Şanlıurfa [], auch schlicht Urfa genannt (, , , ) sowie unter ihrem antiken Namen Edessa () bekannt, ist die Provinzhauptstadt der türkischen Provinz Şanlıurfa mit über zwei Millionen Einwohnern. Seit der letzten Gebietsreform ist die Stadt eine Büyükşehir Belediyesi (Großstadtkommune) und damit flächen- und einwohnermäßig identisch mit der Provinz. Die Stadt wird als Peygamberler şehri Şanlıurfa („ruhmreiches Urfa, Stadt der Propheten“) bezeichnet.

Etymologie Im Syrischen wurde die Stadt ܐܘܪܗܝ / Urhoy genannt. Der seleukidische Herrscher Seleukos Nikator benannte den Ort im Hellenismus in Édessa um, nach der makedonischen Stadt gleichen Namens; sein Nachfahr Antiochos IV. Epiphanes nannte sie Antiochia Kallirhoe, doch setzte sich dieser Name nicht durch. Als römische Kolonie hieß sie offiziell colonia Antoniana Aurelia Alexandria (unter Macrinus zeitweilig colonia Opellia Macriana) und erhielt den Rang einer Metropolis, doch blieb der Name Edessa in den griechischen und lateinischen Quellen weitaus gebräuchlicher. Noch im Mittelalter war Urfa bei den Franken als Edéssa bekannt, während sie syrische Autoren weiter Urhay oder Orhay nennen. Diesen Namen übernahmen auch die Osmanen.

1983 wurde der Stadt wie auch der Provinz, die beide bis dahin lediglich Urfa hießen, der Titel şanlı (zu deutsch „ruhmreich“) verliehen. Der Namenszusatz soll nach offizieller Lesart an den Widerstand der Region gegen die französische Besatzung im türkischen Befreiungskrieg erinnern. Als dessen Resultat verschwanden die letzten Reste der christlichen Bevölkerung (Armenier und Aramäer) der Provinz. Gebräuchlicher ist aber bis heute abseits offizieller Dokumente der Name Urfa.

Geographie Şanlıurfa liegt im Südosten der Türkei und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Geographisch und historisch gehört die Stadt zu Nordmesopotamien. Sie hatte in den Jahren seit Anfang des 21. Jahrhunderts ein erhebliches Bevölkerungswachstum zu verzeichnen.

Urfa befindet sich rund 80 km vom Euphrat und rund 40 km von der türkisch-syrischen Grenze entfernt im Nordwesten einer fruchtbaren Ebene, die im Westen, Norden und Osten von Bergen umschlossen ist. Im Südosten liegt die Ebene von Harran. Drei Bäche durchfließen die Stadt, Karakoyun, Dschalzak und Siren. Der Verlauf des Karakoyun muss schon in römischer Zeit eine Umlegung erfahren haben, wie aus den Stadtkarten von Carsten Niebuhr von 1766 und Helmuth von Moltke von 1838 ersichtlich ist. Der sehenswerte Basar von Urfa gilt nach dem von Aleppo als der größte des Vorderen Orients.

Urfa liegt am Kreuzungspunkt alter Handelsstraßen. Eine Ost-West-Verbindung verlief von Persien und Nisibis zu einer Euphratfurt bei Samsat und der Mittelmeerküste, eine Nord-Süd-Verbindung ging vom anatolischen Hochland und Diyarbakır nach Harran und Syrien. Die Stadt verfügt über einen eigenen Flughafen, der unter anderem von Turkish Airlines bedient wird und Urfa mit Ankara und Istanbul verbindet. Der nächstgelegene überregionale Flughafen ist der rund 180 Kilometer nordöstlich gelegene Flughafen Diyarbakır.

Bevölkerung Stadtentwicklung Nachfolgende Tabelle gibt Auskunft über die Entwicklung der Einwohnerzahlen von Stadt (Şehir), Kreis (İlçe) und Provinz (İl) Şanlıurfa. Die Zahlen wurden den als PDF-Dateien veröffentlichten Ergebnisse der Volkszählungen der angegebenen Jahre entnommen, abrufbar über die Bibliothek des TURKSTAT (TÜİK) Jahr20001990198519801975197019651960195519501945194019351927Stadt 385.588276.528194.969147.488132.93452.83073.49859.86348.29638.68536.35635.26631.72129.918Landkreis 534.706372.020272.527206.508191.700161.780134.785117.851100.72185.82079.26473.73367.36259.180Provinz 1.443.4221.001.455795.034602.736597.277538.131450.798 401.910348.199298.394263.855245.398229.614207.487

Verwaltungsstruktur Seit der Verwaltungsreform von 2013 ist die Stadt Şanlıurfa eine Büyükşehir Belediyesi, die flächen- und einwohnerbezogen identisch mit der Provinz (İl) ist. Als eine solche Großstadtkommune stellt sie die kommunale Verwaltungsebene der Provinzdistrikte dar. Im Zuge einer Verwaltungsreform der Provinz wurde 2013 der zentrale Landkreis (Merkez) in drei neue Kreise aufgeteilt. Damit stieg die Anzahl der Landkreise der Provinz auf 13. Die Kreise stellen gleichzeitig Stadtbezirke dar, deren kommunale Verwaltung direkt dem Büyükşehir Belediye Başkanı (Oberbürgermeister) von Şanlıurfa unterstellt ist. Repräsentant der staatlichen Verwaltung ist weiterhin der Provinzgouverneur (Vali), dem der Kaymakam der İlçe berichtet. Der Verwaltungsbereich der İlçes entspricht territorial den ehemaligen Kommunen (Belediye), deren Bürgermeister vom Başkan auf den Rang eines Muhtars heruntergestuft wurden.

Vor der Verwaltungsreform Ende 2012 bestand der zentrale Landkreis aus der Hauptstadt (Merkez İlçe) Sanliurfa 526.247 Einw. in 67 Mahalle vier Belediye: Karaköprü: 60.293 Einw. in 6 Mahalle; Kısas: 5.609 / 6; Konuklu: 3.111 / 3 sowie Uğurlu: 4.641 / 3; 336 Dörfern in 6 Bucaks mit insg. 189.055 Einw.: Akziyaret: 13.441 in 56 Dörfern; Çamlıdere: 42.953 / 80; Kabahaydar: 13.376 / 41; Payamlı: 14.322 / 41; Yardımcı: 63.652 / 81 sowie zentraler Bucak (Merkez Bucağı): 41.311 Einwohner in 37 Dörfern

Nach der Verwaltungsreform Durch das Gesetz Nr. 6360 vom 6. Dezember 2012Gesetz Nr. 6360, veröffentlicht im Amtsblatt Nr. 28489 wurde der zentrale Kreis der Hauptstadt Şanlıurfa aufgelöst und in drei Nachfolgekreise geteilt: Eyyübiye: bestehend aus 36 Mahalle, 1 Belediye und 114 Köy; Haliliye: bestehend aus 32 Mahalle, 2 Belediye und 134 Köy; Karaköprü: bestehend aus 1 Mahalle und 86 Köy. Die im Jahr 2013 durchgeführte Verwaltungsreform überführte schließlich die 3 Belediyes und die 334 Köy in Stadtviertel, so dass sich für das Jahr 2013 für den ehemaligen zentralen Landkreis eine Gesamtsumme von 415 ergab: 811.686, zusammengesetzt aus: Eyyübiye mit 360.509 Einwohnern in 153 Mahalles; Haliliye mit 347.682 Einwohnern in 169 Mahalles; Karaköprü mit 10.3495 Einwohnern in 93 Mahalles. Sämtliche Bevölkerungsdaten basieren auf dem 2007 eingeführten adressbasierten Einwohnerregister (ADNKS) und können jederzeit abgerufen werden.Central Dissemination System/Merkezi Dağıtım Sistemi (MEDAS) des TÜIK, abgerufen am 15. März 2021

Klimatabelle

Geschichte Vorgeschichte In der Nähe der Stadt liegt der Göbekli Tepe mit mutmaßlich sakralen neolithischen Felsanlagen aus der Zeit ab ca. 10.000 v. Chr. (PPNA und PPNB). Ihre Entdeckung in den 1990er Jahren stellte eine archäologische Sensation dar; derzeit gräbt hier das Deutsche Archäologische Institut. Aus der Stadt Urfa selbst stammen Funde ähnlichen Alters. Ab wann eine kontinuierliche Besiedlung bestand, ist unklar. mini|Im Basar von Urfa

Der älteste Teil der Stadt befindet sich im Stadtteil Yeni Mahalle nördlich des berühmten Balıklıgöl. Bei Straßenbauarbeiten 1997 wurden hier mehrere Besiedlungsschichten freigelegt. Bei Rettungsgrabungen durch die Universitäten von Şanlıurfa und Harran wurde die älteste Schicht als präkeramisch neolithisch identifiziert.Bahattin Çelik: An Early Neolithic Settlement in the Center of Şanlıurfa, Turkey in NEO-LITHICS 2+3/00 – The Newsletter of Southwest Asian Neolithic Research

Antike Es wird vermutet, dass Urfa identisch ist mit dem hurritischen Urschu, das um 2000 v. Chr. in sumerischen, akkadischen und später in hethitischen Keilschrifttexten erwähnt wird. Ephräm der Syrer bewahrt die Legende, König Nimrod habe die Stadt gegründet. Nach islamischer Überlieferung war die Stadt überdies der Geburtsort Abrahams, der nach biblischer Tradition im benachbarten Harran zur Welt kam. 1370 v. Chr. wurde Urschu von den Hethitern unter Šuppiluliuma I. erobert. Nach dem Ende des Hethiterreiches gehörte Urschu zu Karkemisch.

Die Stadt wurde von Alexander erobert. Aus machtpolitischen Gründen nahm Seleukos I. eine Neugründung unter dem makedonischen Namen Édessa vor. Als Gründungsdatum wird gewöhnlich 303 v. Chr. angegeben. Die Stadt hatte ein rechtwinkliges Straßennetz mit viereckigen Mauern und Toren, die nach den Himmelsrichtungen orientiert waren. Der Burgberg lag nur teilweise innerhalb der Stadtmauern.

Nach dem Zerfall des Seleukidenreichs entstand um Edessa das unabhängige Kleinkönigreich Osrhoene, das später aufgrund der angeblichen Taufe des Königs Abgar V. durch Thaddäus als erstes christliches Reich der Welt galt. Die (teils sicher unhistorische) Liste der Könige findet sich in der Chronik des syrischen Erzbischofs Dionysius von Tell Mahre. Die große Mehrheit der heutigen Forscher hält die Berichte über die sehr frühe Christianisierung Edessas aber für eine Legende, die erst in der Spätantike entstand. Edessa wurde damals bekannt, weil Abgar laut Eusebius von Caesarea mit Jesus Christus korrespondiert haben soll. Das Abgar-Bild, ein Abbild Christi, soll ihn geheilt haben. Diese Legende erscheint im 4. Jahrhundert und erlangte eine sehr weite Verbreitung. Erstmals im 6. Jahrhundert ist dann die Variante belegt, Jesus habe Abgar nicht nur ein heiliges Abbild von sich selbst geschickt, sondern auch einen Brief, in dem er dem König garantiert habe, Edessa werde niemals von Feinden erobert werden. Am Hof Abgars lebte Bardesanes von Edessa, der erste Philosoph, der in syrischer Sprache schrieb und auch Buddha erwähnt. Abgars Münzen zeigen ihn mit der Tiara; auf der Rückseite das Bild des römischen Kaisers. Es ist zu vermuten, dass das Christentum in Edessa früh eine Rolle zu spielen begann; 201 wurde bei einem Hochwasser die erste christliche Kirche der Stadt zerstört; ein Jahrhundert später begann die Blütezeit der Schule von Edessa, und gegen Ende des 4. Jahrhunderts beschrieb die Pilgerin Egeria die Kirchen der Stadt, in der das Abgar-Bild aufbewahrt wurde.

Unter römischer Dominanz behielt die Stadt zunächst ihre Unabhängigkeit. Pompeius bestätigte Abgar II. von Edessa nach 67 v. Chr. in seinem Amt. Dieser scheint dann, nach Plutarch, eine wichtige Rolle bei der Niederlage des Crassus 53 v. Chr. gespielt zu haben.Diese Darstellung wird allerdings von Segal bezweifelt. Danach wurde Edessa mitsamt der Osrhoene ein abhängiges parthisches Klientelkönigreich unter eigenen Fürsten. 49 n. Chr. wird Abgar V. bei Tacitus (Annalen XI,12) als „König der Araber“ erwähnt.

Als Kaiser Trajan 114 in Antiochia weilte, brachte ihm der König von Edessa, ebenfalls mit Namen Abgar, Geschenke, darunter über 200 Pferde. Aber schon 116 fiel Abgar von den Römern ab, und die Stadt wurde zerstört. Trajans Nachfolger Hadrian musste das Gebiet wieder räumen und setzte 117 einen parthischen Prinzen als Herrscher über Edessa ein. Wenig später gehörte die Osrhoene wieder fest zum parthischen Machtbereich. Im Jahr 123 kam dann eine einheimische Dynastie unter Manu VII. an die Herrschaft. Bis 160 gab es keine Münzen, durch die sich ein „Königreich Edessa“ nachweisen ließe. Die ältesten Münzen sind von König Wael bar Sahru (163–165) erhalten, der von den Parthern eingesetzt wurde. Von König Manu VIII. (139–163, 165–176/9) ist eine Münze erhalten, die ihn mit der Tiara zeigt. Im Jahr 165, während eines erneuten römisch-parthischen Krieges, rebellierte die Stadt gegen die Parther und öffnete römischen Truppen die Tore, der Herrscher wurde römischer Klientelkönig; doch noch verzichteten die Kaiser auf eine Annexion.

Edessa hatte lange mit dem Kult des Mondgottes Sin im nahen Harran konkurriert. Bedeutend war die Verehrung der Göttin Taratha. Noch in einem Gesetzbuch aus der Schule von Bar Daisan aus dem 3. Jahrhundert wird berichtet, dass sich in Edessa Männer zu Ehren von Taratha kastrierten. Unter König Abgar VIII. (176/9–212), von dem eine große Zahl von Münzen erhalten sind, wurden die ersten christlichen Kirchen gebaut. Die angeblichen Gebeine des heiligen Thomas (Mar Tuma) wurden laut späterer Tradition um 233 n. Chr. in die Stadt gebracht und in der Hauptkirche bestattet.