mini|Breslau (Wrocław), Stadtteil Kozanów mini|Überschwemmung durch die Weichsel bei Strzyżawa Die Hochwasser in Mitteleuropa 2010 waren eine Reihe von Hochwasserereignissen in Mitteleuropa durch starke Niederschläge in einem Tiefdruckgebiet, das in Deutschland mit dem Namen Yolanda benannt wurde (siehe Namensvergabe für atlantische Sturmtiefs), das sich am 14. Mai über Nordafrika bildete und dann über das Mittelmeer zog. Das Zentrum dieses Systems verblieb dann einige Tage stationär über der Ukraine, bevor es sich nordwestwärts verlagerte.

Sturmböen in Verbindung mit Starkregen sowie Dauerregen führten verbreitet in Teilen Österreichs, in Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn zu starkem Hochwasser oder Sturmschäden; betroffen waren mit Bulgarien und Serbien auch Gebiete auf der Balkanhalbinsel sowie die Ukraine. Durch die Auswirkungen kamen mindestens 29 Menschen ums Leben.

Die hauptsächlich betroffenen Regionen waren Nordmähren und Schlesien in Tschechien, Schlesien in Polen sowie die Ostslowakei und Nordungarn. Auch der Osten Österreichs war aufgrund von Stürmen betroffen. Entwässert werden diese Regionen zum Schwarzen Meer über March, Ipeľ und Theiß weiter in die Donau sowie zur Ostsee über Weichsel und Oder – weswegen vom Hochwasser auch Teile von Brandenburg in Deutschland betroffen waren.

Tote In den betroffenen Ländern gab es infolge der verschiedenen Wetterunbilden neben Sachschäden auch Verletzte und Tote. Staat Anzahl der Toten 3 auf ORF Niederösterreich, 27. Mai 2010; abgerufen am 27. Mai 2010 auf ORF, 16. Mai 2010; abgerufen am 18. Mai 2010 25 2 in der Stuttgarter Zeitung vom 19. Mai 2010 4 1 2 Insgesamt 37

Niederschlagsmengen

Das Hochwasser in Mitteleuropa wurde durch extreme Regenfälle ausgelöst. In der Region von Weichsel und Oder seien von der Nacht auf Sonntag bis Dienstag früh örtlich deutlich mehr als hundert Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, sagte der Meteorologe Bernd Zeuschner vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

Bielsko-Biała in Polen habe 286 Liter pro Quadratmeter und Lysá hora in Tschechien 279 Liter pro Quadratmeter gemeldet – auf dem höchsten Berg der Mährisch-Schlesischen Beskiden fielen zwischen dem 16. und 19. Mai über 50 cm Neuschnee. Flächendeckend gab es mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Regenmenge im Mai für Deutschland beträgt 71 Liter pro Quadratmeter.

Niederösterreich, das vor allem mit den Starkregen zu kämpfen hatte, bekam über den gesamten Mai gerechnet stellenweise bis dreimal so viel Niederschlag wie im Durchschnitt ab. ZAMG, 28. Mai 2010; abgerufen am 1. Juni 2010

Deutschland mini|Hochwasser an der Oder in Słubice (links) und Frankfurt/Oder (rechts) am 30. Mai 2010 In Brandenburg wurde am 22. Mai 2010 Hochwasseralarm Stufe 1 ausgelöst. Der Scheitelpunkt des Hochwassers wurde für den 26./27. Mai erwartet. Am 28. Mai 2010 wurden im Unteren Odertal bei Schwedt/Oder die sonst nur im Winter gefluteten Nasspolder 10 und A/B zur Entlastung der Ortschaften am polnischen Oderufer unter großem Medieninteresse geflutet, nachdem die örtlichen Landwirte die Flächen geräumt hatten.

Kroatien Anfang Juni gab es hohe Niederschlagsmengen und Pegel in Kroatien. Besonders schwer betroffen war Ostkroatien um die Städte Slavonski Brod und Vinkovci. 90 % der landwirtschaftlichen Flächen wurden überschwemmt, sodass bis 4. Juni geschätzte Schäden von 140 Millionen Euro auftraten.Überschwemmungen im Osten Kroatiens. In: Die Presse, 4. Juni 2010; abgerufen am 7. Juni 2010

Österreich Die Wettersituationen entsprachen in Ostösterreich, sowohl was den Niederschlag als auch den Wind angeht, einem zehnjährlichen Ereignis. Dazu kam noch ein Temperatursturz in ganz Österreich auf ca. 11 Grad. ZAMG, 17. Mai 2010; abgerufen am 18. Mai 2010

Allein in Wien wurden zwischen dem 13. und dem 16. Mai Niederschläge von 110 l/m² gemessen. Allerdings wurden davon schon 52 l/m² am 13. Mai innerhalb einer Stunde gemessen, was einem 50-Jahreswert entspricht. (Statistisches Regenmaß, wie nur alle 50 Jahre) ZAMG, 14. Mai 2010; abgerufen am 18. Mai 2010

Auf der Hohen Veitsch wurden Stürme mit einem Spitzenwert von 170 km/h, in Rechnitz im Burgenland im Flachland von 118 km/h gemessen.

Bedingt durch den Starkregen in Wien kam es bereits am Donnerstag, der Feiertag war, abends zu Überschwemmungen, da das Kanalnetz die Wassermengen nicht aufnehmen konnte. Etwa 20.000 Haushalte waren ohne Strom, da die Stromversorgung teilweise durch Wassereintritt in die Trafostationen ausfiel und zum Teil gezielt abgeschaltet werden musste, um der Feuerwehr das Kellerauspumpen gefahrlos zu ermöglichen. Allein zwischen 17:00 Uhr und 21:00 Uhr musste die Wiener Berufsfeuerwehr 250 Mal ausrücken. Schwerpunkte des Hochwassergeschehens waren Ottakring, Mariahilf, Neubau, Hietzing und Penzing.Unwetter setzt Wien unter Wasser Oe24.at, 13. Mai 2010; abgerufen am 18. Mai 2010 Auch die U-Bahn Linie U3 musste ihren Betrieb bis in die Nacht einstellen, da das Wasser bei der Baustelle Westbahnhof eindrang. vom 14. Mai 2010; abgerufen am 18. Mai 2010

Die Stürme betrafen vor allem Ostösterreich das ganze Wochenende. Der Baumbruch war aber nicht so stark wie bei den vorjährigen Orkanstürmen wie Emma oder Paula. Trotzdem waren vor allem Verkehrsverbindungen immer wieder durch Baumbruch betroffen. So musste beispielsweise die Semmeringbahn am 17. Mai in der Nacht wegen Baumbrüchen gesperrt werden.Nö: Kein Ende der Sturmeinsätze in Payerbach auf Fireworld vom 17. Mai 2010; abgerufen am 18. Mai 2010 Indirekt forderte der Sturm allerdings ein Todesopfer bei Aufräumarbeiten nach einem Baumbruch, da ein Feuerwehrmann unter ein Fahrzeug kam und dabei so schwere Verletzungen erlitt, dass er noch an der Unfallstelle starb.

Am 17. Mai musste von der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf Hochwasseralarm für die March gegeben werden, da aus Tschechien größere Wassermengen zu erwarten waren. Wie bei solchen Ereignissen üblich, wurden die Grenzübergänge in die Slowakei, die über die March führen, geschlossen. Es wurde aber versichert, dass die Hochwasserschutzbauten ausreichenden Schutz für die Bevölkerung bieten sollten. auf ORF am 17. Mai 2010; abgerufen am 18. Mai 2010 Erwartet wurde ein HQ1 bis HQ5 auf via donau vom 16. Mai 2010; abgerufen am 18. Mai 2010

Am 19. Mai sind die Pegel wieder gefallen, da auch aus Mähren weniger Zulauf kommt. Bei Hohenau an der March lag der Pegel zu Mittag bei 5,29 Meter. auf ORF, 19. Mai 2010; abgerufen am 19. Mai 2010

Starkregen führten vor allem im Bezirk Mistelbach rund um den Buschberg zu zahlreichen Überflutungen und Vermurungen. Viele Keller wurden bereits ein zweites Mal innerhalb der Woche geflutet. auf ORF, 22. Mai 2010; abgerufen am 23. Mai 2010

Während es in den anderen Ländern vor allem zum Wasseraustritt bei großen Flüssen kam, traten die Hochwasserereignisse vor allem bei kleineren Zubringern an verschiedenen Orten vermehrt auf. So wurde am 25. Mai der Bezirk Korneuburg getroffen. Besonders stark war es dann am 26. Mai in der Buckligen Welt im Süden Niederösterreichs sowie im angrenzenden Burgenland. Ein Hagelgewitter und Starkregen mit einer Dauer von nur 40 Minuten verwandelte kleine Bäche in den Tälern in Sturzfluten. So stand man in Karl knapp davor, den Ort zu evakuieren, da das Rückhaltebecken zu bersten drohte. Im Bezirk Wiener Neustadt waren zwei Tote in Verbindung mit dem Hochwasser zu beklagen. Zusätzlich angespannt wurde die Lage der Einsatzkräfte, da zeitgleich im Bezirk Tulln und in Klosterneuburg ein Tornado auftrat. Der von Meteorologen als schwach eingestufte Tornado mit etwa 120 km/h verursachte aber trotzdem große SchädenFeuerwehren im Großeinsatz auf ORF, 27. Mai 2010; abgerufen am 27. Mai 2010Nö: Mehrere Unwettereinsätze für die Feuerwehr Grossweikersdorf auf Fireworld vom 26. Mai 2010; abgerufen am 27. Mai 2010 Ähnliche Gebiete, nämlich das Mittelburgenland und die Bucklige Welt betraf es tags darauf am 27. Mai neuerlich. Vor allem Hagel zerstörte wieder zahlreiche Dächer. Betroffen waren allein im Burgenland etwa 18 Gemeinden, wo etwa 250 Feuerwehrmitglieder in Einsatz waren. auf ORF Burgenland, 27. Mai 2010; abgerufen am 27. Mai 2010 Aber auch in Kirchschlag wurden wieder Häuser vermurt und Brücken weggerissen. Während am 28. Mai noch immer Rotten im Süden Niederösterreichs von der Außenwelt abgeschnitten waren, gingen in den Abendstunden diesmal im Bezirk Horn starke Gewitter nieder, sodass ein Damm, der bereits im Vorjahr einmal brach, nur durch äußerste Anstrengung von 300 Feuerwehrleuten gehalten werden konnte. auf ORF Niederösterreich, 29. Mai 2010; abgerufen am 29. Mai 2010 Am Sonntag, den 30. Mai fielen wieder lokal starke Niederschläge, die diesmal den Bezirk Korneuburg und den Bereich um Klosterneuburg trafen, aber auch weitere kleinräumige Überflutungen im Wienerwaldgebiet und auch in Oberösterreich auslösten. auf ORF, 30. Mai 2010; abgerufen am 30. Mai 2010Kremsmünster und Gainfarn am 30. Mai 2010; abgerufen am 30. Mai 2010

Nachdem am 2. Juni vorhergesagte Starkregen in ganz Österreich eintrafen, stiegen auch die Pegel in Westösterreich. So trat der Inn in Schärding über die Ufer. Entlang der gesamten Donau in Österreich wurde der mobile Hochwasserschutz, der bereits in der letzten Woche aufgebaut wurde, weiter erhöht. auf ORF, 3. Juni 2010; abgerufen am 7. Juni 2010 Nachdem es in Salzburg bis zu 90 l/m² in 24 Stunden regnete, war außer dem Lungau auch das ganze Bundesland von Vermurungen und Sturzfluten betroffen und machte den Einsatz von 1.000 Feuerwehrleuten notwendig. auf ORF Salzburg vom 3. Juli 2010; abgerufen am 7. Juni 2010 In Linz wurde dabei das Linzer Auge, ein drehbares Ponton in der Donau, aus der Verankerung gerissen und versank.

Polen mini|Fluss Jasiołka in Jasło am 17. Mai 2010 gegen 16:25 Uhr In Polen waren von den Dauerregenfällen vor allem die Woiwodschaften im Süden des Landes betroffen. Die Überschwemmungen begannen am 15. Mai 2010, vor allem an Oder und Weichsel, aber auch andere Flüsse traten über die Ufer. Sandomierz wurde größtenteils überflutet. Die Hochwasser erreichten über Oder und Weichsel dann nach und nach auch andere Landesteile. In Krakau wurde der Notstand ausgerufen.

Am 18. Mai erzwang das Hochwasser der Weichsel die Schließung des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, wo Ausstellungsstücke in Sicherheit gebracht wurden. Teile des Geländes wurden in Mitleidenschaft gezogen, weil Lagerbaracken und Wege durch Wasser unterspült wurden. Helfer errichteten einen Schutzwall, um zu verhindern, dass das Lagergelände überflutet wird. Am 20. Mai 2010 wurde das Museum teilweise wieder geöffnet.

mini|links|Hochwasser der Weichsel bei Sandomierz (Aufnahme von der ISS) Deichbrüche sorgten an verschiedenen Stellen für Überschwemmungen. In Breslau (Wrocław) brach ein Deich an zwei Stellen und verursachte so die Überflutung des Stadtteils Kozanów, der bereits vom Oderhochwasser 1997 besonders stark betroffen war.

Am 23. Mai 2010 brach an der Weichsel bei Płock auf einer Länge von etwa 200 Metern ein Deich. Durch das durch die Lücke strömende Hochwasser wurden 23 Ortschaften überschwemmt, rund 8000 Hektar Land wurden unter Wasser gesetzt.

Anfang Juni bildete sich eine zweite Hochwasserwelle. In der Nacht zum 6. Juni 2010 brach ein Deich bei Sandomierz. Ein Deich brach ebenfalls bei Słupiec und bei Zastów Polanowski überspülte die Weichsel einen Deich. Den Einsatzkräften gelang es die Glashütte in Sandomierz vor der Überflutung zu schützen. Am 7. Juni 2010 brach bei Annopol ein Deich. (abgerufen am 8. Juni 2010)

Serbien In Serbien forderte ebenfalls ein Hochwasser Todesopfer. So ertranken zwei Menschen im südserbischen Trgovište. Große Gebiete dieser Region waren von der Trinkwasser- und Stromversorgung abgeschnitten.

Slowakei mini|Hochwasser in Stará Ľubovňa, 4. Juni 2010 mini|Donauhochwasser in Bratislava beim Stadtviertel Eurovea, 5. Juni 2010