Viertel und Bezirke Oberösterreichs zentriert|300px Das Mühlviertel (in Ortsnamen auch MühlkreisMühlkreis in den Ortsnamen von Allerheiligen im Mühlkreis, Hagenberg im Mühlkreis, Haibach im Mühlkreis, Hirschbach im Mühlkreis, Hofkirchen im Mühlkreis, Kleinzell im Mühlkreis, Lembach im Mühlkreis, Lichtenau im Mühlkreis, Neumarkt im Mühlkreis, Neustift im Mühlkreis, Ottenschlag im Mühlkreis, Pfarrkirchen im Mühlkreis, Rainbach im Mühlkreis, Reichenau im Mühlkreis, Sonnberg im Mühlkreis, St. Gotthard im Mühlkreis, St. Martin im Mühlkreis, St. Ulrich im Mühlkreis und St. Veit im Mühlkreis.) ist eine Landschaft in Österreich und stellt eines der vier historischen „Viertel“ Oberösterreichs dar. Es ist jener Teil Oberösterreichs, der nördlich der Donau liegt und zum Granit- und Gneishochland gehört.
Das Mühlviertel hat seinen Namen von den Flüssen Große Mühl, Kleine Mühl und Steinerne Mühl, die es durchfließen.„Das Gebiet des ehemaligen Mühlkreises, im Volksmunde auch das Mühlviertel genannt, nach dem Flüsschen Mühl …“ In: Bericht des Museum Francisco-Carolinum, 1884. Digitalisat Das Mühlviertel in seiner heutigen Begrifflichkeit besteht seit 1779, als das Machlandviertel im Mühlviertel aufging.
Seit der Bildung der Politischen Bezirke 1868 haben die Viertel in Oberösterreich keine rechtliche Grundlage mehr und sind reine Landschaftsbezeichnungen. Dabei wurde die ältere Kreiseinteilung ersetzt, die sich noch an den alten Vierteln orientierte.
Das Stadtgebiet von Linz nördlich der Donau (Stadtbezirke Urfahr, Pöstlingberg, St. Magdalena und Dornach-Auhof) gehört ebenfalls zum Mühlviertel.DORIS: Oberösterreichs Viertel (PDF; 2,1 MB), abgerufen am 12. November 2015.
Wenn man die politischen Bezirke nördlich der Donau zusammenrechnet, bedeckt das Mühlviertel mit 3080 km² 25,7 Prozent der Fläche Oberösterreichs (11.980 km²) und ist somit flächenmäßig, nach dem Traunviertel, das zweitgrößte der vier Viertel.
Geographie Überblick mini|Typische hügelige, abwechselnd mit Wäldern und Feldern versehene Landschaft des Mühlviertels mini|Wollsackverwitterung an Granitfelsen mini|rechts mini|rechts mini|rechts|Typische Landschaft im Mühlviertel Das Mühlviertel grenzt im Westen an Bayern, im Norden an Südböhmen und im Osten und Südosten an Niederösterreich. Naturräumlich gehört es zum Granit- und Gneishochland der Böhmischen Masse. Der höchste Berg ist der Plöckenstein mit 1.378 Metern im österreichischen Böhmerwald am Dreiländereck. Im Gemeindegebiet von St. Nikola an der Donau bei Hirschenau befindet sich mit 228 Metern die tiefliegendste Stelle des Mühlviertels. Die einzigen flachen Zonen des Mühlviertels befinden sich zwischen Aschach und Ottensheim (der nördlich der Donau gelegene Teil des Eferdinger Beckens) und zwischen Mauthausen und Grein (Machland).
Granit und Gneis sind der geologische Untergrund des Mühlviertels, die Flüsse und Bäche fließen – bis auf wenige Ausnahmen im nördlichen Mühlviertel, jenseits der europäischen Hauptwasserscheide – zur Donau. Das Mühlviertel unterscheidet sich vor allem auf Grund seiner Lage und seines geologischen Untergrundes bezüglich Flora und Fauna wesentlich von anderen Landesteilen. Besonderheiten in der Natur des Mühlviertels sind unter anderem weitgehend naturbelassene Fließgewässer, Bürstlingswiesen (Borstgrasrasen), Felsformationen (Wollsackverwitterung), Moore, Fischotter, Luchs und Böhmischer Enzian.
Der Haselgraben teilt das Mühlviertel in das obere und das untere Mühlviertel. Weiter teilen die Flusstäler Mühltal und Feldaistsenke die Landschaft von West nach Ost in den Passauer- den Linzer- und den Greiner Wald.
NUTS-Gliederung In der für die amtliche Statistik der EU geführte NUTS-Gliederung ist das Mühlviertel in zwei der fünf Gruppen von Bezirken (Ebene NUTS:AT-2) in Oberösterreich zu finden, der Code AT313 und umfasst vier politische Bezirke ausgenommen den Gerichtsbezirk Urfahr, der zum Code AT312 gehört: Freistadt Perg Rohrbach Urfahr-Umgebung (geteilt in AT312 und AT313)
Die Stadt Linz nördlich der Donau und ein Teil des Bezirks Urfahr-Umgebung, die landschaftlich zum Mühlviertel gerechnet werden, gehören also nicht zur entsprechenden statistischen Region. Oberösterreich ist demnach in Statistiken auf europäischer Ebene nicht auf seine traditionellen vier Viertel aufgeteilt, sondern in seine Regionen Innviertel, Mühlviertel, Traunviertel, Hausruckviertel, Linz-Wels und Steyr-Kirchdorf.Für Hintergrundinformationen zur Eurostat-Einteilung NUTS siehe NUTS Einteilung im Direkt-Download (Excel-Datei, 527 kB). Das entspricht auch dem modernen Raumordnungskonzept, in dem der Oberösterreichische Zentralraum als „fünftes“ Viertel herausgegriffen ist.
Raumeinheiten Das Bundesland Oberösterreich ist in 41 Raumeinheiten gegliedert. Einen Überblick nach naturschutzfachlichen Kriterien wie Geologie, Geomorphologie und Raumnutzung (Besiedelung, Landwirtschaft u. Ä.) bieten die Raumeinheiten, die (ganz oder teilweise) zum Mühlviertel zählen:
Geschichte Frühgeschichte Die ältesten archäologischen Funde stammen aus der Steinzeit und wurden beispielsweise bei Perg und bei der Berglitzl gemacht.. Archäologie online. Abgerufen am 16. Juni 2011.
In Unterweitersdorf wurden Hügelgräber und 20 Urnengräber entdeckt, die auf den Zeitraum zwischen dem 13. und 11. vorchristlichen Jahrhundert datiert werden.. Website des Bundesdenkmalamtes. Abgerufen am 21. September 2010.
In Mitterkirchen wurden bei Grabungen zwischen 1981 und 1990 ein hallstattzeitliches Gräberfeld mit rund 80 Grabstätten sowie rund 900 Gefäßen und Siedlungsresten entdeckt.Manfred Pertlwieser: Frühhallstattzeitliche Herrschaftsgräber bei Mitterkirchen (Oberösterreich). In: Antike Welt, 18/1, 1987, S. 48–56; Manfred Pertlwieser: Das hallstattzeitliche Hügelgräberfeld von Mitterkirchen. Grabungsergebnisse 1981–1990. Veröffentlichungen des Verbandes Österreichischer Geschichtsvereine. 1991. Diese Funde stammen aus dem 7. Jahrhundert vor Christus. In Mitterkirchen wurde ein Freilichtmuseum erbaut, das versucht, einen Eindruck vom Alltagsleben der frühen Eisenzeit zu geben.
Zur Römerzeit war das Mühlviertel ein dichter und kaum bewohnter Urwald. Es wird vermutet, dass im Frühmittelalter Slawen das Mühlviertel bewohnten. Slawische Orts- und Flurnamen wie Tobra (bei Perg) oder Jaunitz (bei Freistadt) markieren die frühmittelalterliche Grenzsituation.
Besiedelung Seit der Niederlassung der Baiern in diesem Gebiet wurde es größtenteils Teil ihres Herzogtums (ab Mitte des 6. Jahrhunderts), dann Besitz der Babenberger mit großen Gütern zwischen Donau und Böhmerwald.
Im 11. und 12. Jahrhundert wurde nach der endgültigen Zurückdrängung der Ungarn das Mühlviertler Hügelland entlang sogenannter Rodungsstreifen zwischen Donau und Böhmerwaldkamm besiedelt, wobei die meisten linken Zuflüsse der Donau zugleich als Grenzflüsse dienten:Kapitel Besiedlung und Rodung. In: Benno Ulm: Das Mühlviertel. Verlag St.Peter, Salzburg 1976, ISBN 3-900173-05-2, S. 19–25.
Nr östlicher Grenzfluss wichtigste Herrschaft Mutterpfarre Ersterwähnung des Ortes 1 Kleine Mühl Falkensteiner (1289/90 an Herzog Albrecht) Pfarrkirchen im Mühlkreis 1230 2 Große Mühl (am Oberlauf bei Haslach) Schönhering-Blankenberg (um 1190 an die Waxenberger) Altenfelden 1242 3 Kleine Rodl Eppo von Windberg (um 1108 Schenkung an Stift St. Florian) Feldkirchen an der Donau und Niederwaldkirchen 1110 und um 1108 4 Haselbach Wilhering-Waxenberger (ab 1170 kurz „Waxenberger“) Gramastetten 1110 5 Kleine Gusen Haunsperger Gallneukirchen 1125 6 Waldaist Herren von Aist Ried in der Riedmark (1122 an Stift St. Florian übertragen) 823siehe Urkunde Confirmatio Ludovici Pii 7 Naarn Hochstift Regensburg (siehe Regensburger Luß) Naarn im Machlande 823 8 Ysper Herren von Perg und Machland Saxen (1147 an Stift Waldhausen übertragen) 823
Im Jahr 1180 erwarben die Babenberger auch das westliche Mühlviertel und gründeten um 1220 mit Freistadt die erste Stadt. Der größte Teil des Mühlviertels wurde erst während des hohen und späten Mittelalters gerodet. Die Ortsnamen, die mit -schlag enden, wie Bernhardsschlag, zeugen von den Rodungen. Echte –ing Ortsnamen (z. B. Hütting, Inzing, Arbing) zeugen von der bajuwarischen Kolonisation.
15. und 16. Jahrhundert Erstmals um 1478 wurde das Land ob der Enns in vier „Viertel“ eingeteilt. Das heutige Mühlviertel umfasst dabei zwei der damaligen Viertel, das westliche Mühlviertel und das östliche Machlandviertel. Andere Quellen nennen den östlichen Teil auch Schwarzviertel.Landkarte aus dem 17. Jahrhundert in Oberösterreich – Porträt und Identität eines Landes. Rudolf-Trauner-Verlag, Linz 2000, S. 11. Die Grenze zwischen beiden Vierteln war, je nach Quelle, die Große Rodl, der Haselgraben oder die Große Gusen. Im Laufe der Zeit dürfte sich die Grenze dabei mehrfach verschoben haben, was zu diesen ungenauen Angaben führt.Rudolf Lehr (Hrsg.): Landeschronik Oberösterreich. 3000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern. Wien/München 1987, S. 8. 1491 wurde Grein zur Stadt erhoben und war damit die zweite Stadt im gesamten Mühlviertel.
17. und 18. Jahrhundert Um 1600 entstand der gute Ruf des Mühlviertler Webegewerbes. In zahlreichen Gemeinden mit Marktrecht entstanden eigene Webermärkte. In solchen Gemeinden verdiente vielfach die Hälfte der Einwohner mit Weben oder dessen Nebenberufen ihr Einkommen. Als Rohmaterial diente den Webern Flachs, welches damals im Mühlviertel vielfach angebaut wurde. Neben Holz, Salz und Eisenwaren (Sensen) waren Weberzeugnisse dereinst eines der wichtigsten Exportartikel Oberösterreichs. Die Marktzünfte der Weber schlossen sich wie die Zünfte der anderen Handwerker zu einer Landesorganisation zusammen, deren Privileg, wie auch das Marktrecht, beim Antritt eines neuen Landesfürsten erneut bestätigt bzw. erteilt werden musste.
Die Tätigkeit der Landesweberzunft erschwerten zum einen „Gäuweber“, die aufgrund eigenen Grundbesitzes keine Notwendigkeit in einem Beitritt zur Landeszunft sahen, und zweitens die zahlreichen kleineren Aufkäufer von Garn, die diesen zu damals stark nachgefragtem Zwirn verarbeiteten, und mit viel Gewinn exportieren konnten. So wurde den Webern einerseits Rohmaterial entzogen, andererseits wurde es durch die höhere Nachfrage verteuert. Um 1700 nahm auch die ausländische Konkurrenz stärker zu, was einige unter Druck gekommene Weber zu schnellerer, ungenauerer Arbeit oder zu anderen Betrugsversuchen verleitete. Dies bezeugen schärfere Qualitäts- und Kontrollbestimmungen, die damals erlassen wurden.
Im 16. und 17. Jahrhundert war das Mühlviertel – wie weite Teile der österreichischen Länder – ein weitgehend protestantisch geprägter Kulturraum. Mit der Durchsetzung der Gegenreformation wurden insbesondere nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges Tausende von Evangelischen zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen. Sie fanden besonders häufig in den vom Krieg schwer verwüsteten Gegenden Frankens eine Zuflucht, wo sich das Bewusstsein gemeinsamer Herkunft zum Teil bis heute erhalten hat.
Als 1779 das Innviertel mit dem Frieden von Teschen an Oberösterreich fiel, wurden die beiden Viertel nördlich der Donau zusammengefasst, um weiterhin vier Viertel zu haben. Mit der Verfassungsreform unter Josef II. wurde 1783 der Mühlkreis als Verwaltungseinheit (siehe Kreis (Habsburgermonarchie)) geschaffen. Der Mühlkreis wurde zuerst von Freistadt verwaltet, bevor die Kreisverwaltung 1794 in die damals noch selbständige Marktgemeinde Urfahr und 1812 nach Linz verlegt wurde.Rumpler 1988, S. 292.
19. Jahrhundert mini|Die Pferdeeisenbahn Die große Bedeutung der Weberei hielt bis Ende des 19. Jahrhunderts an, als mechanische Webstühle und die Industrialisierung den Webern ihre Arbeit entzog.