mini|hochkant=1.3|Stadt Silves mit Burg und Kathedrale

Silves ist eine Stadt in der Algarve in Portugal mit Einwohnern (Stand ). Silves wurde am Rio Arade errichtet, den noch heute eine mittelalterliche Brücke überquert. Zeitweilig war Silves Residenz eines Emirats bzw. Sitz eines Bischofs.

Geschichte Frühzeit Neolithische Artefakte fanden sich in der Umgebung von Silves; auf dem Hügel der Stadt fanden sich Überreste aus der Kupferzeit. Diese sind bereits Relikte einer bäuerlichen Kultur, der auch die vier Menhire von Vilarinha im Nordosten zugeschrieben werden. Die Entstehung der Siedlung wird etwa auf 1000 v. Chr. datiert.Garcia Domingues, S. 20. Als älteste Stadt der Algarve war Silves spätestens im 4. Jahrhundert v. Chr. unter dem Namen Cilpes zunächst von den Phöniziern und den Karthagern besiedelt. Fernhandel bestimmte seit langem das Bild, denn auf dem Rocha Branca, einem Hügel unweit von Silves, fanden sich Produkte aus Griechenland, Phönizien und Karthago. Darüber hinaus ließen sich Münzen mit der Aufschrift „Cilpes“ in die Jahre 206 bis 40 v. Chr. datieren.

Römer und Westgoten Unter den Römern wuchs die Siedlung zu einer bedeutenden Stadt, obwohl sie keinen Hafen hatte, sondern am Rand der Serra de Monchique lag. Ob die Zisternen, Vorratsgruben und die Stadtmauer auf die römische Zeit zurückgehen, ist unklar. Ebenso unklar ist, ob die alte Brücke ein römischer oder westgotischer Bau, oder ob sie noch jüngeren Datums ist. Mehrere Inschriften, dazu Keramik und das Straßennetz stammen in jedem Falle aus römischer Zeit. Ende des 5. Jahrhunderts fiel die Algarve an das Westgotenreich. Sie fiel auch während der Expansionsphase unter Kaiser Justinian I., im Gegensatz zu Südspanien, nicht an das Oströmische Reich.Dietrich Claude: Geschichte der Westgoten, 1970, S. 59. Dies hatte etwa noch Alfred Philippson: Das Byzantinische Reich als geographische Erscheinung, Brill: Leiden 1930, S. 91 angenommen.

Berber und Araber, Umayyaden (713–1031) Unter den arabischen Namen as-Shilb oder Xelb wurde Silves 713 Teil des Umayyaden-Kalifats und wechselte mit der iberischen Halbinsel nach 756 von den Abbasiden, die in Damaskus die Macht übernommen hatten, zum von dort geflohenen Umayyaden Abd ar-Rahman I. Dieser gründete das Emirat von Córdoba, aus welchem im Jahr 929 das Kalifat von Córdoba hervorging. Dieses zerfiel 1031 in zahlreiche kleine Königsherrschaften (taifas); Silves wurde drei Mal von christlichen Heeren erobert und fiel 1242/46 endgültig an Portugal. Gegen Ende der muslimischen Epoche im Jahr 1189 schätzt man die Einwohnerzahl von Silves auf etwa 15.000.Garcia Domingues, S. 16. Dem Geographen al-Idrisi zufolge soll in Silves im 12. Jahrhundert die Mehrheit der Einwohner jemenitisch-arabischer Abstammung gewesen sein.Harald Victor Livermore: A new history of Portugal, Seite 55. Cambridge 1976

Aus dem 9. bis 12. Jahrhundert stammt das aus rotem Sandstein erbaute Castelo dos Mouros („Maurenburg“), eine Kasbah, die mit ihren bis zu 60 m tiefen Zisternen (aljibes) etwa 12.000 m² einnimmt. Die große nördliche, rechteckige Zisterne mit einem Kuppelgewölbe, das auf Säulen ruht, versorgte einen erheblichen Teil der Stadt mit Wasser. Bei der südlichen Cisterna dos Cães („Zisterne der Hunde“) handelt es sich um einen Brunnen, wie sich aus der archäologischen Untersuchung maurischer Schöpfeimer ergibt, die freigelegt wurden.

Erstmals in den Quellen erschien die Stadt 845, als sich der Diplomat und Dichter Yaḥyā ibn Ḥakam al-Bakrī al-Ġazāl am Arade einschiffte, um als Gesandter Abd ar-Rahmans II. zu den Normannen zu reisen, die kurz zuvor in der Region geplündert hatten.Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem 9. und 10. Jahrhundert, übs. von Georg Jacob, Berlin und Leipzig 1927, S. 37. Er sollte, folgt man seiner eigenen Beschreibung, einen Friedensvertrag abschließen. Mit dem Prinzen Muladi Bakr ben Yahya, einem spanischen Christen, der zum Islam konvertiert war, entstand eine Kanzlei; ein Hof residierte in der Stadt sowie eine Armee. Der muslimische Teil der iberischen Halbinsel, al-Andalus, zerfiel ab 1031 in eine Vielzahl von Teilreichen, die Taifas. Dieser Zerfall der Omayyadenherrschaft brachte Silves ein hohes Maß an Unabhängigkeit.

Taifa mini|Taifa von Silves, 1037 Unter der Herrschaft von Ibn Mosain wurde Silves ab 1027 längere Zeit Hauptstadt eines maurischen Taifa-Emirats. Der bekannte Dichter al-Mu'tamid ibn 'Abbad, Sohn des Emirs Abbad II. al-Mu'tadid von Sevilla, regierte die Taifa von Silves bis 1091. Seit dem Jahr 1069 war er auch Herrscher in Sevilla.

Im Jahr 1053 eroberten die Truppen des al-Mu'tadid unter dem Kommando seines Sohnes al-Mu'tamid die Stadt. Der erst zwölfjährige Prinz wurde zum Wālī der Algarve mit der Hauptstadt Silves erhoben. Berühmtester Dichter und Freund des Fürsten war Muhammad ibn Ammar, der aus der Gegend von Silves stammte. Doch diese Herrschaft wurde zeitweilig unterbrochen, denn die Banu Muzain dominierten die Stadt. Nach langer Belagerung konnte al-Mu'tadid die Stadt 1063 zurückerobern. Als er starb, überließ er seinem Sohn die Herrschaft über Sevilla, dieser wiederum seinem Dichterfreund die Stadt Silves. Auf Ibn Ammar folgte wiederum ein Sohn des nunmehrigen Herrn von Sevilla, al-Mut'azz. Diese Jahrzehnte gelten als die Phase der größten Entfaltung islamischer Kultur in Silves.

Almoraviden, Muriden, unabhängige Herrschaft Als die berberisch-stämmigen Almoraviden ab dem Jahr 1091 die kleinen Herrschaften, darunter auch die von Sevilla und Silves ablösten, brachten sie ihre eigenen Baumeister und Gelehrten mit, vor allem aber neue politische und militärische Kraft. Erst gegen Ende ihrer Herrschaft gelang es im Jahr 1142 erstmals einer christlichen Armee unter Führung des Gouverneurs von Toledo, Rodrigo Fernandez, Silves für einige Jahre zu besetzen. Dabei soll er 10.000 Gefangene verschleppt haben.

Nach der Rückeroberung (reconquista) erreichte um 1145 die religiöse und politische Bewegung der Muriden auf, die auf Ibn Qasi zurückging. Ibn Al-Mundhir, der Herr von Silves, hing ebenfalls dieser mystischen Bewegung an, die das Erscheinen eines Mahdi erwartete. Diese Periode dominierten Herrscher wie Ibn Al-Mundhir, Ibn-Qasi und der letzte maurische König, den die Portugiesen „Aben Afan“ nannten. Sie waren mit den Almohaden, nachdem Ibn-Qasi den Muriden hatte weichen müssen, zurückgekehrt. Als es zu Aufständen in Afrika gegen die Almohaden kam, weigerte sich Ibn-Qasi, diese zu unterstützen. Als die siegreichen Almohaden zurückkehrten, verband sich Ibn-Qasi mit deren christlichem Gegner, Alfons I., dem Herrn von Coimbra. Gegen diese Kehrtwende erhob sich eine Gruppe von Verschwörern, die Ibn-Qasi im Jahr 1151 ermordeten. Zunächst beherrschte Ibn al-Mundhir die Stadt, doch wurde er von Ibn Wazir aus Silves vertrieben. Von dort aus beherrschte er zum Jahr 1157 auch Beja und Évora.

Almohaden, christliche Angriffe mini|Statue König Sanchos I. vor der Burg Im Jahr 1157 gelang es den Almohaden, Ibn al-Mundhir zu besiegen und ihm seine Herrschaft zu entreißen. Sie errichteten verstärkte Befestigungsanlagen und die Wehrtürme der Burg. Ähnlich wie zuvor die Almoraviden, errichteten sie eine zentralistische und religiös wenig tolerante Herrschaft. Gleichzeitig prosperierte Silves, es entstanden oder vergrößerten sich zwei Vorstädte. Die Stadtanlage umfasste insgesamt 83 ha, wie Grabungen in den 1990er Jahren erweisen konnten, und bot etwa 6.000 Einwohnern Platz.

Am 3. September 1189 wurde Silves nach längerer Belagerung von einem Kreuzfahrerheer, an dem sich Deutsche, Engländer und Flamen beteiligt hatten, unter dem portugiesischen König Sancho I. erneut eingenommen und geplündert. Seine Bronzestatue steht heute am Eingang der Burg. Er nannte sich nach dem Sieg „König von Portugal, von Silves und Algarve“, später „König von Portugal und Algarve“. Nach dem Zeugnis eines Kreuzritters war Silves durch die Burg besser befestigt und durch eine Reihe von Moscheen schöner als Lissabon. Der Flame Dom Nicolas wurde erster Bischof der Stadt.

Doch die portugiesische Herrschaft dauerte nur bis 1191. Die Almohaden eroberten die Stadt erneut zurück. Ein Gedenkstein im archäologischen Museum (Museu Municipal de Arqueologia) erinnert an die abermalige Verstärkung der Befestigungsanlagen und daran, wie die Almohaden insgesamt versuchten, der Stadt politisch und wirtschaftlich Möglichkeiten zu geben, sich von den Kriegsschäden zu erholen. Über die harten Belastungen und die Folgen der hohen Abgaben und Leistungen beschwerte sich die Dichterin, die unter dem Namen Xilibia bekannt wurde, weil sie aus Silves stammte.

Letzte muslimische Herrschaft Als das Almohadenreich im Jahr 1230 zusammenbrach, errichtete Ibn Mafot (von den Portugiesen „Aben Afan“ genannt) um Silves ein letztes Mal eine unabhängige muslimische Herrschaft. Nach ihm wurde der Turm namens Torre de Aben Afan benannt.

Archäologische Funde aus muslimischer Zeit mini|Blüte der duftenden Platterbse, eines wichtigen Grundnahrungsmittels Das städtische Museum für Archäologie entstand über einem Brunnen, der über eine Treppe zugänglich war.Dies und das Folgende nach Islamic Silves. five centuries of occupation in eastern suburb, Ausstellungsführer, Silves 2001 und Simon J. M. Davis, Maria José Gonçalves, Sónia Gabriel: Animal remains from a Moslem period (12th/13th century AD) lixeira (garbage dump) in Silves, Algarve, Portugal. in: Revista Portuguesa de Arqueologia 11,1 (2008) S. 183–258. Darüber hinaus ließ sich die Ausdehnung der Stadt mit ihren Vorstädten, sowie die Lage wichtiger Institutionen, wie etwa Moscheen feststellen. Des Weiteren zeigte sich, dass die Nahrungsgewohnheiten stark von späteren abwichen. So gehörte etwa die Duftende Platterbse (Lathyrus cicera) zu den Grundnahrungsmitteln, Ziegen stellten mehr als 40 % der Fleischversorgung. Wenig überraschend war hingegen das vollständige Fehlen von Schweinefleisch. Spiele, die der Koran gleichfalls diskreditiert, fanden sich hingegen – trotz bekannter Verbote – zu Hunderten. Bei den Meeresfrüchten dominierten Muscheln und Herzmuscheln, die 44 bzw. knapp 37 % der Funde stellen, während Austern mit knapp 3 % weit dahinter rangierten. Beim Fisch herrschte mit über 22 % Anteil die Goldbrasse vor, gefolgt von Meerbrassen (14,3 %) und Gemeinen Meerbrassen (12,2 %). Brassen stellten also fast die Hälfte des Fischbedarfs.

Bei der Keramik lassen sich zwei Traditionen unterscheiden. Die erste setzte im 10. Jahrhundert ein und geht wohl auf die südspanische Palaststadt Madīnat az-zahrāʾ zurück, die andere eher auf tunesische Einflüsse, insbesondere aus Kairuan. Ersterer Stil erschien im 10. Jahrhundert in den Werkstätten von Silves, um im 11. Jahrhundert massenhaft hergestellt zu werden. Die Verwendung von Mangan und eine grünliche Farbe auf hellem Grund verbindet den älteren mit dem jüngeren Stil, wobei der jüngere stärker stilisierte Motive bevorzugte. Große Gefäße mit ausgeprägten Dekorationen wurden nur in Hafenstädten entdeckt, was auf den Gebrauch als Fernhandelsgut hinweist. Mit Stempeln bearbeitete Trinkwasser-Vorratsgefäße, die oftmals von erheblicher Größe waren, besaßen Holzgriffe und Auflageflächen für Ständer, um das Eingießen bzw. Tragen zu erleichtern. Sie sind kennzeichnend für die islamische Keramik. Sie trugen über Verzierungen hinaus häufig einzelne Worte, wie As-tawfiq (Erfolg, göttliche Hilfe) oder Adaá (Ruhe). Gestempelte Wassergefäße erschienen mit den Almohaden.

Metallgegenstände aus dieser Phase waren in ganz Südportugal bis in die 80er Jahre selten, doch gerade in Silves und in Mértola fanden sich zahlreiche Werkzeuge, Schmuck, aber auch chirurgische Instrumente, wie Zangen, Nadeln, Skalpelle. Die Glasproduktion aus der römischen Zeit war nie abgerissen, doch wurde sie seltener und die filigranen Produkte waren nur den höheren Schichten zugänglich. Dabei zeigten sich technische Kontinuitäten, die bis in die Bronzezeit zurückreichen.