Hirrlingen ist eine Gemeinde im Landkreis Tübingen in Baden-Württemberg (Deutschland). Gemessen an der Einwohnerzahl ist Hirrlingen die kleinste selbständige Gemeinde des Landkreises.

Geographie Geographische Lage Hirrlingen liegt rund neun Kilometer südwestlich von Rottenburg am Neckar und rund neun Kilometer nordwestlich von Hechingen am Rand des Landschaftsschutzgebiets Rammert oberhalb des Starzeltals. Anteile der Naturschutzgebiete Espenloch-Hintere Halde und Kapfhalde liegen auf der Gemarkung Hirrlingen.

Ausdehnung des Gemeindegebiets Die Gemarkungsfläche der Gemeinde Hirrlingen beträgt 1281 Hektar.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Hirrlingen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Tübingen beziehungsweise zum Zollernalbkreis¹.

Rottenburg am Neckar, Bodelshausen, Hechingen¹, Rangendingen¹ und Starzach

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören das Dorf Hirrlingen und die Häuser Obere Mühle und Untere Mühle.

Im Gemeindegebiet liegen mehrere abgegangene, heute nicht mehr bestehende Ortschaften; Bossenhausen im Osten der Gemarkung wurde 1289 als „Bossenhusen“ erstmals genannt und war wohl bereits vor 1332 unbewohnt. In der heutigen Flur Harbach lag die in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als „Marpach“ erwähnte Ortschaft Marbach.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 147–148

Schutzgebiete

Starzach hat Anteile am Naturschutzgebiet Espenloch-Hintere Halde sowie an den Landschaftsschutzgebieten Rauher Rammert und Katzenbachtal. Teile der Gemeindefläche gehören zu den FFH-Gebieten Rammert und Neckar und Seitentäler bei Rottenburg.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte mini|hochkant|Schloss Die erste urkundliche Erwähnung war auf einer Urkunde des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen aus dem Jahre 1091.

Um 1100 traten in historischen Quellen die Herren von Hirrlingen in Erscheinung, die in und um Hirrlingen, im Herzogtum Schwaben beheimatet waren oder dort Besitz und Rechte hatten. Nach dem Aussterben der Hirrlinger gelangten deren Güter in Hirrlingen im 13. Jahrhundert an die Grafen von Hohenberg, die damit die Herren von Ow (Obernau) belehnten. Durch Zukäufe im 15. und 16. Jahrhundert bildete sich die Ower Ortsherrschaft über Hirrlingen heraus, die als Rittergut Teil der vorderösterreichischen Landesherrschaft war. Die Herren von Ow erbauten 1557/1558 das Hirrlinger Schloss, eine Pfarrkirche St. Martin ist 1606 bezeugt, eine St.-Sebastianus-Bruderschaft im 18. Jahrhundert. Aus einer Gemeinschaft von religiösen Frauen im 14. Jahrhundert entwickelte sich ein Dominikanerinnenkloster. Auch das Kloster Bebenhausen hatte zeitweise Besitz in Hirrlingen.

Die Hirrlinger Linie der Herren von Ow starb 1709 aus, in ihrer Nachfolge herrschten u. a. die Grafen von Attems zwischen 1749 und 1790 über Hirrlingen. Das Dominikanerinnenkloster wurde 1789 säkularisiert.

Der Ort fiel 1805 an das Kurfürstentum Württemberg, aus dem 1806 das Königreich Württemberg hervorging. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung wurde Hirrlingen 1810 dem Oberamt Rottenburg zugeordnet.

Das Schloss wurde 1821 an die Gemeinde Hirrlingen verkauft, die es als Rathaus nutzt.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte die Gemeinde 1938 zum Landkreis Tübingen. 1945 wurde das Dorf Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Hirrlingen besteht aus den 14 ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 wurde der Gemeinderat durch Mehrheitswahl gewählt. Mehrheitswahl findet statt, wenn kein oder nur ein Wahlvorschlag (Freie Liste Hirrlingen) eingereicht wurde. Die Bewerber mit den höchsten Stimmenzahlen sind dann gewählt.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. Dezember 2022 Simon König. Er wurde am 9. Oktober 2022 mit 98 Prozent der Stimmen gewählt. König folgte Christoph Wild (CDU) nach, der im Februar 2016 zum Bürgermeister gewählt wurdeswp.de: vom 21. Februar 2016 und sein Amt Ende September 2022 vorzeitig niederlegte.

Wappen und Flagge mini|hochkant=0.65|Hissflagge der Gemeinde Hirrlingen

Gemeindepartnerschaften Hajós in Ungarn, seit 1982 Minerbio bei Bologna (Italien), seit 1988

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kirche St. Martin mini|hochkant|Narrenfigur „Butz“ aus Hirrlingen

Bauwerke Pfarrkirche St. Martin, erbaut im 18. Jahrhundert Schloss Hirrlingen, erbaut im 16. Jahrhundert

Regelmäßige Veranstaltungen Hammeltanz, Tradition seit 1578Heimatzunft Hirrlingen In Hirrlingen wird die schwäbisch-alemannische Fasnet gefeiert. Die maskierte Narrenfigur „Butz“ ist seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar. Treibende Kraft der heutigen Fasnet ist die 1962 gegründete Butzenzunft Hirrlingen, die die Tradition der „Butzen“ weiterführt. Sie ist Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte. Ebenso bereits seit über 40 Jahren aktiv sind die Original Hirrlinger Schloßhexen mit ihren unterschiedlichen Gruppen.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Im Jahr 2022 erzielte Hirrlingen Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von 1,52 Millionen Euro. Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 340 % liegt die Gemeinde unter dem durchschnittlichen Gewerbesteuerhebesatz Deutschlands. Dieser beträgt 407 % (Stand: 2023).

Verkehr Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich auf der Wabengrenze 112/329.

In Hirrlingen geboren Josef Zimmermann (1871–1929), Politiker (SPD), Landrat und Polizeipräsident Vinzenz Stehle (1901–1967), Politiker (NSDAP), Reichstagsabgeordneter

Literatur

Michael Buhlmann: Die Herren von Hirrlingen und das Kloster St. Georgen im Schwarzwald. (= Vertex Alemanniae, H. 15) St. Georgen 2005 Hans Jänichen, Gerhard Kittelberger: Hirrlingen. In: Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 341. Hans Jänichen: Herrschafts- und Territorialverhältnisse um Tübingen und Rottenburg im 11. und 12. Jahrhundert. Tl. 1: Die freien Herren. (= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Bd. 2) Stuttgart, 1964

Einzelnachweise

Weblinks

Offizielle Internetseite der Gemeinde

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