Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff (auch bekannt als Kapitän Mors der Luftpirat, jedoch nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Serie von 1948John Clute, Peter Nicholls: The Encyclopedia of Science Fiction. St. Martin’s Press, New York 1993, ISBN 1-85723-124-4.) war eine deutsche Science-Fiction-Heftromanserie, die von 1908 bis ca. 1911/12 erschien. Es war die erste deutsche Serie dieser Art und vermutlich eine der ersten Science-Fiction-Romanheftserien der Welt. Nach Hans Joachim Alpers wies die Serie bereits alle Elemente der späteren Space Opera auf.Alpers u.a, S. 1184.
Verlage Die Serie wurde ursprünglich von der Druck- und Verlagsgesellschaft m. b. H. in Berlin verlegt. Ab Heft Nr. 94 erschien die Serie unter dem Titel Der Luftpirat im Verlag moderner Lektüre G.m.b.H in Berlin. Insgesamt entstanden 165 Ausgaben. 1914 wurden die Ausgaben 65 bis 86 vom Verlag P. Lehmann G.m.b.H. erneut aufgelegt, diesmal unter dem Titel Der Fliegerteufel.
Autoren Über den oder die Verfasser der Serie ist zurzeit nichts bekannt. Heinz J. Galle vermutet aufgrund diverser Textanalysen, dass zumindest einige Ausgaben von Oskar Hoffmann verfasst worden sein könnten.Vgl. Heinz J. Galle: Volksbücher und Heftromane. Ein Streifzug durch 100 Jahre Unterhaltungsliteratur. 1998, S. 83f.
Die Hauptfigur Der Luftpirat ist Kapitän Mors, der mit seinem lenkbaren Luftschiff sowie dem Weltenfahrzeug, dem Meteor, das auch tauglich ist für den Flug im Weltraum, gegen Verbrecher, aber auch Anarchisten kämpft.
Nach Heinz J. Galle beruht Mors auf zwei literarischen Vorbildern, die beide von Jules Verne stammen: Robur dem Eroberer und Kapitän Nemo.
Wie Nemo besitzen auch das Luftschiff und das Weltenfahrzeug eine indische Besatzung, und wie Nemo verfügt auch der Luftpirat über einen Stützpunkt auf einer geheimnisvollen Insel im Pazifik.
Hintergrund Kapitän Mors (von lat. mors = Tod) besitzt keinen weiteren Eigennamen. Im Text wird er auch Der Luftpirat oder Der Maskierte genannt.
Aus Band 1 (Der Beherrscher der Lüfte) lässt sich entnehmen, dass Mors bis zur Ermordung seiner Familie in Georgien wohnte, das zur Handlungszeit der Serie Teil des Russischen Reichs ist. Ob Mors auch georgischer Herkunft ist, bleibt unklar, denn aus einem Gespräch unter den Mördern seiner Familie lässt sich nur entnehmen, dass Mors in Georgien „seine verrückten Ideen von Menschenrechten“ verbreiten wollte. Außerdem soll Mors Kapitän eines U-Boots gewesen sein.
Die Familie von Mors wurde durch Verbrecher, die vermutlich sozialistische Revolutionäre sind, umgebracht. In Band 1 sucht Mors noch einmal den Tatort, offenbar seinen Familiensitz, auf, der nur noch aus Trümmern besteht. Nach eigenen Angaben hat sich der Kapitän immer für die Menschenrechte eingesetzt. Am Grab seiner Familie schwört er zuerst nur Rache an den Mördern zu nehmen, die er auf dem ganzen Erdenball suchen will:
Vier der Täter, Orloff, Matuschewsko, Gregor und Wassil halten sich während einer von ihnen angestifteten Revolution in Odessa auf. An dem Aufstand nimmt auch die Schwarzmeerflotte des Russischen Kaiserreiches teil, die nun rote Fahnen als Zeichen der Revolution führt. Mors erscheint inkognito in Odessa und greift ein, in dem er Kosaken und Bürger auffordert, sich gegen die Revolutionäre zur Wehr zu setzen.
Es gelingt ihm anschließend, eine Reihe der Täter, die sich an Bord eines der revolutionären Schiffe befinden, zu verhaften. Allerdings entkommt Matuschewsko, offenbar einer der Anführer der Revolutionäre. Die Gefangenen werden von Mors und seiner Besatzung an der Reling des Luftschiffs gehenkt.
Der Inhalt der Handlung steht im Kontext zur Russischen Revolution von 1905 und der Meuterei auf dem Panzerkreuzer Potemkin.
Äußeres Erscheinungsbild Kapitän Mors besitzt braunes Haar, sein Gesicht ist durch eine Halbmaske teilweise verdeckt. Erkennbar sind ein Schnurrbart und ein Kinnbart, wie sie seinerzeit von Offizieren der Kaiserlichen Marine getragen wurden; diese äußere Ähnlichkeit war vermutlich von den Autoren beabsichtigt.
Mors trägt eine zeitgenössische blaue Marineuniform für Offiziere einschließlich einer Mütze mit einem goldenen Kapitänsstreifen. Bewaffnet ist er mit zwei Revolvern und einem schweren Degen.
Nebenfiguren Lindo ist sein noch jugendlicher indischer Diener, der mindestens zwei silberbeschlagene Pistolen besitzt sowie ein indisches Schwert. Er trägt als Obergewand einen weißen Burnus. Er spricht den Kapitän mit Sāhib an.
Der Ingenieur des Weltenfahrzeugs heißt Star.
Ein weiterer Mitarbeiter Mors heißt bezeichnenderweise Terror.
Professor van Halen, ursprünglich ein Gefangener des Kapitäns, später sein Mitarbeiter, unterstützt Mors bei der Entwicklung technischer Neuigkeiten.
Die Fahrzeuge des Luftpiraten Das lenkbare Luftschiff wird für den Verkehr in der Erdatmosphäre benutzt, das Weltenfahrzeug, der Meteor, für die Weltraumfahrt.
Eine Abbildung des Luftschiffs befindet sich in Band 59 (Der unheimliche Hochofen). Danach besitzt das Fahrzeug einen Rammsporn, Flügelschrauben, eine Mittelgalerie, die Räume von Kapitän Mors (Arbeitszimmer, Salon, Schlafzimmer), einen Instrumentenraum, Scheinwerfer, eine vordere und hintere Galerie, einen Maschinenraum, ein Wohnzimmer für den Steuermann, zwei Mannschaftsräume, einen Steuerraum und eine Vorratskammer.
Das Weltenfahrzeug wird in Band 32 (Kapitän Mors erste Fahrt im Weltenfahrzeug) vorgestellt; Mitentwickler ist Professor van Halen, der an dieser Stelle auch in die Handlung eingeführt wird. Es ist ganz aus Platin gebaut, das Mors aus Russland beschafft hat.
In Band 38 (Kapitän Mors Feinde im Weltenraume) unternimmt der Luftpirat zum ersten Mal eine Reise im Weltraum, in diesem Fall zur Venus.
Eine Abbildung des Weltenfahrzeugs findet sich in Band 42 (Im Todeskrater des neuen Planeten). Danach verfügt es über Fenster aus „stärkstem Glas“, eine luftdicht verschließbare Tür zur Außengalerie, einen Ausguck, eine obere Galerie, einen Riesenmagneten für den Antrieb, Leitungen für den Magneten mit „ungeheuren Diamanten“, einen Lenkapparat, eine Kraftzentrale, eine Einrichtung für die Luftversorgung, einen Elektrizitätsbehälter, einen Metallbehälter, Röhren für flüssige Luft, einen „Apparat für Gegenwirkung des Riesenmagneten, auf Diamanten montiert“ und das „Gelenk“ des Riesenmagneten.
Beide farbigen Abbildungen sind bei Galle, Der Luftpirat, auf den Seiten 34–37 reproduziert.
Zeitebene der Handlung Die Serie spielt zwischen 1905 und 1910/11. Sie geht auf aktuelle Ereignisse des Weltgeschehens ein, so das Erdbeben von Messina 1908.
Außerirdische in der Handlung Sowohl der Mond als auch die Venus und der Mars sind von intelligenten Lebewesen bewohnt. Auf einem Mond des Saturn existieren Kristall-Roboter, auf dem Merkur Flugsaurier. Die Marsianer leben unterirdisch und sind der Menschheit zivilisatorisch um Jahrtausende voraus, führen aber auch Krieg gegen die Venusier.
Rezeption Über die Rezeption der Serie ist, genrebedingt, wenig bekannt. Obwohl sie jahrzehntelang praktisch vergessen, da kaum zugänglich war, stach sie seinerzeit aus der Masse der Heftserien heraus:
Das Ende Am 1. April 1916 wurde der Vertrieb der Serie zusammen mit 151 anderen Serien aufgrund eines Erlasses des Oberbefehlshabers in den Marken, Generaloberst Gustav von Kessel, datiert aus Berlin vom 22. März 1916, verboten. Die Druckplatten wurden vernichtet, so dass nach dem Ersten Weltkrieg keine Neuauflage stattfinden konnte.
Zum Forschungsstand. Neuauflage der Serie Im Vergleich zu zeitgenössischen amerikanischen Werken sah Manfred Nagl die Serie durchaus positiv:
Vergleicht man den „Luftpiraten“ mit der Science Fiction, die zur selben Zeit in den USA populär war, z. B. mit Edgar Rice Burroughs´ Mars-Romanen, die seit 1912 im „All-Story“-Magazin erschienen, so stellt die deutsche Serie in bezug auf astronomisches Interesse, räumliche Expansion und technische Phantasie sogar eine rational avanciertere Stufe der Science Fiction dar. Burroughs und andere amerikanische Autoren produzieren derweil Geschichten, die man als astronomisch-exotische Märchen mit technisch-magischem Inventar, atavistisch-reaktionärer Handlung und Gesellschaftsform bezeichnen kann.Nagl, Science Fiction in Deutschland. S. 143.
Heinz J. Galle hat 2005 im Dieter von Reeken Verlag, Lüneburg, einen Auswahlband mit sechs Nachdrucken der Serie editiert und eine umfassende Einleitung über die Serie verfasst. Die Nachdrucke erschienen nicht mehr in Fraktur, sondern in Garamond.
Ralph Ehrig hat 2010 in Berlin damit begonnen, die Serie als Reprint zu edieren. Seine Mutter, die frühere Perry-Rhodan-Autorin Marianne Sydow, war bis zu ihrem Tode 2013 an der Edition beteiligt und ergänzte die Reprints mit Angaben zur Serie, diese Arbeit wurde von ihrem Sohn fortgeführt. Seit März 2020 ist der Nachdruck abgeschlossen und alle 165 Bände sind über die Website von Ralph Ehrig erhältlich.
Titel sämtlicher Ausgaben Der Beherrscher der Lüfte Ein Kampf um Millionen Kapitän Mors in Indien Der Luftpirat im Diamantenlande Abenteuer im unbekannten Lande Der Schatz im feuerspeienden Berge Das Geheimnis des Japaners Die Meuterei in der Mandschurei Die geheimnisvolle Insel des Kapitän Mors Der unheimliche Ingenieur Das lenkbare Luftschiff im Wirbelsturm Ein Kampf in den Lüften Das geheimnisvolle Bergwerk des Kapitän Mors Der Elfenbeinschatz im Polarmeer Die Rache des Malayen Kapitän Mors als Gefangener Ein Zweikampf zwischen Himmel und Erde Kapitän Mors und die Verräter Der unheimliche Wolkenkratzer Der Millionenschatz-Turm des Tyrannen Das Gefängnis auf der Teufelsinsel Kapitän Mors´ schwerste Stunde Das Geheimnis des Bergschlosses Die Rache des Gouverneurs Der Felsen des Todes Die Gespenster-Eisenbahnbrücke am Schaho Der Gold-Berg im Korallen-Meer Der Sprengstoff des alten Mongolen-Zauberers Das Diamantfeld in Transvaal Die Spionin auf dem lenkbaren Luftschiff Das Rätsel des Sulioten-Berges Kapitän Mors erste Fahrt im Weltenfahrzeug Das lenkbare Luftschiff im Geistergebirge Kapitän Mors im Meteorstein-Regen Im Kampf mit dem japanischen Luftschiff Eine Fahrt mit dem Tode Auf den Schienen der Wüstenbahn Kapitän Mors Feind im Weltenraum Die geheimnisvolle Zerstörungsmaschine Die Empörung im Weltenfahrzeuge Ein Kampf zwischen lenkbaren Luftschiffen Im Todeskrater der neuen Planeten Der Luftpirat unter dem Meere Im Bannkreis der Vernichtung Zwischen erbarmungslosen Feinden Die Geheimnisse des Meteoriten Der Turm des Todes von Damaskus Die geheimnisvolle Flugmaschine Die Reise nach dem Feuer-Planeten Der Luftpirat am Nordpol Wie Kapitän Mors seinen Todfeind vernichtete Der Kampf mit den Bewohnern des Kriegs-Planeten Der Luftpirat und die geheimnisvollen Waldräuber Ein Verzweiflungskampf im Weltraum Der Luftpirat beim Erdbeben von Messina Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten Ein Duell über den Wolken Eine Rebellion in der Sternenwelt Der unheimliche Hochofen Abenteuer in der Welt des Todes Die Vernichtungsschlacht in den Lüften Das geheimnisvolle Haus auf dem Monde Die Schreckensfahrt des Weltenfahrzeugs Die Todesfahrt auf dem Mars-Kanal Der Luftpirat auf dem Pariser Eiffelturm Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen Die Feuerberge der geheimnisvollen Welt Die Krater-Seen des unbekannten Planeten Das Gespenster-Luftschiff des Amerikaners Die geheimnisvollen Feindinnen des Kapitän Mors Das Nebel-Luftschiff des Empörers Der Untergang einer unbekannten Welt In Fesseln auf brennendem Ballon Die geraubte Fürstentochter Der furchtbarste Kampf des Luftpiraten Die Rätsel des unsichtbaren Planeten Das seltsame Panzer-Luftschiff In der Welt des Grausens Das Duell der lenkbaren Luftschiffe Der Tempel in der Mondlandschaft Plato Die Geheimnisse des Luftpiraten Die Luftfahrt auf der Metall-Platte In den Krallen des Todes Am Ende der Sonnenwelt Der Geisterwald in der Mandschurei Die letzte Reise des Weltenfahrzeugs Zwischen Leben und Tod