Der Siebleber Teich ist ein künstlich angelegtes Staubecken in einer Niederung (Siebleber Senke) wenige hundert Meter nördlich des Seebergs bei Gotha, zwischen den Ortschaften Siebleben im Nordwesten, Tüttleben im Nordosten und Seebergen im Südosten. Er liegt in einer Höhe von etwa 275 m und hat eine Tiefe von etwa 1,50 m, leicht schwankend entsprechend der Menge des Wasserzulaufs. Der Teich ist eine der Sehenswürdigkeiten auf und am Seeberg bei Gotha und ist der Kern des gleichnamigen, etwa 28 ha großen Naturschutzgebietes. Der Teich ist zudem Teil des FFH-Gebietes Seeberg-Siebleber Teich mit der Nummer 054Amtsblatt des Landkreises Gotha vom 23. Mai 2013.
Geschichte Anfänge und erste Grabungen Aus geschichtlichen Unterlagen ist zu entnehmen, dass das Siebleber Ried mit dem heutigen Teichgelände der Rest eines eiszeitlichen Sees darstellt, der von etwa 7.300 bis 3.800 v. Chr. seine größte Ausdehnung hatte.
Zur Schaffung fruchtbaren Geländes wurde das Gebiet über den Rot-Bach entwässert, der über Cobstädt im Osten weiter nach Wandersleben fließt und dort in die Apfelstädt mündet. Hierzu erging durch das Gothaer Stadtparlament Ende des 17. Jahrhunderts unter Androhung einer Strafe von zehn Reichstalern bei Nichtbefolgung der Befehl an die Gemeinden Tüttleben und Cobstädt, ihre Gräben zu öffnen, damit das Wasser aus dem Ried abfließen kann. Die herzogliche Anordnung hierzu datiert vom 23. September 1697. Nach harten Verhandlungen mit der herzoglichen Regierung erhielten die Gemeinde Siebleben und das benachbarte Gut Mönchhof am 22. Juni 1709 für das Ried das Triftrecht. Erst am 14. Mai 1717 lag der erste Entwurf für den Teichbau vor, und im Juni wurde mit dem Aushub anstelle der größeren spätglazialen Wasserfläche begonnen. Das Gelände wurde quadratisch abgesteckt mit Seitenlängen von 1000 Schuh (1 Weimarischer Schuh = 28,198 cm). Das ergab eine geplante Wasserfläche von 280.000 m². miniatur|links|Schloss Mönchhof mit Park in Gotha-Siebleben
Der Aushub diente zur Errichtung breiter Umfassungsdämme im Süden, Osten und Norden, die allerdings niedriger waren als die heutigen. Der Teich sollte ein herzoglicher Fischteich werden, einer von vielen.
Zum Einsatz kamen dabei 120 Milizsoldaten unter dem Kommando und der Aufsicht eines Hauptmanns und eines Fähnrichs. Diese bewegten 70 Schubkarren, 20 Grabscheide, 20 Schaufeln und 20 Hauen (Hacken). Die Einquartierung erfolgte in Siebleben, für den Schutz vor schlechtem Wetter wurde eine Bretterbude aufgeschlagen, täglich wurden Bier und Brot sowie zwei Mahlzeiten gebracht. Als Zusatzsold erhielten die Soldaten 9 Pfennige, 1 Kanne (= 1,82 Liter) Bier pro Tag und einmal monatlich 2 Klafter Floßholz.
Hinzu kam durch herzoglichen Erlass eine Vergütung von 3 Groschen pro abgearbeiteter (Wald-)Rute (= 4,51 m). Da vermutlich am (falschen) westlichen Ende mit der Grabung begonnen wurde, gab es Probleme mit dem von dort kommenden Wasserzufluss aus Rot, Girrbach (siehe Geierslache (heutiger Name)), das Riedwasser selbst und andere Quellen aus dem Seeberg, z. B. die Iffland-Quelle. Der Girrbach führte sein Wasser damals noch bis in die Mitte des Teiches, vermutlich über die ehedem gebräuchlichen Holz- oder Tonrinnen.
miniatur|Abfluss im Ostdeich miniatur|Blockhütte „Teichschenke“ miniatur|hochkant|„Gastonia“-Sitzbank miniatur|Sitzgruppe mit einer Gedenktafel an Hermann Löns miniatur|links|Bootssteg mit der Einleitung aus der Geierslache über ein Rohr
Ab September 1717 bis September 1719 Im September 1717 wird verfügt, dass der Teich an seiner Ostseite, der tiefsten Stelle, wo auch ein künstlicher Abfluss gebaut war, im Winter eine Mindesttiefe von 0,28 cm haben müsse, damit die Fische überleben können. Wie sich später zeigen sollte, war dies zu wenig. Zudem sollten zwei Entwässerungsrinnen aus starken Holzstämmen eingerichtet werden. Die Rinne in der Mitte des Ostdammes ist der damalige und heutige Ablauf. Die andere Rinne in der Südostecke bildet den heutigen Zulauf aus der Geierslache (Fließrichtungsumkehr durch Geländebaumaßnahmen!). Weiterhin sollte bei starken Niederschlägen das Wasser an den Abflüssen reguliert und mehrere Fischgräben hergerichtet werden, um die Fische aus den Wasserlöchern einfangen und in einen sicheren Winterverbleib bringen zu können.
Anfang 1718 waren die Arbeiten vorerst abgeschlossen. Ein Teil des Rot-Wassers speiste den Teich sowie die Geierslache.
Mitte Juni 1719 wurden die Arbeiten mit 77 Tagelöhnern wieder aufgenommen und am 22. September 1719 beendet.
Teichgestaltung und wirtschaftliche Bedeutung Der erste Fischbesatz wurde 1718 vorgenommen, der Teich jedoch wegen des schlechten und seichten Wassers über Winter wieder abgelassen und der Fischbesatz in 1719 erneut getätigt, mit Karpfen, Hechten, Schleien, Barschen und Weißfischen.
1723 wurden die Dämme mit Weiden aus Tonna und Erlen aus den Niederlanden und Ichtershausen bepflanzt.
1724 kamen 242 Lindenstämme auf dem Ostdamm hinzu, die heute zum Teil noch stehen, somit über 280 Jahre alt sind. 1733 musste der Teich auf herzogliche Anordnung mit Sensen unter Wasser von Binsen und Röhricht gereinigt werden. Immer wieder wurde auch die Rot gereinigt (’’Rotfege’’). Schon 1739 ersetzte man die Erlen durch Buschwerk.
Von 1722 bis 1733 wurden drei Fischzüge vorgenommen. Insgesamt fischte man dabei etwa 7500 kg Karpfen, 800 kg Hechte, 300 kg Weißfische und 150 kg übrige Fische (Schleien, Aale, Barsche, Karauschen). Das Fangergebnis ging komplett an die Hofküche, mit Ausnahme der Karpfen. Ein Teil wurde in die Stadtgräben gesetzt, der Rest verkauft. Bis 1842 konnte man den Ertrag auf mehr als 42.000 kg beziffern. Umgerechnet sind das durchschnittlich 350 kg Fisch pro Jahr von 1722 bis 1842. Diese schlechten Ergebnisse hatten verschiedene Ursachen, wie z. B. Totalverluste in den Wintern 1754/55 und 1779/80, Austrocknung durch extreme Sommer, Trockenlegungen, Teicharbeiten, undichte Dämme, Nahrungsmangel, Ausspülung beim Hochwasser, Fischsterben in vier Jahren, Verschlammung, Wildwuchs und Zerstörung des Ablaufs. Alles in allem ist man nicht in der Lage gewesen, das Rohr wirksam zurückzudrängen oder weiteres Ausdehnen zu vermeiden und dem Teich eine Wassertiefe zu geben, die die Fische zur Vermehrung und zum Überleben im Winter brauchten.
Der geringe Rohertrag von etwa über 80 Gulden veranlasste die Eigentümer 1734 zu Planungen, den Teich für ein paar Jahre trockenzulegen, um darin Getreide und Früchte anzubauen. Die Pläne wurden allerdings nicht umgesetzt.
Die Fischwirtschaft wurde wieder aufgenommen und, mit Unterbrechungen, bis 1842 betrieben und nochmals von 1917 bis 1923. Die größte nachgewiesene Fischernte datiert in das Jahr 1738: Es wurden über 300 kg Hechte, ca. 2,5 to Karpfen, 25 kg Barsche und 650 kg Weißfisch gefangen. Danach verringerte sich die Ernte ständig, bedingt durch die bereits erwähnten Ursachen.
Bereits 1760 machte sich die zunehmende Verlandung bemerkbar. Wegen des Überzugs aus Unrat und anderem Bewuchs war der Teich für die Fischzucht nicht mehr geeignet. Die Fläche wurde parzellenweise an die Bürger zur Krautbepflanzung verpachtet. Die Dämme wurden mit Getreide besät und mit Weiden bepflanzt. Die geernteten Weideruten wurden an die Korbflechter von Schönau vor dem Walde verkauft, die jedoch im Laufe der Zeit nicht zahlen konnten. Die Landwirte konnten auch nicht mehr alle Beete bearbeiten, und der Rest stand seit Jahren unter Wasser. Somit erfolgte 1773 eine komplette Entschlammung des Teichs mit dem Anlegen einer Teichinsel aus dem Schlammmaterial. Das gesamte Gebiet musste ob der Wassermassen aus dem Ried neu entwässert werden. Es wurden Gräben im Süden und Osten (heute der in Richtung Schutzhütte, siehe Bild oben) des Teichs gezogen und die Dämme erhöht. Allerdings konnten alle Maßnahmen nicht bewirken, das Ried auszutrocknen. Nachdem 1807 geplant war, die Rot weiter zu vertiefen, um durch erhöhte Abflussgeschwindigkeit den Schlamm aus dem Teich zu ziehen, sorgte wohl das Hochwasser von 1808 für die notwendige Überzeugung, lange geforderte Maßnahmen zu ergreifen. Durch das Hochwasser standen große Teile südlich und südöstlich von Siebleben und Tüttleben unter Wasser, der Siebleber Teich, der übrigens erst zu dieser Zeit (1811) den heutigen Namen erhielt, lief über, und die Fische schwammen im Ried.
1842 wurde der Ertrag durch den Fischfang so gering, dass man erneut eine komplette Trockenlegung durchführte. Mehrere Gräben im Westen und Osten wurden gezogen, für Fasane ließ man nördlich und südlich noch ein paar Schilfreste stehen. Er wurde mit Kohl bepflanzt, um das Schilf einzudämmen, aber auch diese Trockenlegung drängte das Schilf nicht genügend zurück, so dass es wenigstens in der Mitte des Teiches vom Floß her abgestochen werden musste. Das Interesse an Fisch- und Forstwirtschaft am Teich verringerte sich, mit Einrichtung einer Fasanerie im Mönchshof setzte man auch auf dem Teich weitere Fasane und Enten aus. Von da an gab es ein erhöhtes Interesse an der Jagd in diesem Gebiet, dennoch wurde die Geflügelzucht wegen unwirtschaftlicher Jagdergebnisse wieder eingestellt.
Die Forstwirtschaft hatte im Gegensatz zur Fischwirtschaft keine kurzfristigen Erträge zu erwarten, man musste erst kostenintensiv investieren. Nach und nach jedoch wurde der Schwerpunkt der Bewirtschaftung von der Fisch- zur Forstwirtschaft verlagert. Über nennenswerte Erträge des Forstes liegen jedoch keine Aufzeichnungen vor.
Von Bedeutung ist auch das Vorkommen des Moorfrosches. Schilfröhricht- und Armleuchteralgengesellschaften sind aus floristischer Sicht anzumerken. Das Gewässer wird heute mit Wasser versorgt über ein Rohrsystem der Geierslache. Eine Einspeisung von Wasser aus einem Vorfluter der Rot, wie auf einer Infotafel am Teich vermerkt, findet nicht statt. Dazu liegt die Rot mit ihrem Wasserspiegel zu tief.
In der Mitte des Ostdeiches wurde 1773 nach einem Vorgängerbau ein Teich- oder Fischhaus neu errichtet, 1794 repariert, das aber heute nicht mehr erhalten ist. Hier auf den gut befestigten und gesicherten Grundmauern wurde im Beisein der Bürgermeisterin der Partnerstadt Gastonia und ihrer Delegation am 2. Mai 2004 eine Sitzbank übergeben und eingeweiht.
Gleich daneben ist eine Sitzgruppe mit einer steinernen Gedenktafel an Hermann Löns mit einem seiner Verse: Laß Deine Augen offen sein, geschlossen Deinen Mund und wandle still, so werden Dir geheime Dinge kund.
Heute ist das Gebiet des Siebleber Teichs ein Naturschutzgebiet mit einer Fläche von 27,33 ha.
Der Streit um Teich und Ried zwischen dem Herzog, der Stadt Gotha und der Gemeinde Siebleben 1717 bis 1874 Lange Zeit waren die Eigentums- und Nutzungsrechte sowie die Kosten- und Nutzenverteilung am Siebleber Ried und Teich ungeklärt oder die bestehenden Vereinbarungen wurden nicht respektiert und in Abrede gestellt. Im Wesentlichen verlief der Streit zwischen der Herzoglichen Kammer in Gotha, dem Gothaer Stadtrat und den Gemeinden Siebleben und Tüttleben.
Nachdem der Teich zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden war, ist man sich bis 1777/79 und 1798 nur darin einig gewesen, dass der Gothaer Stadtrat und die Gemeinde Siebleben ein gemeinsames Nutzungs- und Verwaltungsrecht haben. Mehrmals wurden die Schultheiße der beiden Gemeinden und der Stadtrat ins Schloss Friedenstein zu Verhandlungen bestellt. Die Unzufriedenheit Sieblebens über die Verhandlungsergebnisse spiegeln sich in einem Forderungskatalog wider, den man übergab an „Von Gottes Gnaden Friedrich der 1. Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve, Berg, auch Egern und Westfalen“ (Friedrich III.). Hierin wurde verlangt keine neuen Frondienste (Grabenausheben und Rot-Fege) kein Entzug der Geierslacher Quelle keine Rechte an fürstliche Bedienstete zu Lasten der Gemeinde bringt der Teich nicht die erhofften Ergebnisse, so geht der Platz ohne Kostenersatz an die Gemeinde zurück wird der Teich in Zukunft beim Herzog „unbeliebt“, so gilt das Gleiche