mini|hochkant=1.35|Landkarte der Troas mini|Landkarte von Kleinasien von 332 v. Chr. bis 395 n. Chr. (lateinische Beschriftung) Troas () ist der antike Name einer Landschaft im nordwestlichen Teil Kleinasiens, südöstlich der Meerenge der Dardanellen (im Altertum Hellespont) und nördlich der Insel Lesbos. Ein Bergmassiv im Südosten und Osten trennte sie vom Rest Kleinasiens. Die Troas umgab die antike Stadt Troja. Nach Stephanos von Byzanz nannte man die Troas auch Teukris, Dardania oder Xanthe.

Topografie Das Gebiet der Troas bestand aus dem Einzugsgebiet dreier Flüsse, des Simoïs (Dümrek Çayı) im Norden, des Skamander (Karamenderes Çayı) und des Satnioeis (Tuzla Çayı) im Süden. Im Westen und Süden grenzte sie an das Ägäische Meer, die Nord- und Ostgrenze war schon in der Antike unklar (vgl. Strabon: Geôgraphiká. 13. Buch). Strabon orientierte sich an Homer, als er die Nordostgrenze der Troas an den Fluss Aisepos (Gönen Çayı) und die Südostgrenze an den Golf von Adramyttion (Edremit Körfezi) legte. Die Troas wurde größtenteils von den Verzweigungen des bis zu 1774 Metern Höhe steil aufsteigenden waldreichen Idagebirges (Kaz Dağı) eingenommen, zwischen denen sich nur das Tal des Skamander hinzieht, der zum Hellespont hinab mehrere breitere Stufenebenen durchfließt.

Namensherkunft Die Troas wurde nach ihren Bewohnern, den bei Homer genannten Trojanern (), benannt. Das Volk erhielt seinen Namen von einem mythischen Eponymos, dem König Tros, einem Enkel des Dardanos. Zur Herkunft der Trojaner und einer Verwandtschaft mit anderen Völkern ist nichts bekannt, Reste einer eigenen Sprache sind nicht erhalten. Vermutungen gehen in Richtung eines thrakischen oder phrygischen Ursprungs. Strabon (13,I,8) bezeichnete die Trojaner (Troer) als Teil der Thraker.

mini|Landschaft der Troas Teile der Troas waren in der griechischen Mythologie der Schauplatz des Trojanischen Krieges. Das in der Troas gelegene homerische Ilios ist nach einer bis heute umstrittenen Theorie, die der Indogermanist Paul Kretschmer schuf und die aktuell unter anderem vom Altorientalisten Frank Starke und vom Altphilologen Joachim Latacz vertreten wird, mit dem in hethitischen Quellen mehrmals genannten Wilusa zu verbinden. Demnach war der altgriechische Name von Wilusa in mykenischer Zeit Wilios, woraus durch Wegfall des „W“ (Digamma) bereits in vorhomerischer Zeit Ilios oder Ilion wurde.

Ferner wird von den Anhängern dieser Forschungsmeinung vertreten, dass das in einem hethitischen Text als Teil der Aššuwa-Koalition des späten 15. Jahrhunderts v. Chr. erwähnte Taruiša mit der Troas (oder Troja) verbunden werden kann. So vermutet Latacz, dass Hethiter/Luwier und Griechen eine zugrundeliegende ältere Ortsnamensform zu unterschiedlichen Zeiten in ihre Sprachen übernahmen (Taruwisa/Tru(w)isa – Troia). Im Gegensatz zu einer von ihm angenommenen Unmöglichkeit einer rein indogermanischen Lautgleichung zwischen den beiden Ortsbezeichnungen hält Ivo Hajnal die Möglichkeit einer relativen formalen Identität des homerischen mit dem hethitischen Taruiša für gegeben.

Geschichte Das Gebiet der Troas war schon in der Jungsteinzeit (Neolithikum) besiedelt. In der Ebene des unteren und dem Tal des oberen Skamander fanden sich Siedlungsspuren der frühen Bronzezeit.

mini|Griechische Siedlungsgebiete an der Ägäis im 5. Jahrhundert v. Chr. Ab dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. wurde die Troas, namentlich an der Küste, vor allem von Aiolern besiedelt. Wichtigere Orte aus griechischer Zeit, die auch Münzen ausprägten, sind vor allem Abydos, Alexandria Troas, Antandros, Assos, Birytis, Dardanos, Gargara, Gergis, Hamaxitos, Kebren, Kolone, Lamponeia, Lampsakos, Neandreia und Skepsis.

mini|Obol aus Neandreia (Troas) mit Widder und NEAN, um 400 v. Chr., vgl. Szaiert/Sear Nr. 4091 Die Landschaft gehörte in der Diadochenzeit zur Region Mysien. Im Römischen Reich war sie Teil der römischen Provinz Asia. Unter byzantinischer Herrschaft gehörte die Troas zum Thema der Ägäischen Inseln, und während des Osmanischen Reichs war sie Teil von Bigha.

Heute ist die Troas Teil der türkischen Provinz Çanakkale und umfasst das Gebiet der Halbinsel von Biga (Biga Yarımadası). Am südwestlichen Kap Bababurun liegt mit Babakale der westlichste Punkt des kleinasiatischen Festlands.

Naturlandschaften mini|Die Karte zeigt die unterschiedlichen Naturräume der Troas entsprechend ihrer geologischen bzw. geomorphologischen Relevanz Beiderseits der Dardanellen-Wasserstraße, jener 65 km langen, bis zu 100 m tiefen und 1,3 bis 6 km breiten Meerenge zwischen Marmarameer und Ägäis, einem aufgrund tektonischer Senkung im Pleistozän unter den Meeresspiegel getauchten Flusstal, das traditionell als Grenze zwischen Europa und Asien bezeichnet wird, prägen kaum gefaltete, weiche, tertiäre Meeres- und Brackwassersedimente aus Sandsteinen, Tonen, Mergeln und Kalken das Relief. Sie bilden mit lang gestreckten, flachen Spornen und Riedeln die Basis bäuerlichen Regenfeldbaus. In steilere Küstenpartien des Uferhügellandes mit deutlichen Uferterrassen eiszeitlicher Meereshochstände sind schmale Strandbuchten eingelassen. Im Gegensatz zum eher waldarmen Tertiärhügelland der schmalen Gelibolu-Halbinsel auf europäischer Seite bietet die Troas in Kleinasien als westlicher Teil der 100 km breiten Biga-Halbinsel vor allem in ihren höheren Partien ein abwechslungsreiches Landschaftsbild und insgesamt ein vielgestaltiges Relief vom felsigen Hochgebirge bis zum flachen Küstenhof.

In diesen Waldbergländern der Troas dienen tertiäre Becken innerhalb der zumeist ackerbaulich genutzten Riedellandschaften als Hauptträger eines intensiveren Feldbaus. Dazu zählen als Senkenzonen mit Alluvialböden unter anderem die Skamander-Dümrek-Ebene im Umfeld von Troia oder das Becken von Ezine-Bayramiç am unteren und mittleren Skamander (Kara Menderes), der mit einer Vielzahl von Zuflüssen die Troas als 124 km langer Hauptfluss entwässert. Dabei bilden die Kalkberglandschwellen des Çiçekligöl Dağı und des Fiğla Dağı mit seinen Basaltaufsätzen (Ballı Dağ) zwischen westlicher und innerer Troas einen auffällig trennenden Sperrriegel, in den sich der Skamander mit einem engen Durchbruchstal (Araplar Boğazı) zwischen Ezine und Taştepe eingeschnitten hat. Die höheren Bergländer, von denen einige erzführende Lagerstätten aufweisen, gruppieren sich – jeweils gegenüberliegend – rings um die Senkenzone des mittleren Skamander zwischen Ezine und Bayramiç.

Im Westen liegt das Granitbergland des 579 m hohen Çigri Dağı mit den Ruinen von Neandria. Gegenüber, etwa 70 km entfernt im Osten, erheben sich die Granitberge der Öldüren Dağları eingehüllt vom gefalteten Paläozoikum des Sakar Dağı. Besonders markante Beispiele der granitischen Wollsackverwitterung mit Tafonibildung findet man in den Granit-Regionen rund um den Çığrı Dağı und südwestlich davon bei Kocalı, Yavaşlar, Kayacık, Karakışlar, Belenobası bzw. Tavaklı, am Südostrand des Salihler-Plateaus bei Kuşçayır sowie am Yanık T. zwischen Kocaköy und Gülpınar. Im Südosten ragt der kristalline Schiefergebirgsstock des zum Teil dicht bewaldeten Kaz Dağı (Ida-Gebirge) auf mit den paläozoischen Nordwest- und Westabdachungen des Dede Dağı, Çal Dağı, Dikilidağ und Delitepe. Gegenüber im Nordwesten steigt das waldreiche Salihler-Schieferplateau (Büyükhayrettin Tepesi) bis auf über 500 m an. Nordöstlich anschließend erreichen Ausläufer andesitisch-trachytischer Vulkanbergländer mit ausgedehnten Hochwäldern im Kara Dağı, Aladağ und Gökçedağ Höhen von mehr als 750 m. Gegenüber, in der südwestlichen Troas, bildet die Vulkanlandschaft des Kavak Dağı, Karbastı Dağı und Yoyu Dağı ein zumeist baumarmes, ausgedehntes Plateau. Die überall auffällig präsenten Vulkanite weisen zusammen mit den Thermalquellen von Kestanbul Kaplıca und Tuzla die Troas als latente tektonische Unruhezone aus. Schwerere Erdbeben in dieser Region dürften unter anderem für den Niedergang antiker Städte, wie Troia oder Alexandria Troas, verantwortlich sein.

Landwirtschaft Nach allem bisherigen Wissen war die Troas im 19. Jahrhundert mit wenigen Ausnahmen ackerbaulich »unbebaut und mit Fichten und Eichen bedeckt«. Obwohl auch heute noch beträchtliche Teile der Troas mit Wald bedeckt sind, hat sich das Landschaftsbild vor allem im Umfeld der Dörfer gravierend verändert – weniger durch Zunahme des Feldbaus, als vielmehr durch die überstockte Kleintierhaltung der Bauern. Innerhalb der Waldbergländer ist Ackerbau selten. Auf Rodungsinseln wird heute weitgehend Kleinviehwirtschaft betrieben, die durch Waldweide auch im weiteren Umfeld der Gehöfte die Busch- und Waldlandschaften nutzt und schädigt. Unkontrollierte Überweidung vor allem durch Ziegen hat in vielen Teilen der Troas unverwechselbar auffällige Landschafts-Charaktere geschaffen, an denen sich die Stadien einer langen Landschaftszerstörung ablesen lassen. Typisch geworden sind degradierte Wald-, Busch- und Graslandschaften unterschiedlichsten Zerstörungsgrades durch Viehverbiss und Viehtritt. Besonders auffällig sind derartige Landschaften vor allem auf den von Wald durchsetzten vulkanischen Hochplateaus im Südwesten der Troas, wo die Voraussetzungen für ökonomisch vertretbaren Ackerbau bescheiden sind und deshalb Kleinviehhaltung vorherrscht. In den Hügellandpartien zwischen Ezine und dem Karadağ, besonders aber in den relativ dicht mit Dörfern besetzten und von vulkanischen Decken geprägten, südwestlichen Berglandbereichen um den Tuzla Çayı sind die Spuren traditioneller Kleinviehhaltung überall auch außerhalb der Nahbereiche der Siedlungen offensichtlich. Während das höhere Hinterland und die Flanken der Talkerben zwischen Tavaklı, Ayvacık und Assos durch Aufforstung (wieder) von zum Teil dichten Wäldern bedeckt sind, zeigen sich die meeresnahen Partien oft als kahle oder buschbedeckte Hochflächen mit marginalem Wirtschaften auf Kleinviehbasis. Hier sind es nicht mehr kleinere Rodungsinseln innerhalb der Waldungen, hier breiten sich weitläufige karge Weideflächen aus.