Grasleben ist eine Gemeinde im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen (Deutschland). Die Gemeinde Grasleben ist Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Grasleben.
Geographie mini|links|Innerdeutsche Grenze bei Grasleben (Juli 1989) Die Gemeinde Grasleben liegt 13 Kilometer nördlich der Kreisstadt Helmstedt im Naturpark Elm-Lappwald. Die östliche Gemeindegrenze zur Stadt Oebisfelde-Weferlingen ist zugleich die Kreisgrenze zum Landkreis Börde und Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 war sie Teil der Innerdeutschen Grenze. Zu Grasleben gehört der Ortsteil Heidwinkel.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung Graslebens ist um 1150 in einem Güter- und Abgabenverzeichnis des Klosters St. Ludgeri vor Helmstedt nachgewiesen. Die Geschichte Graslebens wurde maßgeblich durch die Nachbarschaft zum Kloster Mariental beeinflusst, zu dessen Besitz Grasleben lange gehörte.Rudi Fischer: 800 Jahre Calvörde – Eine Chronik bis 1991. 1830 wurde die Kirche ohne Turm gebaut, der später davorgesetzt wurde.Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hannover: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen. Band 54, 1908, S. 219. Das Salzbergwerk diente unter den Nationalsozialisten als Depot für Archivalien, etwa Schallfolien mit Tonmitschnitten von Sitzungen des Reichstags der Weimarer Republik.Die Reichsrundfunkgesellschaft beschloss Anfang der 1940er Jahre, besonders relevantes Archivmaterial aus Berlin auszulagern und in Sicherheit zu bringen. Die Briten fanden die Schallfolien bei Kriegsende 1945, brachten sie nach London, wo sie von der BBC auf Tonbänder überspielt und ans Deutsche Rundfunkarchiv nach Frankfurt geschickt wurden. Das Material ist im Archivradio zu hören.
Ortsname Alte Bezeichnungen des Ortes sind um 1150 Graseslove, 1191 Graslove, um 1191 Graselowe, 1197 Graslove, 1225 Grasleve und ca. 1226 Grasleve. Der Ortsname setzt sich aus dem alten Vornamen „Graso“ und „-leben“, niederdeutsch „-leve“, also „Hinterlassenschaft, Erbe“, zusammen. Der alte Vorname ist aber nur schwer zu fassen; daher ist vielleicht ein anderer Ansatz vorzuziehen: „Hlaiw“ bedeutet „Hügel“, also wäre auch die Bedeutung „Grashügel“ möglich.
Ein Kuriosum ist, dass der Ortsname rückwärtsgelesen das Wort Nebelsarg ergibt.
Politik
Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Grasleben setzt sich aus 13 Ratsmitgliedern zusammen.
2021–2026
CDU und FDP bilden eine Gruppe. Des Weiteren kooperieren SPD, FWfG und BLG.
2016–2021 CDU: 7 Sitze Bürgerliste Grasleben: 5 Sitze Einzelwahlvorschlag: 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl 11. September 2016)
Bürgermeister Vom Rat wurden gewählt: zum ehrenamtlichen Bürgermeister Carsten Strauß (SPD) zum ehrenamtlichen Gemeindedirektor Gero Janze (Samtgemeindebürgermeister) (Stand: konstituierende Ratssitzung November 2021)
Wappen Blasonierung: „In Silber ein grüner Schräglinksbalken, belegt mit einem silbernen Salzhaken.“
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Bis in die 1990er-Jahre stellte die Allerthal-Werke AG, deren Unternehmenssitz später nach Köln verlegt wurde, in Grasleben Gummiwaren her.
mini|Fördergerüst Schacht 1 des Steinsalzwerks Braunschweig-Lüneburg In Grasleben befindet sich das zu K+S gehörende seit 1911 aktive Steinsalzwerk Braunschweig-Lüneburg, in dem Speise-, Auftau- und Industriesalz gefördert wird.
Seit 1949 hat die Firma Sport-Thieme, heute ein großer Sportartikel-Versender mit Vertretungen im europäischen Ausland, in Grasleben ihren Hauptsitz.
Im Jahre 2006 wurde in unmittelbarer Nähe des Salzbergwerkes eine Biogasanlage errichtet. Das K+S-Werk ist Abnehmer der von der Anlage erzeugten Wärme. Derzeit gibt es Überlegungen für weitere Biogasanlagen, um weitere Firmen, Großeinrichtungen oder sogar Wohngebiete mit der erzeugten Wärme zu versorgen. Weiterhin wird in Grasleben Quarzsand abgebaut.
Verkehr Grasleben ist durch die Kreisstraße 50 und 56 sowie mit der Landesstraße 651 verbunden. Bis zur Autobahn 2 sind es nur 6 Kilometer südlich, Auffahrt Helmstedt-West. Grasleben liegt an der ausschließlich von Güterzügen befahrenen Bahnstrecke Helmstedt–Oebisfelde.
Religionen mini|links|Evangelische Kirche St. Maria mini|Katholische Kirche St. Norbert Die evangelisch-lutherische Kirche St. Maria von 1830 befindet sich an der Kirchstraße, sie ist die nördlichste Kirche der Propstei Helmstedt. Die neben der Kirche befindliche Kindertagesstätte Abenteuerland liegt inzwischen in Trägerschaft des Ev.-luth. Propsteiverbandes Braunschweiger Land.
Die katholische Kirche St. Norbert von 1961 befindet sich an der Helmstedter Straße. Heute gehört die Kirche zur Pfarrgemeinde St. Ludgeri in Helmstedt. Zur Kirchengemeinde gehört auch der neben der Kirche befindliche Kindergarten.
Persönlichkeiten Heinrich Gottlieb Ribbentrop (1776–1834), Berghauptmann und Direktor der Berg- und Hüttenwerke in Braunschweig Ruth Baldor (1899–1988), Schauspielerin Hans-Christian Pilster (1914–1989), Generalmajor des Heeres der Bundeswehr und Abteilungsleiter im Bundesnachrichtendienst
Literatur Joachim Schmid: Grasleben – vom Bauerndorf zur Industriegemeinde. Die Geschichte eines Klosterdorfes am Lappwald. Grasleben 2000, ISBN 3-00-007248-9
Weblinks
Webpräsenz der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Helmstedt
Kategorie:Ersterwähnung 1150