Das Malaysische Heer (malay.: Tentera Darat Malaysia) ist ein Teil der Streitkräfte Malaysias. Mit einer Personalstärke von 80.000 Soldaten ist es die mit Abstand größte Teilstreitkraft Malaysias (Luftstreitkräfte: 17.000 Mann, Marine: 18.000 Mann). Das Heer wurde in seiner jetzigen Form im Jahr 1963 zusammen mit dem Staat Malaysia gegründet, sieht sich aber in einer Traditionslinie mit früheren militärischen Einheiten, die teilweise noch vor dem Zweiten Weltkrieg unter britischer Kolonialherrschaft aufgestellt wurden, und feiert als Gründungstag den 1. März 1933.

Geschichte mini|Rekruten des Malay Regiment 1941

Gründungsphase Das malaysische Heer sieht seine historischen Wurzeln in der First Malay Experimental Company, die am 1. März 1933 unter britischer Kolonialherrschaft aufgestellt wurde und aus malaiischen Rekruten und britischen Ausbildern bestand. Zweck der Kompanie war es, die Zahl der Einheiten der British Army und der British Indian Army in Malaya reduzieren zu können. Gleichzeitig gab man damit den Forderungen der malaiischen Sultane nach, die angesichts der imperialen Bestrebungen des Japanischen Kaiserreiches auf die Schaffung einer einheimischen Militäreinheit drängten. Die Personalstärke der Kompanie wurde in den folgenden Jahren konstant erhöht, 1935 wurde sie zum Malay Regiment aufgewertet, kurze Zeit später wurden erstmals auch Malaien als Offiziere eingesetzt, statt wie zuvor lediglich als einfache Mannschaften. Als Japan im Zweiten Weltkrieg große Teile Südostasiens eroberte, beteiligte sich das auf nun 1400 Soldaten angewachsene Malay Regiment zusammen mit britischen Einheiten an der letztlich erfolglosen Verteidigung der malaiischen Halbinsel und Singapurs. Während der japanischen Besatzungszeit wurde es aufgelöst.Lim Kai Tong (1999): The Malay Regiment – "Ta'at Dan Setia": 1933–1945.Kevin Blackburn: The commemoration and memory of the Malay Regiment in modern Malaysia and Singapore. In: Karl Hack / Tobias Rettig (Hrsg.): Colonial armies in Southeast Asia, Routledge: Oxon, New York 2006, ISBN 0-415-33413-6, S. 302–326.

Die zweite Militäreinheit, die ihre Geschichte in die Vorkriegszeit zurückdatieren kann, ist das Rejimen Renjer DiRaja (RRD, dt. „Königliches Ranger-Regiment“). Seine Wurzeln liegen nicht auf der malaiischen Halbinsel, sondern im Bundesstaat Sarawak auf der Insel Borneo im östlichen Teil Malaysias. Sarawak war vor dem Zweiten Weltkrieg keine britische Kolonie, sondern der Privatbesitz der Familie Brooke, die es für beinahe einhundert Jahre als Weiße Rajas beherrschten. Sie gründeten bereits 1862 als Teil des einheimischen Sicherheitsapparates die Sarawak Fortmen, die 1872 in Sarawak Rangers umbenannt wurden und sich aus verschiedenen einheimischen Volksgruppen rekrutierten, darunter zahlreiche Angehörige der als „Kopfjäger“ bekannten Iban. 1932 wurde die Einheit aufgrund fehlender Finanzmittel aufgelöst und erst kurz vor der Japanischen Invasion Borneos 1941 wiedergegründet und im selben Jahr Teil der auch hier erfolglosen britischen Verteidigung. Auch die Sarawak Rangers wurden während der japanischen Besatzung aufgelöst.Rizal Abdullah: The beginnings of the Rangers. In: New Straits Times, 13. April 2006.

Malayan Emergency mini|Malaiische Soldaten während der Emergency, 1949 Während des Zweiten Weltkrieges unterstützte Großbritannien die Kommunistische Partei Malayas (KPM) und ihren bewaffneten Arm, die Guerillatruppe Malayan Peoples’ Anti-Japanese Army (MPAJA), da dies die einzige Organisation in Malaya war, die nach der Besatzung noch militärischen Widerstand gegen Japan leistete. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zerbrach dieses Bündnis sehr schnell, als die Briten als Kolonialherren nach Malaya zurückkehrten und den Forderungen der Kommunisten nach einem unabhängigen Malaya unter sozialistischer Staatsführung eine vehemente Absage erteilten. Dieses Zerwürfnis führte 1948 zum Ausbruch eines 12 Jahre währenden kommunistischen Aufstandes gegen die Briten, der Malayan Emergency. Der militärische Teil dieses Konfliktes wurde hauptsächlich von britischen, australischen und neuseeländischen Soldaten ausgetragen, doch auch der Aufbau einer einheimischen Armee wurde vorangetrieben. Das Malay Regiment, das bereits im September 1945 mit den überlebenden Veteranen der Vorkriegseinheit wiederaufgestellt worden war, wurde konstant verstärkt und hatte 1953 eine Stärke von sieben Bataillonen bzw. etwa 5000 Soldaten erreicht. 1952 wurden zusätzlich das Federation Regiment und das Federation Armoured Car Squadron gegründet. Anders als das Malay Regiment, das nur ethnische Malaien aufnahm, standen diese beiden Einheiten auch Mitgliedern der anderen ethnischen Gruppen offen. Gemeinsam bildeten sie so den Grundstein des malaiischen Heeres, die Föderation Malaya (zu diesem Zeitpunkt noch britische Kolonie) verfügte nun erstmals über eine de jure eigene Armee. 1957 erhielt Malaya die Unabhängigkeit als föderale parlamentarische Monarchie. Die Malayan Emergency dauerte bis 1960, bis die Kommunistische Partei Malayas den bewaffneten Kampf vorerst aussetzte und die verbliebenen Parteikader sich über die nördliche Grenze nach Thailand zurückzogen.K.S. Nathan, Geetha Govindasamy: Malaysia: A congruence of interests. In: Muthiah Alagappa (Hrsg.): Coercion and governance: the declining political role of the military in Asia. Stanford University Press: Stanford, ISBN 0-8047-4226-X, S. 259–275.

Aus Sarawak, das damals noch nicht Teil der Föderation Malaya war, sondern ab 1946 als separate Kolonie verwaltet wurde, waren seit Beginn der Emergency zahlreiche Iban, darunter ehemalige Mitglieder der Vorkriegs-Sarawak-Rangers, als Fährtenleser und Dschungelführer für den Einsatz in Malaya rekrutiert worden. Nachdem im Laufe der Jahre über 1000 Iban diesen Dienst geleistet hatten, wurde 1953 eine dedizierte Kampfeinheit gegründet und in Anlehnung an die Vorkriegseinheit Sarawak Rangers (Malayan Unit) genannt. Bis Sarawak 1963 gemeinsam mit Sabah und Singapur der Föderation Malaya beitrat und diese den heutigen Namen Malaysia annahm, waren die Sarawak Rangers offiziell Teil der British Army. In Anerkennung an ihren Ursprung als Iban-Einheit ist das Motto des Ranger-Regiments bis heute in der Iban-Sprache verfasst, es lautet Agi idup, agi ngelaban (wörtlich „Noch lebend, noch kämpfend“, oder freier: Kampf bis zum Tod). Auch das Wappen des malaysischen Heeres zeigt neben dem Kris-Dolch (der traditionellen Waffe der Malaien) auch ein Mandau, die traditionelle Waffe der Iban.

Konfrontasi Auch nach der Unabhängigkeit und dem Ende der Emergency verblieben britische Truppen im Land, der Schutz Malayas/Malaysias wurde durch das Anglo-Malayan Defense Agreement von 1957 sichergestellt, in dem sich Großbritannien, Australien und Neuseeland verpflichteten, Malaya im Konfliktfall militärisch beizustehen. Dieser Ernstfall trat bereits 1963 ein, denn das benachbarte Indonesien unter Führung von Präsident Sukarno lehnte die Bildung Malaysias ab und entsandte sein Militär zu Guerillaangriffen gegen Polizei- und Militärposten auf malaysischem Territorium. Dieser als Konfrontasi bekannte Konflikt, der allerdings nie zu einem massiven Krieg eskalierte oder die Existenz eines der beiden Staaten ernsthaft gefährdete, dauerte bis 1966. Das malaysische Heer war erneut eher unterstützend tätig, die Hauptlast der Kämpfe trugen britische Truppen. 1967, ein Jahr nach Ende der Konfrontasi, entschloss sich Großbritannien, alle Truppen, die es im Ausland östlich des Suezkanals stationiert hatte, zurückzuziehen. Damit einhergehend lief das Anglo-Malayan Defence Agreement im Jahr 1971 aus und wurde durch die Five Power Defense Arrangements ersetzt, die jedoch keinen militärischen Beistand garantieren, sondern lediglich eine enge Konsultation zwischen den Unterzeichnern (Großbritannien, Australien, Neuseeland, Malaysia und Singapur) im Krisenfall vorsehen. Daher stand nun erstmals das malaysische Militär alleinverantwortlich für die Sicherheit Malaysias ein und konnte sich nicht mehr auf Großbritannien als Schutzmacht verlassen.

PERISTA-Phase und Neuorientierung Bis zum Abzug der ausländischen Truppen war das malaysische Heer eher auf asymmetrischen Krieg und innere Sicherheit ausgerichtet. Dies lag einerseits an der Natur von Emergency und Konfrontasi, bei denen die Gefahr von kleinen Guerillagruppen statt von großen Kampfverbänden ausgegangen war, andererseits im Wissen, dass das Land im Falle einer äußeren Bedrohung von den Bündnispartnern des Anglo-Malayan Defence Agreement unterstützt worden wäre. Auch das Wiederaufflammen kommunistischer Guerillaaktivitäten in den späten 1960er-Jahren bestärkte diese Ausrichtung. Doch der endgültige Abzug der Briten ab 1971, verbunden mit dem Ende des amerikanischen Vietnamkrieges 1975 und dem folgenden Einmarsch Vietnams in Kambodscha 1978 schürte im Schatten des Kalten Krieges die Furcht vor einem konventionellen Krieg, auf den die malaysischen Streitkräfte zu diesem Zeitpunkt völlig unvorbereitet waren. In den späten 1970er-Jahren begann aus diesem Grund unter der Bezeichnung PERISTA (Abkürzung für Pembesaran Istimewa Tentera – Spezialvergrößerung der Streitkräfte) eine massive Aufstockung und Umstrukturierung des Heeres. So wurde es personell von 33.000 Mann am Ende der Konfrontasi 1966 zunächst auf 80.000 Mann im Jahr 1983 und schließlich knapp 110.000 Mann Ende der 1980er-Jahre aufgestockt. Gleichzeitig wurden Bemühungen unternommen, die Fähigkeiten des Heeres auf das gesamte Spektrum der konventionellen Kriegsführung auszuweiten und mit der Beschaffung entsprechender Waffensysteme begonnen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten ab Mitte der 1980er und das Ende des Kalten Krieges führten jedoch zum Stopp zahlreicher PERISTA-Maßnahmen.Harold Crouch: Time to consolidate on a new front line. In: Far Eastern Economic Review, Vol. 122, No. 44, 20. Oktober 1983.Russ Swinerton: Malaysia’s security environment and strategic responses. In: Colin Barlow / Francis Loh Kok Wah: Malaysian economics and politics in the new century, Edgar Elgar Publishing, Cheltenham 2003, ISBN 1-84064-599-7, S. 75–92.

In den 1990er-Jahren schließlich wurde die Sicherung der Seewege und Hoheitsgewässer zum strategischen Hauptanliegen Malaysias, wohingegen zu Lande keine unmittelbaren Bedrohungen mehr existierten. Aus diesem Grund haben Luftstreitkräfte und insbesondere Marine in den vergangenen zwei Jahrzehnten gegenüber dem Heer deutlich an Bedeutung gewonnen. Das Heer wurde auf seine heutige Personalstärke von knapp 80.000 Soldaten zurückgeschrumpft und hat in seinen Modernisierungsbemühungen nun insgesamt eine geringere Priorität als die anderen Teilstreitkräfte.

Dienstgrade Die Dienstgrade des malaysischen Heeres entsprechen denen der British Army, ihre Bezeichnungen sind, obwohl an die malaysische Sprache angepasst, sehr deutlich den britischen Vorbildern entlehnt, gleichzeitig ist auch die Form der Rangabzeichen den britischen Vorlagen nachempfunden.

Offiziersdienstgrade Schulterklappe 60px 60px 60px 60px 60px 60px 60px 60px 60px 60px 60px Dienstgrad Fil Marsyal1 Jeneral Leftenan Jeneral Mejar Jeneral Brigadier Jeneral Kolonel Leftenan Kolonel Mejar Kapten Leftenan Leftenan Muda Britische Entsprechung Field Marshal General Lieutenant General Major General Brigadier Colonel Lieutenant Colonel Major Captain Lieutenant Second Lieutenant Ungefähre Entsprechung im NATO-Rangcode OF-10 OF-9 OF-8 OF-7 OF-6 OF-5 OF-4 OF-3 OF-2 OF-1 OF-11 Zeremonieller Dienstgrad des malaysischen Königs.

Unteroffiziers- und Mannschaftsdienstgrade Schulterklappe 60px 60px 60px 60px 60px 60px Kein Rangabzeichen Dienstgrad Pegawai Waran I Pegawai Waran II Staf Sarjan Sarjan Koperal Lans Koperal Prebet Britische Entsprechung Warrant Officer I Warrant Officer II Staff Sergeant Sergeant Corporal Lance Corporal Private Ungefähre Entsprechung im NATO-Rangcode OR-9 OR-8 OR-7 OR-6/OR-5 OR-4 OR-3 OR-2/OR-1

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