Franz Essel (* 31. Januar 1909 als Franz Ernst Essel in Wien; † 5. OktoberFranz Essell [sic!]. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1975. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 83. Jg., Hamburg 1975, S. 68. In: Rubrik „Die Toten des Jahres“. [= Zeitraum vom 1. September 1973 bis 31. August 1974]. 1973) war ein österreichischer Film- und Theaterschauspieler, Theaterregisseur, Spielleiter und Hörspielsprecher.Deutsches Rundfunkarchiv (Hrsg.): Hörspiel 1954-1955: Eine Dokumentation. Seite 480. [Auszüge bei Google Books]
Leben Ausbildung und Theater Franz Essel besuchte das Gymnasium in seiner Geburtsstadt Wien. Er erhielt privaten Schauspielunterricht bei dem Burgschauspieler und Regisseur Josef Danegger (1865–1933). Sein Debüt als Theaterschauspieler gab er 1930 am Landestheater Neustrelitz als jugendlicher Held Ferdinand in Kabale und Liebe. Er hatte vor dem Zweiten Weltkrieg verschiedene Theaterengagements, u. a. am Landestheater Neustrelitz (ab 1930), am Stadttheater Königsberg (als Opernregisseur), in Berlin, in Wien und am Stadttheater Teplitz-Schönau (1942).
1933 spielte Essel in einer Produktion der „Nationalsozialistischen Kampfbühne Magdeburg“ den SA-Mann Heinz Schulte in dem NS-Propaganda-Stück Die letzte Schicht von Hanns Trautner.Gastspiel der Nationalsozialistischen Kampfbühne, Magdeburg. Aufführungskritik. In: Jeversches Wochenblatt vom 15. Februar 1933. Seite 3. 1936 war er in einer Produktion der „Reichsautobahn-Bühne“ der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ mit dem Stück Krach um Jolanthe, in dem er „den schwärmende[n], der rauen, aber auch herzhaften Wirklichkeit so ferne[n]“ Lehrer Meiners spielte, auf Tournee.Die Reichsautobahn-Bühne spielt. Aufführungskritik. In: Stuttgarter NS-Kurier, 22. April 1936. Seite 8. 1937 folgte eine Tournee-Produktion der „Reichsautobahn-Bühne“, bei der Essel die Rolle des Schreibers Licht in Der zerbrochne Krug übernahm.Dorfrichter Adam auf Reisen. Aufführungskritik. In: Die Glocke vom 15. Januar 1937. Seite 6. Anschließend war er im Frühjahr und Sommer 1937 als Valère in Der Tartüff mit der „Reichautobahn-Bühne“ auf Tournee.Von der „Reichautobahn-Bühne“. In: Neue Mannheimer Zeitung vom 30. März 1937. Seite 2.Rudolf Miksch-Behrensdorf: Die Reichautobahnbühne spielt im Gau Halle-Merseburg. Aufführungskritik. In: Hallische Nachrichten vom 18. August 1937. Seite 2/3.
In der Spielzeit 1937/38 war er am Niederschlesischen Landestheater Jauer i. Schl. als Spielleiter des Schauspiels und Schauspieler und gleichzeitig bei der „Reichsautobahnbühne“ der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ als Schauspieler engagiert.Franz Essel. In: Deutsches Bühnenjahrvuch 1938. Seite 253 / Seite 426
In der Spielzeit 1938/39 spielte er am Stadttheater Innsbruck (damals Städtische Bühne Innsbruck) den Hortensio in der Shakespeare-Komödie Der Widerspenstigen Zähmung.Natalie Beer: Shakespeare am Innsbrucker Stadttheater. Aufführungskritik. In: Verbo vom 21. November 1938. Seite 2. Im November 1938 übernahm er die Rolle des Herzogs von Braunschweig in der Innsbrucker Erstaufführung des historischen Schauspiels Das Frühstück zu Rudolstadt von Rudolf Presber. Im Jänner 1939 spielte er „in ausgezeichneter Weise“, den Kammerdiener Jean, „dichterisch vielleicht die gelungenste Figur der Komödie“, in der Innsbrucker Erstaufführung der Komödie Aimée oder der gesunde Menschenverstand von Heinz Coubier. Im Februar 1939 übernahm er die Rolle des Bankiers Adams in der Innsbrucker Erstaufführung des Theaterstücks Thomas Paine von Hanns Johst.Karl Paulin: Ab Mai 1939 war Franz Essel an der Städtischen Bühne Innsbruck als Gymnasialprofessor Wasner, „dem er einen grandiosen satirischen Zug gab“, in einer Neuinszenierung der Komödie Moral von Ludwig Thoma zu sehen.Karl Paulin:
1940 trat er mehrfach im „Simpl“ in Wien auf. In der Winterspielzeit 1940/41 spielte er am Theater in der Praterstraße in der Singspieloperette Axel an der Himmelstür. Im März 1941 war er in Wien in der Titelrolle der vom NS-Fliegerkorps durchgeführten Komödie Der Marsmensch von Wien zu sehen. Im April 1941 wirkte er am Wiener Raimundtheater in der Uraufführung der Operette Der Reiter der Kaiserin von August Pepöck mit. In der Spielzeit 1942/43 war er an den Städtischen Bühnen in Teplitz-Schönau als Höfling Thameisel in der Uraufführung von Robert Hohlbaums tragischer Komödie Gewitter im Vormärz zu sehen.Richard Pflegshörl: Gewitter im Vormärz. Hohlbaums Tragische Komödie. Aufführungskritik. In: Hakenkreuzbanner vom 21. April 1943. Seite 2.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in Deutschland und Österreich als Theaterschauspieler und Theaterregisseur. Im Mai 1946 spielte er in einer Produktion der Wiener „Gastspieldirektion Ignaz Brantner“ in dem Wiener Singspiel Fahr’n ma, Euer Gnaden von Oskar Weber (Musik: Karl Hieß) im Theresiensaal in Linz den reichen Deutsch-Amerikaner Theodor Kreisler.Dr. H. R.: Anschließend war er an der Wiener Renaissancebühne engagiert. 1947 inszenierte er in Villach.Deutsches Bühnen-Jahrbuch Band 62, 1954, S. 306, 413
Ab 1947 war er bis 1949 als Regisseur, Charakterspieler und Charakterkomiker am Stadttheater Leoben engagiert, wo er im März 1947 als Fiaker Gschwandner in Fahr’n ma, Euer Gnaden debütierte. Im März 1947 übernahm er am Stadttheater Leoben auch den Ritter Fridolin von Gumpendorf in einer Neuinszenierung der Operette Die gold’ne Meisterin. In Emilia Galotti, seiner ersten eigenen Inszenierung am Stadttheater Leoben, die Ende März 1947 ihre Premiere hatte, übernahm er auch die Rolle des Angelo. Anschließend übernahm Essel die Regie bei der Neuinszenierung der Komödie Helden, die im April 1947 ihre Premiere hatte. Im Mai 1947 stand er als Tito in der Premiere der Komödie Scampolo von Dario Niccodemi auf der Bühne und führte Regie bei Nikolai Gogols Komödie Die Brautfahrt zu Petersburg. Zur Spielzeiteröffnung 1947/48 inszenierte Essel am Stadttheater Leoben Maria Stuart und übernahm selbst die Rolle des Leicester. In seiner Bunbury-Inszenierung, die im Oktober 1947 ihre Premiere hatte, übernahm er die Rolle des Algernon. Anschließend übernahm er die Regie bei der Premiere des Volksstücks Der Meineidbauer, in dem er selbst den Jakob „mit erschütternder Tragik“ gestaltete. Im Dezember 1947 übernahm er, „außerordentlich komisch“, den Baron Weps in einer Neuinszenierung der Operette Der Vogelhändler. Im Februar 1948 übernahm er den Titus Feuerfuchs in einer Neuinszenierung der Posse Der Talisman von Johann Nestroy. Im März 1948 war er als Mephisto in einer Neuinszenierung des Faust besetzt. Im Mai 1948 war er der Regisseur bei einer Neuinszenierung der Shakespeare-Komödie Was ihr wollt, in der er auch die Rolle des Haushofmeisters Malvolio übernahm.
Ab der Spielzeit 1948/49 war er am Stadttheater Leoben als Oberspielleiter des Schauspiels und der Oper engagiert.Hans Dafert: Er inszenierte unter anderem in Villach (1947), später dann auch in Stuttgart (ab 1950) und Schwäbisch Hall (1954).Deutsches Bühnen-Jahrbuch Band 62, 1954, S. 306, 413 Essel war in der Spielzeit 1948/49 u. a. als Fürst Ypsheim-Gindelbach in der Operette Wiener Blut zu sehen. Außerdem inszenierte er die Oper Tosca. Im Jänner 1949 spielte er, an der Seite von Ewald Balser, den Kulturleiter Dr. Schmidt-Lausitz in Des Teufels General. Im Februar 1949 übernahm Essel die Regie bei der Premiere des Nestroy-Volksstücks Lumpaci vagabundus, in dem er auch selbst den Schneidergesell Zwirn spielte. Ende Februar 1949 folgte Essels Neuinszenierung von Der zerbrochne Krug, wo er selbst als Dorfrichter Adam auf der Bühne stand. Im März 1949 gastierte er, gemeinsam mit dem Ensemble des Stadttheaters Leoben, als Enterich in der Operette Der Bettelstudent in Knittelfeld und spielte am Stadttheater Leoben an der Seite von Annie Rosar in der Komödie Das Kuckucksei von Walter Firner. Im April 1949 war Essel in der Rolle des Schünzl neben Siegfried Breuer in dem musikalischen Lustspiel Arm wie eine Kirchenmaus von Ludwig Schmidseder zu sehen. Im Mai 1949 war Essel als Thoas in einer Neuinszenierung von Iphigenie auf Tauris, bei der er selbst Regie führte, zu sehen.
Im Juli 1949 führte er im Rahmen der Theaterinitiative des Obersteierischen Kulturbundes Regie bei einer Inszenierung des Jedermann in der Salzburger Festspielfassung bei einer Freilichtaufführung vor der Stadtpfarrkirche St. Xaver in Leoben. Attila Hörbiger war Stargast dieser Aufführungen, Essel übernahm die Rolle des Mammon.Obersteirischer Kulturbund 1947–1992: Beiträge zu einem Jubiläum herausgegeben von Matthias Wieland, S. 7/8 (Auszüge (Textauszug 1) bei Google BooksObersteirischer Kulturbund 1947–1992: Beiträge zu einem Jubiläum herausgegeben von Matthias Wieland, S. 7/8 (Auszüge (Textauszug 2) bei Google Books
In der Theatersaison 1949/50 war er kurzzeitig mit seinen drei Leobener Schauspielkollegen Gertie Sitte-Dafert, Hans Dafert und Walter Hauttmann beim Kabarett „Die Großen Vier“ aktiv, bevor er Leoben verließ, um ein Engagement in Stuttgart anzunehmen.
Ab 1950 wirkte Essel als Schauspieler und Regisseur an Stuttgarter Bühnen.Deutsches Bühnen-Jahrbuch Band 62, 1954, S. 306, 413 1950 war er am „Jungen Theater Stuttgart“ in den musikalischen Lustspiel Der Mann mit dem Zylinderhut von Just Scheu und Ernst Nebhut zu sehen.Ein Kaiser, ein Hundedieb, ein Zylinder. Aufführungskritik. In: Bruchsaler Post vom 23. Oktober 1950. Seite 4. 1950/51 gestaltete er bei mehreren szenischen Vortragsabenden „glaubhaft und unaufdringlich die Rolle des ungefügen und doch seinem Weggefährten gegenüber so anschmiegsamen und dankbaren“ sowie „naiv-sensiblen, schwachsinnigen Farmarbeiters“ Lennie Small in John Steinbecks Von Mäusen und Menschen.„Von Mäusen und Menschen“. Aufführungskritik. In: Badische Neueste Nachrichten vom 25. Oktober 1950. Seite 7.Schicksalsprüfungen einer Freundschaft. Aufführungskritik. In: Ettlinger Zeitung vom 23. November 1950. Seite 7.„Von Mäusen und Menschen“. Aufführungskritik. In: Bruchsaler Post vom 10. Januar 1951. Seite 3.
1951 wirkte er am „Jungen Theater Stuttgart“ in dem Lustspiel Edouards Kinder von Marc-Gilbert Sauvajon mit.„Edouards Kinder“ im „Jungen Theater“. Aufführungskritik. In: Bruchsaler Post vom 20. Januar 1951. Seite 3. Im Mai 1951 inszenierte er am „Jungen Theater Stuttgart“ die Uraufführung des Schauspiels Oberleutnant Achilles von Hermann Roßmann, in der er auch als Schauspieler als Oberst im Führerhauptquartier zu sehen war.Tragische Gläubigkeit. Uraufführung von „Oberleutnant Achilles“. Aufführungskritik. In: Alb-Bote vom 5. Mai 1951. Seite 8.Wagemutiges »Junges Theater« in Stuttgart. Aufführungskritik. In: Bruchsaler Post vom 22. Mai 1951. Seite 6. Zum Saisonbeginn 1951/52 inszenierte er als Produktion des „Jungen Theaters Stuttgart“ im Theatersaal des Hotel Marquardt mit Eva Köhrer in der Titelrolle die Komödie Ninotschka von Melchior Lengyel.Seifenblasen mit Hintergründen. Saisonbeginn auf Stuttgarter Bühnen. Aufführungskritik. In: Bruchsaler Post vom 11. September 1951. Seite 8.
Von 1950 bis 1955 übernahm er als Darsteller an der Stuttgarter Komödie im Marquardt unter anderem die Titelrolle in Volpone, den Malvolio in Was ihr wollt, den Amtsvorsteher Wehrhahn in Der Biberpelz und den Graf Barrenkrona in Kolportage von Georg Kaiser. Als Regisseur inszenierte er an der Komödie im Marquardt unter anderem die beiden Theaterstücke Die Glasmenagerie und Der steinerne Engel von Tennessee Williams, die Komödie Die Probe oder Die bestrafte Liebe von Jean Anouilh, die Komödie Die Brautfahrt zu Petersburg von Nikolai Gogol und den Einakter Der Apollo von Bellac von Jean Giraudoux.