mini|220x220px|Südwestansicht von Güssing Güssing (, ) ist eine Stadt im Burgenland in Österreich. Sie ist Vorort des gleichnamigen Bezirks und ein wichtiges politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Südburgenlandes.
Die Stadt mit ihrer auf einem ehemaligen Vulkankegel gelegenen, mittelalterlichen Burg Güssing war jahrhundertelang ein bedeutendes Bollwerk an der Westgrenze des Königreichs Ungarn. Historische und kulturelle Bedeutung erlangte sie unter der Herrschaft der Magnatenfamilie Batthyány, die Güssing zu ihrem Stammsitz machte und Burg und Stadt ausbauen ließ. Neben der Burg mit ihren Befestigungsanlagen bestehen mit dem Franziskanerkloster mit der Basilika Mariä Heimsuchung, dem Kastell Batthyány und dem Schloss Draskovich noch weitere Baudenkmäler aus dieser Zeit.
Güssing ist eine von acht Gemeinden im Naturpark in der Weinidylle und verfügt über ein ca. 60 ha großes Ramsar-Naturschutzgebiet.
Etymologie Der Name Güssing leitet sich vom lateinischen Quizun als Bezeichnung für den Güssinger Burgberg ab. Die erste urkundliche Nennung dieses Begriffes erfolgte 1157 in einer königlich-ungarischen Urkunde, in der Burg und Burgberg (und damit auch die heutige Stadt) zum ersten Mal genannt wurden.
Die genaue Herkunft des lateinischen Begriffes ist nicht eindeutig geklärt, man vermutet aber eine Herleitung von einem Wortstamm, der zur geografischen Umschreibung des Burgberges inmitten des breiten Flusstales gedient haben könnte, das jahrhundertelang von zahlreichen Flussschlingen durchzogen war (siehe Burg Güssing, Lage und Umgebung).
Walter Steinhauser vermutete den Ursprung des Wortes Quizun im alt-illyrischen Kusinas, das seine Wurzel im indogermanischen kus () habe. Der Begriff Kusinas steht für eine Wasserburg oder einen Berg im Wasser. In der Sprache der um 600 n. Chr. in der Gegend des heutigen Burgenlandes siedelnden Slawen habe sich die ursprüngliche Bezeichnung zum Begriff Kysina entwickelt, der nach der Landnahme im Altungarischen wiederum zu Kiszin oder Kiszen wurde, und von dem sich dann laut Steinhauser schließlich das lateinische Quizun abgeleitet habe. Die deutschen Bezeichnungen Guzzing, Güzzing, Güssing und Giesing betrachtete Steinhauser ebenfalls als Ableitung aus dem Ungarischen.Josef Loibersbeck: Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Band 32. Eisenstadt 1970, S. 26, 34–40 (zobodat.at [PDF; 732 kB]).
Elemér Schwartz vermutete eine Ableitung des Ortsnamens vom althochdeutschen Gussi, das für eine Wasserströmung oder eine Lagebezeichnung bei einem Gewässer steht.
Im Gegensatz zur Herleitung der Bezeichnung von Wortstämmen mit geografischem Bezug stellte Eberhard Kranzmayer die Theorie auf, die heutige Bezeichnung sei eine Ableitung vom althochdeutschen Personennamen Gozzo (), die sich über die Umformung zu Guzzinga später zu Güssing entwickelt habe.Güssing. In: atlas-burgenland.at. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung 7 - Bildung, Kultur und Wissenschaft, abgerufen am 29. Dezember 2025.
Die heutzutage im Ungarischen und Burgenlandkroatischen verwendeten Bezeichnungen Németújvár () und Novigrad () sind eine direkte und indirekte Lehnübersetzung des lateinischen Begriffes Novum Castrum (), der 1198 in einer königlich-ungarischen Urkunde zur Beschreibung einer damals neu errichteten Steinburg (siehe Burg Güssing, Geschichte) zum ersten Mal fiel. Der lateinische Begriff wurde zuerst ins Ungarische, und von diesem dann in das Burgenlandkroatische übernommen und dabei übersetzt.Josef Loibersbeck: Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Band 32. Eisenstadt 1970, S. 26, 30–33 (zobodat.at [PDF; 732 kB]).Güssing. In: atlas-burgenland.at. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung 7 - Bildung, Kultur und Wissenschaft, abgerufen am 29. Dezember 2025.
Zur ersten urkundlichen Erwähnung des deutschsprachigen Ortsnamens kam es im Jahre 1310 in einem Bericht von Ottokar aus der Gaal in seiner Steirischen Reimchronik, in dem er die 1289 erfolgte Eroberung der Burg Güssing durch den Truchseß Berthold von Emmberberg beschrieb. Dabei wurde die Burg als „die insin burc Guzzinc“ („die unsere Burg Güssing“) bezeichnet.Josef Loibersbeck: Güssing. In: Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.): Burgenländische Heimatblätter. Band 32. Eisenstadt 1970, S. 28, 1–20 ().
Geografie Lage mini|220px|Ansicht vom Ortsteil Sankt Nikolaus Die Stadt liegt im Südburgenland im Tal der Strem auf einer Seehöhe von Etwas weniger als die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, fast vierzig Prozent sind bewaldet.
Gemeindegliederung Die Ortschaften der Stadtgemeinde sind (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Glasing () mit Glasinger Bergen Güssing (Kernstadt) () mit Langzeil, Ludwigshof und Rosenberg Krottendorf () Sankt Nikolaus () Steingraben () Urbersdorf ()
Weitere Orte sind Langzeil, Rosenberg und seit September 2006 ist auch das im Nordosten von Güssing gelegene Ludwigshof ein eigener Ortsverwaltungsteil.
Nachbargemeinden
Klima
Geschichte Die Wurzeln Güssings gehen auf ein Suburbium zurück, das im Schatten der Burg Güssing entstand und sich mit einem linsenförmigen Anger um den Burgfelsen legte. 1427 wurde es civitas und 1459 civitas et suburbium genannt.
Seit dem 16. Jahrhundert war Güssing freie Stadt mit vollem Stadtrecht. Im Jahr 1619 war sie mit einer Ringmauer umgeben und besaß vier Stadtteile: Vorstadt (Mühlviertel), untere Stadt (Standort des Schlosses Drašković), innere Stadt (Klosterkirche bis zum Rathaus) und Hochstadt.
1540 erhielt der Magnat Franz Batthyány von Kaiser Ferdinand I. für Güssing die Erlaubnis zur Erschließung von Erzminen, und 1549 verlieh ihm der Kaiser darüber hinaus das Recht, Märkte in Güssing abzuhalten. In der Stadt findet jeden ersten Montag des Monats ein Markt statt.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Németújvár („Deutsch-Neuburg“) verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von Saint-Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes). 1973 wurde Güssing zur Stadt erhoben.
Güssing hatte von 1909 bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einen Bahnanschluss über die Güssinger Bahn nach Körmend, der vor allem dem Holztransport gedient hatte. Nach 1945 schien eine Aufrechterhaltung des Bahnbetriebs sinnlos, nicht zuletzt deshalb, weil der Verkehr einerseits nur nach Ungarn ausgerichtet war und andererseits, weil der „Eiserne Vorhang“ nun die Bahnstrecke trennte. Der Bahnverkehr wurde eingestellt, die Gleiskörper verrotteten. Heute führt die neue Bundesstraße 56 zwischen Güssing und Strem vor allem entlang des ehemaligen Bahnkörpers. Das 1899 errichtete Bahnhofsgebäude in Güssing wurde renoviert und steht noch.
Bevölkerungsentwicklung Die Bevölkerungsanzahl nimmt seit 1991 trotz Zuwanderung ab, da die Geburtenbilanz stark negativ ist.
Stark verändert hat sich nach der Angliederung des Burgenlandes an Österreich die ethnisch-sprachliche Struktur der Bevölkerung. 1910 lag der Anteil magyarischer Bevölkerung noch bei rund 45,1 %; 1934 betrug der Anteil der ungarischsprachigen Einwohnerschaft rund 8 %. Diese Veränderung ist einerseits auf den Rückzug vieler magyarischer Beamter, Militärs usw. nach Ungarn zurückzuführen, andererseits auch auf die sprachlich – nationale Eigendefinition der Bewohner.http://atlas-burgenland.at./
Bei den letzten Volkszählungen zählte Güssing einen Anteil von 2 % (1991) bzw. 1,0 % (2001) ungarischsprachiger Bevölkerung (Wohnbevölkerung mit österreichischer Staatsbürgerschaft).
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Juden im Handel der Stadt eine Rolle zu spielen. 1824 zählte die rasch wachsende Judengemeinde schon 491 Mitglieder. Die höchste jüdische Bevölkerungszahl erreichte Güssing im Jahre 1859 mit 766 Personen. Seit 1860 siedelten viele jüdische Familien jedoch ab, sodass im Jahr 1934 hier nur mehr 74 Jüdinnen und Juden wohnten. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten brachte das Ende jüdischen Lebens in Güssing durch Entweihung und Zweckentfremdung der Synagoge, und Vertreibung und Deportation der Bevölkerung.http://www.forschungsgesellschaft.at/routes/downloads/routes_bgld.pdf.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Burg Güssing, mit Schrägaufzug mini|Pfarr- und Friedhofskirche hl. Jakobus mini|Das Schiff der Maria-Heimsuchung-Kirche
Bauwerke
Burg Güssing: Auf einem Vulkankegel gelegene Festungsanlage mit zahlreichen Bastionen und Toranlagen und markantem Bergfried. Mit Wurzeln bis ins 12. Jahrhundert zurück älteste Burganlage des Burgenlandes. Ab 1522 Stammsitz der Familie Batthány und seit 1840 im Eigentum der Fürst Philipp Batthyánschen Stiftung. Beheimatet ein Restaurant mit Aussichtsterrasse und ein Burgmuseum mit rund 5000 historischen Exponaten wie Waffen, Plastiken, kunstgewerblichen Gegenständen und Gemälden, darunter zwei Porträts Lucas Cranach des Älteren. Seit 1994 Austragungsort der Güssinger Burgspiele. Jakobuskirche: Auf dem Friedhof gelegene, romanische Stadtpfarrkirche, erbaut im 9. Jahrhundert Judengebäude: Um 1740 von der Familie Batthyány errichtetes Neugebäu, ab 1829 von der jüdischen Bevölkerung als Wohn- und Geschäftshaus genutzt Franziskanerkloster: Dreiflügeliger Klosterbau aus dem Jahr 1574 und ehemalige Eckbastion Eckbastion der Stadtbefestigungen. Verfügt über eine wertvolle Klosterbibliothek mit zahlreichen Handschriften, Inkunabeln und Erstdrucken, darunter viele Unikate aus der Zeit des Protestantismus. Im Kreuzgang befindet sich ein römerzeitlicher Grabstein mit Inschrift. Kirche Maria Heimsuchung: An das Kloster anschließende Kirche mit baulichen Renaissance-Elementen und barockem Hochaltar nach einem Entwurf von Filiberto Lucchese. Erbaut um 1638, seit 2013 Basilica minor. In der Kirche ist auch der Schrein des 2003 seliggesprochenen Ladislaus Batthyány-Strattmann zu finden. Unter der Kirche befindet sich mit der Batthyány-Familiengruft die zweitgrößte Gruftanlage in Österreich. Sie verfügt unter anderem über einen bemerkenswerten Bleisarkophag für Karl Josef Batthyány, der von Balthasar Ferdinand Moll geschaffen wurde. Kastell Batthyány: Zweigeschoßiger, schlossähnlicher Arkadenbau in der inneren Stadt, der über schöne Stuckarbeiten verfügt. Kastell Güssing: Eingeschoßiger Bau aus dem 17. Jahrhundert oberhalb des Kastells Batthyány. Ehemaliger Sitz der Bezirkshauptmannschaft. Schloss Drašković: Klassizistisches Schloss in der unteren Stadt, mit Empire-Einrichtung und gotischem Flügelaltar von 1469 in der Schlosskapelle. Alte Hofmühle mit dem Auswanderer- und Josef-Reichl-Museum
Regelmäßige Veranstaltungen Musical Güssing: Der Kulturverein hat mehrere große Veranstaltungen im Jahr. Ende Januar findet das Faschingskabarett im Kulturzentrum Güssing statt. Im August wird jährlich ein bekanntes Musical aufgeführt, bei dem Profis und Amateure mitwirken. Seit 2020 finden die Aufführungen auf Burg Güssing statt. Der Musical-Darsteller Florian Resetarits hat bei dem Verein seine musikalischen Wurzeln. Burgspiele Güssing: Schon vor 500 Jahren war Güssing ein kulturelles Zentrum. Das Theater hatte stets hohen Stellenwert. Die Burgspiele sind ein Fixpunkt im sommerlichen Kulturprogramm. Der Schauspieler Frank Hoffmann war bis zu seinem Tod 2022 der Intendant des Güssinger Kultursommers, im Rahmen dessen im Sommer Theaterstücke auf Burg Güssing gespielt werden. Der Burgverein Güssing spielt Sommertheater für Kinder und Erwachsene auf der Festwiese am Fuße der Burg. 2023 übernahm Andreas Vitásek die Intendanz des Kultursommers Güssing.
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr