mini|350x350px|Çukurova (rosa) in den Provinzen Mersin, Adana, Osmaniye und Hatay (rot)
Die Çukurova (a. d. Türkischen frei übersetzt: Tiefebene; çukur = Grube und ova = Ebene, Becken), in Antike und Mittelalter ein Teil von Kilikien, ist eine fruchtbare Tiefebene zwischen dem Taurusgebirge und dem Golf von İskenderun im Süden der Türkei. Die drei Flüsse Seyhan, Ceyhan und Tarsus Çayı fließen aus dem Taurus-Gebirge zum Mittelmeer durch die deltaartige Schwemmlandebene, die sie selbst mit ihren Sedimenten aufgebaut und vorgeschoben haben.
Die Çukurova ist auch durch Werke von Yaşar Kemal bekannt geworden.
Lage und Bedeutung Die Ebene der Çukurova wird hauptsächlich durch alluviale Ablagerungen die Flüsse Seyhan, Ceyhan und Tarsus Çayı mit unterschiedlichen Sedimentzusammensetzungen aufgebaut, was zur Ansammlung einer alluvialen Ablagerung mit einer Dicke von mindestens 300 m wahrscheinlich während der letzten 0,6 Millionen Jahre führte, wie 1984 Bohrungen bei hydrogeologischen Untersuchungen durch das türkische staatliche Wasserbauamt (DSI, Devlet Su İşleri) und geophysikalischen Prospektionen für die Kohlenwasserstoffforschung ergaben. Demnach betrug die jährliche Sedimentfracht z. B. des Ceyhan vor dem Bau des Aslantaş-Staudamms im Jahr 1984 im Mündungsgebiet mit verschachtelten Küstendünen, Lagunen und Sümpfen, die die Flussmündung flankieren, 5,5 Millionen Tonnen. Danach nahm die Sedimentfracht dramatisch ab, und die Küste erfährt mittlerweile deutliche Erosionsprozesse. Die heutige Deltaebene zeigt zudem für den Verlauf des Ceyhan eine Verlagerung der Mündung ostwärts in Richtung Yumurtalık (Ayas), wobei der ehemalige Mündungsarm (Dalyan) bei Karataş stillgelegt wurde. Man ging ursprünglich davon aus, dass diese Ceyhan-Verlegung im Mittelalter stattgefunden hat, inzwischen aber wurde sie anhand archäologischer Überreste eines Dorfes, das auf den Sedimenten eines früheren Deltas steht, auf etwa 3000–4000 Jahre vor Christus datiert. Vermutlich hielt der Ceyhan beide Deltaarme, Dalyan-Mündung und Ayas-Bucht, alternativ aktiv, je nach Intensität von Überschwemmungen, Variationen in den Bettverläufen und seitlichen Ufern. Die Mündung bei Yumurtalık war bis 1935 noch aktiv, bis durch einen neuen Umleitungskanal ein weiteres, südliches Delta entstand, das ein riesiges Lagunengebiet östlich und südlich des Dorfes Adalı füllte. Ein Teil der dortigen Lagune von Ağyatan (Akyatan) ist noch heute sichtbar und wird seewärts vom Küstengürtel von Tobruk begrenzt. Sie ist heute ein 14700 Hektar großes Feuchtgebiet und Ökosystem, das von der Ramsar-Konvention als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung ausgewiesen wird – ein wichtiger Zwischenstopp für Zugvögel, der von BirdLife International als wichtiges Vogelschutzgebiet anerkannt wird. Es ist zudem die größte Kolonie für grüne Schildkröten am Mittelmeer und hält 43 % der Brutpopulation im Mittelmeerraum.
Bedingt durch ihre fruchtbaren Alluvialböden und ein entsprechendes Klima liegt in der Çukurova das größte Baumwoll-Anbaugebiet der Türkei. Die Çukurova-Ebene ist somit eines der wichtigsten Ackerbaugebiete des Landes, darüber hinaus auch eine prosperierende Industrieregion der Türkei.
In der Çukurova-Ebene liegen folgende Großstädte:
Adana Mersin Osmaniye Tarsus Ceyhan
Der Großraum der Çukurova, jene ausgedehnte Alluvialebene mit einer Fläche von 5144 km² um die Unterläufe der Flüsse Ceyhan, Seyhan und Tarsus Çayı, ist die größte Küstenebene der Türkei. Sie gliedert sich in acht Teilebenen:
Yüreğir Ovası (die zentrale Ebene um den unteren Seyhan), 1250 km²; Yukarı Ova (Ceyhan Ovası; nördlich des mittleren Ceyhan), 2050 km² im Norden; Haruniye Ovası, 105 km² im äußersten Nordosten; Osmaniye Ovası, 135 km² im Osten; Yumurtalık Ovası, 120 km² im Süden; Misis Ovası, 234 km² in der Mitte; Tarsus Ovası, 850 km² im Westen; Berdan Ovası, 400 km² im äußersten Westen.
zentriert|mini|640x640px|Die Karte zeigt die geographische Großgliederung der Çukurova und ihrer Umrahmung in der Süd-Türkei.
Von diesen decken die zentralen Teile, d. h. die „untere“ (Yüreğir Ovası) und die „obere“ (Yukarı Ova oder Ceyhan Ovası) Ebene mit jeweils 24,3 % bzw. 39,9 % bereits den Hauptteil (64,2 %) der Çukurova ab. Durch eine Geländeschwelle bei Misis wird die Yüreğir-Ebene von der oberen Ebene (Yukarı Ova) getrennt. Im Osten grenzt die Yüreğir Ovası an den Ceyhan, im Westen greift sie über den Seyhan hinaus, und im Süden ist das Mittelmeer die Grenze. Die Yüreğir-Ebene ist zugleich der zentrale Teil der Çukurova. Dort gibt es, abgesehen von vereinzelten kleinen Tertiär-Hügeln, keine wesentlichen Höhenunterschiede. Lediglich der im nördlichen Teil gelegene Çaldağ erreicht eine Höhe von 145 m. Entlang der Mittelmeerküste, einer Haff-Küste, deren Grenze im Altertum 10 bis 12 km weiter landeinwärts lag, reihen sich, von den Strandseen Tuzgölü und Kokarot und den Akyatan-Lagunen begleitet, Dünenzüge. Lediglich bei Karataş ist die Küste auf etwa 10 km Länge von niedrigen Erhebungen einer von SW nach NO streichenden Tertiär-Scholle unterbrochen. Entsprechend dem Delta-Charakter der Ebene liegt der südliche Teil bereits so niedrig, dass er infolge mangelnder natürlicher Drainage stark versumpft ist. Die Gesamtfläche der Çukurova liegt bei ca. 5144 km². Davon entfallen auf die Provinz Adana mit 3894 km² mehr als drei Viertel (75,7 %). Die Provinzstadt Adana, mitten in der Ebene am Seyhan gelegen, kann unbestritten als kulturelles, in erster Linie aber als Wirtschafts- und Handelszentrum der Region angesehen werden. Beherrscht wird die Ebene heute von zwei signifikanten Pflanzen-Kulturen und zwei auffälligen Institutionen: von großen Zitrusanlagen und riesigen Baumwollschlägen einerseits, andererseits von der Baumwoll- (und Zitrus-) Genossenschaft „Çukobirlik“ und einer offenbar florierenden Textilindustrie, aus der sich eine Vielfalt begleitender Wirtschaftszweige entwickeln konnte.
Gemessen an der ökonomischen Entwicklung des Gesamtlandes zählt die Wirtschaftslandschaft Çukurova wohl mit zu den interessantesten Gebieten der Türkei. Zeichnen sich die Regionen um İzmir oder Istanbul auch durch eine deutlich stärkere wirtschaftliche Prosperität aus, so bildet die Kilikische Ebene (Çukurova) aus der Sicht der Geographie gleichwohl in sozio-kultureller, wirtschaftlicher und physisch-geographischer Hinsicht eine relative Einheit. Sie hat zudem eine überschaubare Dimension und bietet den Vorteil, dass sich hier die Bereiche von Landwirtschaft und Industrie in für die Türkei seltenen Verknüpfungen darbieten. Heute ist diese Landschaft einer der fortschrittlichsten wirtschaftlichen Vorzugsräume der Türkei mit Ansätzen zur Ausbildung einer modernen Industriegesellschaft und einer reichen Oberschicht mit allen positiven und negativen Konsequenzen.
links|mini|Blick über einen Part des Tertiär-Hügellandes auf die Tarsus-Ova der Çukurova im Hintergrund. mini|Von der Höhe der Burg Yılankalesi hat man selbst im Spätsommer einen ausgezeichneten Blick über die im Dunst liegende Çukurova bei Ceyhan. links|mini|Blick unweit Issos von der Felsenburg Toprakkale an der „syrischen Pforte“ über die obere Çukurova.
Die Grenzen der Çukurova verlaufen im Norden innerhalb der Fußzonen der zum Taurus hin ansteigenden Bergländer. Geologisch ist die Çukurova ein mesozoisch-tertiäres Einbruchsbecken, dessen alter Sockel an den Rändern noch erkennbar ist. Dazu zählen die schmalen Gebirgsfußflächen am Südabfall des Taurus zwischen Mersin und Tarsus ebenso wie die Berg- und Hügelländer des mittleren Seyhan und mittleren Ceyhan mit ihren Terrassen und niedrigen Plateaus. Eine Besonderheit bilden die aus mesozoischen Kalken aufgebauten, steil aufragenden Misis Dağları (Davudi Dağı) im Südwesten und innerhalb der Beckenbereiche Terrassenreste verschiedener pleistozäner Meereshochstände.
Die Çukurova ist trotz regionaler Unterschiede weitgehend eine geographisch-kulturlandschaftliche Einheit, deren nordwestliche und nördliche Begrenzung die Ketten des über 3000 m hohen Taurus und deren östliche das bis zu 2200 m hohe Amanos-Gebirge (Nur Dağları) bilden. Nur die westliche Begrenzung ist unscharf und variiert je nach Quelle zwischen der Mündung des Göksu (Kalykadnos/Saleph) bei Silifke und dem weiter östlichen Limonlu Çayı (Lamos).
Umrahmt von den Gebirgsteilen der hohen Taurusketten reichten in der Antike die Grenzen der Çukurova (Tieflandregion Kilikiens) als tiefer gelegener Teil Kilikiens von Lamos am Limonlu Çayı in der Nähe der heutigen Ruinenstadt Viranşehir bei Mersin im Westen bis zum Amanos-Gebirge bei Issos (Kinet Hüyük) im Osten, endeten im Norden am markanten Anstieg zum Taurus und im Süden an den Küsten des Mittelmeeres. Diese Großlandschaft Kilikia Pedias bzw. Cilicia Campestris fungierte damals bereits – wenn auch durch enge Passagen – als Durchgangsregion zwischen Anatolien und Mesopotamien, die u. a. von Alexander dem Großen (333 v. Chr.) und Barbarossa (1190) genutzt wurde. Die große Ebene wird amphitheatrisch von hohen Gebirgen und verschiedenen Terrassen-Niveaus, niedrigen Plateaus, Vorhügelbereichen und Gebirgsabhängen umrahmt. Trotz dieser markanten und partiell schwer passierbaren Begrenzungen verfügt die Region über verschiedene Zugangswege, die die Çukurova seit der Antike mit den Nachbargebieten Syriens im Osten und dem anatolischen Hochland im Norden verbanden: Dazu zählen durch den Taurus der Lauf des Göksu via Mut und die »Kilikische Pforte« via Pozantı, weniger wohl die Oberläufe von Seyhan und Ceyhan. Im Osten öffnen sich durch das Amanos-Gebirge zwei Pässe ostwärts in den Maraș-Graben: Der nördlichen Amanos-Pass (Amanische Pforte, heute Bahçe-Pass) in die Ebene von İslahiye und der südliche Amanos-Pass entlang der Küste über İskenderun und die „Syrische Pforte“ (heute Beilan-Pass) in die Amik Ovası. Entlang der Achse durch die Çukurova von den Amanos-Pässen zu den Taurus-Pässen verläuft seit der Antike die wichtigste Verkehrsader von Nordsyrien nach Anatolien. Dieser Route folgen heute eine Autobahn, eine Nationalstraße und die Trasse der zu Beginn des 20. Jh. erbauten Baghdad-Bahn.
Aufgrund der beiden unterschiedlichen geografischen Strukturen Kilikiens ist das gebirgige (taurische) Kilikien (Cilicia Trachea) eher dünn besiedelt, während das Tiefland Kilikiens (Cilicia Campestris) dank seiner weitgehend flachen Orografie und fruchtbaren Schwemmlandböden eine sehr dichte Besiedlung aufweist. Die von basaltischen Vulkandecken durchbrochene Ebene Kilikiens wird auch als schwarzes Kilikien bezeichnet, ist allerdings auch stark erdbebengefährdet. Die Çukurova liegt im sogenannten neogenen Adana-Becken in der Schnittregion der arabischen, afrikanischen und anatolischen Platten und ist tektonisch geprägt von der Ecemiş-Verwerfungszone im Nordwesten und von der Karataş-Verwerfungszone entlang der Misis-Gebirge (Davudi Dağı) im Südosten. Das gesamte Gebiet ist somit durch intensive Seismizität mit zerstörerischen Erdbeben gekennzeichnet. So war das Erdbeben von 1998 mit der Misis-Verwerfung verbunden, wobei Verluste und Gebäudeschäden in der Stadt Adana und in der Industriezone Adanas sowie Bodenverflüssigung und Einsturz des Flussufers im Gebiet des Dorfes Abdioğlu verursacht wurden.
Die Unterläufe der Flüsse Tarsus Çayı (griechisch Kydnos), Seyhan (Saros) und Ceyhan (Pyramos) waren wohl in der Antike schiffbar, denn als während des 1. Kreuzzuges im Winter 1108 der Normanne Tankred Kilikien von Antiochia aus angriff, ruderte ein Teil seiner Truppen von See her kommend auf Triremen den Pyramos (Ceyhan) hinauf bis zu jener steinernen römischen Brücke, die damals wie heute Teile von Misis (Mopsuestia, Mamistra) verbindet. Einige der damaligen größeren Städte, wie z. B. Tarsus und Misis, dürften Flusshäfen besessen haben.
Klima der Çukurova links|mini|Das Klimadiagramm zeigt den Jahres-Verlauf der monatlichen Mitteltemperaturen und mittleren Niederschläge in der Region Adana zwischen 1929 und 1960.