mini|Musterbuch Brenzinger & Cie. Die Brenzinger & Cie. war ein Bauunternehmen in Freiburg im Breisgau mit Schwerpunkt im Betonbau sowie der Betonwerksteinherstellung und Verarbeitung.

Geschichte mini|Betondecke des Kollegiengebäudes I der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau Das Unternehmen wurde 1872 im Freiburger Stadtteil Stühlinger als „Cementwarenfabrik, Stuccatur- und Asphalt-Geschäft“Michael Klant (Hrsg.), Skulptur in Freiburg, Band 2, Kunst des 19. Jahrhunderts im öffentlichen Raum, Freiburg 2000, ISBN 3-922675-77-8, S. 27 durch den Freiburger Julius Brenzinger (1843–1924) gegründet.Julius Brenzinger war gelernter Steinmetz und Bildhauer, so: Joanna Flawia Figiel: Beton, Kunststein, Stuck: Firma Brenzinger und ihre Konkurrenten, in: Augustinermuseum Freiburg, Jugendstil in Freiburg, Freiburg 2001, ISBN 3-7930-9287-9, S. 103. Sein Vetter Joerger lieh ihm Geld zur Unternehmensgründung. So ist die Firmenbezeichnung Brenzinger & Cie. zu erklären. Das Unternehmen stellte zu Beginn zunächst Betonwerkstein her. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandte es sich zunehmend auch der neu entwickelten Betonbautechnik zu, die Beton und Bewehrungsstahl verband. Diese Eisenbetonbauweise setzte sich mit den Patenten von François Hennebique und anderen Entwicklungen seit den 1880er Jahren langsam immer mehr durch. Neben der Errichtung von Bauwerken, insbesondere auch Brücken, fertigte Brenzinger & Cie. in zunehmendem Maße auch Stahlbetonteile, Fassadenelemente sowie Stuckelemente und Skulpturen. Ein Musterbuch aus dieser Zeit zeigt 600 Stuckbeispiele, die je nach Nutzung im Innenbereich in Stuck und im Außenbereich als Betonwerkstein ausgeführt werden konnten. Besondere Ereignisse in der Firmengeschichte waren 1887 die Errichtung eines Bauwerks für die Freiburger Oberbadische Gewerbeausstellung im historischen Stil. In der Folgezeit erhielt das Unternehmen daraufhin zahlreiche neue Aufträge, wie zum Beispiel den Bau des Hotels Zähringer Hof in Freiburg. Ein weiterer Meilenstein in der Unternehmensentwicklung war die Einladung zur Weltausstellung 1893 in Chicago. Dort erstellte das Unternehmen ein Bauwerk für die Portland-Zementwerke Heidelberg-Mannheim.Joanna Flawia Figiel: Beton, Kunststein, Stuck: Firma Brenzinger und ihre Konkurrenten, in: Augustinermuseum Freiburg, Jugendstil i Freiburg, Freiburg 2001, ISBN 3-7930-9287-9, S. 104. Dem schloss sich schon 1893 die Einladung zur Straßburger Industrie- und Gewerbeausstellung an.Brenzinger & Co. in Freiburg veranschaulichen dem Besucher der Ausstellung die mannigfachen architektonischen Zementarbeiten, darunter ein Portal mit Karyatiden und korinthischen Kapitellen aus Kunstsandstein, Vasen, Statuen, Büsten., Zitat aus dem damaligen Ausstellungskatalog, nach Joanna Flawia Figiel: Beton, Kunststein, Stuck: Firma Brenzinger und ihre Konkurrenten, in: Augustinermuseum Freiburg, Jugendstil i Freiburg, Freiburg 2001, ISBN 3-7930-9287-9, S. 104. Ab 1908 wurden in Kirchzarten eigene Betonwaren hergestellt. Ein weiterer Fertigungsstandort befand sich in Mülhausen unter Leitung des Ingenieurs Gerhard Ritter.

1912 war Brenzinger & Cie. das größte Bauunternehmen Freiburgs, das sogar eine eigene Betriebskrankenkasse unterhielt.Die Höhe der städtischen Aufträge betrug 1904 31.846,58; 1905 61.867,76; 1906 70.540,05; 1907 58.762,60; 1908 78.117,20 und Anfang 1909 17.843,40 Mark, so: Stadt-Rat, Hauptstadt Freiburg im Breisgau. Rubrik Bausachen Stadt. Betreff: Bau des Sparkassengebäudes Jahr 1906/1909. Stadtarchiv Freiburg C3 68/1. Die größten Freiburger Konkurrenten des Unternehmens waren die Zementwerke und Kunststeinfabrik Alois Krems,Brenzinger unterlag etwa im Wettbewerb um die Arbeiten an der neuen Sparkasse im Haus Zum Walfisch, so: Stadt-Rat, Hauptstadt Freiburg im Breisgau. Rubrik Bausachen Stadt. Betreff: Bau des Sparkassengebäudes Jahr 1906/1909. Stadtarchiv Freiburg C3 68/1. F.X. Sichler, Hoch- und Tiefbau, Beton- und Eisenbetonbau und das Marmor-, Terrazzo- und Zementgeschäft Alois Pascotto.vgl. Joanna Flawia Figiel: Beton, Kunststein, Stuck: Firma Brenzinger und ihre Konkurrenten, in: Augustinermuseum Freiburg, Jugendstil in Freiburg, Freiburg 2001, ISBN 3-7930-9287-9, S. 104f. Während des Ersten Weltkrieges profitierte das Unternehmen von lukrativen Militäraufträgen, die es im Elsass als Vertragsnehmer für das Etappenkommando ausführte.Roger Chickering: The Great War and urban life in Germany. Freiburg 1914 - 1918. Cambridge, UK; New York: Cambridge University Press, 2007, S. 24, S. 132, ISBN 978-0-521-85256-2. Nach dem Tod Julius Brenzingers übernahm dessen Sohn Heinrich Brenzinger die Geschäftsleitung, die er bis 1956 ausübte. Nach dem Ersten Weltkrieg unterstützte das Unternehmen den Freiburger Architekten Carl Anton Meckel beim Bau zahlreicher Denkmäler aus Beton sowie bei der Errichtung der Kirche St. Konrad. Dabei handelte es sich um eine der ersten Kirchen, die in Sichtbeton errichtet worden war.Werner Wolf-Holzäpfel: Der Architekt Max Meckel 1847–1910. Studien zur Architektur und zum Kirchenbau des Historismus in Deutschland., Josef Fink, Lindenberg 2000, ISBN 3-933784-62-X, S. 257 f.

Trotz Anfeindungen wegen jüdischer Mitarbeiter des Unternehmens sowie der jüdischen Herkunft seiner Frau war die geschäftliche Entwicklung aus Sicht Heinrich Brenzingers in diesen Jahren zufriedenstellend.Der Stürmer Nr. 22, Mai 1934 und Nr. 49, Dezember 1937, so Andrea Haußmann: "Heinrich Brenzinger: (1879–1960)", Freiburg/Breisgau, 1996, S. 119. Die hohe Auslastung des Unternehmens durch Aufträge auch für das Reichsministerium Speer und die Einberufung und Verpflichtung von Arbeitskräften zur Wehrmacht führten im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zunehmend zu Arbeitskräftemangel.Bereits im Jahr 1938 verzögerten sich die Arbeiten für das Firmengrabmal, da Aufträgen für die Wehrmacht Vorrang eingeräumt wurde. Siehe dazu Brief des Gartenamtes an den damaligen Oberbürgermeister vom 6. Juli 1938 über die Verzögerungsgründe: die Firma Brenzinger [ist] seit einiger Zeit mit sehr wichtigen Bauaufträgen für die Wehrmacht beschäftigt … und [kann] keine weiteren Fachkräfte erhalten. Dieser sollte am Produktionsstandort Kirchzarten ab Januar 1942 zunächst durch Arbeitskräfte aus der Sowjetunion und ab 1944 durch griechische Zwangsarbeiter gelindert werden.Andrea Haußmann: "Heinrich Brenzinger: (1879–1960)", Freiburg/Breisgau, 1996, S. 125. Über die Arbeitsmoral der Griechen klagte Brenzinger:

In einer Mischung aus „vaterländischer Pflicht“ und wirtschaftlichen Interessen nahm das Unternehmen an einem Bauvorhaben der Organisation Todt bei Riga teil.Andrea Haußmann: "Heinrich Brenzinger: (1879–1960)", Freiburg/Breisgau, 1996, S. 124. Durch Äußerungen Heinrich Brenzingers ist auch ein Auftrag für die SS und für ein Panzerprogramm, das die Brenzinger & Cie. in ihrem Werk in Kirchzarten ausführte, belegt.Bernd Spitzmüller: … Aber das Leben war unvorstellbar schwer. Die Geschichte der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Freiburg während des Zweiten Weltkrieges, Freiburg im Breisgau 2004, S. 104.Andrea Haußmann: "Heinrich Brenzinger (1879–1960)", Freiburg/Breisgau, 1996, S. 166: Nach Zerstörungen infolge eines Bombenangriffs im Jahr 1944 äußerte sich Brenzinger wie folgt: [wir] fangen mit dem Wiederaufbau der Fabrik sofort an, da wir sehr dringende Fertigungen des SS- und Panzer-Programms in Auftrag haben. Im Jahr 1942 erstellte das Unternehmen für die Reichsleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) eine Kopie von Berthold V.Ulrike Derndinger: Meißenheim: Abguss aus dem Jahr 1942?, Badische Zeitung, 5. Februar 2011, abgerufen am 19. Mai 2013: Im Münsterbauarchiv ist dies durch einen Brief des Unternehmens an den Beauftragten des Führers für die Überwachung der geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP, Amt für Ausstellungen in Berlin-Charlottenburg belegt.

Am 11. Oktober 1944 wurde das Werk in Kirchzarten durch Bombenabwürfe stark zerstört. Die Fabrik im Stühlinger wurde am 27. November 1944 sowie am 17. Dezember 1944 stark beschädigt.Andrea Haußmann: "Heinrich Brenzinger: (1879–1960)", Freiburg/Breisgau, 1996, S. 166ff. 1945 wurde das Gelände in Kirchzarten von der französischen Besatzungsmacht als Gefangenenlager genutzt. Die Blockade des Geländes und der Anlagen in Kirchzarten erwies sich bald als hinderlich für die weitere Unternehmensentwicklung. Bis 1957 blieb das Gelände besetzt, wurde dann aber verkauft, weil es für das Unternehmen nicht mehr zufriedenstellend nutzbar war. Neben der Besetzung des Betriebsgeländes in Kirchzarten litt das Unternehmen an Beschlagnahmen in Freiburg und Kirchzarten.Am 24. Mai 1946 und am 23. September 1947 wurden unter anderem ein Dieselkompressor, Bohrhämmer, Abbauhämmer, ein Gußasphaltkocher sowie eine Diesellokomotive (OME 117 von Klöckner-Humboldt Deutz) beschlagnahmt. Der Wiederbeschaffungspreis wurde von Heinrich Brenzinger auf insg. 26.130.- DM beziffert. Für die beschlagnahmte Diesellokomotive bekam das Unternehmen keine Entschädigung, da sie zum Zeitpunkt der Beschlagnahme als bereits wirtschaftlich abgeschrieben angesehen wurde. Vgl. dazu Nachlass von Heinrich Brenzinger im Stadtarchiv Freiburg, K1/108 Nr. 10 Ersatz der Demontageschäden in den Werken Freiburg und Kirchzarten 1941–1951.

Mittlerweile wurden Erweiterungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Stühlinger vorgenommen. Denn in der Nachkriegszeit war das Unternehmen vielfältig beim Wiederaufbau Freiburgs tätig. 1956 übernahm Heinrich Brenzingers Schwiegersohn Helmut Wolfgang Dyllick-Brenzinger die Geschäftsleitung (* 28. Oktober 1913 in Danzig, † 30. Juli 2005). Er formulierte den Firmenslogan Bauen mit Vertrauen.Andrea Haußmann: "Heinrich Brenzinger: (1879–1960)", Freiburg/Breisgau, 1996, S. 205. 1964 wurden in Gündlingen neue Produktionsanlagen in Betrieb genommen.Lokalverein Freiburg-Stühlinger e. V. (Hrsg.): Brenzinger & Cie. GmbH Beton- und Stahlbetonbau, Zementwarenfabrik, in: Der Stühlinger. Festschrift zum 850 jährigen Jubiläum der Stadt Freiburg im Breisgau. 1970, S. 86

1979 wurde von Heinrich Brenzingers ältestem Enkel Michael Dyllick-Brenzinger – der 1976 die Geschäftsführung von seinem Vater übernommen hatte – das Tochterunternehmen Brenzinger Wohnbau GmbH und 1984 die Brenzinger Grundstücksverwaltungs KG gegründet.

Teile der Bibliothek sowie das technische Archiv des Unternehmens wurden vom Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg übernommen. Die Archivalien der Zeit von 1872 bis 1976 bestehen vorwiegend aus Plänen und Zeichnungen von durchgeführten Projekten. Zahlreiche Einzelstücke aus der Fertigung sowie ein Exemplar des Musterbuches des Unternehmens finden sich im Kleinen Stuck-Museum in Freiburg.

Bauwerke (Auswahl) Das Unternehmen realisierte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges u. a. folgende Projekte:

Fassade in Betonwerkstein, Sedanstraße 8, Freiburg im Breisgau, 1872 Fassade in Betonwerkstein, Hotel Zähringer Hof, Freiburg im Breisgau, 1878

Neubau der städtischen Gewerbeschule Freiburg in der Kirchstraße (ca. 1905) (Erstellung von Gewölbekonstruktionen in Eisenbeton)Repertorium der technischen Journalliteratur, Berlin 1905, S. 102. Arbeiten am Kollegiengebäude I der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (1911)Besonderheit hier waren die weit gespannten freitragenden Betondecken, die große Eingangshalle mit Steinmehl-Vorsatzbeton sowie die freitragende Kassettendecke der Aula, vgl.: Andrea Haußmann: Heinrich Brenzinger (1879–1960). Freiburg (Breisgau) 1996, S. 86f. Villa Wohlgemuth in Freiburg-Günterstal im Stil des Historismus (1913, Architekt Fritz Seitz, Heidelberg)Betonwerksteinarbeiten für die Säulen des Innenhofes, äußere Ansichtsflächen, Türgewände und Gesimsabdeckplatten, Gewölbe in Eisenbeton, so: Wilhelm Petry: Betonwerkstein und künstlerische Behandlung des Betons. Entwicklung von den ersten Anfängen der deutschen Kunststeinindustrie bis zur werksteinmäßigen Bearbeitung des Betons. Deutscher Beton-Verein e. V., Wiesbaden 1913, S. 55.