mini|Ein reifer Apfel mini|Roter Apfel mit herzförmigem grünen Fleck
Der Kulturapfel (Malus domestica , Synonym: Pyrus malus veraltet auch Pirus malus L. Vgl. ww.deutsche-digitale-bibliothek.de.) ist eine weithin bekannte Art aus der Gattung der Äpfel in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Er ist eine wirtschaftlich sehr bedeutende Obstart. Die Frucht des Apfelbaumes wird Apfel genannt.
Äpfel werden sowohl als Nahrungsmittel im Obstbau als auch zur Zierde angepflanzt.
Beschreibung mini|Apfelbäume im Alten Land mini|hochkant|Malus domesticaOtto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gera 1885., Illustration mini|Winterknospe an einem Kurztrieb
Habitus und Belaubung Der Kulturapfel ist ein sommergrüner Baum, der im Freistand eine etwa 8 bis 15 Meter hohe, weit ausladende Baumkrone ausbildet. Tatsächlich ist diese Wuchsform selten zu beobachten, da die einzelnen Sorten in Verbindung mit ihren Unterlagen eine davon oft stark abweichende Wuchshöhe zeigen (als Extremfälle der Hochstamm und der Spindelbusch), die darüber hinaus durch den Schnitt nicht zur Ausprägung kommt. Der Stammdurchmesser erreicht über 75 Zentimeter, wie bei dem Apfelbaum Schafsnase in Dresden. In seltenen Ausnahmefällen können Apfelbäume bis gegen 20 Meter hoch werden.Grösster Apfelbaum im Kanton Zürich bei Kanton Zürich, vom 28. Juli 2005.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind oval, rund bis eiförmig oder elliptisch, meist gesägt, selten ganzrandig und manchmal gelappt.
Holz Das Holz des Kulturapfels gleicht dem des Holzapfels, hat einen hellrötlichen Splint und einen rotbraunen Kern. Es ist hart und schwer und zählt zu den heimischen Edelhölzern. Die besten Stücke liefern die mächtigen Stämme der Mostapfelbäume.
Blütenstände und Blüten mini|Blüten der Sorte Holsteiner Cox Einzeln oder in doldigen Schirmrispen stehen die Blüten. Die fünfzähligen, radiären Blüten sind bei einigen Sorten halbgefüllt oder gefüllt, meist flach becherförmig, duftend und haben meist einen Durchmesser von zwei bis fünf Zentimeter. Die fünf Kronblätter sind weiß oder leicht rosa, im knospigen Zustand immer deutlich rötlich. Je nach Blüte sind viele Staubblätter und fünf Fruchtblätter vorhanden.
Der Apfelbaum blüht in Zentraleuropa meist im Mai.Westermann Schulatlas. 2. Auflage. Georg Westermann Verlag, Braunschweig 1971, S. 41. Der Blühbeginn des Apfels markiert im phänologischen Kalender den Beginn des Vollfrühlings. Durch die Protokollierung der örtlichen Verschiebungen der Apfelblüte können Rückschlüsse auf allgemein beobachtbare Klimaveränderungen gezogen werden.Die Aktion „Apfelblütenland 2007“ des WDR liefert hierzu ausführlichere Informationen Insofern gilt sie als Indikator für die globale Erwärmung. Seit den 1950er-Jahren hat sich dadurch die Apfelblüte etwa in Norddeutschland um knapp zwei Wochen nach vorne verlagert.
Die Apfelblüte ist eine typische Bienenblüte. Wenn fünf Prozent der Blüten bestäubt werden und zu Früchten heranreifen, reicht das bei Apfel oder Birne für eine Vollernte, während bei Steinobst der entsprechende Anteil 25 Prozent beträgt.https://steiermark.orf.at/v2/news/stories/2585857/ Fruchtfall: Apfelbauern fürchten um Ernte, ORF.at, 25. Mai 2013.
Früchte mini|Bestandteile des Apfels Das fleischige Gewebe (Fruchtfleisch) des Apfels, das normalerweise als Frucht bezeichnet wird, entsteht nicht aus dem Fruchtknoten, sondern aus der Blütenachse. Die Biologie spricht daher von Scheinfrüchten. Die Apfelfrucht – für die der Apfel typisch ist – ist eine Sonderform der Sammelbalgfrucht. Ein Balg besteht aus einem Fruchtblatt, das an einer Naht mit sich selbst verwächst. Innerhalb des Fruchtfleisches entsteht aus dem balgähnlichen Fruchtblatt ein pergamentartiges Gehäuse. Im Fruchtfleisch selbst sind höchstens noch vereinzelt Steinzellennester enthalten.
Äpfel reifen nach der Ernte nach. Sie zählen zu den klimakterischen Früchten. Ein beigelegter Apfel und eine Abdeckung lassen Bananen und andere Früchte schneller reifen. Grund dafür ist das gasförmige Pflanzenhormon Ethen, das bei der Nachreifung von Äpfeln freigesetzt wird. Aufgrund einer enzymatischen Bräunung wird das Fruchtfleisch dort, wo es nicht durch die Schale geschützt ist, je nach Sorte und Vitamin-C-Gehalt unterschiedlich schnell braun. Das ist gesundheitlich unbedenklich, beeinflusst jedoch die medizinische Heilwirkung.Jeanelle Boyer, Rui Hai Liu: Apple phytochemicals and their health benefits. In: Nutrition Journal. 3, 2004, .Rong Tsao, Raymond Yang, J. Christopher Young, Honghui Zhu: Polyphenolic Profiles in Eight Apple Cultivars Using High-Performance Liquid Chromatography (HPLC). In: Journal of Agricultural and Food Chemistry. 51, 2003, S. 6347, . Braune Fäule in Zusammenhang mit Schimmelpilzen führt zu erhöhtem Patulin-Gehalt in Apfelsaft.
Beim Rohverzehr wird das harte Kerngehäuse zumeist verschmäht. Apfelkerne (die Samen) enthalten Blausäure. Der Blausäuregehalt von Apfelsamen ist allerdings sehr gering, sortenspezifisch verschieden und beim Verzehr weniger Äpfel einschließlich deren Kerne unbedenklich.
Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 34 oder 3n=51.
Ökologie Der Kulturapfel ist ein winterkahler Laubbaum. Die Wurzel trägt eine VA-Mykorrhiza.Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
Die Blüten sind vorweibliche, duftende, Nektar führende Scheibenblumen. Die Blüten werden besonders reichlich von Bienen besucht. Der Nektar wird vom Blütenbecher abgegeben und ist mit einem Zuckergehalt von 75 Prozent extrem zuckerreich. Fremdbestäubung ist obligat. Einige Apfelsorten lassen sich nicht einmal untereinander kreuzen (Intersterilität). Auch pollenfressende Käfer besuchen die Blüten.
Apfelfrüchte sind das Verwachsungsprodukt von fünf balgfruchtartigen, meist zweisamigen Einzelfrüchten, die sowohl das pergamentartige Gehäuse als auch den Blütenbecher bilden. Letzterer wächst bei der Fruchtreife zum mächtigen, zuckerreichen (bis ca. 13 Prozent) Fruchtfleisch heran. Es erfolgt vor allem Verdauungsausbreitung durch den Menschen, dazu Schwimmausbreitung ganzer Äpfel und Bearbeitungsausbreitung z. B. durch Nagetiere. Die bekannte Braunfärbung der Schnittflächen eines Apfels wird durch die Oxidation des Polyphenols Chlorogensäure hervorgerufen. Reifende Äpfel produzieren das Gas Ethen, das die Reifung anderer Früchte in der Nähe fördert; dies kann auch zu deren vorzeitigem Verderb führen. Die Samen des Apfels befinden sich normalerweise in einer Samenruhe, d. h., sie werden erst keimfähig, wenn die unter der Samenschale befindlichen Hemmstoffe in einem feuchten Keimbett abgebaut worden sind.
Weil die Kultursorten nicht samenbeständig sind, erfolgt die Vermehrung überwiegend durch Veredelung (vegetative Vermehrung). Gewöhnlich werden die gewünschten Sorten auf eine gutwüchsige Unterlage gepfropft. Verwilderte Apfelbäume vermehren sich auch reichlich durch Wurzelsprosse. Die Marssonina-Blattfallkrankheit ist eine Infektionskrankheit des Kulturapfels.
Entstehung, Herkunft und Genetik Der Kulturapfel ist eine Zuchtform, die vom Asiatischen Wildapfel (Malus sieversii) abstammt.
Die ursprüngliche Heimat des Kulturapfels liegt demnach in Asien. In Almaty am Tian Shan wurden nach kasachischen Angaben schon vor Jahren Früchte gehandelt, die dem heutigen Kulturapfel glichen. Die größte Stadt in Kasachstan, Almaty, hieß früher Alma-Ata, was in Kasachisch „Großvater der Äpfel“ bedeutet. Gesichert ist, dass im Kaukasus und im Mittleren Osten bereits vor 4000 Jahren Äpfel angebaut wurden.
Über die Verbreitung des Apfelbaums von Asien nach Mitteleuropa ist nichts Näheres bekannt, möglicherweise gelangte er über Handelswege hierher, da die Frucht als lebensverlängerndes Heilmittel galt. Auch Schwarzwild und Pferde haben wohl zur Verbreitung durch Samen beigetragen.Brigitte Bartha-Pichler, Frits Brunner, Klaus Gersbach & Markus Zuber: Rosenapfel und Goldparmäne: 365 Apfelsorten – Botanik, Geschichte und Verwendung. AT-Verlag, Baden und München, 2006, ISBN 3-03800-209-7
Genetischer Flaschenhals Im Zuge der Domestikation hat die Apfelpopulation einen Entwicklung durchlaufen, der sich in einer Verschiebung der genetischen Vielfalt im Vergleich zum Malus sieversii zeigt. Dabei spielten Zufälle ebenso wie Auslese eine Rolle. Schon die ursprüngliche Gründerpopulation kann nur einen Ausschnitt der Vielfalt des Malus sieversii dargestellt haben. Nach der Erfindung des Veredelns vor circa 3800 Jahren konnten einzelne Sortenklone, die besonders wohlschmeckend waren, gut verbreitet werden und damit einen stärkeren Einfluss auf die Populationsgenetik nehmen, als es bei reiner Samenanzucht wohl der Fall gewesen wäre, da hier keine Garantie für ebenso wünschenswerte Eigenschaften bestanden hätte. Dennoch spielten lokale Varietäten viele Jahrhunderte eine große Rolle. Diese wurden beispielsweise von Bauern, die nicht regelmäßig veredelten, gezogen. Auch wenn viele dieser Varietäten durch beispielsweise bittere Noten nicht den heutigen Kundenerwartungen entsprechen, wurde so genetische Vielfalt bewahrt.
In der Züchtung der letzten 500 Jahre konnten einige dieser Apfelvarietäten einen überragenden Einfluss auf die Populationsgenetik gewinnen, da sie einerseits besondere Qualitäten aufwiesen und andererseits über königliche Gärten eine größere Bekanntheit erlangten. Dabei war dieser zunehmende Einfluss den jeweiligen Zeitgenossen nicht unbedingt ersichtlich, er ist jedoch heute in molekulargenetischen Analysen nachweisbar. So haben die heute kaum noch bekannten Renaissance-Apfelsorten Reinette Franche (Frankreich) und Margil (Großbritannien) sowie die nordeuropäische Sorte Alexander eine im Vergleich zu anderen Varietäten so große Zahl an Nachkommen hervorgebracht, dass sie als Founder (im Sinne von Gründereffekt) bezeichnet werden können und die heutige Sortengenetik sehr stark beeinflussen. In der modernen Züchtung der letzten 200 Jahre wurden sie zwar kaum noch verwendet, konnten jedoch ihre Gene durch ihre Nachfahren verbreiten; die später stark gebrauchten Sorten wie Ribston Pepping, Cox Orange, Jonathan, Red Delicious und Golden Delicious bestimmen schließlich das heutige Erbgut erheblich. Ihre Aromen sind es auch, die heute als apfeltypisch angesehen werden, auch wenn ihr Höhepunkt längst überschritten ist und wiederum ihre Nachfahren wie Gala, Pinova und Kreuzungen von ihnen mit dem monogen schorfresistenten Wildapfel Malus floribunda das heutige Züchtungsbild bestimmen. Selbst Zufallssämlinge sind heute freilich meist direkte Nachkommen, da sie schließlich aus Griebschen der meistgebrauchten Äpfeln entsprossen sind. Ein Beispiel hierfür ist Braeburn, bei dem eine Abstammung von Delicious und Ribston Pepping nachgewiesen werden konnte.
Wirklich alte, unverwandte Sorten spielen in der heutigen Züchtung eine sehr untergeordnete Rolle. Bei ihren Nachfahren muss eine sehr viel größere Zahl untersucht und ausgelesen werden, um eine Sorte zu finden, die heutigen Qualitätsansprüchen genügt. Dies macht das ohnehin nicht profitable und risikoreiche Unterfangen der Apfelzüchtung noch unwirtschaftlicher als die Züchtung mit Klassikern, wo inzwischen die genetische Redundanz so hoch ist, dass die Erfolgsaussichten besser sind. Auch wird befürchtet, dass Verbraucher ungewöhnliche Aromen ablehnen. Die Absenkung der genetischen Vielfalt ist daher ein selbstverstärkender Prozess. Sie geht zwar mit einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit einher, diese wird heute aber zumeist hingenommen, da durch die Globalisierung inzwischen so viele Krankheiten und Schadinsekten Einzug gehalten haben, dass keine Sorte gegen alle resistent sein kann und daher im Erwerbsobstbau mit seinen Ansprüchen an makellose Früchte ohnehin mit Fungiziden, Insektiziden etc. behandelt werden muss.