mini|hochkant=1.3|Ausmaß der Ölausbreitung im Golf von Mexiko am 24. Mai 2010 (Aufnahme der NASA). Die Bildbreite entspricht circa 540 km.
mini|Ölverschmierte Pelikane mini|hochkant|Waschen eines Tölpels
Die Ölpest im Golf von Mexiko 2010 wurde durch die Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon am 20. April 2010 verursacht.Joel Achenbach, David A. Fahrenthold: Oil spill dumped 4.9 million barrels into Gulf of Mexico, latest measure shows. In: washingtonpost.com. 3. August 2010. Die vom 20. April bis zum 16. Juli 2010 aus dem Bohrloch im Macondo-Ölfeld in den Golf von Mexiko ausgetretene Ölmenge wird auf 800 Millionen Liter geschätzt; daher gilt der Unfall als eine der schwersten Umweltkatastrophen dieser Art.780 Millionen Liter – die bisher größte Ölpest aller Zeiten. In: Zeit Online. 3. August 2010780 Millionen Liter Rohöl ausgelaufen. In: orf.at. 6. August 2010. Ähnlich große Rohölmengen traten im Jahr 1979/80 beim Blowout der Ixtoc-I-Bohrung aus. Mitte 2015 einigte sich das Mineralölunternehmen BP mit der US-Regierung auf Schadensersatzzahlungen in Höhe von insgesamt 18,7 Milliarden US-Dollar, was der höchste Wert in der US-Geschichte ist.Deepwater-Horizon-Katastrophe: BP zahlt 18,7 Milliarden Dollar Schadensersatz. Spiegel Online, 2. Juli 2015; abgerufen am 2. Juli 2015.
Ursache mini|Deepwater Horizon in Brand
Am 20. April 2010 kam es auf der 2001 gebauten Ölbohrplattform Deepwater Horizon, welche von Transocean im Auftrag des britischen Konzerns BP betrieben wurde, nach Ausströmen von Erdgas aus dem Bohrloch zu einer Explosion, bei der elf Menschen starben und in deren Folge die Plattform zwei Tage später sank. Aus internen Dokumenten des BP-Konzerns geht hervor, dass zur Abdichtung des Bohrlochs trotz Warnungen von Fachleuten bewusst eine kostengünstige Methode mit größerem Risiko von Gasaustritt gewählt wurde.Ian Urbina: BP Used Riskier Method to Seal Well Before Blast In: New York Times. 27. Mai 2010, abgerufen am 14. Juni 2010.Ian Urbina: Documents Show Early Worries About Safety of Rig. In: New York Times. 30. Mai 2010, abgerufen am 14. Juni 2010.
Bis zum 16. Juli 2010, als der Ölausfluss mit einem temporären Verschluss gestoppt werden konnte, vom 16. Juli 2010. strömten aus dem Bohrloch in 1500 Metern Wassertiefe Rohöl und Erdgas mit einem Druck von etwa 900 bar aus (Blowout).Georg Küffner: Die Suche nach der Nadel im Ozean. In: FAZ.NET. 13. Juli 2010.
Freigesetzte Ölmenge und Ölteppich mini|hochkant=1.3|Satellitenbild des Mississippideltas vom 1. Mai 2010. Der Ölteppich ist rechts der Bildmitte erkennbar.
Unmittelbar nach dem Untergang der Plattform wurde ein etwa 1,5 km × 8 km großer Ölteppich beobachtet, der sich nach wenigen Tagen auf eine Fläche von über 9.900 Quadratkilometern ausdehnte.„Deepwater Horizon“: Ölteppich wird immer größer. In: Focus Online. 2. Mai 2010.
Die Menge des austretenden Öls kann nicht zuverlässig gemessen werden, und die angegebenen Schätzungen wurden immer wieder nach oben korrigiert. Nach einer Angabe vom 15. Juni 2010 strömten täglich geschätzt 5,6 bis 9,6 Millionen Liter (35.000 bis 60.000 Barrel) aus. In: DOI News. 15. Juni 2010, abgerufen am 16. Juni 2010.Christoph von Marschall: Obamas Schlachtplan gegen das Öl. In: Zeit Online, 16. Juni 2010. Die Angaben gehen zurück auf die „Flow Rate Technical Group“ (FRTG) des US-amerikanischen Innenministeriums unter der Leitung von Admiral Thad Allen, der vom US-amerikanischen Präsident Obama zur Bewältigung der Krise eingesetzt wurde, unter Mitwirkung des Energieministers Steven Chu und der Direktorin der Geologiebehörde United States Geological Survey, Marcia McNutt. Die neue Schätzung beruht auf verbesserten Auswertungen der Videoaufnahmen vom Bohrloch. Noch am 10. Juni betrug die Schätzung 4 bis 4,8 Millionen Liter (25.000 bis 30.000 Barrel),Admiral Allen, Dr. McNutt Provide Updates on Progress of Scientific Teams Analyzing Flow Rates from BP’s Well. In: doi.gov. 10. Juni 2010 (Presseerklärung des US-amerikanischen Innenministeriums, abgerufen am 13. Juni 2010). am 27. Mai 2 bis 4 Millionen Liter (12.000 bis 25.000 Barrel). Ein nicht genau bekannter Teil des Öls wurde ab dem 5. Juni durch eine vom für die Bohrung verantwortlichen Konzern BP installierte Stahlhaube aufgefangen und abgesaugt, tagesschau.de, 5. Juni 2010; abgerufen am 5. Juni 2010. laut Meldungen vom 27. Juni wurden davon täglich etwa 1,6 Millionen Liter (10.000 Barrel) verbrannt und 2,4 Millionen Liter (15.000 Barrel) in Tankschiffe geleitet.ABC News: , abgerufen am 28. Juni 2010 Die insgesamt ausgetretene Ölmenge wurde Mitte 2010 auf 500.000 bis 1 Million Tonnen geschätzt. In: Zeit Online. 16. Juli 2010.
Andere Berechnungen von Forschern, beispielsweise Steve Werely von der Purdue University, ergaben eine Austrittsmenge zwischen 8 und 14 Millionen Liter (50.000 bis 84.000 Barrel) täglich.Richard Harris: Gulf Spill Could Be Much Worse Than Believed. In: npr.org. 14. Mai 2010.Suzanne Goldenberg: Marine scientists study ocean-floor film of Deepwater oil leak. In: guardian.co.uk. 13. Mai 2010.Thomas Pany: Ölaustritt im Golf: Neue Schätzungen übertreffen Exxon-Valdez-Katastrophe. In: Telepolis. 14. Mai 2010 In Berichten vom 28. Mai sprachen Experten der US-Regierung von der schlimmsten Ölpest, die es je in den Vereinigten Staaten gegeben hat.1979 strömten bei der Havarie einer mexikanischen Bohrinsel an der Ölquelle Ixtoc I 9 Monate lang nach Schätzungen der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) 10.000 bis 30.000 Barrel täglich in den Golf von Mexiko, nach Schätzungen insgesamt 400.000 bis 1.400.000 Tonnen. Monika Seynsche: Havarien, Blowouts und der Golfkrieg. In: Deutschlandradio. 2. Mai 2010, abgerufen am 31. Mai 2010. Nach den Schätzungen der FRTG ist etwa alle acht bis zehn Tage genauso viel Öl ausgetreten wie insgesamt beim verunglückten Tanker Exxon Valdez 1989 in Alaska.Justin Gillis, Henry Fountain: New Estimates Double Rate of Oil Flowing Into Gulf. In: New York Times. 10. Juni 2010, abgerufen am 14. Juni 2010.BP kann Ölfluss doch nicht stoppen. In: Zeit Online. 28. Mai 2010
Am 17. Juni 2010 gab BP bekannt, dass sich noch geschätzte sieben Milliarden Liter (43 Millionen Barrel) Öl in der betroffenen Ölquelle befänden. Es würde somit noch zwei bis vier Jahre dauern, bis die Gesamtmenge ins Meer geflossen sei.Öl könnte noch vier Jahre fließen. In: derStandard.at. 18. Juni 2010.
Am 29. April 2010 trafen erste Ausläufer des Ölteppichs auf die Küste Louisianas und damit das Mississippi-Delta.Ölteppich erreicht US-Küste früher als erwartet. In: Spiegel Online. 30. April 2010.
Am gleichen Tag wurde das austretende Öl von der US-amerikanischen Regierung zur nationalen Katastrophe erklärt. Somit konnten Teile der US-amerikanischen Streitkräfte zur Bekämpfung der Ölpest eingesetzt werden.https://newsv1.orf.at/100429-50705/ Zudem bat BP offiziell die US-Streitkräfte um Hilfe bei der Bekämpfung des Ölteppichs und übernahm die finanzielle Verantwortung für die Maßnahmen, die notwendig sind, um die Ölpest aufzuhalten,BP übernimmt Kosten für Ölpest-Bekämpfung. In: Spiegel Online. 30. April 2010. wobei diese Selbstverpflichtung vor der in den Vereinigten Staaten gesetzlich verankerten Haftungsobergrenze von 75 Millionen US-Dollar rechtlich kaum als bindend angesehen werden kann.Christoph von Marschall: Alle gegen eine. In: tagesspiegel.de. 5. Mai 2010. In den Bundesstaaten Louisiana, Florida, Mississippi und Alabama wurde der Notstand ausgerufen. Anfang Juli 2010 erreichte das Öl auch die Küste von Texas.Ölpest erreicht die Küste von Texas. In: nzz.ch. 6. Juli 2010.Richard Fausset, Bob Drogin: Tar balls reach Texas as stormy weather hampers cleanup. In: latimes.com. 6. Juli 2010.Campbell Robertson: Effects of Spill Spread as Tar Balls Are Found. In: nytimes.com. 6. Juli 2010, abgerufen am 7. Juli 2010.
Ende Juni 2010 wurde mit einem Unterwasserfahrzeug der WHOI in einer Tiefe von 1100 Metern eine 35 Kilometer lange Wolke monoaromatischer Erdölkohlenwasserstoffe mit einer mittleren Breite von 1,9 Kilometern und einer vertikalen Ausdehnung von 200 Metern festgestellt, die keine Anzeichen bakterieller Zersetzung zeigte.Forscher finden riesige Ölwolke im Golf von Mexiko. In: Spektrum.de. 19. August 2010 (kostenpflichtiger Artikel).Richard Camilli u. a.: Tracking Hydrocarbon Plume Transport and Biodegradation at Deepwater Horizon. In: Science. 330, Nr. 6001, 2010, doi:10.1126/science.1195223
Am 15. Juli 2010 berichteten BP und Medien, es sei gelungen, die Ventile eines Auffangzylinders zu schließen. Dadurch ströme erstmals seit Beginn der Katastrophe Ende April kein Öl mehr ins Meer.Neue Absaugglocke installiert. BP bringt Ölfontäne erstmals zum Versiegen. In: Spiegel Online. 15. Juli 2010.Leck im Golf dicht – Brasilien bohrt in Tiefsee. In: FAZ.NET. 16. Juli 2010, abgerufen am 16. Juli 2010. In: Reuters Deutschland. 16. Juli 2010. Ob die Abdichtung dem Druck des herausströmenden Öls allerdings längerfristig standhalten würde, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar.
Am 19. Juli 2010 wurde bekannt, dass nach Angaben der US-Regierung Ingenieure in weniger als drei Kilometer Entfernung zum Bohrloch Aussickerungen entdeckt hätten. Deshalb wurde ein Leck vermutet, welches weiteres Öl ausströmen lasse. Außerdem müssten in diesem Fall vermutlich die Ventile der neuen Auffangglocke geöffnet werden, um so Druck vom ohnehin schon destabilisierten Meeresboden zu nehmen und die Lage weiter kontrollieren zu können. Zusätzlich würde erneut für ungefähr drei Tage Öl in das Meer strömen, wenn sich BP dafür entscheiden würde, das Öl aus dem Bohrloch direkt in Tankschiffe zu leiten, weil für die erforderlichen Arbeiten der Druck reduziert werden müsste und dafür die Ventile zu öffnen seien.US-Regierung fürchtet neue Öllecks neben BP-Bohrloch. In: Spiegel Online. 19. Juli 2010.US-Regierung warnt vor neuen Öllecks. In: Spiegel Online. 19. Juli 2010. Durch Einzelbildanalyse einer etwa 50 Sekunden dauernden hochauflösenden Filmaufnahme von dem Ausbruchsereignis konnte die ausgetretene Menge an Erdöl berechnet werden. Die Bestimmung von Festkörpern im Flüssigkeitsstrom und Erstellung einer Weg/Zeit-Berechnung unter Berücksichtigung des bekannten Bohrlochquerschnitts ermöglichte eine tragfähige Volumenbestimmung. Danach sind mit einem Unsicherheitsbereich von ungefähr ±20 % zwischen dem 20. April und dem 15. Juli 2010, als die erste dichtschließende Verschlusskappe auf dem beschädigten Bohrloch aufgeflanscht wurde, jeden Tag zwischen 8,9 und 10,8 Millionen Liter Öl ins Meer geströmt. Bis zum Ende der Ölpest sind somit rund 700 Millionen Liter (4,4 Millionen Barrel) in den Golf von Mexiko geflossen.
Verbreitung durch Meeresströmungen und Winde mini|hochkant=3|Wichtigste Meeresströme mit Namen
Der Vorsitzende Ozeanograph der „Ocean Observing and Monitoring Group“ der North Carolina State University, Ruoying He, gab am 5. Mai 2010 bekannt, dass der Süden von Florida sowie die Florida Keys dann betroffen wären, wenn sich der Ölteppich bis zum Golfstrom ausbreitet. Nach Ruoying He hängt in diesem Fall die Betroffenheit der Küsten weiter nördlich wesentlich von den örtlichen Windbedingungen ab, da sich der Golfstrom südöstlich von Charleston, im Süden von South Carolina, von der Küste entfernt. Dies wird durch den „Charleston Bump“, eine bis zu 400 m hohe Erhebung über dem Meeresboden, verursacht. Der Direktor des „Institute of Marine Sciences“ der University of Northern Colorado, Rich Luettich, wies darauf hin, dass das Öl auch für ein Jahr oder länger als lokales Problem verbleiben könnte und noch im Herbst oder kommenden Frühling Maßnahmen zum Küstenschutz erfordern könnte.. Am 19. Mai 2010 veröffentlichte die ESA Bilder des Envisat-Satelliten, die befürchten lassen, dass das Öl den Loop Current (Schleifenstrom) erreicht hat.Gulf of Mexico oil spill in the Loop Current. In: esa news. 19. Mai 2010, abgerufen am 20. Mai 2010https://newsv1.orf.at/100519-51395/