Das UEFA-Juniorenturnier (off. International Youth Tournament) war ein von 1948 bis 1980 durchgeführter Wettbewerb für Juniorenmannschaften der europäischen Fußballverbände. Von 1948 bis 1954 wurde das bedeutendste Nachwuchsturnier Europas durch die FIFA und ab 1955 durch die 1954 gegründete UEFA organisiert. Teilnahmeberechtigt waren alle Spieler bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, jedoch nicht solche, die bereits einen Profivertrag unterschrieben hatten.F.A. Brockhaus GmbH: Der Sport Brockhaus, 1989, S. 566. Ab dem Jahr 1981 wurde der Wettbewerb von der UEFA unter der Bezeichnung „Junioren-Europameisterschaft“ weitergeführt. Der DFB nahm erstmals 1953 mit einer Juniorennationalmannschaft am Turnier teil, konnte aber bis 1980 keinen Turniersieg erringen. Nur in den Jahren 1954 und 1972 zog die DFB-Jugend in die Finalspiele ein. Dagegen trug sich die Vertretung des DFV aus der DDR in den Jahren 1965 und 1970 zweimal in die Siegerliste ein. Am erfolgreichsten erwies sich die Jugend von England, die alleine acht Turniere gewinnen konnte, darunter auch mit einem Hattrick in den Jahren 1971 bis 1973. Mit vier erfolgreichen Teilnahmen folgt die Sowjetunion auf dem zweiten Rang, Bulgarien rangiert mit drei Triumphen auf dem dritten Platz in der Siegerliste. In den Jahren 1955 und 1956 wurden in Italien beziehungsweise Ungarn nur die Gruppensieger ausgespielt, es wurde kein Finalspiel durchgeführt.

Geschichte Als die FIFA im April 1948 erstmals das Juniorenturnier in London durchführte – die Mannschaften waren im Royal Air Force-Lager in Kent untergebrachtStanley Rous in 25. Jahre UEFA-Juniorenturnier 1948–1972. S. 22. –, nahmen acht Mannschaften am Turnier teil, darunter die vier Inselteams aus England, Wales, Nordirland und Irland. Vom europäischen Festland waren die Kanalnachbarn Belgien und Niederlande sowie aus Mittel- und Südeuropa Österreich und Italien angereist. Teilnehmer aus Nord- und Osteuropa fehlten gänzlich. Bei der zweiten Austragung im April 1949 in den Niederlanden kam Frankreich hinzu; alle neun A-Jugend-Mannschaften waren gemeinsam in einer Schule in Zeist untergebracht worden. Der auf Anhieb siegreiche Neuling erhielt nach dem Endspiel eine relativ schlichte, gravierte Metalltafel überreicht.In Fédération Française de Football (Hrsg.): 100 dates, histoires, objets du football français. Tana, o. O. 2011, ISBN 978-2-84567-701-2, S. 78/79, finden sich auch Fotos der Siegestrophäe und ein Bild, auf dem sämtliche neun Teilnehmerteams gemeinsam vor ihrer Unterkunft posieren. Letztmals 1952 in Spanien wurde die internationale Jugendbegegnung im „kleinen Kreis“ mit lediglich sechs Teilnehmern ausgespielt. Als der DFB 1953 im Turnier in Belgien mit seiner Jugendnationalmannschaft debütierte, hatte der Wettbewerb seine Startschwierigkeiten überwunden und neben dem DFB traten im 16er-Teilnehmerfeld auch zum ersten Mal das Saarland, Ungarn – Jugoslawien hatte aber bereits 1951 in Frankreich die sozialistischen Länder vertreten – und Argentinien an. In den Jahren 1954 und 1965 traf sich die europäische Fußball-Jugend in Deutschland. Die DFB-Mannschaft zog 1954 mit Torjäger Uwe Seeler in das Finale ein und belegte 1965 mit Verteidiger Berti Vogts in einem 23er-Teilnehmerfeld den fünften Platz. Nachdem die DDR-Jugend bereits 1954 debütiert hatte, erkannten auch mit Bulgarien, Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei 1955 noch weitere Teams aus dem Ostblock die Möglichkeit, ihre Sportjugend durch das UEFA-Juniorenturnier der internationalen Öffentlichkeit präsentieren zu können. In den Jahren 1955 und 1956 wurden keine Turniersieger ausgespielt, nach den Gruppenspielen waren die Turniere in Italien und Ungarn beendet. Der freundschaftliche Charakter der Begegnungen, der internationale Gedankenaustausch und die Völkerverständigung sollten durch den zu starken Vordergrund des Wettbewerbsgedankens der Finalspiele nicht beeinträchtigt werden. DFB-Funktionär Hermann Joch kommentierte diese Erfahrungen aus dem Turnier 1955 in Italien im „Jahrbuch 1956“ mit folgenden Worten:Hermann Joch: in Fußball-Jahrbuch 1956, S. 22. Vor dem Turnier 1963 in England wurde die Teilnehmerzahl erstmals durch Qualifikationsspiele auf 16 Mannschaften reglementiert – 1964 und 1965 wurden aber nochmals zwei Turniere mit 24 beziehungsweise 23 Nationalteams durchgeführt – bevor dann von 1966 bis 1980 die Teilnehmerzahl konstant auf 16 Teams festgelegt war.

Die Rangliste der erfolgreichsten Teilnehmerländer am UEFA-Turnier spricht vordergründig eindeutig für die Qualität der Jugendarbeit im englischen Profifußball und die Richtigkeit der zentralistischen Vorgehensweise in den sozialistischen Ländern. Durch das in England im Zeitraum des UEFA-Turniers gepflegte System des „Profilehrlings“ – von den Ligavereinen direkt aus der Schule (ab dem 15. Lebensjahr) zur Ausbildung als Lehrling im Profifußball verpflichtete Jugendliche – hatten die Engländer beim europäischen Jugendwettbewerb den großen Vorteil, dass sie als einziges Land „Vollprofis“ einsetzen konnten, weil auf der Insel 17-Jährige schon nach zweijähriger Ausbildung Profiverträge unterzeichnen konnten.Kicker-Sportmagazin, Nr. 36, 5. Mai 1975, "England und seine Profilehrlinge", S. 24/25; dreiteilige Serie mit dem ersten und zweiten Bericht am 21. und 28. April 1975. Nimmt man die Welt- und Europameisterschaftsturniere im Seniorenfußball von 1950 bis 1980 als Weiterführung und Vollendung des Jugendfußballs hinzu, bekommt das ursprünglich klare Bild Risse. Die englischen Junioren setzten sich mit ihrer überlegenen Kraft, Robustheit und Zweikampfstärke durch, die sie im täglichen Trainingsalltag der Junioren-Abteilungen in den Profivereinen sich angeeignet hatten. Im Seniorenfußball brachte dieses Rezept nur bedingt Erfolg. Es gelang der Titelgewinn 1966 bei der Heim-WM und zwei Jahre später bei der Europameisterschaft 1968 in Italien reichte es zum dritten Rang. Die Erfolge im UEFA-Turnier konnten nicht auf den Seniorenfußball übertragen werden. Die „breite Phalanx“ des Ostblocks im Juniorenbereich hinter England, spiegelt sich auch nicht in den Welt- und Europameisterschaften wider. Die UdSSR kam lediglich bei der WM 1966 in das Halbfinale und bei den Europameisterschaften verzerren die ersten zwei Austragungen mit einem ersten und zweiten Platz das Bild. 1960 und 1964 war die EM noch nicht etabliert, der Wettbewerb wurde als „Europacup der Nationen“ ausgetragen. Es nahmen 1960 auch lediglich 17 von damals 31 der UEFA angeschlossenen Verbänden teil. Erst das dritte Turnier, vom 5. bis 10. Juni 1968 in Italien, wurde offiziell von der UEFA durchgeführt. Körperliche Überlegenheit und Wettkampfhärte aus dem Mutterland des Fußballs und zentralistische Rahmenbedingungen auf den schnellen Erfolg im Juniorenbereich ausgerichtet aus den östlichen UEFA-Verbänden, garantierten keine Weiterentwicklung im Seniorenfußball und somit auch keine vergleichbaren Erfolge.

Zwischen den Juniorenmannschaften der Verbände des DFB und des DFV gab es bei den Turnieren 1960, 1971 und 1975 dreimal direkte Länderspielvergleiche beim UEFA-Juniorenturnier. Beim ersten Aufeinandertreffen in Österreich trennten sich die Mannschaften in Linz 1:1. In der Tschechoslowakei 1971 setzte sich die DFV-Vertretung als Titelverteidiger in Veselí nad Moravou mit 3:1 Toren – zweifacher Torschütze war Jürgen Pommerenke – gegen das Team von DFB-Jugendtrainer Herbert Widmayer durch, ehe der DFB-Elf 1975 beim Turnier in der Schweiz am 9. Mai in Wettingen mit dem gleichen Resultat die Revanche glückte.

Die Aufstellungen der beiden deutschen Teams am 20. April 1960 beim UEFA-Turnier in Österreich: BRD: Werner Pfeifer (TuS Meerbeck)/ab 49. M. Udo Cieslik (Spandauer SV); Dieter Kurrat (Borussia Dortmund), Jürgen Neumann (1. FC Kaiserslautern), Arnold Cramer (FC Schalke 04); Hermann Marchl (Vfl Marburg), Stefan Reisch (1. FC Nürnberg); Kurt Haseneder (1. FC Nürnberg), Karl-Heinz Bente (Eintracht Gelsenkirchen), Hans-Otto Peters (Union Ohligs), Gerhard Elfert (Arminia Hannover), Jürgen Koch (Westfalia Herne) DDR: Hans-Georg Moldenhauer (SC Aufbau Magdeburg); Gerhard Prautzsch (SG Dynamo Dresden), Peter Gießner (SC Lokomotive Leipzig), Rolf Starost (SC Dynamo Berlin); Manfred Kupferschmied (SC Aktivist Brieske-Senftenberg), Herbert Pankau (SC Empor Rostock); Arno Zerbe (SC Rotation Leipzig), Günther Schmahl (SC Lokomotive Leipzig), Klaus Heydenreich (Empor Wurzen West), Peter Ducke (SC Motor Jena), Günter Preißler (ASK Vorwärts Leipzig)

Am 9. Mai 1975 traten die zwei Mannschaften in folgender Formation an: BRD: Harry Schmid (Kickers Offenbach); Manfred Günther (VfB Stuttgart), Horst Weyerich (1. FC Nürnberg), Rainer Lange (SV Darmstadt 98), Hannes Salewski (Schalke 04); Wilfried Hannes, Gert Engels (beide Düren 99), Klaus Allofs (Fortuna Düsseldorf); Winfried Stradt (Eintracht Frankfurt), Peter Sommer, Werner Dorok (beide 1. FC Nürnberg) DDR: Reinhard Schwerdtner (BFC Dynamo); Mann (Lok Leipzig); Andreas Treske (Lok Leipzig), Norbert Trieloff (BFC Dynamo), Uwe Bloch (Hansa Rostock); Norbert Nachtweih (HFC Chemie, 54. Andreas Bornschein – Lok Leipzig), Jürgen Reske (Rot-Weiß Erfurt), Roland Jüngling (BFC Dynamo, 67. Burkhard Pingel – HFC Chemie); Frank Eitemüller (FC Karl-Marx-Stadt), Martin Iffarth (Rot-Weiß Erfurt), Uwe Grüning (1. FC Magdeburg) Tore: 0:1 Reske, 1:1 Sommer, 2:1 Allofs, 3:1 Sommer

Ein „ewiger“ Streitpunkt waren die Geburtsangaben der Spieler durch die Verbände der Turnierteilnehmer. Laut Ausschreibung war durch jedes Teilnehmerland der UEFA spätestens 15 Tage vor Beginn des Turniers eine Spielerliste mit genauer, amtlich beglaubigter Angabe des Geburtsdatums zuzustellen. Im Reglement war festgehalten, dass ein Spieler der keinen ordnungsgemäßen Ausweis hat, „wird zur Teilnahme am Turnier nicht zugelassen“. Stichtag bei den Geburtstagen der Spieler war der 1. August. Beim Turnier 1971 in der Tschechoslowakei gab es genau darüber einen Zwischenfall, der ein schlechtes Licht auf die Verantwortlichen der UEFA warf. Nachdem die DFB-Junioren sich in der Qualifikation mit einem 1:0-Auswärtserfolg in Macerata gegen Italien durchgesetzt hatten, trafen sie in der Gruppenphase beim Turnier in der Tschechoslowakei am 22. Mai zuerst auf den Veranstalter und trennten sich mit einem 0:0-Remis. Gleichzeitig setzte sich die DDR mit 5:1 Toren gegen Griechenland durch. Dieser Begegnung war aber durch die UEFA eine Sperre von drei griechischen Spielern vorangegangen, weil sie der für UEFA-Turniere vorgesehenen Altersklassen entwachsen waren. Zwei Tage später, am 24. Mai, gegen die DFB-Mannschaft waren die drei Griechen plötzlich wieder spielberechtigt. Die Widmayer-Truppe verlor gegen die Hellas-Junioren mit 2:4 Toren. Die Griechen hatten zur Meldefrist nur die Geburtsjahre der Spieler angegeben, nichts aber, das über den Stichtag 1. August ausgesagt hätte. Die UEFA ließ sie dennoch zu.Kicker-Sportmagazin, Nr. 43, 27. Mai 1971, S. 22.

Erstteilnahmen Bis 1956 gab es immer mindestens eine Fußballnationalmannschaft, die zum ersten Mal an der Endrunde teilnahm. Die höchste Zahl der Erstteilnehmer wurde 1948 bei der ersten Auflage erreicht. Nachfolgend eine Liste der Erstteilnehmer, jeweils mit den damals gültigen Flaggen und Namen. Außer Argentinien, das 1953 und 1954 teilnahm, nahmen auch in den Jahren, als das Turnier von der FIFA organisiert wurde, nur europäische Mannschaften teil.

Jahr Erstteilnehmer 1948 1949 1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 bis 1961Keine Erstteilnehmer 1962 1963 1964 bis 1968Keine Erstteilnehmer 1969 1970 1971 und 1972Keine Erstteilnehmer 1973 1974 1975 bis 1980Keine Erstteilnehmer Fett geschriebene Mannschaften wurden bei ihrer ersten Teilnahme an einer Endrunde Turniersieger (1955 und 1956 wurde kein Turniersieger ermittelt). Kursiv geschriebene Mannschaften waren bei ihrer ersten Teilnahme an einer Endrunde Ausrichter.

Die Turniere im Überblick