Die Straßenbahn Darmstadt ist eines von drei Straßenbahnnetzen im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) mit einem Streckennetz von 42 km, auf dem 10 Linien betrieben werden. Die 78 Haltestellen befinden sich primär im Stadtgebiet von Darmstadt, zum Teil aber auch in den Städten und Gemeinden des Landkreises Darmstadt-Dieburg, so in Griesheim, Malchen, Seeheim-Jugenheim und Alsbach. Betreiber des Straßenbahnbetriebs ist die HEAG mobilo (bis 2019 HEAG mobiTram) im Auftrag der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (DADINA) als Teilglied des RMV. Im Volksmund wird sie auch Ellebembel genannt.
Linien mini|Gleisplan (Stand 2012) Auf den vier Hauptstrecken der Darmstädter Straßenbahn verkehren 10 Linien. Zentraler Knotenpunkt ist der Luisenplatz, der von allen Linien (außer Linie 1 und 10) bedient wird.
Die Hauptstrecken gliedern sich wie folgt:
Arheilgen → Alsbach, Streckenlänge ca. 23 km, ganz oder teilweise bedient von den Linien 1, 6, 7, und 8 Böllenfalltor → Griesheim, Streckenlänge ca. 10 km, ganz oder teilweise bedient von den Linien 2, 4, 5, 9 und 10 Hauptbahnhof → Lichtenbergschule, Streckenlänge ca. 5 km, bedient von der Linie 3 und teilweise von der Linie 7 Hauptbahnhof → Kranichstein, Streckenlänge ca. 7 km, ganz oder teilweise bedient von den Linien 4 und 5
Bis auf drei kürzere Abschnitte in Griesheim, Bessungen und an der Lichtwiese ist das Netz durchgehend zweigleisig ausgebaut, viele Streckenabschnitte, außer auf der Linie 3, verlaufen auf eigenem Gleiskörper. Auf den Linien 1, 2 und 4 bis 10 kommen teilweise noch ältere Hochflur-Triebwagen der Serie ST12 aus den frühen 1990er Jahren zum Einsatz, die aber immer einen niederflurigen Beiwagen mitführen, um einen barrierefreien Einstieg an den mit Bahnsteigen ausgestatteten Haltestellen zu ermöglichen.
Linienübersicht:
Linie Strecke Haltestellen Bemerkungen Eberstadt Frankenstein – Darmstadt Maulbeerallee (– Arheilgen Dreieichweg) 28 (34)nur an Schultagen morgens und nachmittags bis Arheilgen, sonst nur bis Maulbeerallee Darmstadt Hauptbahnhof – TU-Lichtwiese/Campus 11 Darmstadt Hauptbahnhof – Darmstadt Lichtenbergschule 15 Griesheim Platz Bar-le-Duc – Kranichstein Bahnhof 25 Darmstadt Böllenfalltor – Kranichstein Bahnhof 20 Arheilgen Dreieichweg – (Eberstadt Frankenstein) – Alsbach Am Hinkelstein (Schnelllinie) 30 Außerhalb der HVZ endet jeder zweite Zug bereits in Eberstadt; Schnelllinie – Hält nicht an allen Haltestellen Darmstadt Lichtenbergschule – Eberstadt Frankenstein 26 Arheilgen Dreieichweg – Alsbach Am Hinkelstein 38 Griesheim Platz Bar-le-Duc – Darmstadt Böllenfalltor 20 montags bis freitags von ca. 6 bis 20 Uhr Darmstadt Hauptbahnhof – Darmstadt Böllenfalltor 11 frühmorgens, abends, samstags, sowie sonn- und feiertags Griesheim Platz Bar-le-Duc – Darmstadt Hauptbahnhof (Schnelllinie) 8 Entfällt derzeit; Schnelllinie – Hält nicht an allen Haltestellen Sonderlinien: LinieStreckeHaltestellenBemerkungenDarmstadt Kongresszentrum – Frankenstein – Darmstadt Maulbeerallee19Fährt nur an den Adventssamstagen mit historischen Fahrzeugen; seit 2020 kein Betrieb mehrFeuriger EliasIm Frühjahr: Eberstadt Frankenstein – Alsbach Am Hinkelstein2Keine Zwischenhaltestellen; nur an ausgewählten sonn- und Feiertagen; Betrieb nur mit DampfzugIm Herbst: Darmstadt Kongresszentrum – Griesheim Wagenhalle2Keine Zwischenhaltestellen; nur an ausgewählten sonn- und Feiertagen; Betrieb nur mit Dampfzug Auf allen Hauptstrecken wird tagsüber mindestens ein 15-Minuten-Takt angeboten. Die zehn Linien sind so aufeinander abgestimmt, dass sich auf nahezu allen Strecken in der Hauptverkehrszeit mindestens ein 10-Minuten-Takt ergibt. Nur auf der Überlandstrecke zwischen Eberstadt und Alsbach ist dies nicht der Fall. Teilweise ergeben sich durch parallele Buslinien weitere Taktverdichtungen.
Am Wochenende verkehren nur die Linien 3, 4, 8 und 9. Samstags fährt die Linie 9 ganztägig bis etwa 20:30 Uhr alle 15 Minuten, die Linie 3 bis etwa 23 Uhr alle 15 Minuten. Die Linie 8 bildet durch Überlagerung ihrer verkürzten Fahrten nach Eberstadt mit denen bis nach Alsbach tagsüber einen 10-Minuten-Takt bis Eberstadt, und einen 20-Minuten-Takt bis Alsbach bis etwa 20:30 Uhr. Am späten Abend und sonntagvormittags verkehren alle Linien im 30-Minuten-Takt.
Sonntags bis donnerstags endet der Betrieb auf allen Linien gegen etwa 1 Uhr. Freitags, samstags sowie vor Feiertagen verkehren die Linien 4, 8 und 9 bis etwa 3 Uhr alle 30 Minuten, das führt zu einem durchgängigen Betrieb zwischen Freitag Morgen und Sonntag Nacht. Der Nachtverkehr wird außerdem durch weitere Buslinien ergänzt.
Es wird außerdem zwischen Schultagen und Ferientagen unterschieden.
Weitere Details sind der folgenden Tabelle zu entnehmen: LinieMontag – Freitag (außerhalb HVZ)Montag – Freitag (HVZ)SamstagSonn- und feiertagsFrühverkehrSpätverkehrBemerkungen 20 Min 20 Min - - 20 Min 20 MinErgänzt sich während der HVZ in Richtung Eberstadt mit der Linie 7 zum 10-Minuten-Takt; nur an Schultagen morgens und nachmittags bis Arheilgen, sonst nur bis Maulbeerallee10 Min10 Min - - - -Während den Semesterferien der TU Darmstadt im 20-Minuten-Takt zur TU-Lichtwiese/Campus und im 20-Minuten-Takt zum Kongresszentrum darmstadtium15 Min20 Min10 Min15 Min30 Min30 MinErgänzt sich während der HVZ in Richtung Lichtenbergschule mit der Linie 7 zum 10-Minuten-Takt20 Min20 Min10 Min15 Min30 Min30 MinErgänzt sich während der HVZ in Richtung Griesheim mit der Linie 9 und in Richtung Kranichstein mit der Linie 5 zum 10-Minuten-Takt20 Min20 Min - - - -Ergänzt sich während der HVZ in Richtung Böllenfalltor mit der Linie 9 und in Richtung Kranichstein mit der Linie 4 zum 10-Minuten-Takt 10 Min10 Min - - - -Außerhalb der HVZ endet jeder zweite Zug bereits in Eberstadt; Schnelllinie – hält nicht an allen Haltestellen -20 Min - -30 Min -Ergänzt sich während der HVZ in Richtung Eberstadt mit der Linie 1 und in Richtung Lichtenbergschule mit der Linie 3 zum 10-Minuten-Takt - -10 Min15 Min15 Min15 Min20 Min20 Min15 Min15 Min30 Min30 MinErgänzt sich während der HVZ in Richtung Böllenfalltor mit der Linie 5 und in Richtung Griesheim mit der Linie 4 zum 10-Minuten-Takt; frühmorgens, abends, samstags, sowie sonn- und feiertags nur zwischen Böllenfalltor und Hauptbahnhof - - - - - -Entfällt derzeit; Schnelllinie – Hält nicht an allen Haltestellen Sonderlinien: LinieMontag – Freitag (außerhalb HVZ)Montag – Freitag (HVZ)SamstagSonn- und feiertagsFrühverkehrSpätverkehrBemerkungen - -90 Min - - -Sonderlinie mit Historischen Fahrzeugen; nur an Adventssamstagen; seit 2020 kein Betrieb mehrFeuriger Elias - -ca. 5× am Tagca. 5× am Tag - -Nur an ausgewählten Tagen Details Linientakt (bis 24. April 2022): Linie Montag–Freitag Montag–Freitag (HVZ) Samstag Sonntag Spätverkehr und Sonntag Vormittag Bemerkungen 30 Min 30 Min – – – Zusätzlich zu den regulären Fahrten im Taktverkehr werden mit dieser Linie Ein- und Ausrückerfahrten für die Linien 2, 3 und 5 durchgeführt. – 15 Min – – – Kein Taktverkehr in den Schulferien. Fährt in gemeinsamen Umläufen mit der Linie 3 mit Linienwechsel am Hauptbahnhof. Über diese Linie werden auch Ein- und Ausrückerfahrten für die Linien 3 und 5 durchgeführt. 15 Min 7,5 Min 15 Min 15 Min 30 Min 7,5-Minuten-Takt nur an Schultagen morgens und mittags für je rund zwei Stunden; Abends halbstündliche Zusatzfahrten als Ringfahrt Hbf – Rheinstraße – Luisenplatz – Bismarckstraße – Hauptbahnhof, wodurch zwischen Luisenplatz und Hauptbahnhof in eine Richtung ein 15-Minuten-Takt entsteht. – 15 Min – – – Betrieb nur an Schultagen von 5 bis 9 Uhr und von 12 bis 21 Uhr. Fährt in gemeinsamen Umläufen mit der Linie 5 mit Linienwechsel an der Endhaltestelle Kranichstein Bahnhof. 7,5 / 15 Min 15 Min 15 Min 15 Min 30 Min 7,5-Minuten-Takt in den Schulferien und tagsüber außerhalb der Betriebszeiten der Linie 4. 15 Min 15 Min – – – Verkehrt nur zwischen 6 und 20 Uhr. Zwischen 9 und 15 Uhr endet der 15-Minuten-Takt in Eberstadt/Frankenstein, zwischen Eberstadt und Alsbach dann 30-Minuten-Takt. –/15/30 Min 15 Min 30 Min 30 Min – Zu den Betriebszeiten der Linie 6 nach Alsbach verkehrt die Linie 7 innerstädtisch alle 15 Minuten; außerhalb der Betriebszeiten der Linie 6 verkehrt die Linie 7 im 30-Minuten-Takt abwechselnd mit der Linie 8; verkehrt die Linie 8 alle 15 Minuten nach Alsbach, fährt die Linie 7 nicht. –/15/30 min – 30 min 30 min 30 min Zu den Betriebszeiten der Linie 6 nach Alsbach verkehrt die Linie 8 nicht (dafür Linie 7 alle 15 Minuten); außerhalb der Betriebszeiten der Linie 6 verkehrt die Linie 8 im 30-Minuten-Takt abwechselnd mit der Linie 7 (innerstädtisch 15-Min-Takt, Überlandstrecke 30 min); wird die Überlandstrecke alle 15 Minuten bedient, entfällt die Linie 7. 15 Min 15 Min 15 Min 15 Min 30 Min - – – 90 Min – – Sonderlinie mit altem Wagenmaterial an den Adventssamstagen auf der Route Kongresszentrum – Frankenstein – Maulbeerallee.Informationen zur Linie 24 (PDF; 2 MB)Feuriger Elias - -ca. 5× am Tagca. 5× am Tag -Nur an ausgewählten Tagen
Geschichte mini|Feuriger Elias, um 1890 mini|Dampfstraßenbahn in der Rheinstraße, um die Jahrhundertwende mini|Dampfstraßenbahn auf dem Luisenplatz, 1899 mini|Der historische „Feurige Elias“ auf einer Sonderfahrt im Mai 2004
Dampfstraßenbahn Die Erschließung des Darmstädter Umlandes mit der Schiene erfolgte zunächst durch die ebenfalls meterspurige Darmstädter Dampfstraßenbahn. Ein Konsortium um Herrmann Bachstein erhielt am 5. Mai 1886 die Konzession für eine Strecke von Griesheim nach Darmstadt und wenig später eine weitere Konzession für die Strecke Darmstadt–Eberstadt. Wegen der topografisch anspruchslosen Streckenführung konnten die Bahnen bereits am 25. August 1886 eröffnet werden. 1889 wurde die Konzession für eine weitere Strecke nach Arheilgen erteilt, die am 30. April 1890 eröffnet wurde.Holger Kötting: Die Darmstädter Nahverkehrsgeschichte im Überblick. 25. August 2008. Arbeitsgemeinschaft Historische HEAG-Fahrzeuge im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein e. V. Auf Historische-HEAG-Fahrzeuge.de, abgerufen am 3. November 2020. 1895 gingen die Dampfstraßenbahnen in die von Herrmann Bachstein und anderen neu gegründete Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) über. Pläne für eine Elektrifizierung der Strecken wurden von der Stadt Darmstadt blockiert, da diese eine eigene elektrische Straßenbahn plante.
Über Erweiterungen wurde nachgedacht, wie beispielsweise 1896 über eine Verlängerung der Dampfstraßenbahn von Griesheim über Büttelborn, Groß-Gerau, Wallerstädten, Geinsheim am Rhein und eine neuzubauende Rheinbrücke von Kornsand nach Oppenheim. Das Projekt wurde nicht realisiert.Franz Flach: Gerauer Geschichten. 600 Jahre Stadt- und Marktrechte. Groß-Gerau 1997, S. 58 f. Inwieweit solche und andere Projekte realistisch oder reines Wunschdenken waren, kann heute nicht mehr zweifelsfrei festgestellt werden.
Streckenchronik der Dampfstraßenbahn 25. August 1886: Schloss–Rhein-/Neckarstraße 25. August 1886: Rhein-/Neckarstraße–Griesheim 25. August 1886: Rhein-/Neckarstraße–Eberstadt 30. April 1890: Luisenplatz–Arheilgen 30. April 1914: Betriebseinstellung Rhein-/Neckarstraße–Eberstadt 31. März 1922: Betriebseinstellung Griesheim – Luisenplatz/Schloss – Arheilgen
Elektrische 1895 bis 1945 Weil der innerstädtische Verkehr durch die Dampfbahnen nur unzureichend bedient wurde, beschloss die Stadtverordnetenversammlung 1895 eine städtische elektrische Straßenbahn zu bauen und zu betreiben. Die geplante Linienführung der Städtischen Straßenbahn Darmstadt sorgte jedoch für Diskussionen mit der SEG, die zunächst eine Linienführung in den von der Dampfbahn befahrenen Straßen ablehnte. Die Stadt erhielt die Konzession 1897 und eröffnete am 23. November die ersten beiden Strecken. Die Betriebsführung lag zunächst beim Unternehmen Siemens & Halske, das die Straßenbahn errichtet hatte, wurde jedoch im November 1898 von der Stadt übernommen. 1903 kam eine dritte Linie hinzu. Von 1944 bis 1963 ergänzten Oberleitungsbusse den Nahverkehr in Darmstadt.