Glarus []Kurzes /a/ (in Übereinstimmung mit der dialektalen Lautung) laut Die Aussprache des Hochdeutschen in der Schweiz. Eine Wegleitung. Im Auftrag der Schweizerischen Siebs-Kommission hrsg. von Bruno Boesch. Schweizer Spiegel Verlag, Zürich 1957. (Kürzel GL, volkstümlich auch Glarnerland; , , , ) ist ein Kanton in der Deutschschweiz und zählt zu den Regionen Nordost- und Südostschweiz. Der Hauptort ist die gleichnamige Stadt Glarus, die einwohnerstärkste Gemeinde Glarus Nord.

Geographie mini|links|Blick ins Glarnerland nördlich von Niederurnen in Richtung Süden mini|links|Klöntal mit Klöntalersee

Der Kanton umfasst das Einzugsgebiet der Linth bis zum Walensee und die Linthebene westlich der Linth bis Bilten sowie den Kerenzerberg. Er grenzt im Norden und Osten an den Kanton St. Gallen, im Süden an den Kanton Graubünden, im Südwesten an den Kanton Uri und im Westen an den Kanton Schwyz.

Grosse Höhenunterschiede prägen das Bild des Glarnerlandes: Vom flachen Talboden auf 414 Metern Höhe steigt das Gelände bis auf über 3600 Meter (Tödi, ). Diese Gegensätze widerspiegeln sich im Klima: Es wechselt innerhalb weniger Kilometer von mild am Walensee mit seiner südländischen Pflanzenwelt zu hochalpin auf den vergletscherten Berggipfeln. Bei Auftreten von Föhn im Tal können Temperaturrekorde gemessen werden. Das Tal ist nur nach Norden zur Linthebene hin geöffnet.

Der 685 Quadratkilometer grosse Kanton entspricht etwa dem Einzugsgebiet der Linth. Das Sernf- oder Kleintal bietet als einziges Seitental dörflichen Siedlungen Platz. Das Klöntal, das wichtigste westliche Seitental, ist, wie Carl Spitteler rühmt, mit seinem Bergsee «so schön, wie es kein Traum errät».

Als sichtbarster Eingriff des Menschen zur Zähmung der Natur zeigt sich das imposante Linthwerk, welches das Antlitz der ganzen Region prägt. Die Linthkorrektion wurde 1807 als erstes Nationalwerk der Schweiz in Angriff genommen. Die Linth wird in den Walensee geleitet und ihr Lauf in den Zürichsee kanalisiert. Zuvor floss sie, den Ausfluss des Walensees immer mehr zurückstauend und die Linthebene versumpfend, träge dem Zürichsee zu.

Bevölkerung Einwohner Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons Glarus . Die Bevölkerungsdichte liegt mit  Einwohnern pro Quadratkilometer unter dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf  Prozent, während landesweit  Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote  Prozent gegenüber  Prozent auf eidgenössischer Ebene.

Sprachen Amtssprache im Kanton Glarus ist Deutsch. 83,6 Prozent der Einwohner sind deutsch- und 6,8 Prozent italienischsprachig.

Die Glarner Mundarten zählen zu den Dialekten des Höchstalemannischen.Catharina Streiff: Die Laute der Glarner Mundarten (= Beiträge zur Schweizerdeutschen Grammatik. Band VIII). Huber, Frauenfeld 1915 (Digitalisat); Rudolf Trüb: Beiträge zur Sprachgeographie und Sprachgeschichte des Glarnerlandes auf Grund der Materialien des Sprachatlasses der deutschen Schweiz. In: Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons Glarus. Band 55, 1952, S. 249–271.Verein Glarner Mundartwörterbuch (Hrsg.): Glarner Mundartwörterbuch. Mit einer Einleitung zum Glarner Dialekt, Redewendungen, Personennamen und Register (= Grammatiken und Wörterbücher des Schweizerdeutschen in allgemeinverständlicher Darstellung. Band 3). Illustrationen von Steve Nann. Baeschlin, Glarus 2024, ISBN 978-3-85546-413-5, ISBN 978-3-85546-413-5.

Religionen – Konfessionen Mit Stand 2025 gehörten 27,1 % der Gesamtbevölkerung der römisch-katholischen Kirche an, daneben gehörten 27,6 % der reformierten Kirche an und 45,3 % gehörten anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.Kirchenmitgliedschaft Die Kirchenmitgliedschaft in Kantonen

Die eidgenössische Volkszählung aus dem Jahr 2000. Abgerufen am 28. Juni 2019. ergab folgendes Konfessionsbild: 44,0 % protestantisch (das Bundesamt für Statistik zählt dazu auch die Zeugen Jehovas und die neuapostolische Glaubensgemeinschaft) 37,3 % römisch-katholisch 2,3 % christlich-orthodox 6,5 % muslimisch 3,5 % andere Konfessionen bzw. keine Angaben 6,5 % konfessionslos

Die Evangelisch-Reformierte Landeskirche des Kantons Glarus und die römisch-katholische Kirche sind staatlich anerkannte Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Verfassung und Politik mini|Glarner Landsgemeinde 2009. Die Stimmberechtigten stehen «im Ring» und halten ihre Stimmrechtsausweise hoch, während Zuschauer auf Tribünen zuschauen.

Die gegenwärtige Verfassung des Kantons Glarus wurde am 1. Mai 1988 von der Landsgemeinde angenommen und seither mehrmals revidiert.Verfassung des Kantons Glarus vom 1. Mai 1988.

Legislative mini|Schuldschein des Kantons Glarus vom 20. Dezember 1852, Blankette

Landsgemeinde

Die Landsgemeinde ist die Versammlung der stimmberechtigten Einwohner und damit das oberste Organ des Kantons. Die ordentliche Landsgemeinde findet alljährlich am ersten Sonntag im Mai statt und wird vom Landammann geleitet. Die Grundlage für die Verhandlungen bilden die im Memorial oder im Amtsblatt veröffentlichten Vorlagen des Landrates (des Parlaments); andere Gegenstände dürfen nicht beraten werden. Jeder stimmberechtigte Teilnehmer hat das Recht, zu den Sachvorlagen Anträge auf Unterstützung, Abänderung, Ablehnung, Verschiebung oder Rückweisung zu stellen.

Die Landsgemeinde wählt den Landammann (Präsidenten der Kantonsregierung) und den Landesstatthalter (Vizepräsidenten der Kantonsregierung), die Gerichtspräsidenten und die weiteren Richter.

Sie beschliesst über den Erlass und die Änderungen der Kantonsverfassung und über den Erlass, die Änderung und die Aufhebung der kantonalen Gesetze. Sie fasst die Beschlüsse über alle einmaligen Ausgaben von mehr als 1 Million Franken und über alle wiederkehrenden Ausgaben von mehr als 200'000 Franken im Jahr. Überdies legt sie den Steuerfuss fest.

Anders als im Kanton Appenzell Innerrhoden finden die Wahlen zum Regierungsrat und in den Ständerat nicht an der Landsgemeinde statt, sondern in geheimer Wahl an der Urne.

Landrat Der Landrat ist das Parlament des Kantons. Er zählt sechzig Mitglieder, die vom Volk an der Urne in drei (den drei Gemeinden entsprechenden) Wahlkreisen im Proporzwahlsystem auf jeweils vier Jahre gewählt werden. Der Landrat wählt alljährlich aus seiner Mitte den Präsidenten, den Vizepräsidenten und die weiteren Mitglieder des Landratsbüros.

Er ist die oberste Behörde zur Aufsicht über die Regierung, die Verwaltung und die Gerichte. Er berät die Verfassungs- und Gesetzgebung und die übrigen Beschlüsse zu Handen der Landsgemeinde vor und erlässt in eigener Kompetenz Verordnungen, Verwaltungs- und Finanzbeschlüsse. Überdies entscheidet er über grundlegende oder allgemeinverbindliche Planungen.

Die letzten Landratswahlen fanden am 14. Juni 2026 statt und ergaben folgende Sitzverteilung:

Parteien im Landrat (60 Sitze) 2014 2018 2022 2026 Sitzverteilung Wähleranteil in Prozent Schweizerische Volkspartei (SVP) 17 16 18 24 Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) 12 11 11 10 Die Mitte – – 12 9 Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) 9 8 – – Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 7 8 8 6 Grüne Partei der Schweiz (GPS) 7 7 8 6 Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 6 6 – – Grünliberale Partei (glp) 2 4 3 5

Exekutive Der Regierungsrat ist die Regierung des Kantons. Er besteht seit 2006 aus fünf (vorher sieben) Mitgliedern, die vom Volk an der Urne in einem einzigen Wahlkreis im Majorzwahlsystem auf jeweils vier Jahre gewählt werden. Sein Präsident (Landammann) und sein Vizepräsident (Landesstatthalter) werden für jeweils zwei Jahre von der Landsgemeinde gewählt.

Er ist die leitende und oberste vollziehende Behörde, plant das staatliche Handeln, vertritt den Kanton nach aussen und führt die kantonale Verwaltung. Er entwirft die Gesetze und rechtsetzenden Verordnungen zu Handen des Landrates und der Landsgemeinde und erlässt in eigener Kompetenz Vollzugs- und Verwaltungsverordnungen.

Der Regierungsrat setzt sich wie folgt zusammen:

+Mitglieder des Glarner Regierungsrates (Amtsdauer 2022–2026) Regierungsrat Partei Departement Kaspar Becker, Landammann Die Mitte Departement Bildung und Kultur Markus Heer, Landesstatthalter SP Departement Finanzen und Gesundheit Marianne Lienhard SVP Departement Volkswirtschaft und Inneres Thomas Tschudi SVP Departement Bau und Umwelt Christian Marti FDP Departement Sicherheit und Justiz

Historische Entwicklung Bei den Gesamterneuerungswahlen vom 4. März 2018 wurden die vier bisherigen Regierungsratsmitglieder Rolf Widmer (CVP), Benjamin Mühlemann (FDP), Andrea Bettiga (FDP) und Marianne Lienhard (SVP) wiedergewählt. Für den nicht mehr angetretenen Robert Marti (BDP) wurde sein Parteikollege Kaspar Becker gewählt. Im Verlauf der Amtszeit 2018–2022 trat Rolf Widmer zurück. Bei der notwendigen Ersatzwahl wurde am 28. März 2021 Markus Heer (SP) im zweiten Wahlgang gewählt. Ihm unterlegen war Jürg Feldmann (CVP/Die Mitte). Somit war die SP nach acht Jahren wieder in der Regierung vertreten. Heer wurde zusammen mit den andern Mitgliedern des Regierungsrats bei der Gesamterneuerungswahl am 13. Februar 2022 bestätigt.Gesamte Glarner Kantonsregierung wiedergewählt. In: Nau. 13. Februar 2022.

In der Legislatur 2022–2026 wurden zwei Ersatzwahlen notwendig. Als Ersatz für den in den Ständerat gewählten Benjamin Mühlemann wurde am 24. März 2024 Thomas Tschudi (SVP) im zweiten Wahlgang gewählt. Damit eroberte die SVP einen zusätzlichen Sitz und überholte die FDP als stärkste Regierungspartei. Nach dem Rücktritt von Andrea Bettiga musste die FDP den letzten verbleibenden Regierungssitz verteidigen, was Christian Marti bei der Ersatzwahl vom 9. Februar 2025 gelang. Bei der Gesamterneuerungswahl vom 8. März 2026 wurden alle Bisherigen für die Amtsdauer 2026–2030 wiedergewählt.

Judikative Erste gerichtliche Instanz ist das Kantonsgericht, das in zwei Zivilkammern, eine Strafkammer und eine Strafgerichtskommission gegliedert ist. Zweite gerichtliche Instanz ist das Obergericht.

Der Kanton Glarus kennt eine kantonale Schlichtungsbehörde, welche die Aufgabe hat, bei zivilrechtlichen Streitigkeiten vor einem Gerichtsverfahren eine gütliche Einigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Eingeführt per Landsgemeindebeschluss von 2017 ersetzte sie je eine kantonale Schlichtungsbehörde für Mietverhältnisse und die Gleichstellung und drei kommunale Vermittlerämter.

Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird vom Verwaltungsgericht ausgeübt. Daneben gibt es für besondere Verwaltungsstreitigkeiten verwaltungsunabhängige Rekurskommissionen.

Die Richter werden von der Landsgemeinde auf jeweils vier Jahre gewählt. Die Strafverfolgung findet durch die Staats- und die Jugendanwaltschaft statt.

Politische Gemeinden Mit dem Landsgemeindebeschluss vom 7. Mai 2006 wurden die Glarner Ortsgemeinden, Schulgemeinden, Fürsorgegemeinden und Tagwen (Bürgergemeinden) per 1. Januar 2011 zusammengelegt (siehe Glarner Gemeindereform), sodass seither nur noch drei Gemeinden existieren. Dieser Beschluss wurde an einer ausserordentlichen Landsgemeinde vom 25. November 2007 deutlich bestätigt.

+ Neue Gemeindenseit 2011 Politische Gemeinde Einwohner() Glarus Nord Glarus Glarus Süd + Ehemalige Ortsgemeindenbis 2010 Gemeinde Einwohner(31. Dezember 2010) Glarus 5877 Näfels 4021 Niederurnen 3928 Mollis 3337 Netstal 2875 Ennenda 2684 Schwanden 2392 Bilten 2001 Oberurnen 1963 Luchsingen 1119 Linthal 1088 Mitlödi 1000 Haslen 999

Neben diesen drei Einheitsgemeinden gibt es die ebenfalls öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchgemeinden der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Glarus und der römisch-katholischen Kirche.

Der Kanton Glarus kennt keine Einteilung in Bezirke. Das Bundesamt für Statistik (BFS) führt den gesamten Kanton jedoch als einen Bezirk unter der BFS-Nr. 0800.

Stimmrechtsalter 16