Gohlis ist ein Stadtteil im Norden Leipzigs. Er ist in drei Ortsteile (Gohlis-Süd, -Mitte und -Nord) eingeteilt, die alle zum Stadtbezirk Nord gehören.

Gohlis war ehemals ein Dorf und Rittergut bzw. ab 1838 eine sächsische Landgemeinde, die 1890 mit der benachbarten Stadt Leipzig vereinigt wurde. Der Stadtteil ist zu weiten Teilen von Altbau-Wohngebieten aus dem späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt.

Lage mini|Mündung der Parthe in die Weiße Elster am Westrand von Gohlis Der alte Ortskern befand sich am nordöstlichen Rand der Elster-Luppe-Aue, nördlich der Mündung der von Nordosten kommenden Nördlichen Rietzschke in die hier von Südost nach Nordwest fließende Parthe, er lag südlich der alten Schkeuditzer Landstraße (heute: Georg-Schumann-Straße) zwischen der Stadt Leipzig im Südosten und dem Dorf Möckern im Nordwesten.

Die heutige Gemarkung Gohlis grenzt im Süden an das Rosental, im Südosten an die Leipziger Nordvorstadt (Ortsteil Zentrum-Nord), im Osten an Eutritzsch (die Flurgrenze folgt ungefähr dem Verlauf der Nördlichen Rietzschke, die jedoch südlich des Arthur-Bretschneider-Parks unterirdisch kanalisiert ist), im Norden an Wiederitzsch (getrennt durch den Gohliser Flurgrenzgraben) und im Westen an Möckern (Flurgrenze entlang der Olbricht- und Bothestraße).

Orts- und Baugeschichte Als Dorf und Rittergut mini|Gohlis auf einer Karte von 1863 mini|Gohliser Schlösschen, von Süden aus gesehen mini|Menckestraße: Die Mittelfläche erinnert an den Dorfanger und die erste Schule des Dorfes Das Dorf Gohlis wurde wahrscheinlich von westslawischen (sorbischen) Siedlern im 7. Jahrhundert angelegt. Frühere Namensformen waren Golitz, Goliz oder Golis. Der altsorbische Wortstamm gol bedeutet kahl, öde und ist vielleicht ein Bezug auf die waldfreie unmittelbare Umgebung des Dorfes, die Endung -its/-itz ist typisch für slawische Dörfer.

Im Zuge der deutschen Ost-Expansion ließen sich vermutlich um das Jahr 1000 flämische Siedler hier nieder. Aus dem Jahr 1317 stammt die älteste bekannte Urkunde, in der das Dorf anlässlich einer Landschenkung an das Zisterzienserinnenkloster St. Georg erwähnt wird.

Landesherren von Gohlis waren die Markgrafen von Meißen bzw. von Landsberg und später die ernestinischen Kurfürsten von Sachsen (1423–1485), die albertinischen Herzöge, Kurfürsten und Könige von Sachsen. Innerhalb des sächsischen Staates gehörte das Dorf Gohlis in das Kreisamt Leipzig.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Verlag Klaus Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f. 1539 wurde die lutherische Reformation eingeführt, ab 1544 war die Pfarrei des benachbarten Eutritzsch auch für Gohlis zuständig. Das Dorf Gohlis gehörte zur Grundherrschaft des Ritterguts Gohlis, damit unterstand es juristisch dessen Patrimonialgerichtsbarkeit. Im Schmalkaldischen Krieg wurde das Dorf 1547 von Leipzigern niedergebrannt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es zwischen 1631 und 1649 fünfmal verwüstet und niedergebrannt.Geschichte, Leipzig-Gohlis.de, 2008.

1659 erwarb der Leipziger Medizinprofessor Michael Heinrich Horn († 1681) das Rittergut und die Grundherrschaft in Gohlis. Das Dorf erhielt 1685 eine eigene Schule, die in der Mitte der Dorfstraße gebaut wurde. An der Stelle befindet sich in der heutigen Menckestraße eine Verkehrsinsel. Von 1720 bis 1726 war der Leipziger Juraprofessor Lüder Mencke Gutsbesitzer und Richter von Gohlis. Er gab eine Dorfordnung heraus, durch die das bis dahin geltende flämische Erbrecht abgelöst wurde. Im Zweiten Schlesischen Krieg lagerte 1745 das sächsische Heer unter Rutowski bei Gohlis, im November desselben Jahres wurde das Dorf von Husaren geplündert.

1755/56 ließ sich der Leipziger Ratsherr Johann Caspar Richter (1708–1770) auf zwei benachbarten Bauerngütern in Gohlis ein Sommerpalais im Rokoko-Stil erbauen. Das Gohliser Schlösschen genannte Gebäude wird heute für kulturelle und gastronomische Zwecke genutzt. Der Historiker Johann Gottlob Böhme heiratete 1771 Richters Witwe Christiana Regina (geb. Hetzer) und wurde so Erb-, Lehn- und Gerichtsherr von Gohlis. Das Schulgebäude wurde 1774 aufgestockt und erhielt einen Betsaal. Das Gebäude in der Dorfmitte beherbergte neben der Schulstube auch die Lehrerwohnung, einen kleinen Anbau für den Spritzenwagen sowie später das Gefängnis mit Pranger. In dieser Zeit entwickelte sich Gohlis zu einem beliebten Ausflugsziel des Leipziger Bürgertums. Der Reim „Wem nicht wohl ist, der geh’ nach Gohlis!“ wird Johann Wolfgang Goethe zugeschrieben, der in den 1760er-Jahren in Leipzig studierte. Er nimmt Bezug auf die gesundheitsfördernde Wirkung der frischen Landluft an den Pleißeauen im Gegensatz zur stickigen Stadtluft.Susann Buhl: Wer nicht strebt, der nicht lebt! Wilhelm Felsches Schokoladenimperium in Gohlis. In: Leipziger Blätter, Nr. 45 (2004), S. 83. Im Volksmund entwickelte sich daraus der Ausspruch „Wem es wohl ist“ bzw. „Wem’s zu wohl ist, der geht nach Gohlis“, um auszudrücken, dass sich nur die Bessergestellten die Sommerfrische in Gohlis leisten konnten.Susann Buhl: DuMont direkt Reiseführer Leipzig. 2021, S. 64.

mini|Schillerhaus, gesehen von der Menckestraße Nach dem Tod des Ehepaars Böhme erbte Christiana Marias Bruder Johann Hieronymus Hetzer das Gut und das Schlösschen, das sich unter seiner Ägide bis 1788 zum „Musenhof am Rosental“ entwickelte. Zu seinen Gästen zählten 1785 Friedrich Schiller und der Freundeskreis um Christian Gottfried Körner. Schiller arbeitete in Gohlis am zweiten Akt des „Don Carlos“, bearbeitete den „Fiesco“ und schrieb die erste Fassung des Gedichts „An die Freude“. Das Bauernhaus, in dem Schiller wohnte, ist das älteste erhaltene Haus von Gohlis. Es wurde um 1700 erbaut und ist seit dem 18. Jahrhundert wohl kaum verändert worden. 1841 richtete der Leipziger Schillerverein hier eine Gedenkstätte ein, die heute noch als Museum (Schillerhaus) besteht. In diesem ist auch ein Modell des Dorfes Gohlis Ende des 18. Jahrhunderts zu sehen.

Seit 1793, als die Stadt Leipzig Besitzer des Rittergutes Gohlis wurde, lag die niedere Gerichtsbarkeit bei der Stadt Leipzig, die sie auch nach dem Verkauf des Ritterguts an die Familie von Alvensleben im Jahr 1832 behielt. Im Zusammenhang mit der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 diente das Schlösschen zunächst der französischen Armee, dann dem russischen General Wintzingerode als Hauptquartier. Von 1847 bis 1863 war das Gut im Besitz des Musikers Gebhard von Alvensleben, dessen Briefe an seine Freundin Bettina von Arnim vom damaligen Leben in Gohlis zeugen.

Als Landgemeinde mini|Eingemauerte Kugeln aus der Völkerschlacht Im Jahr 1835 umfasste das Dorf 30 Magazinhufen Land, 54 Häuser und 578 Einwohner. Durch die Sächsische Landgemeindeordnung von 1838 wurde das Dorf Gohlis eine eigenständige Gemeinde und erhielt das Recht zur Selbstverwaltung. Durch die Magdeburg-Leipziger Eisenbahn bekam Gohlis 1840 einen Eisenbahnanschluss. Der Raubmörder Johann David Saupe wurde am 18. November 1840 in Gohlis hingerichtet. Am 23. August 1842 wurde dort der Buchbindergeselle Johann Heinrich Ernst Seifarth aus Altenburg enthauptet – dies war die letzte Hinrichtung in Gohlis.Matthias Blazek: Der Raubmörder Johann David Saupe wurde 1840 hingerichtet – Fehlschläge bei der Enthauptung hinterließen tiefe Eindrücke, in: Gohlis Forum, 13. Jahrg., 03/2011 (Juni), S. 5 ff. mini|hochkant=0.75|Ladenschaufenster an der Georg-Schumann-Straße Die Bevölkerungszahl stieg zwischen 1834 und 1871 von 629 auf 5.015.Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, Eintrag Gohlis (2) Dieses rapide Wachstum erforderte auch neue Einrichtungen: 1860–61 wurde ein neues Schulgebäude am damaligen Lindenplatz (heute Kirchplatz) erbaut; 1864 wurde in der Menckestraße eine Postanstalt eröffnet; 1868 wurde der bis heute genutzte Friedhof am Viertelsweg eingeweiht. Gohlis, das bis dahin zur Pfarrei Eutritzsch gehörte, bildete ab 1870 ein eigenes Kirchspiel.

Von 1873 bis zur Eingemeindung 1890 gehörte die Landgemeinde Gohlis zur Amtshauptmannschaft Leipzig. Am 20. Januar 1873 wurde die Gemeinde Gohlis durch die Gohliser Straßenbahntrasse (blaue Linie der Leipziger Pferdebahn) an das Nahverkehrsnetz der Stadt Leipzig angeschlossen.André Loh-Kliesch: Gohliser Straßenbahntrasse. In: Leipzig-Lexikon. Das heutige Erscheinungsbild von Gohlis-Süd und -Mitte entstand größtenteils während der Gründerzeit (1870–1914), es ist in weiten Teilen von Blockrandbebauung mit drei- bis viergeschossigen Mehrfamilienhäusern geprägt. 1881 verlegte Adolf Bleichert seine Fabrik für Drahtseilbahnen nach Gohlis.Manfred Hötzel und Stefan W. Krieg (Hrsg.): Adolf Bleichert und sein Werk – Unternehmerbiografie – Industriearchitektur – Firmengeschichte. Gohliser historische Hefte 8, Sax-Verlag, Markkleeberg 2002, ISBN 978-3-934544-35-2, S. 113. Der westliche Teil von Gohlis-Mitte und -Nord, am Übergang zu Möckern, war ab Ende des 19. Jahrhunderts von ausgedehnten Kasernengeländen und Siedlungen für Militärs geprägt.Vera Denzer, Andreas Dix und Haik Thomas Porada (Hrsg.): Leipzig – Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Leipzig. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2015, ISBN 978-3-412-22299-4, S. 205.

Als Stadtteil von Leipzig mini|hochkant=0.75|Der Bebauungsplan 1 vom 21. Mai 1898 gab dem damaligen „Neu-Gohlis“ (heute Gohlis-Mitte) die bis heute erhaltene städtebauliche Grundstruktur Am 1. Januar 1890 wurde die Gemeinde Gohlis, die damals 19.312 Bewohner zählte, in die Stadt Leipzig eingemeindet. Ab 1898 wurde die Bebauung jenseits der Eisenbahnlinie weit nach Norden ausgedehnt. Das damalige „Neu-Gohlis“ entspricht etwa dem heutigen Ortsteil Gohlis-Mitte. Im „Militärischen Viertel“ unmittelbar östlich des Kasernengebiets entstanden herrschaftliche Stadtvillen. Einfacher gehalten waren die meist viergeschossigen Mietshäuser in Blockrandbebauung des „Französischen Viertels“. Die Straßen wurden nach Orten und Heerführern des Deutsch-Französischen Kriegs benanntMatthias Judt: Bürgerverein Gohlis. – nach 1945 wurden sie durch Namen von Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus ersetzt.Gohlis. In: Vera Denzer, Andreas Dix, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Leipzig. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Leipzig. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2015, S. 214–221, auf S. 218–219. Um die Jahrhundertwende hatte Gohlis etwa 30.000 Einwohner.Manfred Hötzel und Stefan W. Krieg (Hrsg.): Adolf Bleichert und sein Werk – Unternehmerbiografie – Industriearchitektur – Firmengeschichte. S. 40. Die „Turmschule“ (damals 11. Bürgerschule, heute Friedrich-Schiller-Schule) wurde 1905 eingeweiht; 1907 wurde die Feuerwache Nord an der Matthisonstraße in Betrieb genommen.

In den 1920er Jahren und zu Beginn der 1930er Jahre erschlossen Bauträger wie der Spar- und Bauverein Leipzig-Nord in Gohlis neue Flächen für die Errichtung von mehrgeschossigen Wohnhäusern, um den Wohnbedürfnissen der stark angestiegenen Leipziger Bevölkerung Rechnung zu tragen. Im gartenstadtartigen „Philosophenviertel“ (Hegel-, Schopenhauer-, Nietzschestraße usw.) westlich des Eutritzscher Parks wurden hochwertige Einfamilien- und Doppelhäuser erbaut.Gohlis. In: Vera Denzer, Andreas Dix, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Leipzig. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Leipzig. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2015, S. 214–221, auf S. 220–221. 1926 wurde das repräsentative Art-déco-Postamt N 22 in der heutigen Sasstraße eingeweiht (davon abgeleitet hatte Gohlis ab 1964 die Postleitzahl 7022)André Loh-Kliesch: Postämter. In: Leipzig-Lexikon, abgerufen am 10. Januar 2021..

mini|Bauhaus-Stil in der Krochsiedlung