Plath, Eigenschreibweise PLATH, ist ein international tätiges deutsches Unternehmen mit Sitz in Hamburg, das sich auf datenbasierte Krisenfrüherkennung spezialisiert hat. Zur Plath-Gruppe gehören heute weltweit dreizehn Unternehmen mit fünf Geschäftsbereichen. Plath wurde 1954 vom Ingenieur Maximilian Wächtler unter dem Namen C. Plath GmbH in Hamburg gegründet. Wächtler war vorher Abteilungsleiter der Abteilung für Funknavigationsgeräte bei der C. Plath KG, einem Unternehmen, dessen Geschichte bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreicht.

Geschichte Unternehmensgeschichte Vorgeschichte Im Jahr 1837 gründete David Filby, ein Instrumentenmacher aus Husum, in Hamburg ein Handelshaus für nautische Instrumente und Karten, das im Jahr 1862 von dem Hamburger Carl Christian Plath übernommen wurde. Im selben Jahr verkaufte Plath an Johann Christian Dennert eine Werkstatt für geodätische und mathematische Instrumente, mit der die Firmengründung der Dennert & Pape Aristo-Werke begann. Es folgten weitere Umfirmierungen und Beteiligungen, wie etwa an Cassens & Bennecke, die ab 1909 unter dem Namen Cassens & Plath in Bremerhaven Navigationsgeräte vertrieben, oder Weems und Plath in Annapolis, USA, bis dann 1937 die C. Plath KG gegründet wurde.

C. Plath KG nach dem Zweiten Weltkrieg 1950 richtete die C. Plath KG in ihrem sogenannten Kompasshaus, das über Jahrzehnte zum Bild des Hamburger Hafens gehörte, eine Abteilung zur Entwicklung von Geräten zur Funknavigation ein. Die Leitung dieser Abteilung übernahm Maximilian Wächtler, der als Pionier auf dem Gebiet der Funkortung und Funk- bzw. Fernmeldeaufklärung gilt.Bernd Horstmann (Hrsg.): Funkpeilen gestern, heute, morgen. Maximilian Wächtler 80 Jahre, 2. Aufl., Hamburg 1981. Geschäftsführer des Unternehmens war Johannes Boysen. Die ersten Produkte nach dem Zweiten Weltkrieg waren ein Goniometerpeilvorsatz und ein Funkpeilgerät mit Kathodenstrahlröhrenbildschirm zur grafischen Anzeige.Sven Tode, Sandra Engel: The History of Plath 1954-2012, Hanseatischer Merkur, ISBN 978-3-922857-56-3, S. 16 Plath spezialisierte sich fortan auf die Herstellung von Geräten zur Funkpeilung, die für die Funkortung und Funküberwachung eingesetzt wurden. Maßgeblich trug dazu bei, dass auf Handelsschiffen Funkpeilgeräte ab den 1950er-Jahren vorgeschrieben waren und die Nachfrage entsprechend groß war. Anwendungsgebiete für Plath-Geräte waren neben der Handelsschifffahrt auch die Flugsicherung sowie die zivile Fernmeldeverwaltung; verwendet wurden die Anlagen aber auch für nachrichtendienstliche und militärische Zwecke.

Das erste Plath-Gerät, das nicht für den Betrieb mit einem anderen Gerät konstruiert war und so unabhängig von anderen Geräten betrieben werden konnte, war das Goniometer GPE 52 für die Positionsbestimmung auf See. Es wurde bis in die 1970er-Jahre hinein vertrieben. Der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO und die positiven Veränderungen des wirtschaftlichen Klimas ermöglichten Wächtler, seine innovativen Produkte trotz unzureichendem Budget und schwierigen Rahmenbedingungen bei Plath zu entwickeln, was Grundstein für den späteren Erfolg seines eigenen Unternehmens werden sollte.Sven Tode, Sandra Engel: The History of Plath 1954-2012, Hanseatischer Merkur, ISBN 978-3-922857-56-3, S. 18

Gründung der C. Plath GmbH Maximilian Wächtler, der nicht bei Plath angestellt war, sondern am Jahresumsatz beteiligt wurde, gründete im April 1954 rückwirkend zum 1. Januar 1954 mit finanzieller Hilfe von der C. Plath KG und der Atlas Elektronik die C. Plath GmbH. Sie entstand aus der von ihm geleiteten Abteilung der C. Plath KG unter Einbeziehung von Teilen der 1911 in Kiel gegründeten Signalgesellschaft. Anteilseigner von Wächtlers Firma C. Plath GmbH wurden er selbst mit 10 %, Atlas Elektronik mit 45 % (später von Fried. Krupp GmbH übernommen) und die C. Plath KG mit 45 %. Beheimatet war das Unternehmen am Stubbenhuk 25 in Hamburg. Wächtler nahm im neuen Unternehmen eine Beraterrolle ein, die er fünf Jahre lang behielt. Die ersten Geschäftsführer waren Joachim Pietzner und Fritz Dietz. Anfangs hatte das Unternehmen 14 Mitarbeiter. Die C. Plath KG wurde 1962 von Litton Industries übernommen. Das Unternehmen firmiert heute als Northrop Grumman LITEF.Sperry Marine (Hrsg.): History of C. Plath, abgerufen am 17. November 2021

Etablierung am Markt Die C. Plath GmbH spezialisierte sich früh darauf, Forschung und Entwicklung mit der Fertigung von Spezialgeräten und kleinen Serien zu vereinen. Größere Stückzahlen wurden bei Atlas Elektronik in Bremen hergestellt. So konnte Plath gleichzeitig qualitativ hochwertige Produkte herstellen und rasch neue entwickeln. Das junge Unternehmen investierte mindestens 12 % seines Gewinnes in die Forschung.Sven Tode, Sandra Engel: The History of Plath 1954-2012, Hanseatischer Merkur, ISBN 978-3-922857-56-3, S. 20 Bereits früh stieg das Unternehmen in die Entwicklung von UKW-Technik für die Luftfahrt ein.Sven Tode, Sandra Engel: The History of Plath 1954-2012, Hanseatischer Merkur, ISBN 978-3-922857-56-3, S. 19 Erster großer Kunde wurde die Deutsche Bundespost.

Bereits 1956 war das Unternehmen so stark gewachsen, dass das Gelände am Stubbenhuk 25 zu klein wurde. Daher wurden neue Räumlichkeiten am Hopfenmarkt 33 bezogen, womit Plath direkt an das Wasserwegenetz der Stadt Hamburg angeschlossen war. 1958 brachte das Unternehmen den Sichtfunkpeiler SFP500 auf den Markt, der in den kommenden Jahren zur Standardausrüstung fast jedes Handelsschiffes werden sollte. Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens war daher so gut, dass es die Sturmflut 1962 aus finanzieller Sicht unbeschadet überstand.

Seit den 1980er-Jahren 1980 gehörte 51 % des Plath-Gesellschaftskapitals der Fried. Krupp GmbH, die es 1983 zurück auf die Tochter Atlas Elektrotechnik übertrug. 1991 übernahm die Bremer Vulkan die Atlas Elektrotechnik und damit auch die Mehrheitsanteile an Plath. Die Handelsgesellschaft Scharfe kaufte zum 1. Januar 1991 diese Anteile von der Bremer Vulkan. Der zweite Großteil am Gesellschaftskapital (45 %) gehörte der zu Litton gehörenden Firma C. Plath KG (heute Litef GmbH). Der verbleibende Anteil von 4 % gehörte der Familie Wächtler.Daniel Hautmann: Serie: Elblabor – Aufklärung per Funk, Dezember 2007, abgerufen am 17. November 2021

Auf dem Bereich der Funkpeilung galt Plath Ende der 1980er-Jahre als globaler Marktführer. So urteilte die Frankfurter Allgemeine Zeitung im September 1987, dass selbst Hersteller aus den USA den Produkten von Plath „nichts Vergleichbares entgegenzusetzen“ hätten. Am 22. November 1988 verstarb der Firmengründer Maximilian Wächtler.Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. (Hrsg.): Wehrtechnik, Band 21, Wehr und Wissen Verlagsgesellschaft, 1989, S. 8 Bis 1994 meldete das Unternehmen über 300 Patente an.Hans Walden: Wie geschmiert. Rüstungsproduktion und Waffenhandel im Hamburger Raum, Komzi, 1998, ISBN 3-929522-49-7, Kapitel C. Plath GmbH Nautisch-Elektronische Technik

Nach Ende des Kalten Krieges änderten sich die Voraussetzungen für das Geschäft von Plath. Das Unternehmen arbeitete zunehmend an ausgefeilterer digitaler Funktechnik, was sich auch im Personal widerspiegelte. So beschäftigte Plath 2007 in seiner Entwicklungsabteilung hauptsächlich Software-Entwickler. Kernpunkt ist dabei unter anderem die Automatisierung in der Funkaufklärung. Zu den Kunden gehören überwiegend öffentliche Auftraggeber, aber auch militärische Kunden und Nachrichtendienste aus NATO-Staaten.

Historische Produkte Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Plath zunächst Drehrahmenpeiler und Kreuzrahmen-Goniometer-Peiler.Rudolf Grabau: Geschichte der Funkpeilung – Entwicklung ab 1945, in FunkGeschichte Band 29, Nr. 165/2006, S. 25 In den 1950er-Jahren folgten UKW-Peiler und UKW-Peilvorsätze.Funk und Ton, Band 8, Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik, 1954 S. 273-274 Mit diesen Produkten nahm Plath rasch eine marktbeherrschende Stellung ein.Joachim Beckh: Blitz und Anker. Band 2: Informationstechnik, Geschichte & Hintergründe. Norderstedt 2005. Anfang der 1960er-Jahre hatte Plath elektronisch arbeitende Koppelgeräte zur Positionsbestimmung in der Schifffahrt im Programm.J. Krauß, M. Berger (Hrsg.): Müller-Krauß Handbuch für die Schiffsführung Erster Band Navigation, 6. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1961, ISBN 978-3-662-22211-9, S. 115 Darüber hinaus entwickelte das Unternehmen Sichtfunkpeilgeräte,J. Krauß, M. Berger (Hrsg.): Müller-Krauß Handbuch für die Schiffsführung Erster Band Navigation, 6. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1961, ISBN 978-3-662-22211-9, S. 164–166 Goniometer-Peilempfänger,J. Krauß, M. Berger (Hrsg.): Müller-Krauß Handbuch für die Schiffsführung Erster Band Navigation, 6. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1961, ISBN 978-3-662-22211-9, S. 166–168 Drehrahmen-Peilvorsätze,J. Krauß, M. Berger (Hrsg.): Müller-Krauß Handbuch für die Schiffsführung Erster Band Navigation, 6. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1961, ISBN 978-3-662-22211-9, S. 168–169 Trommelsextanten,J. Krauß, M. Berger (Hrsg.): Müller-Krauß Handbuch für die Schiffsführung Erster Band Navigation, 6. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1961, ISBN 978-3-662-22211-9, S. 248–249 Schwimm- und KugelkompasseJ. Krauß, M. Berger (Hrsg.): Müller-Krauß Handbuch für die Schiffsführung Erster Band Navigation, 6. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1961, ISBN 978-3-662-22211-9, S. 340–341 sowie MagnetfernkompassanlagenJ. Krauß, M. Berger (Hrsg.): Müller-Krauß Handbuch für die Schiffsführung Erster Band Navigation, 6. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1961, ISBN 978-3-662-22211-9, S. 343 und Kreiselkompasse.J. Krauß, M. Berger (Hrsg.): Müller-Krauß Handbuch für die Schiffsführung Erster Band Navigation, 6. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1961, ISBN 978-3-662-22211-9, S. 363–364 In den 1980er-Jahren war der automatische Sichtfunkpeiler Plath SFP 7000 Fidus sowohl in der Schifffahrt als Navigationsmittel, als auch in der Seenotrettung in ortsfesten Funkpeilstationen im Einsatz. Das Gerät ist ein Dreikanalempfänger mit zweifacher Frequenzumsetzung.Karl Terheyden, Gerhard Zwickwolff (Hrsg.): Müller-Krauß Handbuch für die Schiffsführung Erster Band Teil C, 8. Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1986, ISBN 978-3-662-21925-6, S. 21–25 Im militärischen Bereich entwickelte Plath neben Navigationspeilanlagen auch Geräte und Antennen für die elektronische Kampfführung (EloKa). In den 1990er-Jahren waren dies insbesondere Sichtfunkpeiler.

Konzernstruktur In der Plath-Unternehmensgruppe gibt es weltweit mehrere Unternehmen, davon einige in Deutschland, die auf fünf Geschäftsbereiche aufgeteilt sind.Plath Corporation GmbH (Hrsg.): Holding & Shared Services, abgerufen am 17. November 2021 Die Plath GmbH & Co. KG und die Plath Signal Products GmbH & Co. KG wurden am 1. April 2021 aus der Plath Corporation GmbH ausgegliedert.

Geschäftsbereiche Die Plath-Gruppe ist ein Anbieter von integrierten Systemen zur datenbasierten Krisenfrüherkennung. Unter anderem entwickelt das Unternehmen Systeme zur Kommunikationsaufklärung für taktische (COMMS ESM) sowie taktische und strategische Anwendungen (COMINT) von der Sensorik bis hin zur Analyse und Auswertung von Massendaten. auf vdi-nachrichten.com, abgerufen am 30. April 2010.

Die fünf Geschäftsbereiche der Plath-Gruppe sind wie folgt aufgegliedert:Europäische Sicherheit & Technik (Hrsg.): PLATH Group setzt auf Dezentralisierung, 17. November 2020, abgerufen am 21. Februar 2022

Systems & Integration

Systems & Integration ist der Systemintegrator innerhalb der Plath-Gruppe. Neben der klassischen Systemintegration bietet Systems & Integration auch Konzeption für Lösungen für Sicherheit und Verteidigung im elektromagnetischen Spektrum an und übernimmt die Betreuung während der Inbetriebnahme und Betriebsphase.

Sensors

Der Geschäftsbereich Sensors entwickelt und produziert Sensortechnologie für die Signalerfassung wie Antennen, Funkpeiler und Funkempfänger.