Hoppegarten (amtlich: Rennbahngemeinde Hoppegarten) ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg, Deutschland.

Geografie Das Gemeindegebiet ist durch einen nach Osten hervorragenden „Sporn“ des Berliner Bezirks Marzahn-Hellersdorf zweigeteilt: im Norden der Ortsteil Hönow, im Süden die Ortsteile Dahlwitz-Hoppegarten und Münchehofe. Die Gemeinde grenzt im Nordwesten und Norden an die amtsfreie Gemeinde Ahrensfelde, im Osten an die amtsfreie Stadt Altlandsberg und an die amtsfreie Gemeinde Neuenhagen bei Berlin, im Südosten an Schöneiche bei Berlin, im Süden an den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick und im Westen an den Bezirk Marzahn-Hellersdorf (Berlin).

Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich laut Hauptsatzung in die drei Ortsteile Dahlwitz-Hoppegarten mit den Gemeindeteilen Birkenstein Waldesruh Hönow Münchehofe

und die Wohnplätze Heidemühle, Hönow Dorf, Hönow Nord, Hönow Süd, Mönchsheim, Neubirkenstein und Ravenstein.

Geschichte Der Name Hoppegarten leitet sich vom Wort Hopfen her.

Die Geschichte der Gemeinde Hoppegarten ist bis 2003 die Geschichte von ursprünglich vier, später drei ehemals selbstständigen Gemeinden und weiteren kleineren Siedlungen (heute Gemeindeteile und Wohnplätze) (siehe: entsprechende Ortsartikel).

Die Orte gehörten seit 1451 zum Niederbarnimschen Kreis, ab 1815 zum Kreis Niederbarnim in der preußischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Strausberg im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland.

Zur Verwaltung der vielen, z. T. sehr kleinen Gemeinden wurde 1992 in Brandenburg die Ämterverwaltung eingeführt. Am 11. September 1992 erteilte der Minister des Innern des Landes Brandenburg seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Hoppegarten. Als Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 15. September 1992 festgelegt. Das Amt hatte seinen Sitz in der Gemeinde Dahlwitz-Hoppegarten und bestand zunächst aus drei Gemeinden im damaligen Kreis Strausberg: Hönow Dahlwitz-Hoppegarten Münchehofe

Zum 26. Oktober 2003 wurden die drei amtsangehörigen Gemeinden per Gesetz zur neuen Gemeinde Hoppegarten zusammengeschlossen. Das Amt Hoppegarten wurde aufgelöst und die Gemeinde Hoppegarten amtsfrei. Die ehemaligen Gemeinden Dahlwitz-Hoppegarten und Hönow klagten erfolglos gegen den „Zusammenschluss von oben“ vor dem Landesverfassungsgericht; die Klagen wurden zurückgewiesen.

Am 22. März 2018 beschloss die Gemeindevertretung den Namenszusatz „Rennbahngemeinde“.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Hönow Dahlwitz-Hoppegarten Münchehofe Jahr Hoppegarten1875 607 465 240 2003 13.9581910 1.593 546 224 2005 14.7151939 3.799 2.618 346 2010 16.8021946 3.544 2.351 309 2015 17.6361950 4.061 2.426 350 2020 18.2021971 4.286 2.487 287 2021 18.3221990 3.844 2.203 236 2022 18.2021995 4.554 2.565 260 2023 18.3002000 5.741 6.122 358 2024 18.2182002 6.091 6.990 401 2025 18.085

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991),Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Märkisch-Oderland. S. 22–25.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Hoppegarten besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 28 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 69,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2014Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 Sitze2014 Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD – – 13,7 % 4 23,8 % 6 CDU 20,6 % 6 18,1 % 5 19,3 % 6 Die Linke 29,2 % 8 22,1 % 6 11,9 % 3 SPD 15,5 % 4 8,5 % 2 11,1 % 3 Bündnis 90/Die Grünen 7,3 % 2 16,8 % 5 10,1 % 3 Freie Mitte – – – – 7,1 % 2 Siedlergemeinschaft Birkenstein 5,0 % 1 3,0 % 1 4,9 % 1 FDP 3,2 % 1 4,5 % 1 4,0 % 1 Bündnis Hoppegarten für Vernunft und Gerechtigkeit – – – – 3,9 % 1 Bündnis für Hoppegarten 5,1 % 1 3,0 % 1 3,9 % 1 Freie Wähler Hoppegarten 3,5 % 1 2,7 % 1 – – Vereinigte Bürgerbewegung Hoppegarten 3,5 % 1 2,6 % 1 – – Initiativgruppe der Eigenheimbesitzer Hoppegarten 2,9 % 1 2,0 % 1 – – Bürgerkomitee 2,3 % 1 1,7 % – – – Einzelbewerber Sven Siebert – – 1,5 % – – – Pro Zukunft Märkisch-Oderland 1,8 % 1 – – – – Insgesamt 100 % 28 100 % 28 100 % 27

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD sieben Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur sechs Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister mini|Rathaus mini|Gemeindesaal 2003–2011: Klaus Ahrens (CDU)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 26 2011–2019: Karsten Knobbe (Die Linke) seit 2020: Sven Siebert (parteilos)

Siebert wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 15. September 2019 mit 67,5 % der gültigen Stimmen gewählt. Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Am 11. September 2024 fand ein Bürgerentscheid über die Abwahl Sieberts statt. Mit 51,5 % der gültigen Stimmen wurde die Abwahl abgelehnt.Ergebnis des Bürgerentscheids am 11. September 2024 Am 23. Februar 2025 gab es erneut einen Bürgerentscheid. Die Gemeindevertretung hatte zum zweiten Mal ein Abwahlverfahren eingeleitet und mit Kritik an Sieberts Amtsführung und an der Umsetzung von Beschlüssen begründet. Mit 57,0 % der gültigen Stimmen wurde die Abwahl wiederum abgelehnt.Ergebnis des Bürgerentscheids am 23. Februar 2025

Wappen

Flagge „Die Flagge ist Grün – Weiß – Grün (1:4:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.“

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Gemeinde mit der Umschrift .

Gemeindepartnerschaften Hoppegarten unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu den Gemeinden Iffezheim in Baden-Württemberg, wo es ebenfalls eine Pferderennbahn gibt, sowie zu Rzepin in Polen.

Sehenswürdigkeiten Am Bahnhof Hoppegarten (Mark) befindet sich das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Gebäude vom ehemaligen Kaiserbahnhof, welches umfassend saniert wurde und unter Denkmalschutz steht. Heute beherbergt das repräsentative Gebäude die Touristeninformation des Vereins „Märkische S5-Region“. In Hoppegarten befinden sich zahlreiche Villen, welche oft mit Stallanlagen verbunden sind. Sie wurden im Zuge der Entwicklung des Pferdesports in der Linden- und Goetheallee erbaut. Die Bauzeit der oft mehrstöckigen Villen und Wohnhäuser begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Bauten sind für die Entwicklung zu einem Zentrum des Rennsports und die damit in Verbindung stehenden Belange der Pferdezucht charakteristisch. Auf dem Friedhof Hoppegarten wurden namhafte Trainer, Jockeys, Futtermeister, Tierärzte und Stallburschen vieler Nationen, die im Rennsport beschäftigt waren, bestattet. Man findet dabei auch viele Grabmale, die in Englisch beschriftet sind. Einige der historischen Grabstätten gelten heute als wichtiges Zeugnis der Rennbahngeschichte von Hoppegarten sowie des Pferdesports. siehe dazu auch: Liste der Kulturdenkmale in Hoppegarten

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Eingang zum Bahnhof Hoppegarten (Mark) mini|Busbahnhof am Bahnhof Hoppegarten (Mark)

Hoppegarten liegt an der Bundesstraße 1 / 5 zwischen der Berliner Stadtgrenze (Ortsteil Mahlsdorf) und Müncheberg. Die Landesstraße L 339 zwischen Ahrensfelde und der Berliner Stadtgrenze (Ortsteil Friedrichshagen) durchquert das Gemeindegebiet in Nord-Süd-Richtung.

Hoppegarten liegt an der Bahnstrecke Berlin–Küstrin-Kietz Grenze und besitzt zwei Stationen (Birkenstein und Hoppegarten (Mark)) der Linie S 5 der S-Bahn Berlin. Der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Hoppegarten–Altlandsberg wurde 1965 eingestellt.

Über die U-Bahn-Linie U5 ist der Ortsteil Hönow an das Berliner U-Bahn-Netz angeschlossen. Zudem ist Hoppegarten durch einige Buslinien an das Umland angebunden.

Behörden In Hoppegarten, auf dem ehemaligen Gelände des Zentralen Chiffrierorgans (ZCO) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), hat das Bundesarchiv seit 1997 ein Zwischenarchiv für die obersten Bundesbehörden in Berlin. In einem Spezialmagazin sind auch Teile des Bundesfilmarchivs mit rund 70.000 Rollen Zellulosenitratfilme gelagert. Der Magazinneubau kann 65.000 laufende Meter Akten aufnehmen.

Der Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg hat seinen Sitz ebenfalls in Hoppegarten.

Im Ortsteil Hönow befindet sich eine Geschäftsstelle der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

Gesundheit Im Ortsteil Dahlwitz-Hoppegarten befindet sich die Median Klinik Hoppegarten, eine Rehabilitationsfachklinik für Orthopädie, Rheumatologie, Unfallverletzungen und Schmerztherapie.

Sport Der Ortsteil Dahlwitz-Hoppegarten wurde durch die 1868 eröffnete Galopprennbahn Hoppegarten berühmt. Sie entwickelte sich bis zum Ersten Weltkrieg zur wichtigsten deutschen Rennbahn. Jetzt finden pro Jahr unter internationaler Beteiligung bis zu elf Renntage statt.

1976 gewannen der Schütze Norbert Klaar und 1980 der Judoka Dietmar Lorenz eine olympische Goldmedaille. Beide traten für den SC Dynamo Hoppegarten an.

Persönlichkeiten Ehrenbürger 25. Januar 2007: Artur BoehlkeEhrenbürger der Gemeinde Hoppegarten 4. Dezember 2014: Dietmar Hötger

Söhne und Töchter der Gemeinde Heinz Jentzsch (1920–2012), Trainer im Galopprennsport Willi Schultheis (1922–1995), Dressurreiter

Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten Horst Schlimper (1915–1990), Präsident des ADMV der DDR, lebte in Dahlwitz-Hoppegarten Ulrich Voß (1938–2024), Schauspieler, lebte in Hönow Christina Kubisch (* 1948), Installationskünstlerin, lebt in Dahlwitz-Hoppegarten Renate Adolph (* 1954), Politikerin (Die Linke), lebt in Hönow Marco Bertram (* 1973), Journalist, wuchs im Gemeindeteil Waldesruh auf Kay Bernstein (1980–2024), Präsident von Hertha BSC, lebte und starb in Hoppegarten

Literatur

Magda-Lena Eppinger: Hoppegarten. Die Rennbahn – moderne Sport- und Freizeitstätte der ersten Stunde. In: Brandenburgische Denkmalpflege. Neue Folge, Jahrgang 8, Heft I (2022), S. 43–55 David Misselwitz: Hoppegarten. Die Landschaft der Rennbahn – Geschichte, Bedeutung und Ausblick für Rennbahngeläuf und Umfeld. In: Brandenburgische Denkmalpflege. Neue Folge, Jahrgang 8, Heft I (2022), S. 56–68

Weblinks

Website der Gemeinde Hoppegarten Eintrag im Kommunalverzeichnis Brandenburg

Einzelnachweise Bildung der Ämter Friedland/Niederlausitz und Hoppegarten. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 11. September 1992. Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nr. 75, 5. Oktober 1992, S. 1869. Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 25. September 2011 Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 15. September 2019 Fünftes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Barnim, Märkisch-Oderland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, Uckermark (5.GemGebRefGBbg) vom 24. März 2003 (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr. 05, S. 82), geändert durch Gesetz vom 1. Juli 2003 (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr.10, S. 187) Kommunales Verfassungsbeschwerdeverfahren gegen die Auflösung der Gemeinde Hönow (Amt Hoppegarten) durch Eingliederung in die neu gebildete amtsfreie Gemeinde Hoppegarten Kommunales Verfassungsbeschwerdeverfahren gegen die Auflösung der Gemeinde Dahlwitz-Hoppegarten (Amt Hoppegarten) durch Eingliederung in die neu gebildete amtsfreie Gemeinde Hoppegarten

Kategorie:Gemeindegründung 2003