Enrico Stolzenburg (* 1973 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Theaterregisseur, Klangkünstler und Professor an der Universität der Künste Berlin.

Leben und Wirken Stolzenburg wuchs in einer deutsch-chilenischen Familie in Ost-Berlin auf. Sein Urgroßvater Albert Stolzenburg und sein Großvater Freimut Stolzenburg waren kommunistische Revolutionäre und Widerstandskämpfer.Große Überfahrt: Das Schiff „Winnipeg“ rettete vor 80 Jahren Flüchtlinge aus Spanien. In: berliner-zeitung.de, 1. September 2019.Handbuch der Baden-Württembergischen Geschichte 4. Auszug auf books.google.de, abgerufen am 18. Juni 2020.Stalin and German Communism. Auszug auf books.google.de, abgerufen am 18. Juni 2020.Die Revolution 1918/19 in Baden. Auszug auf books.google.de, abgerufen am 18. Juni 2020.

Zunächst inszenierte Stolzenburg mit freien Theatergruppen in Berlin. Von 1995 bis 1998 war er Regieassistent am Berliner Ensemble. Hier arbeitete er unter anderem bei Thomas Heise und als Stagemanager für Robert Wilson. Anschließend absolvierte Stolzenburg ein Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Er inszenierte 2004 am Berliner b.a.t. mit Werwolf von Rainer Werner Fassbinder und Harry Baer seine Diplomarbeit. Bereits während des Studiums arbeitete er als Regieassistent von Thomas Ostermeier an der Schaubühne am Lehniner Platz. Neben Ostermeier gehörten Manfred Karge, Peter Zadek und Wolfgang Engler zu seinen wichtigsten Lehrern.

Von 2007 bis 2010 unterrichtete Stolzenburg an der Fakultät Musik der Universität der Künste Berlin. Von 2011 bis 2012 war er dort als Gastprofessor im Fach Gesang/Musiktheater tätig und inszenierte für die 13. Münchener Biennale unter dem Titel „A Game of Fives“ fünf Uraufführungen junger Komponisten.Enrico Stolzenburg auf der Seite der Universität der Künste Berlin, abgerufen am 25. November 2019

Seine Tätigkeit als Dozent führte ihn nach Finnland, Griechenland, Lettland, Südkorea, Japan und an die Rhodes University in Südafrika. An der Theaterakademie Helsinki leitete er drei Jahre das Brecht-Seminar der Studiengänge Schauspiel, Regie und Szenisches Schreiben. Für die New York University Berlin unterrichtet er im Programm „Stanislawski, Brecht and Beyond“.

Seit Oktober 2014 lehrt er als Professor an der Universität der Künste Berlin im Studiengang Schauspiel – Ausbildung für zeitgenössisches Theater.

Regiearbeiten Stolzenburg arbeitete als Regisseur an der Schaubühne am Lehniner Platz, am Deutschen Theater Berlin, am Stadttheater Bern, am Theater Freiburg, am Theater Konstanz und am Theater Magdeburg. Am Deutschen Nationaltheater Weimar war er ab 2013 als Hausregisseur tätig.

Zu seiner Arbeit außerhalb Deutschlands zählen zwei Uraufführungen in Helsinki am Theater Viirus und im Kiasma Museum of Contemporary Art sowie eine japanische Erstaufführung am Seika-Theater in Osaka.

Inszenierungen (Auswahl) 2003: Nur für Erwachsene von George F. Walker (Deutschsprachige Erstaufführung) Schaubühne am Lehniner Platz 2003: Das Ende der Zivilisation von George F. Walker (Deutschsprachige Erstaufführung) Schaubühne am Lehniner Platz 2003: Quartett von Heiner Müller, Deutsches Nationaltheater Weimar 2005: The Optic Trilogy von Alfian Bin Sa’at, 5. FIND Festival (Deutschsprachige Erstaufführung) Schaubühne am Lehniner Platz 2005: Distanz von Lars Norén (Uraufführung) Schaubühne am Lehniner Platz 2006: Orient Express von Biljana Srbljanovic, Richard Dresser, Händl Klaus, Peca Stefan, Akos Nemeth, Özen Yula, 6. FIND Festival (Uraufführung) Schaubühne am Lehniner Platz 2006: Schwarze Jungfrauen von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel, Theater Freiburg 2007: Kebab von Gianina Carbunariu (Deutschsprachige Erstaufführung) Schaubühne am Lehniner Platz 2007: Berufsberatung, Eigenes Projekt (Uraufführung) Theater Freiburg 2007: Die Ausnahme und die Regel von Bertolt Brecht, 7th Summer Performing Arts Festival Miryang, Südkorea 2008: Dantos Tod von Georg Büchner, Theater Freiburg 2008: Bagdad brennt, John und Peter von Düffel nach Riverbend (Uraufführung) Theater Freiburg 2008: Nicht genug Sauerstoff/In weiter Ferne/Die Kopien von Carl Churchill, Theater Konstanz 2009: Visionen und Utopien vom Denken, eigenes Projekt (Uraufführung) Theater Freiburg 2009: Der Selbstmörder von Nikolai Erdmann, Theater Konstanz 2010: Der Stein, Marius von Mayenburg, Theater Konstanz 2010: Kebab von Gianina Carbunariu (Japanische Erstaufführung) Seika Theater Osaka 2011: An kalten Tagen bitte Türen schließen von Kai Ivo Baulitz (Uraufführung) Theater Magdeburg 2011: Identity Is a Myth von Barbro Smeds (Uraufführung) Theater Viirus Helsinki 2012: Kleiner Mann, was nun? von Hans Fallada, Bühnenfassung Enrico Stolzenburg und Dag Kemser, Theater Magdeburg 2012: Urho von Henrikka Himma (Uraufführung) Kiasma Museum of Contemporary Art Helsinki 2013: Die Fraktion von Kai Ivo Baulitz (Uraufführung) Theater Magdeburg 2013: Weiskerns Nachlass von Christoph Hein, Bühnenfassung Enrico Stolzenburg und Julie Paucker (Uraufführung), Deutsches Nationaltheater Weimar 2014: Der Biberpelz von Gerhart Hauptmann, Theater Magdeburg 2014: Schwarze Bären von Kai Ivo Baulitz und Dietrich Eichmann (Uraufführung) Deutsches Nationaltheater Weimar 2014: Hofmeister nach J.M.R. Lenz von Kai Ivo Baulitz (Uraufführung) Deutsches Nationaltheater Weimar 2014: The killer in me is the killer in you my love von Andri Beyeler, Deutsches Theater Berlin 2015: Frau Paula Trousseau von Christoph Hein, Bühnenfassung Enrico Stolzenburg und Beate Seidel (Uraufführung) Deutsches Nationaltheater Weimar 2015: Luft nach oben von Dirk Laucke (Uraufführung) Deutsches Nationaltheater Weimar 2016 Störfall nach Christa Wolf, Deutsches Nationaltheater Weimar 2017: Bambule im Herbst von Dirk Laucke (Uraufführung) Deutsches Nationaltheater Weimar 2017: Die Bewerber von Kai Ivo Baulitz (Uraufführung), UNI.T – Theater der Universität der Künste Berlin, 2019: Trutz von Christoph Hein, Bühnenfassung Enrico Stolzenburg, Beate Seidel und Carsten Weber, Deutsches Nationaltheater Weimar 2023: ...damit es hundert sind. von Enrico Stolzenburg und Beate Seidel (Uraufführung), Deutsches Nationaltheater Weimar

Werke (Auswahl) Seit 2006 arbeitet Stolzenburg auch als Klangkünstler im In- und Ausland. Er realisiert neben experimentellem Musiktheater kontinuierlich Formate wie Installationen und Hörparcours, oft in Kooperation mit Menschen verschiedener künstlerischer Disziplinen.

2006: Hafenbecken I + II von Daniel Ott (Uraufführung), Rheinhafen Basel 2007: Landschaft.29/7 von Daniel Ott (Uraufführung), Sommerliche Musiktage Hitzacker 2008: Error 90/91 Musikvideo von Enrico Stolzenburg und Dietrich Eichmann, Zeitgenössische Oper Berlin / John-Lennon-Gymnasium 2009: Blick Richtung Süden von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Tage für neue Kammermusik Witten 2010: Vor dem Tag von Lukas Berchtold, Helmut Lemke, Urban Mäder, Daniel Ott, Kirsten Reese, Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Festival Rümlingen 2010: Klangexpedition, Der Klingende Berg, Klangballon und Stadtrundklang von Zoro Babel, Daniel Ott, Sebastian Quack, Kirsten Reese, Erwin Stache, Enrico Stolzenburg (Uraufführung) Festival „mittenDrin“, Netzwerk Neue Musik, Eisenach 2011: Querströmung und Querformat von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Tage für neue Kammermusik Witten 2012: A Game of Fives von Lea Muir, Cathy van Eck, Iñigo Giner Miranda, Abel Paúl, Yoav Pasovsky (fünf Uraufführungen), 13. Münchener Biennale 2013: Debatte von Kirsten Reese und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Donaueschinger Musiktage 2013: 9. November 1938 – Klanginstallation zum Novemberpogrom von Kirsten Reese und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Theaterplatz Weimar 2013: Hört auf diese Stadt! Hörparcours durch die Innenstadt Magdeburgs von Dag Kemser, Kirsten Reese und Enrico Stolzenburg (Uraufführung) 2015: Phantom Synchron von Daniel Ott, Sebastian Quack, Kirsten Reese, Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Kunstfest Weimar 2015: Stadt Land Tram von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), ZeitRäume Basel 2016: Sampuogn – Schlag 9 von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Festival Rümlingen 2016: The Bock – Festung Europa von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Festival Rainy Days Luxembourg 2017: Stadthaus I-III von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung) Musikkollegium Winterthur 2017: Mittelland ist abgebrannt von Daniel Ott, Enrico Stolzenburg und Malte Ubenauf (Uraufführung), Niedersächsische Musiktage 2019: Fin al Cunfin von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Altfinstermünz 2019: Aussen Stadt Innen Räume von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Sinfonieorchester Münster 2020: Une partie du tout – Ein Teil des Ganzen von Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Lieu d’Europe, Strasbourg 2021: Summt! von Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Mühlenbecker Klanglandschaften 2021: Donau/Rauschen Transit & Echo von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Donaueschinger Musiktage 2022: Berlin Westhafen – Umschlagplatz Klang von Daniel Ott (Uraufführung), BEHALA Westhafen, Berlin 2022: Zusammen Fluss – Dauerinstallation / akustische Skulptur von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg, Donaueschinger MusiktageDaniel Ott & Enrico Stolzenburg: Zusammen Fluss. In: swr.de, 14. Oktober 2022. 2024: Eine Brücke in die Zukunft – Dauerinstallation / 4-Kanal-Klanginstallation von Enrico Stolzenburg, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 2024: Unter Wolberg von Urban Mäder, Daniel Ott, Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Festival Rümlingen 2025: Draussen Drinnen von Daniel Ott und Enrico Stolzenburg (Uraufführung), Lucerne Festival Forward

Preise 2008: Error 90/91 Junge Ohren Preis „Musik und Medien“ mit Dietrich Eichmann

Weblinks Universität der Künste Berlin Enrico Stolzenburg – Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar

Albert Stolzenburg

Einzelnachweise

Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1973 Kategorie:Mann