Sintra ist eine Kleinstadt (Vila) in Portugal etwa 25 km westlich von Lissabon. Sie gehört zum gleichnamigen Município. Bekannt ist der Ort vor allem durch seine zum Teil jahrhundertealten Paläste, die Touristen aus aller Welt anlocken. Seit 1995 ist die Kulturlandschaft Sintra Weltkulturerbe der UNESCO. mini|Der Palácio Nacional da Pena

Geschichte Spuren der frühesten menschlichen Besiedlung führen hier bis in die Altsteinzeit, etwa die Funde von Penha Verde. Unter den jungsteinzeitlichen Funden ist die nahe dem Castelo dos Mouros ausgegrabene Siedlung São Pedro de Canaferrim zu nennen. Das Kuppelgrab von Monge stammt aus der Kupferzeit. In der Serra de Sintra finden sich weitere Spuren vorgeschichtlicher Besiedlung, bis zur Bronzezeit und bis zur Ankunft des Römischen Reiches. Aus römischer Zeit stammt u. a. der Staudamm Barragem romana de Belas, in Belas und die Römerstraße Calçada na Catribana. Aus den arabischen Aufzeichnungen nach der Landnahme durch die Mauren ab 711 wird eine bedeutendere Ortschaft namens Xintara oder Shantara erwähnt. So beschrieb der arabische Geograph Al-Bacr im 11. Jahrhundert den Ort als eine am Meer gelegene befestigte Siedlung, die Lissabon unterstand. Andere Quellen aus dem al-Andalus nannten den Ort als den nach Lissabon bedeutendsten in der Region.

Sintra erlebte seit dem 8. Jahrhundert eine Reihe christlicher Eroberungen und arabischer Rückeroberungen, bis Portugals erster König Dom Afonso Henriques nach der Belagerung von Lissabon den Landstrich 1147 endgültig einnahm. 1154 erhielt Sintra erste Stadtrechte durch Dom Afonso Henriques. Im Verlauf des 12. und 13. Jahrhunderts entstanden im Kreis Sintra eine Reihe Klöster, angelockt durch die ertragreichen Böden. Die Europa im 14. Jahrhundert heimsuchende Pestepidemie des Schwarzen Todes erreichte 1348 auch Sintra.

König Dom Manuel I. nahm ab dem Ende des 15. Jahrhunderts weitreichende Neugestaltungen in der Stadt Sintra vor. Ab dem 16. Jahrhundert nahm die Beliebtheit Sintras bei den Oberschichten zu, und adlige Familien errichteten im Kreis Sintra einige Herrenhäuser. Das Erdbeben von Lissabon 1755 rief auch in Sintra erhebliche Zerstörungen hervor, denen in der Folge umfangreiche Arbeiten des Wiederaufbaus folgten. Ende 18. Jahrhundert entstand mit der Textildruckerei und -färberei Fábrica de Estamparia de Rio de Mouro die erste industrielle Einrichtung im Kreis.www.verportugal.net, abgerufen am 27. Oktober 2013.

Sintra wurde insbesondere seit dem 19. Jahrhundert auch zunehmend Ziel für Großbürger, insbesondere internationale Künstler und Industriellenfamilien suchten die Gegend auf. Schriftsteller wie Lord Byron, Eça de Queiroz oder Hans Christian Andersen haben ihre Begeisterung für Landschaft, Klima und Architektur Sintras literarisch festgehalten.Lydia Hohenberger, Jürgen Strohmaier: Portugal. 2. Auflage. DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2009, S. 170. Byrons „Lo! Cintra’s glorious Eden“ von 1812In: Childe Harold’s Pilgrimage. Canto I, XVIII. Byrons Portugalreise fand im Juli 1809 statt. ist noch heute präsent und dient fast als inoffizielles touristisches Motto Sintras.Quintessential Portugal. The Sunday Times, 28. August 2005.

Vom 3. bis 6. Juni 1999 fand in Sintra die 47. Bilderberg-Konferenz statt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Am Palácio de Monserrate Sehenswürdigkeiten

Palácio Nacional de Sintra (auch Paço Real bzw. Palácio da Vila genannt) Castelo dos Mouros Palácio Nacional da Pena Parque de Pena Convento dos Capuchos Palácio de Monserrate Quinta da Regaleira Quinta da RibafriaHubertus Fischer: Quinta da Ribafria. Ein portugiesischer Landsitz des 16. Jahrhunderts. In: Die Gartenkunst 2022/1, S. 165–189. Igreja do São Martinho Kuppelgrab von Monge (Kupferzeit) die archäologische Ausgrabungsstätte Sítio arqueológico de Colaride (römisch) die römische Villa Villa romana da Granja dos Serrões in Montelavar im historischen Gebäude der königlichen Wache mit dem charakteristischen Uhrturm wurde 1995 die Pousada D. Maria I als Pousada eröffnet

Im Kreis Sintra befindet sich auch Cabo da Roca, das Kap ist der westlichste Punkt des europäischen Festlandes. Wanderwege sind im Kreis angelegt, darunter auch Rundgänge und Parkwanderungen, etwa durch den Parque da Pena.

Der Lissaboner Aquädukt Aqueduto das Águas Livres beginnt in Belas, im Kreis Sintra.

Museen Das Museu de Arte Moderna ist in einem 1920 errichteten Casino untergebracht und zeigt eine umfangreiche Sammlung moderner Kunst Im Museu Anjos Teixeira sind die Sammlungen der beiden Bildhauerbrüder Anjos Teixeira zu sehen An den römischen Ruinen Ruínas de São Miguel de Odrinhas ist auch ein Museum eingerichtet Im Centro Cultural Olga Cadaval werden, neben Veranstaltungen in den Sälen, auch Ausstellungen gezeigt Luftfahrtmuseum Museu do Ar (siehe den Abschnitt zum Militärflugplatz) Das Wissenschaftsmuseum Centro Ciência Viva de Sintra (dt.: Zentrum lebendiger Wissenschaft von Sintra) Das NewsMuseum beschäftigt sich mit der Rolle der Medien und vermittelt Informationen zu ihren Auswirkungen und AkteurenNewsMuseum. Website des Museums.

Sport Die Damenmannschaft des am 1. Dezember 1880 gegründeten Fußballvereins Sociedade União 1º Dezembro ist Rekordmeister des Campeonato Nacional, der höchsten Spielklasse des Frauenfußballs in Portugal. Die Herrenmannschaft der SU 1º Dezembro spielte in der Saison 2013/14 in der dritten Liga, in der Série G des Campeonato Nacional de Seniores. Das Heimstadion des Vereins ist der Campo Conde de Sucena mit 1.500 Plätzen.Der Campo Conde de Sucena auf www.europlan-online.de, abgerufen am 27. Oktober 2013.

Der Fußballverein Sport União Sintrense wurde 1911 gegründet und spielte in der Saison 2013/14 mit dem Lokalrivalen SU 1º Dezembro in der dritten Liga, ebenfalls in der Série G des Campeonato Nacional de Seniores. Das vereinseigene Stadion Estádio do Sport União Sintrense fasst 2.800 Zuschauer.Das Estádio do Sport União Sintrense auf www.soccerway.com, abgerufen am 27. Oktober 2013. Weitere Fußballvereine im Kreis, die sämtlich in Ligen des Distriktverbandes spielen, sind Atlético Clube do Cacém, Clube Atlético Pêro Pinheiro, der Real Sport Clube aus Queluz, der Sporting Clube de Lourel, und der Mem Martins Sport Clube, der sich zudem durch eine Vielfalt praktizierter Sportarten auszeichnet.

Zu erwähnen ist auch der Rollhockey-Verein Hockey Clube de Sintra.

1999 fand im Kreisgebiet das internationale Golfturnier Estoril Open statt.

Politik +Portugiesische Kommunalwahl 2009OrganPSDPSPCP-PEVBE Câmara Municipal 6 4 1 0 Assembleia Municipal 28 19 4 2 davon: direkt gewählt 15 12 4 2

Verwaltung Der Kreis Sintra ist Verwaltungssitz eines gleichnamigen Kreises (Concelho) im Distrikt Lissabon. Am hatte der Kreis Einwohner auf einer Fläche von km².

Die Nachbarkreise sind (im Uhrzeigersinn im Norden beginnend): Mafra, Loures, Amadora, Oeiras und Cascais. Im Westen grenzt der Kreis Sintra an den Atlantik. mini|Das Rathaus (Câmara Municipal) von Sintra

Mit der Gebietsreform im September 2013 wurden mehrere Gemeinden zu neuen Gemeinden zusammengefasst, sodass sich die Zahl der Gemeinden von zuvor 20 auf elf verringerte.Veröffentlichung der administrativen Neuordnung im Gesetzesblatt Diário da República vom 28. Januar 2013, abgerufen am 16. März 2014.

Die folgenden Gemeinden (Freguesias) liegen im Kreis Sintra: mini|hochkant=1.3|Kreis Sintra

Bevölkerungsentwicklung + Einwohnerzahl im Kreis Sintra (1801–2011) 1801 1849 1900 1930 1960 1981 1991 2001 2011 12.486 17.129 26.074 37.986 79.964 226.428 260.951 363.749 377.837

Kommunaler Feiertag 29. Juni

Städtepartnerschaften : El Jadida, Marokko (seit 1988) : Vila Nova Sintra, Kap Verde (seit 1995) : Lobito, Angola (seit 1997) : Petrópolis, Brasilien (seit 1997) : Bissau, Guinea-Bissau (seit 1997) : Trindade, São Tomé und Príncipe (seit 1997) : Ōmura, Japan (seit 1997) : Honolulu, USA (seit 1998) : Namaacha, Mosambik (seit 1999) : Havanna, Kuba (seit 2000)www.anmp.pt, abgerufen am 27. Oktober 2013. : Asilah, Marokko (seit August 2006) mini|Die Fabrik der Galucho, einem Hersteller landwirtschaftlicher Maschinen

Wirtschaft Zu den hier ansässigen Unternehmen zählt die Hauptverwaltung des Papierkonzerns Inapa, das international tätige Stadion-Bauunternehmen Lusoarenas, die Maschinenfabrik Galucho, u. a. Eine Vielzahl Stiftungen haben dazu im Kreis Sintra ihren Sitz. Auch der Fremdenverkehr ist von Bedeutung.

Verkehr Nahverkehr Der Bahnhof von Sintra ist Endstation der Linha de Sintra, einer Linie des S-Bahn-ähnlichen Vorortzugsystems von Lissabon (beginnend an der Estação Rossio). Die Linha de Sintra bedient noch den Bahnhof Portela de Sintra innerhalb des Stadtgebietes.

Vom Omnibusbahnhof am Bahnhof Portela de Sintra fahren Linienbusse z. B. in ca. 30 Minuten nach Estoril. Die Scotturb (Sintra-Cascais-Oeiras Transportes Terrestres Urbanos) betreibt über 70 regionale Buslinien, daneben bieten weitere Verkehrsgesellschaften Verbindungen an.

Die städtische Straßenbahn Sintra führt an die Atlantikküste zum Strand von Praia das Maçãs; es werden offene und geschlossene Wagen eingesetzt. Im Fahrplan 2016 (22. Juni bis 4. September) sind 6 Fahrtenpaare etwa im Stundentakt enthalten, jedoch nur mittwochs bis sonntags.Seite zur Straßenbahn (engl.) auf der Website der Stadtverwaltung, abgerufen am 26. Juli 2016.

Fernverkehr Mit der rund 7 Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Haltestelle Mira-Sintra-Meleçâs der Linha do Oeste ist Sintra an das Eisenbahnnetz des Landes angeschlossen.

Die Autobahnen A16 und A37 führen aus dem Großraum Lissabon nach Sintra. Die Nationalstraße N375 führt von Sintra weiter in Richtung Küste.

Militärflugplatz Sintra Der Militärflugplatz Sintra existiert bereits seit 1920. Hier befindet sich auch das Museum der portugiesischen Luftstreitkräfte, das Museu do Ar.

Söhne und Töchter der Stadt Domingos Anes Jardo († 1293), Bischof von Évora und von Lissabon Alfons V. (1432–1481), portugiesischer König Francisco de Melo e Castro (1600–1664), Kolonialverwalter Emanuel Herigoyen (1746–1817), Baumeister, wirkte vor allem in Bayern Peter I. (Brasilien) (1798–1834), portugiesischer König und brasilianischer Kaiser D.Miguel I. (1802–1866), portugiesischer König Tomaz de Sousa Rosa (1844–1918), Kolonialbeamter, Diplomat und Politiker Francisco dos Santos (1878–1930), Bildhauer und Maler Porfírio Pardal Monteiro (1897–1957), Architekt und Hochschullehrer Augusto de Carvalho (1905–1984), Radrennfahrer João Faria da Costa (1906–1971), Architekt und Stadtplaner Neva Raphaello (1915–1975), Jazz- und Bluessängerin João Apolinário (1924–1988), Lyriker und Journalist António Pardal Monteiro (1928–2012), Architekt Henrique Espírito Santo (* 1931), Filmregisseur und -produzent Vasco Hogan Teves (* 1931), Fernsehjournalist Manuel António dos Santos Lourenço (1936–2009), Philosoph, Autor, Übersetzer, Professor für Mathematik und Logik José Câncio Martins (* 1936), Bauingenieur Ema Berta (* 1944), Malerin Nuno Rebocho (* 1945), Schriftsteller und Journalist Ana Bela Alves, Ana, (* 1954), Sängerin Vasco Martins (* 1956), kapverdischer Musiker Manuela Bravo (* 1957), Sängerin Nuno José Cardoso da Silva Piçarra (* 1957), Jurist, seit 2018 Richter am Europäischen Gerichtshof Aura Miguel, Journalistin, beim Heiligen Stuhl akkreditiert Mário Brás (* 1968), Rallyefahrer Paulo Taful (* 1969), Komponist und Dirigent Marco Paulo Faria de Lemos (* 1973), Fußballtrainer Miguel Ribeiro (* 1974), Drehbuchautor und Regisseur Luís Loureiro (* 1976), Fußballspieler Hugo Filipe Silva Colaço Gonçalves (* 1977), Fußballspieler Tiago Guillul (* 1978), Musiker und Produzent Marco Caneira (* 1979), Fußballspieler Sérgio David de Silveira Brás (* 1981), Fußballspieler Ricardo Barreiros (* 1982), Rollhockeyspieler, Torschützenkönig der EM 2008 Andreia Rodrigues (* 1984), Model und Fernsehmoderatorin Ricardo Baleia Janota (* 1987), Fußballspieler