Reghin (veraltet Reghinul Săsesc oder Regin; oder Sächsisch-Reen, siebenbürgisch-sächsisch Reen, ) ist eine Stadt im Kreis Mureș in der Region Siebenbürgen in Rumänien. Der Beiname Oraşul Viorilor („Stadt der Geigen“) verweist auf den Ruf der Stadt als führendes Zentrum für Musikinstrumentenbau in Rumänien, das besonders für die Fertigung von Geigen bekannt ist.
Lage Sächsisch-Regen befindet sich im nördlichen Teil des Kreises Mureș, im sogenannten Reener Ländchen, dessen Hauptort die Stadt einstmals war, im nördlichen Teil des Siebenbürgischen Beckens. Am rechten Ufer des Mureș (Mieresch), der Bahnstrecke Târgu Mureș–Gheorgheni und der Nationalstraße DN15 liegt der Ort 32 Kilometer nördlich von der Kreishauptstadt Târgu Mureș entfernt. Die Stadt entstand zunächst auf einer geschützten Fläche am rechten Ufer des Mieresch an einer Flussgabelung. Der Rosengraben ist ein kaum zwei Kilometer langer Bach und teilt die beiden Stadtteile. Er vertieft und verbreitert sich, sobald er den Stadtrand erreicht, dessen Häuser und Gärten bis an sein hohes Ufer reichen. An einigen Stellen ist der Graben sieben Meter tief und acht Meter breit. Im unteren Teil seines Verlaufes flacht er ab.
Geschichte Frühgeschichte Im Umfeld der Stadt, auf einem von den Einheimischen „Dealul bisericii“ (Kirchberg) genannten Areal, weisen BodenfundeListe historischer Denkmäler des rumänischen Kulturministeriums, 2010 aktualisiert (PDF; 7,10 MB) bis in die Jungsteinzeit zurück. Aus der Bronzezeit stammen Keramikfunde und Schmuckstücke, die bei den Vororten Batoș, Ideciu de Jos und Goreni ausgegraben wurden. Bei Dedra geborgene Funde aus dakisch-römischer Zeit belegen die Besiedlungsgeschichte zu Beginn der Zeitrechnung. Die in der Zeit der Völkerwanderung angesiedelte Bevölkerung schützte sich mit Fliehburgen (Sattelburg und Spitzburg). Im 8. bis 11. Jahrhundert gelangte das Gebiet unter die Herrschaft ungarischer Stämme und wurde später Teil des Königreichs Ungarn.Mihai Szabo: Reghin. Editura Stadion, Bukarest 1971.
Ersterwähnung und Tatarensturm Der Ort wurde 1228 in einer Urkunde des ungarischen Königs Andreas II. erstmals als „Regun“ erwähnt. Die ersten Spuren deutscher Siedler (hospites teutonici) im Land des Karpatenbogens stammen aber bereits aus dem Jahr 1141. Die noch junge Stadt wurde 1241 beim ersten Tatarensturm vollkommen zerstört; es folgten 1285 und 1393 weitere Überfälle. An das traumatische Ereignis von 1241 erinnern ein Platz in der Feldflur und die mündliche Überlieferung „Wo das alte Reen begraben liegt“.Philippi, Weltzer: Sächsisch-Regen. Die Stadt am Berge. 1991.
Der Marktflecken mini|Sächsisch-Regen (Szasz Regen) in der Josephinischen Landaufnahme von 1769 bis 1773. Im ungarischen Königreich gehörte das Gebiet um Sächsisch-Regen zur Grundherrschaft der Tomaj, einer hochadeligen Familie, die 1222 bis 1224 den Ehrentitel des königlichen Oberstallmeisters erwarb und 1233 bis 1235 einen Woiwoden von Siebenbürgen stellte. Teile dieser Familiensippe stellten die örtlichen Grundherren. Dionysos III. Tomaj wurde zum Stammvater der ungarischen Grafenfamilien Losonoczi, Banffy-Losonoczi und Losonoczi-Dezsöfi. Der jeweilige Grundherr trug den Titel „Magister“. Eine Erbteilung führte 1319 zur Inventarisierung der Liegenschaften und Rechte des Tomaj-Klans im Gebiet um Sächsisch-Regen. Hierbei werden etwa 25 Dörfer und umfangreicher Waldbesitz aufgelistet. Schon um 1300 wurde im Ort der Sitz eines Dekanats eingerichtet, 1332 wurde ein Kollegiatstift begründet.
Ab 1437 erschien erstmals die Namensform Regen (oppidum Regen). Sächsisch-Regen bildete bereits als Marktflecken den Verwaltungsmittelpunkt des Reener Ländchen, an das sich nördlich das Nösnerland anschließt. Der auffallend große Marktplatz der Altstadt wird als Indiz für eine rege Fernhandelstätigkeit gedeutet. Hierbei war die Lage am Mieresch-Fluss von Vorteil, der schon vor der Stadtgründung als wichtiger Transportweg anzusehen ist. Unweit der Altstadt bestand eine sichere Furtstelle an einer Gabelung des Mieresch; ein Wehr ermöglichte die Anlage von Mahlmühlen.
Wirtschaftliche Grundlage des Ortes war das Leder-, Gerber- und Kürschnergewerbe. Die Stiefelmacher (Tschismenmacher) genossen höchstes Ansehen. In Zünften organisierte Handwerker waren auch Seiler, Fassbinder, Tischler, Wagner, Schlosser, Schmiede, Töpfer, Schneider, Kammmacher, Weber, Hutmacher und Fleischhauer.
Befestigungsanlagen Über eine Stadtmauer mit Bollwerken, Wehrtürmen und Toren verfügte Sächsisch-Regen offenbar nicht. Lediglich im Bereich um die Kirche und den Friedhof konnte eine burgartige Verschanzung nachgewiesen werden. Eine wichtige Befestigung war auch die um 1319 erstmals genannte Burg „Mentövar“, eine Fliehburg in den Bergen nahe dem Nachbarort Haseldorf. Sie geht auf eine Idee des Grafen Thomaj zurück, der die Befestigung zum Gemeinwohl auf eigene Kosten anlegen ließ.
In Reaktion auf die zunehmende Bedrohung durch äußere Feinde nach der Schlacht bei Mohács (1526) wurde ein Teil der Befestigungsanlage um die sächsische Kirche schrittweise verstärkt und eine Bürgerwehr gebildet. Erste Bewährungsprobe war der 1562 entflammte Szekleraufstand, bei dem „die Jobagy-Sachsen umb Rhegen mit großem Schaden davon kamen“.
Einführung der Reformation Die Kirchgemeinde von Sächsisch-Regen trat 1551 mit ihrem Pfarrer Josephus Kimpius zum protestantischen Glauben über. Einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Stadterhebung stellte das am 31. Oktober 1553 von Kaiser Ferdinand I. erteilte Privileg (Freibrief) dar, welches den Regener Bürgern eine erweiterte Autonomie gewährte und auch die Gerichtsbarkeit nach dem Vorbild der Stadt Bistritz begründete. Als Fürst von Siebenbürgen beschützte Sigismund Báthory die nun protestantische Kirchgemeinde vor Übergriffen ungarischer Adeliger und bestätigte die Gültigkeit der alten Verträge und Privilegien. Auch Sächsisch-Regen blieb von Stadtbränden nicht verschont; am 13. März 1636 zerstörte ein Feuer 64 Häuser.
Die Teilung (1646) Die Doppelsiedlung Regen wurde erst 1646 geteilt: Ungarisch-Regen (Magyar-Régen) wurde auf Anordnung Fürst Rákóczis abgetrennt und dem Komitat unterstellt. Sächsisch-Regen bewahrte seine Sonderstellung. In Ungarisch-Regen befindet sich der ältere Siedlungsteil, da die dort erbaute hochmittelalterliche Saalkirche romanischen Ursprungs ist.Diese Tatsache belegen unter dem Putz gefundene Weihekreuze. Die jetzt evangelische Marienkirche ist erheblich jünger, sie wurde im Jahr 1330 erbaut; eine Inschrift in der Nordwand belegt das Baudatum.
Beide Ortsteile wurden durch einen Bach – den Rosengraben – getrennt, der nördlich von Sächsisch-Regen im Ziegenwald entspringt. Die Stadt wurde jedoch wegen ihrer isolierten Lage zum Ziel von Überfällen durch die Tataren, 1707 auch Opfer eines Überfalls durch Kuruzzen und 1717 letztmals durch Tataren.
Die Ereignisse von 1848/49 Um 1830 nahm die Unruhe in den der ungarischen politischen Gruppierungen Siebenbürgens zu. Es sollte die Loslösung des Landes vom Kaiserreich Österreich vorbereitet werden. Im Spätherbst des Revolutionsjahres 1848 wurde auch das Reener Ländchen in die Ereignisse verstrickt. Gegen die Aufständischen wurde eine von Oberstleutnant Urban befehligte Militäreinheit (etwa 1200 Mann) in Marsch gesetzt, welche am Stadtrand von Sächsisch-Regen in Stellung ging und noch durch die städtische Bürgerwehr verstärkt wurde. Am 1. November 1848 rückten 10.000 Aufständische auf die Stadt vor; Parlamentäre forderten die Übergabe der Stadt und ein „Lösegeld“ von 50.000 Gulden. Beides wurde abgelehnt. Den Verteidigern war jedoch ihre Unterlegenheit bewusst und noch am gleichen Tag wurde die Stadt nahezu kampflos aufgegeben. Bei der folgenden Plünderung und Niederbrennung der Stadt in der Nacht zum 2. November 1848 fanden neun sächsische Bürger den Tod. Ein Großteil der Wohngebäude, Werkstätten, die Kirchen und öffentlichen Gebäude wurden ausgeplündert und durch den Brand vernichtet. Im Sommer 1849 wurde der Aufstand auch mit Hilfe zaristischer Truppen endgültig niedergeschlagen, am 21. Juli passierten russische Einheiten unter dem Befehl des Generalleutnants Grotenhjelms das Gebiet um Sächsisch-Regen. Noch lag die Stadt in Trümmern. Bei Stampich Beschken verschanzte Aufständische wurden nach einem zweistündigen Gefecht bezwungen.
Stadtrechtsverleihung (1863) Die ehemals eigenständigen Ortschaften Ungarisch-Regen und Sächsisch-Regen wurden am 10. März 1863 zur Marktgemeinde Szászrégen durch kaiserliches Dekret in den Rang einer Stadt des Königreichs Ungarn erhoben. Die Stadtrechte wurden dem Hermannstädter Obergericht unterstellt.
Wirtschaftliche Entwicklung im 19. Jahrhundert mini|Stadtzentrum In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte der Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Schon 1881 berichtet ein Reiseschriftsteller: „Die in der Revolution zerstörte ev. Kirche haben sie wiederaufgebaut. (…) Im Jahre 1865 wandelten sie ihre Knabenschule in eine Unterrealschule um, die nachher in ein Realgymnasium überging. (…) Anstelle der bisherigen Beschäftigung der Bewohner mit Branntweinbrennerei trat nun lebhafter Holzhandel. Flöße und Bretter … bringen sie auf dem Maros nach Arad oder bis auf die Theiß und die Donau.“Karl Heissenberger: Das Großfürstenthum Siebenbürgen (= Die Länder Österreich-Ungarns in Wort und Bild. Bd. 13). Graeser, Wien 1881. Im Jahre 1885 wurde die Bahnstrecke Sächsisch Regen-Neumarkt am Mieresch in Betrieb genommen und 1908 um den Streckenabschnitt nach Deda verlängert.
Entwicklung nach 1918 Der Ort, der jahrhundertelang zu Ungarn gehört hatte, fiel nach dem Ersten Weltkrieg an Rumänien, während des Zweiten Weltkriegs durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch wieder an Ungarn. In der Zwischenkriegszeit war der Ort durch ein reges Kunst- und Kulturleben geprägt. Die auch zwischen den ethnischen Bevölkerungsgruppen bestehenden Kontakte führten zur Bildung von Musik und Theatervereinen, Sängerkreise und Literaturzirkel, Sportvereine und der Wandertourismus bestimmten die Freizeit der Bewohner. 1924 zählte die Stadt 160 Handelsfirmen, meist in Besitz von Kleinbürgern. Als Grundlage der technischen Entwicklung wurde ein Wasserkraftwerk errichtet, Flugpioniere errichteten am Ortsrand von Mociar einen Feldflugplatz, der 1944 als strategisches Ziel bombardiert wurde.
Von der kommunistischen Herrschaft bis zur Gegenwart Nach dem Frontwechsel Rumäniens 1944 floh die deutsche Bevölkerung (siehe Siebenbürger Sachsen) mit der im Rückzug befindlichen Wehrmacht gen Westen; nur ein Teil kehrte zurück. Nach Kriegsende wurde die Stadt wieder rumänisch, der größte Teil der ungarischen Bevölkerung blieb in ihrer angestammten Heimat. Eine Gedenktafel an der Sächsischen Kirche erinnert heute an das schwere Schicksal hunderter deportierter Bürger der Stadt, die nach dem Kriegsende verhaftet und als Zwangsarbeiter in die Sowjetunion deportiert wurden, wobei viele in der Fremde verstarben.
Die Rumänische Kommunistische Partei dominierte nach dem Zweiten Weltkrieg die Regierung und richtete ihre Politik sofort auf die Entwicklung eines sozialistischen Staates aus. Im Ergebnis der ersten Verwaltungsreformen wurde Reghin dem Bezirk Mureș zugeordnet. Auch in Reghin wurden die meisten Betriebe und Unternehmen verstaatlicht, die Bauern erlebten eine Kollektivierung der Landwirtschaft. Um den Anteil der rumänischen Bevölkerungsgruppe zu vergrößern wurden seit den 1960er Jahren am Stadtrand neue und komfortable Wohngebiete errichtet. Gleichzeitig begann man mit dem Bau weiterer Fabrikanlagen – speziell des holzverarbeitenden Gewerbes; mit ausländischer Entwicklungshilfe wurde nach 1970 im Gewerbegebiet die modernste Großbrauerei Rumäniens errichtet.