“) war ein New Yorker Comicverlag, der sich in den 1940er und 1950er Jahren auf das Horror- und Crime-Genre spezialisierte und unter anderem die Serie Tales from the Crypt (Geschichten aus der Gruft) herausbrachte, die in Film- und Fernsehserien umgesetzt wurde. Etliche dieser Werke wurden nach Maßgaben des Comics Code zensiert, so dass sich der Verlag ab 1956 auf die Herausgabe des Comic-Magazins MAD konzentrierte.

Entwicklung Maxwell Charles Gaines, gründete 1945 den Verlag „Educational Comics“, um illustrierte Bibelgeschichten zu veröffentlichen. Die Picture Stories from the Bible wurden zum Grundstein für EC Comics, die in ihren Anfängen erbaulich-gute Jugendliteratur repräsentierten. In den Jahren 1946–1947 folgten einige Funnies, lustige Kindercomics mit sprechenden Tieren wie Dunny The Flying Donkey, Smoky The Snake, Korky Kangaroo oder Freddy Firefly. Die Serien hatten die Titel Tiny Tot Comics, Land of the Lost, Animal Fables, Dandy und Fat and Slat. Diese Ausrichtung erhielt das Label „Entertainment Comics“, das fortan beibehalten wurde. Die "Entertainment Comics" standen für Erwachsenen-Unterhaltung der robusten und morbiden Art.

Nach Maxwell Gaines' Tod 1947 übernahm sein Sohn William Maxwell Gaines den Verlag. Er begann im Frühjahr 1948 das Programm dem Zeitgeist anzupassen und setzte auf Western, Krimis und Liebesromanzen. Er gewann mit Johnny Craig, Graham Ingels und Wallace Wood neue Zeichner und Al Feldstein als neuen Redakteur.

Der große Erfolg gelang mit der erneuten Programmumstellung auf den sogenannten „New Trend“ ab Frühjahr 1950. Das Ziel von EC Comics war fortan intelligente Unterhaltung, professionell geschrieben und künstlerisch umgesetzt von den ideenreichsten Zeichnern ihrer Generation. Kennzeichen des „New Trend“ waren ironischer Humor sowie unerwartete Wendungen am Ende einer Handlung (sog. „twist“). Dabei bediente man sich filmischer und literarischer Vorlagen, unter anderem kam es auch zu einer Reihe von Adaptionen von Kurzgeschichten Ray Bradburys.

Die EC-Hefte enthielten vier Kurzgeschichten, darunter die Titelgeschichte mit acht Seiten, zwei Geschichten mit jeweils sieben Seiten und eine mit sechs Seiten. Jede Geschichte wurde von einem anderen Zeichner illustriert. Die Leser konnten über die Geschichten abstimmen und ihre Meinung in Form von Leserbriefen einbringen.

Als einer der ersten Verlage veröffentlichte EC Horror- und Crime-Fantasy sowie Science-Fiction und stieß damit in eine Marktnische; gesellschaftliche Tabu-Themen wie Rassismus, Selbstjustiz, Drogensucht, Polizeikorruption und Antisemitismus wurden aufgegriffen. Zeitgleich gerieten Comics in den USA allgemein in eine öffentliche Diskussion. Der populäre Psychiater und Buchautor Fredric Wertham behauptete einen Zusammenhang von Comic-Konsum und Verbrechen. Zum Beleg nutzte Wertham auch Bilder aus den EC Comics. 1954 eskalierte die Debatte und nach Senatsanhörungen und staatlichen Untersuchungsausschüssen zum Thema „Comics und Gewalt“ wurde von Verlegerseite die Comics Code Authority gegründet, die über eine Selbstzensur der Comicbranche wachte. Drastische Gewaltdarstellungen und Reizbegriffe wie „Terror“ oder „Horror“ galten als tabu. Danach konnten keine weiteren Grusel-Comics mehr verkauft werden.

Entwicklung des Verlags Pre-Trend (Frühjahr 1948 – Sommer 1950) Die Bezeichnung „Pre-Trend“ ist sperrig und meint einfach alles, was vor dem „New Trend“ erschienen ist. Also eine Begriffsfindung im Nachhinein. Darunter fallen folgende Comicserien: Gunfighter (10 Ausgaben) Saddle Justice (6 Ausgaben), dann umbenannt in Saddle Romances (3 Ausgaben) Crime Patrol (10 Ausgaben) War Against Crime (11 Ausgaben) Moon Girl (6 Ausgaben), dann umbenannt in Moon Girl Fights Crime (2 Ausgaben) A Moon, A Girl, Romance … (4 Ausgaben) Modern Love (8 Ausgaben)

Die Heftzählung der nachfolgenden New-Trend-Comics folgte in manchen Fällen der Schlussnummer eines bisher existierenden Pre-Trend-Heftes. Beispiel: War Against Crime wurde mit Nummer 12 zu Vault Of Horror. Weird Science bekam die Nummerierung von Saddle Romances etc. Das hatte finanzielle Gründe. Die Verleger sparten an allen Ecken und Enden. Da die Neuanmeldung eines Titels Geld kostete (das hatte mit dem Postvertriebssystem der Vereinigten Staaten zu tun), versuchte man, Titel unter anderen Titeln fortzuführen. Dies trieb oft so kuriose Blüten (aus einer Romanze wurde ein Horrorheft), dass die Post manchmal kassieren kam, einen „Neustart“ verfügte und sich die Heftnummerierung deshalb abermals änderte. Aus diesem Grund wird in diesem Artikel die bloße Zahl der erschienenen Ausgaben erwähnt.

New Trend (April 1950 – Februar 1955) Die goldene Zeit der EC Comics. 1950 wurde noch mit Erzählformen und Zeichenstilen experimentiert, dann standen Mannschaft und Konzept. In den Jahren 1951, 1952 und 1953 lief der Verlag von Bill Gaines zu Hochform auf. Folgende Titel wurden aufgelegt.

The Vault Of Horror (29 Ausgaben) Tales From The Crypt (30 Ausgaben, die ersten drei hießen noch The Crypt Of Terror) The Haunt Of Fear (28 Ausgaben) Weird Science (22 Ausgaben) Weird Fantasy (22 Ausgaben) Two-Fisted Tales (24 Ausgaben) Frontline Combat (15 Ausgaben) Crime SuspenStories (27 Ausgaben) Shock SuspenStories (18 Ausgaben) MAD (23 Ausgaben) – mit der #24 konvertierte MAD zu MAD Magazine Panic (12 Ausgaben)

In Crime, Fantasy, Science, Haunt und Crypt erschien in den Schlussausgaben eine EC-„Todesanzeige“ – „In Memoriam“. Herausgeber Gaines und sein Chefredakteur Feldstein schmissen sichtlich genervt, aber immer noch sarkastisch, die Brocken hin. „Ökonomisch taumeln wir am Abgrund. Die unbegründeten, ungerechtfertigten und hysterischen Vorwürfe … die wir für totalen Unfug halten … zwingen uns zur Kapitulation. Wir geben auf, wir haben’s satt! Wir vertrauen allerdings darauf, dass von nun an weniger Verbrechen geschehen werden.“ Alle New Trend-Serien wurden eingestellt.

Ausnahme: Weird Fantasy und Weird Science fusionierten zu Weird Science-Fantasy. Nach 7 Ausgaben erfolgte die Umbenennung in Incredible Science-Fiction (weitere 4 Ausgaben). Faktisch überlebte somit die EC Science Fiction den New Trend und wurde parallel zur New Direction fortgeführt.

New Direction (März 1955 – Dezember 1955) EC versuchte einen Relaunch. Dieses neu konzipierte Sortiment von Abenteuer- und Thrillergeschichten ging durch die verlegereigene Comicheftzensurbehörde CCA, um am Kiosk überhaupt noch ausgelegt zu werden. Der Haken daran: Das EC-Flair ging verloren, die Fans wendeten sich ab.

Impact (5 Ausgaben) Valor (5 Ausgaben) M.D. (5 Ausgaben) Aces High (5 Ausgaben) Extra! (5 Ausgaben) Psychoanalysis (4 Ausgaben) Piracy (7 Ausgaben)

Picto Fiction (September 1955 – Mai 1956) Herausgeber Gaines startete ein Magazinformat zum Preis von 25 Cent. Somit ließ sich nämlich die Comiczensur, die nicht für Magazine galt, umgehen. Die Idee dieses Manövers sowie der Begriff „Picto Fiction“ soll von Zeichner Jack Kamen stammen.

Shock Illustrated (2 Ausgaben) Crime Illustrated (2 Ausgaben) Terror Illustrated (2 Ausgaben) Confessions Illustrated (2 Ausgaben)

„Picto Fiction“ sind Textgeschichten mit Einzelbildern ohne Sprechblasen. Eine Art „Graphic Novel“”, oder in diesem speziellen Fall, „Graphic short story“. Auch dieser letzte Versuch scheiterte. Die letzte Ausgabe (Shock Illustrated #3) wurde noch in der Druckerei vernichtet.

Genres von EC Science Fiction Science Fiction war das heimliche Faible von den Machern Gaines und Feldstein. Obwohl die beiden Hefte Weird Science und Weird Fantasy kein großer Erfolg wurden, gab der Verlag seine Lieblingskinder nie auf. Die anderen Titel zogen diese Projekte mit durch. Für die Science Fiction wurden die Zeichner Orlando und Williamson rekrutiert. ECs Science Fiction bestach durch amüsante Spekulationen zur conditio humana – stets gespickt mit einer ironischen, teils gar sozialkritischen Pointe.

In „Judgement Day“ (Weird Fantasy #18) begutachtet ein irdischer Botschafter, unkenntlich in seinem Raumanzug, die Fortschritte auf dem Roboterplaneten Cybrinia, um über dessen Aufnahme in die galaktische Republik zu entscheiden. Er entdeckt jedoch, dass zwischen blauen und roten Robotern Apartheid herrscht, muss Cybrinias Anliegen verweigern und reist ab. Im Schlussbild nimmt der Mensch seinen Helm ab, und wir erkennen, es ist ein Schwarzer. Die Geschichte erschien im März 1953. Dutzende Leser gratulierten, darunter auch Ray Bradbury. Herausgeber Gaines legte sich knapp drei Jahre später zum letzten Mal mit der Comiczensur an – wegen des Nachdrucks von „Judgement Day“ in Incredible Science-Fiction #33. Der schwarze Raumfahrer hatte Schweiß im Gesicht und dieser sollte entfernt werden, so verlangte es die Behörde (die Story selbst hatten sie offensichtlich gar nicht gelesen). Gaines warf ihm das „F-Wort“ vor die Füße, druckte es und stellte alle Titel bis auf MAD ein, da seine Horror-Titel und alle Comics, auf dem das EC-Logo stand, nicht mehr an die Kioske ausgeliefert wurden. Dank MAD, welches kurz davor zum Magazin umgeändert wurde und ein großer Erfolg war, überlebte der Verlag.

Die Zukunftssatire „A Man’s Job“ in Weird Fantasy #12 erzählt davon, dass die Vereinigten Staaten handstreichartig zur Frauengesellschaft werden. Ein Rollentausch der Geschlechter, geschildert in allen Einzelheiten. Männer sind den Frauen hörig, müssen Haushalte führen und können nicht Auto fahren. Am Schluss verabschiedet sich der männliche Erzähler, weil er in den Kreißsaal geschoben wird, denn seine Wehen haben eingesetzt.

Horror Die Grusel-Comics waren die erfolgreichsten Titel von EC. Obwohl direkt mit drei Titeln aufgelegt, liefen die Horrorgeschichten von Anfang an. The Vault Of Horror, The Haunt Of Fear und Tales From The Crypt waren die langlebigsten Hefte des Verlags. Die EC-Gruselcomics nutzten Cross-Marketing: Jedes Heft hatte seinen eigenen „host“, seinen Gastgeber und Präsentator, der die Titel- und Schlussgeschichte ankündigte. Die zweite und dritte Geschichte gehörte dann jeweils einem Kollegen der beiden Schwestermagazine. Der „Vault Keeper“ stand der Vault Of Horror vor, der „Crypt Keeper“ wachte über seine Crypt (Of Terror), und die „Old Witch“ präsentierte ihre Haunt Of Fear.

Die Geschichten drehten sich um Geköpfte, die Rache suchten, um normale Menschen, die zu Monstern wurden, um Erbschleicher, die über Leichen gingen, um Zombies, die die Lebenden heimsuchten, um Metzger, die Menschenfleisch anboten und sogar um teuflische Geschwister, die als verkrüppeltes (quasi siamesisches) Körperteil ein Eigenleben führten – zum Beispiel in der von Ingels illustrierten Story „The Ventriloquist’s Dummy“. Der Schrecken geschah jedoch nie um des puren Grauens willen, sondern war meist Resultat eines perfiden Verbrechens, das auf übernatürliche Weise gerächt und mit gleichen Mitteln bestraft wurde. Dieses Prinzip der „Poetic Justice“ darf als Philosophie des EC-Universums gelten.

Die Horrorhefte verkauften sich so gut, dass 1954 eine vierte Reihe geplant und angekündigt wurde: The Crypt Of Terror. Sie erschien nicht mehr, da sämtliche Horrorcomics vom Markt genommen wurden. Erst Mitte der 60er Jahre nahm der Warren-Verlag mit den Comicserien Eerie und Creepy die EC-Tradition wieder auf.

Krieg Verantwortlich für die Herausgabe der beiden Kriegsserien war Harvey Kurtzman. EC erkannte das Talent seines Zeichners, und schon im Herbst 1950 beauftragte ihn Gaines mit der Konzeption eines weiteren Heftes, dem Abenteuercomic Two-Fisted Tales. Die Geschichten um Konquistadoren, Piraten und Feldherren wurden im folgenden Jahr zu Gunsten reiner Kriegscomics aufgegeben.