Fritz Otto Karl Zietlow (* 24. August 1902 in Schneidemühl; † 28. September 1972 in HamburgChristina Ullrich, Ich fühl' mich nicht als Mörder, Darmstadt, 2011, S. 284) war ein deutscher Jurist, Journalist und als SS-Hauptsturmführer Teilkommandoführer bei der Sonderaktion 1005. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er von 1961 bis 1968 als Angestellter beim Bundesnachrichtendienst (BND) tätig.

Ausbildung und Studium Als Sohn eines Reichsbahnoberzugführers besuchte Zietlow in seinem Geburtsort die Volks- und Realschule. Zietlow zog 1916 mit seiner Familie nach Posen. Dort absolvierte er bis Ende 1918 die Oberrealschule. Im Zuge der neuen Gebietsveränderungen nach dem Ersten Weltkrieg wurde er durch polnische Kräfte verhaftet. Ihm gelang die Flucht auf deutsches Gebiet, wo er Angehöriger eines Freikorps wurde und an Kämpfen im Baltikum und in Oberschlesien teilnahm. Im Jahre 1920 gelangte er wieder zu seinen Eltern, die inzwischen nach Stargard in Pommern umgesiedelt waren. Dort erlangte er Anfang 1921 das Abitur und begann danach an der Universität Greifswald ein Studium der Rechtswissenschaften.C.F. Rüter, Justiz und NS-Verbrechen, Band XXXI, Amsterdam 2004, S. 706. Aus finanzieller Not infolge der herrschenden Inflation brach er sein Studium im Wintersemester 1923/24 ab. In den nächsten zwei Jahren betätigte er sich als Redaktionsvolontär bei zwei Zeitungen in Stargard, womit er auch eine journalistische Ausbildung abschließen konnte. Obwohl er von 1926 an zwei Semester im alten Fach studierte und sich im Jahre 1927 zum Ersten Staatsexamen anmeldete, konnte er die Prüfung nicht abschließen. Auch musste er das Vorhaben aufgeben zu promovieren.

Politische Orientierung Erstmals kam Zietlow im Sommer 1923 mit der „nationalsozialistischen Bewegung“ in Greifswald in Kontakt. Im Herbst 1923 trat er der NSDAP bei. Anfang 1924 betätigte er sich in Stettin während der Mai-Wahlen bei der Sammlungsbewegung der Nationalsozialisten in Pommern, dem Deutschvölkischen Wahlverband. Danach zog er noch im gleichen Jahr nach Kiel und wurde dort Gaugeschäftsführer bei der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung. Nach der Neugründung der NSDAP wurde sein erster Beitritt zur Partei zum 6. Juli 1925 für ungültig erklärt, so dass er zum 30. November 1926 der NSDAP erneut beitrat (Mitgliedsnummer 36.519).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/50390604Erich Schmidt-Eenboom, Geheimdienst, Politik und Medien – Meinungsmache UNDERCOVER, 2004, S. 32. Aufgrund dieser frühen NSDAP-Mitgliedschaft war er Träger des Goldenen Parteiabzeichen der NSDAP.

Bis 1929 betätigte er sich für die NSDAP in Stargard, wo er Mitglieder in Abendlehrgängen schulte. Zietlow kam 1929 nach Berlin, wo man seine propagandistischen Fähigkeiten in der NSDAP auf Parteiversammlungen schätzte. Ab 1929 wurde er auch schon als Gauredner eingesetzt, bald auch als Reichsredner und als Redner für Reichsbetriebszellen der NSDAP. In Berlin arbeitete er in der lokalen Redaktion der Schlesischen Zeitung, die ihren Sitz in Breslau hatte. Ab Mitte 1930 ging er zur späteren NS-Gauzeitung Der Angriff, wo er von 1931 bis 1932 mit als Herausgeber wirkte.Wilhelm Lenz, Archivalische Quellen zur deutschen Geschichte seit 1500 in Großbritannien, Boppard am Rhein 1975, S. 199. Seit März 1932 gehörte er als Nachrücker kurzzeitig dem Preußischen Landtag an.

Mitte 1932 wurde Zietlow beim Angriff fristlos entlassen, weil er sich an der Portokasse vergriffen hatte.Elke Fröhlich (hrsg.), Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Teil I, Band 2, München 1987, Eintrag vom 12. Juni 1932, S. 182. Eine neue Arbeit fand er gegen Ende 1932 bei der Ostfriesischen Tageszeitung der NSDAP, die in Emden ihren Stammsitz hatte.Wolfgang Müsse, ebenda, S. 178.

Seit dem 1. Oktober 1930 gehörte er der SS an (SS-Nummer 6.126). In den folgenden Jahren arbeitete er journalistisch für mehrere NS-Zeitungen als Hauptschriftleiter. Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ 1933 wirkte er als Referent beim SS-Sonderkommando Berlin zbV unter dem SS-Brigadeführer Max Henze, der zu dieser Zeit das KZ Columbia führte.Peter Longerich, Heinrich Himmler: Biographie, München 2007, S. 234.

Von Anfang 1934 bis Mitte des Jahres betätigte er sich am Aufbau des Presseapparates beim Reichsnährstand, um dann für die nächsten zwei Jahre nach München in gleicher Funktion zu gehen. Danach kehrte er nach Berlin zurück und wurde 1937 kurzzeitig auf dem Sektor von landwirtschaftlichen Genossenschaften als Journalist eingesetzt. Der Reichsverband der Deutschen Presse (RDP) suchte 1937 drei Dozenten für die Reichspresseschule auf den Gebieten der Wirtschaft, Kultur- und Innenpolitik, wobei Zietlow ein Kandidat war. Zietlow wurde sogar schon im Planstellenverzeichnis aufgeführt, es kam aber nicht zu einer Berufung.In dem Gerichtsverfahren im Jahre 1968 behauptete Zietlow, er wäre schon „ernannt“ worden, siehe: C.F. Rüter, ebenda, S. 707. Der Grund lag möglicherweise darin, dass Zietlow sein zugesagtes Gehalt nicht von der Haushaltsabteilung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (RMVuP) erhielt. Der Chef des RDP, Wilhelm Weiß, hatte sich gegenüber Zietlow zu einer außertariflichen Gehaltszahlung für das Fach Innenpolitik in einem Schreiben an Joseph Goebbels vom 28. August 1937 verwendet, konnte sich aber nicht durchsetzen. In diesem Fall wollte Zietlow auf die Berufung verzichten.Wolfgang Müsse, ebenda, S. 178 und 179 mit FN 1. Von Ende 1937 Anfang 1938 betätigte sich Zietlow als Redakteur bei der, dem Propagandaministerium unterstehenden, Auslandsnachrichtenagentur Transocean.

Artikel für NS-Propaganda In den Jahren von 1937 bis 1942 sind mehrere Artikel von Zietlow in NS-Zeitschriften veröffentlicht worden, die sich mit innen- und außenpolitischen Themen der NS-Propaganda beschäftigten.

So griff er im März 1937 in den Monatsblättern der Reichspropagandaleitung der NSDAP Unser Wille und Weg das Thema Gedanken und Vorschläge zur Agrarpropaganda auf, das sich hauptsächlich mit den Folgen der Verknappungserscheinungen bei Lebensmitteln beschäftigte, die erstmals im Jahre 1935 auftraten. Er kritisierte die unzureichende propagandistische Vorbereitung auf die Verknappung. Dabei wies er auf die Erscheinung der letzten Wochen des Jahres 1935 mit ihren Hamstereien erheblichen Ausmaßes besonders auf dem Fettmarkt hin. Weiterhin kritisierte er die Anfang 1937 herausgegebene Haushaltsliste für den Fettbezug. Das könnte zu Erinnerungen an das Karten- und Bezugsscheinsystem der Weltkriegszeit und zu einem stimmungsmäßigen Rückschlag führen.

Er forderte die NS-Propagandisten auf, die Verbraucher zu einem disziplinierten Verhalten zu bewegen, weil nicht zu jeder Zeit jeder unserer Wünsche nach Nahrungs- und Genußmitteln voll befriedigt werden kann.... In diesem Zusammenhang wies er auf die zur Zeit noch bestehenden Ernährungslücken von etwa 15 bis 20 v[on]. H[undert]. unseres Bedarfs hin. Um eine Verbesserung der allgemeinen Agrarpropaganda zu erreichen, forderte er laufende vertrauliche Unterrichtung und Arbeitstagungen zur Steuerung der Agrarpropaganda.

Im Jahre 1941 veröffentlichte das Jahrbuch der Auslands-Organisation der NSDAP einen Artikel von Zietlow unter der Überschrift MOBMOB steht hier für Mobilmachung-Befehl der Wirtschaft, der sich mit der Vorbereitung und Umstellung der Wirtschaft des NS-Regimes auf die Kriegswirtschaft beschäftigte. Die Reichsführung hätte „für den wirtschaftlichen Bereich alle, auch die ernstesten Möglichkeiten vorausgesehen und berücksichtigt…“. Dabei wies er auf die in den Jahren von 1936 bis 1939 erfolgten Umstellungen der Wirtschaft bezüglich der Produktion von Kautschuk, die Abkehr von der Baumwolle und den Schwermetallen hin zur Zellwolle, zu Leichtmetallen und Kunst- und Werkstoffen hin. Außerdem wären zu Beginn des Krieges „etwa neun Zehntel aller bisher von Privaten genutzten Kraftfahrzeuge stillgelegt“ worden. Nach den Erfahrungen des Krieges gegen Polen im September 1939 hätte der damalige Generalmajor Adolf von Schell Anfang 1940 für die Kraftverkehrswirtschaft erklärt, „was Deutschlands Versorgung mit Betriebsstoff für Auto- und Flugzeugmotoren angehe, so könne der Krieg getrost zehn Jahre dauern“. Und bezüglich der Besatzung der Länder Niederlande, Belgien und Frankreich berichtete er, die Wehrmacht hätte „gewaltige Vorräte an Treibstoffen aller Art erobert, dass die Lagerbestände hieran mit dem Ende der Westoperationen größer wären als beim Beginn der Offensive“.

Die materiellen Vorbereitungen bezüglich der angelegten Bestände auf den Krieg wären so groß gewesen, dass die „Depots und Räume auch bei größter Ausweitung zum Teil nicht in der Lage wären, verstärkte Zufuhren aufzustapeln“. Dabei führte er für die Jahre 1938 und 1939 schon folgende bestehende Lagerkapazitäten an:

Siloraum für 1,6 Millionen Tonnen Getreide Lagerhallen für Lagerung von 1 Million Tonnen Getreide 8500 behelfsmäßige Lagerstätten für Getreide weiterer Siloraum für mehrere Millionen Tonnen bis September 1939 erstellt etwa 33 000 Reichslagerhallen eingerichtet für die Lagerung einer Jahresproduktion an Roggen und Weizen vor der Kornernte von 1939

Für das Jahr 1940 berichtete er von einer Getreideernte von 25 Millionen Tonnen „trotz der Ungunst der Witterung“, was „nur um 2 v.H unter dem Durchschnitt der letzten 5 Friedensernten“ mit ihren Rekorderträgen gelegen hätte. Und Deutschland wäre viel besser gegen Ausfall der Kornernte gesichert als England „dank des starken Anteils von Hackfrüchten an der Volksernährung“. Damit wäre Deutschland in der „Nahrung weit krisenfester als jede andere Großmacht Europas“ gesichert. Das würde sich aus folgenden Erntedaten im Jahre 1940 ergeben:

eine Kartoffelernte von etwa 60 Millionen Tonnen eine Zuckerrübenernte von rund 20 Millionen Tonnen und damit etwa 1,3 Millionen Tonnen mehr als 1939

Weiter verwies er auf eine „ausgezeichnete Futterrübenernte“, eine höhere Ernte beim Gemüse und Brotgetreidereserven von mehr als 6,3 Millionen Tonnen. Nur die Obsternte sei wegen der ungünstigen Witterung gesunken. Auch behauptete er, dass Deutschland das „größte Zuckererzeugungsland der Erde ist“ und die Milchablieferung der Molkereien „die weitaus höchste ist, die jemals zu verzeichnen war“. Diese Erfolge würden aus der Leistungssteigerung und Intensivierung der Betriebe resultieren, für die er folgende Daten angab:

Steigerung des Verbrauchs an Stickstoff- und Kalidünger seit 1932/33 auf 700 000 bzw. 1,2 Millionen Tonnen, was eine Verdoppelung gewesen wäre Steigerung der Aufwendungen in Maschinen und Geräte innerhalb von fünf Jahren von 138 auf 463 Millionen RM Steigerung des Anbaus von Öl- und Gespinstpflanzen um den Faktor zehn

Zur Steigerung der Wirtschaftsleistung führte er an, dass „eine weitere Million Kräfte aus ausländischen Quellen“ seit Anfang des Krieges für die Wirtschaft arbeiten würden, davon annähernd 600.000 in der Landwirtschaft und rund 400.000 in der Industrie und im Gewerbe. Ein Zehntel der Kräfte würde aus Italien kommen, der Rest wären Kriegsgefangene und Arbeiter aus Dänemark, Holland, Belgien und aus Ländern Südosteuropas. Auch pries er die Stabilität der Lebenshaltungskosten, da der Index „vom September 1939 bis zum Juli 1940 nur um 5,1 Punkte gestiegen“ wäre. Dann verwies er auf eine „solidarische Aktion von Gewerbe und Industrie“, die zur vorübergehenden Stilllegung von Betrieben des Textil- und Bekleidungsgewerbes, „im Handel mancher Zweige und in der Lederindustrie“ geführt habe. Diese Einschränkungen begründete er mit einer „Erhaltung der Produktionskraft“.

Für die Unterstützung der Familien, wo die Männer zum Wehr- und Arbeitsdienst einberufen worden waren, hätten die Sammlungen des Kriegs-Winterhilfswerks und für das Deutsche Rote Kreuz mehr als eine Milliarde Reichsmark (RM) ergeben. Damit kam er zur Frage der Kriegsfinanzierung. In diesem Zusammenhang zählte er Finanzierungsformen auf, die nicht geeignet wären:

Aufnahme von Krediten, die mit der Notenpresse zu ‚bezahlen‘ wären