Die Stadt Glarus (örtlich ,Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 392. , ) ist eine politische Gemeinde (bis 2010 Ortsgemeinde, heute Einheitsgemeinde) und der Hauptort des gleichnamigen Schweizer Kantons Glarus.
Im Rahmen der Glarner Gemeindereform fusionierte Glarus auf den 1. Januar 2011 mit den Gemeinden Ennenda, Netstal und Riedern zur neuen politischen Gemeinde Glarus.
Geographie mini|Historisches Luftbild aus 1000 m von Walter Mittelholzer von 1923 mini|Blick auf Glarus und Vorderglärnisch, Juni 1923 Glarus liegt in der geografischen Mitte des gleichnamigen Kantons an der Linth und am Fusse des rund 2300 m hohen Vorderglärnisch. Der höchste Punkt des Gemeindegebiets ist der hohe Bächistock, der zum Massiv des Glärnisch gehört. Nachbargemeinden sind die Gemeinden Glarus Nord, Glarus Süd sowie Muotathal und Innerthal (beide Kanton Schwyz).
Klima Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 9,3 °C, wobei im Januar mit 0,0 °C die kältesten und im Juli mit 18,3 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 86 Frosttage und 19 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 41, während im Schnitt 6 Hitzetage zu verzeichnen sind. Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von
Geschichte Erstmals schriftlich erwähnt wird das Land Clarona im 8. Jahrhundert in der Vita der heiligen Felix und Regula. Der Name geht wahrscheinlich, nach einem Vorschlag von Johann Ulrich Hubschmied (1949), auf eine lateinische Grundform , im übertragenen Sinn «Waldlichtung», zurück. Die Lautentwicklung dürfte über ein romanisches Claróna mit Akzentverschiebung zu einem althochdeutschen geführt haben. Die Endung in -s dürfte analogisch zu anderen romanischen Ortsnamen eingeführt worden sein, und aus der Form *Gláruns wäre dann das -n- regulär geschwunden. Andere, weitgehend als verfehlt geltende Ansätze leiteten den Namen von lateinisch oder von einem rätischen Volksstamm der *Claroneses o. ä. oder aber vom Namen des heiligen Hilarius her. Eine Übersicht über die verschiedenen Erklärungsversuche und die damit verbundenen Probleme siehe unter dem Eintrag Glarus auf ortsnamen.ch, dem Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung.
Erste Siedlungsspuren stammen aus dem 6. oder 7. Jahrhundert. Ab dem mittleren 8. Jahrhundert dürfte die alemannische Besiedlung einsetzen, und Glarus gehörte von dieser Zeit bis ins späte 14. Jahrhundert zur Grundherrschaft des Klosters Säckingen. Das grundherrliche Gericht fand im 13. und 14. Jahrhundert im Kelnhof in Glarus statt. 1240 ist erstmals ein Markt erwähnt. Ein eigenes Glarner Siegel wird ab den 1280er-Jahren verwendet. 1387 fand die erste Landsgemeinde statt, eine Institution, die noch heute hier besteht und in der Regel am ersten Sonntag im Mai abgehalten wird. Der Loskauf von der Säckinger Grundherrschaft gelang 1388, durch Zürcher Vermittlung im Rahmen der Friedensgespräche nach der Schlacht bei Näfels.
Zum Hauptort des Linthtals wurde Glarus durch Beschluss der Landsgemeinde 1419, da hier lange die einzige Kirche der Talschaft stand. 1506 bis 1516 war der spätere Reformator Ulrich Zwingli beliebter katholischer Priester in Glarus. 1522 bis 1555 war Valentin Tschudi der erste evangelische Pfarrer, ein gemässigter Reformator und Vermittler zwischen beiden Konfessionen. 1555 bis 1570 folgte Fridolin Brunner als Pfarrer, der zuvor in mehreren Glarner Dörfern die Reformation durchgeführt hatte.
mini|Der grosse Brand von Glarus in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1861 (Chromolithografie um 1870) mini|Ansicht der Sprungschanze in Glarus beim «Grossen Skirennen der Schweiz», 21. Januar 1905 bis 22. Januar 1905
Während der Helvetik (1798–1803) war Glarus Hauptort des Kantons Linth. Glarus erfuhr eine frühe Industrialisierung und die Arbeiter organisierten sich zur Selbsthilfe. 1843 wurde als dritte Einrichtung dieser Art im Kanton die «Aktienbäckerei» gegründet, später war sie eine Genossenschaft. Im Jahr 1861 wütete ein verheerender Grossbrand, der grosse Teile des Ortes zerstörte. Nur wenige Gebäude aus der Zeit vor dem Brand blieben im Stadtbild erhalten. Der Wiederaufbau erfolgte sehr schnell nach einem städtebaulichen Plan, der auf einem rechteckigen Raster beruhte. Diese vor allem aus den Vereinigten Staaten bekannte Art der Städteplanung wurde gewählt, um weitere derartige Feuersbrünste zu verhindern.
Politik Gemeindepräsident ist Peter Aebli (FDP), der bei den Gemeinderatswahlen vom 13. Februar 2022 als Nachfolger von Christian Marti gewählt wurde. Dem Gemeinderat gehören neben ihm noch sechs weitere Mitglieder an. Die neue Gemeinde Glarus bildet einen Landratswahlkreis, der 18 der 60 Glarner Landräte stellt.
Wirtschaft Die einst wichtige Textilindustrie ist fast völlig verschwunden. Es überwiegt heute Holz- und Kunststoffindustrie sowie Stoff- und Buchdruckerei. Der Dienstleistungssektor ist zum wichtigsten Wirtschaftszweig geworden. Grösster Arbeitgeber ist heute das Kantonsspital mit etwa 450 Arbeitsplätzen. Auch der Tourismus gewinnt an Bedeutung.
Verkehr Der Bahnhof Glarus wird von der der S-Bahn St. Gallen und der der S-Bahn ZürichSBB online Fahrplan bedient. Die stündlich verkehrenden Regionalzüge fahren zeitlich versetzt und bieten so einen Halbstundentakt zwischen Schwanden und dem Knotenpunkt Ziegelbrücke.
Weiter wird der Bahnhof von mehreren Regionalbuslinien bedient.
Sehenswürdigkeiten
Stadtkirche Glarus, Wahrzeichen der Stadt (Architekt Ferdinand Stadler) Fridolinskirche, katholisch (1964, Architekt: Ernest Brantschen) Burgkapelle St. Michael Der Bahnhof und Güterschuppen, Lokomotiv-Remisen und DrehscheibeLeza Dosch: Die Bahnhöfe Rapperswil SG und Glarus. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 895, Serie 90). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2011, ISBN 978-3-03797-028-7. Kraftwerk am Löntsch Kunsthaus Glarus Landesbibliothek Stählihaus
Städtepartnerschaften mit Kobryn in Belarus, initiiert vom ehemaligen Gemeindepräsidenten Heinrich Aebli. In Kobryn hatte General Suworow, der 1799 im Glarnerland Station machte, ein Anwesen besessen. mit Wiesbaden-Biebrich in Deutschland (seit Januar 2009).Partnerschaftsverein Wiesbaden-Biebrich – Glarus e. V.
Persönlichkeiten Heinrich Aebli (* 1933), 1985–2002 Stadtpräsident von Glarus, danach Entwicklungshelfer Mario Andreotti (* 1947), Germanist Gianni Antoniazzi (* 1998), Fussballspieler Joachim Bäldi (vor 1527–1571), Hauptmann, Landschreiber, Landvogt und Landammann Marcel Bernasconi (* 1940), Jazzpianist Othmar Blumer (1848–1900), Industrieller und Politiker Johannes Blumer-Egloff (1835–1928), Textilunternehmer, Numismatiker und freisinniger Politiker Franz Böckle (1921–1991), römisch-katholischer Priester und Moraltheologe Pierangelo Boog (* 1957), Künstler und Illustrator Walter Bräm (1915–1996), Politiker, Nationalrat Fridolin Brunner (1498–1570), Reformator und evangelischer Pfarrer in Glarus 1555–1570 Maria Anna Brunner (1655–1697), Benediktinerin und Äbtissin Ernst Buss (1843–1928), evangelischer Geistlicher, Heimatforscher, Begründer der Deutschen Ostasienmission und Vizepräsident des Schweizer Alpen-Clubs. Ladina Caviezel (* 1993), Snowboarderin Erwin C. Dietrich (1930–2018), Schauspieler, Drehbuchautor, Filmproduzent und Regisseur, geboren in Glarus Melchior Dürst (1886–1950), Lehrer, Theatergründer, Regisseur und Bühnenautor Ekkehard Fasser (1952–2021), Leichtathlet und Bobfahrer Andy Fischli (1973–2022), Comiczeichner und Illustrator Pankraz Freitag (1952–2013), Mathematiker, Politiker, Baudirektor im Regierungsrat Cosmus Freuler (1780–1838), Lehrer, Buchdrucker und Bibliothekar Friedrich Frey (1867–1933), Archivar und Heimatforscher Konrad Gabriel (* 1964), Fussballspieler, -trainer und -funktionär Frieda Gallati (1876–1955), Historikerin Anna Göldi (1734–1782), «letzte Hexe Europas», in Glarus hingerichtet Rudolf Groner (* 1942), Psychologe und Hochschullehrer William Nicholas Hailmann, US-amerikanischer Pädagoge Eveline Hasler (* 1933), Schriftstellerin Walter Haug (1927–2008), Mediävist Walter Hauser (1957–2022), Schriftsteller und Journalist Joachim Heer (1825–1879), Landammann und Bundesrat Markus Heer (* 1976), Politiker (SP), Regierungsrat und ehemaliger Richter im Kanton Glarus Jodok Hösli (um 1592–1637), Abt des Klosters Pfäfers Heinrich Hössli (1784–1864), Schriftsteller, Vorkämpfer für die «Männerliebe» Ardita Iseni (* 2002), Fussballspielerin Heinrich Jenny-Fehr, Autor und Gründer der Glarner Lichtspiele AG This Jenny (1952–2014), Unternehmer und Politiker Heinrich Jenny-Fehr (1884–1962), Kaufmann, Bühnenautor und Gründer der Glarner Lichtspiele AG Marc-René Jung (1933–2014), Romanist und Mediävist Sven Aaron Keller (* 1998), Landrat (Grüne) Johann Melchior Kubli (1750–1835), Politiker, «Whistleblower» des Anna-Göldi-Justizmordes Dafi Kühne (* 1982), Plakatgestalter und Buchdrucker Fritz Künzli (1946–2019), Fussballspieler Markus Landolt (* 1961), Fabrikant James Leuzinger (* 1982), schweizerisch-britischer Skirennfahrer Adèle Lilljeqvist (1862–1927), Malerin Christian Marti (* 1974), Gemeindepräsident von Glarus und Glarner Landrat Hanspeter Marti (* 1947), Germanist Amalia Henrietta Mercier-Jenny (1885–1952), Frauenrechtlerin Bernhard Milt (1896–1956), Arzt und Medizinhistoriker Patrick Mitidieri (* 1975), Rapper Innocenz Müller (1675–1727), Bibliothekar des Klosters St. Gallen Christoph Dietrich Müller (* 1944), evangelischer Theologe Raoul Mutter (* 1991), Fussballspieler Herbert Noser (* 1961), Fussballspieler Ruedi Noser (* 1961), Unternehmer und Politiker Fridolin Paravicini (1742–1802), Offizier und Ratsherr in Glarus Yvan Pestalozzi (1937–2024), Eisenplastiker Yves Rüedi (* 1976), Bundesrichter Giaco Schiesser (* 1953), Kulturwissenschaftler, Philosoph, Publizist Alfred Schmid (1899–1968), Naturwissenschaftler, Erfinder, Philosoph Rudolf Schmid (1894–1989), Mediziner und Politiker Karl Schnyder (1931–2016), Politiker Johannes Schweizer (1901–1983), Gartenarchitekt Urs Sonderegger (* 1964), Autorennfahrer Willy Spieler (1937–2016), Publizist, Redaktor und Politiker Rösli Spiess (1896–1974), Musikerin und Musikpädagogin Jakob Steinmüller (1718–1761), Schweizer Offizier in fremden Diensten Johann Rudolf Steinmüller (1773–1835), reformierter Pfarrer und Pädagoge, Schulreformer und Naturforscher Jean-Fritz Stöckli (* 1949), Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer Caspar Streiff (1853–1913), Staatskassier und Mundartautor Rösli Streiff (1901–1997), Skirennfahrerin Eduard Horst von Tscharner (1901–1962), Sinologe Aegidius Tschudi (1505–1572), Historiker und Politiker Friedrich von Tschudi (1820–1886), Schriftsteller und Politiker Johann Jakob von Tschudi (1818–1889), Naturforscher, Forschungsreisender, Linguist und Diplomat Rudolf Tschudi (1884–1960), Philologe und Orientalist Valentin Tschudi (1499–1555), Reformator, erster evangelischer Pfarrer von Glarus Sam Trümpy (1941–2003), Jazzmusiker Jakob Vogel (1816–1899), Druckereibesitzer und Dichter Jakob Wäch (1893–1918), Kunstmaler Christoph Walter (* 1967), Militärmusiker, Komponist und Dirigent Jürg Wickihalder (* 1973), Jazzmusiker und Komponist Abraham Wild (1628–1689), evangelischer Geistlicher Jakob Winteler (1897–1966), Historiker, Glarner Landesarchivar und Landesbibliothekar Josua Zweifel (1854–1895), Afrikaforscher, Entdecker der Nigerquellen Ulrich Zwingli (1484–1531), Reformator (1506–1516 Pfarrer in Glarus)
Trivia In Glarus befindet sich die einzige Rekrutierungsstelle der Päpstlichen Schweizergarde, die von einer privaten Personalagentur betrieben wird.
Literatur
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Glarus
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Glarus Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Hauptort eines Kantons (Schweiz)