Die Bundesautobahn 60 (Abkürzung: BAB 60) – Kurzform: Autobahn 60 (Abkürzung: A 60) – ist eine deutsche Autobahn, die in zwei nicht miteinander verbundenen Teilstrecken von der belgischen Grenze bei Steinebrück über Wittlich, Bingen und Mainz nach Rüsselsheim führt. Während der westliche Abschnitt eine von zwei grenzüberschreitenden Autobahnstrecken nach Belgien darstellt, bildet sie im östlichen Abschnitt mit einem Teilstück des Mainzer Rings eine regionale Strecke im Rhein-Main-Gebiet.

Die gesamte Strecke ist Teil der Europastraße 42, im westlichen Teil auch abschnittsweise der Europastraße 29. Als kreuzungsfreie Verbindung zwischen westlichem und östlichem Teilstück wird derzeit die B 50 ausgebaut, nachdem der ehemals geplante Lückenschluss als Autobahn durch den südlichen Hunsrück verworfen wurde.

Streckenverlauf Die BAB 60 beginnt am Grenzübergang Steinebrück in der Eifel als Fortsetzung der von Verviers kommenden Autobahn 27. Nur wenige Kilometer hinter der Staatsgrenze endet der als Autobahn ausgebaute Teil sowie auf etwa 15 km ein 2+1-System und nur die nördliche Richtungsfahrbahn ist fertiggestellt. Sie führt in östliche Richtung durch die hügelige und stark bewaldete Schnee-Eifel, ehe hinter Prüm wieder der als Autobahn ausgebaute Streckenteil mit beiden Richtungsfahrbahnen beginnt, der in südliche Richtung führt und bei Bitburg die Südeifel erreicht. Zur Querung der zahlreichen, eingeschnittenen Flusstäler in diesem Bereich war eine hohe Anzahl an Brückenbauwerken erforderlich.

Die Anschlussstelle Bitburg schließt die B 51 an die Autobahn an, über die Luxemburg und Trier auf kürzestem Wege erreicht werden können. Danach verläuft die Autobahn wieder mehr in östliche Richtung, in unmittelbarer Nähe zur Spangdahlem Air Base, in Richtung Wittlich. Im Mundwald, einem Höhenzug südlich der Stadt, befindet sich das Autobahnkreuz mit dem südlichen Abschnitt BAB 1, der von Daun nach Saarbrücken führt und in nördliche Richtung bis Köln nach wie vor eine Lücke aufweist. Die BAB 60 endet hier, die Fahrbahnen führen hinter dem Kreuz nahtlos weiter zum ebenfalls vierstreifigen Hochmoselübergang der B 50.Christian Kremer: 18,1 Millionen Euro für den Straßenbau. 2. Juni 2010. Auf: volksfreund.de

Das zweite Teilstück der BAB 60 beginnt am Dreieck Nahetal mit der BAB 61 (Venlo–Hockenheim), das beim Bau bereits als Autobahnkreuz mit Vorleistungen für einen Weiterbau in Richtung Westen ausgeführt wurde. Nachdem der Lückenschluss der BAB 60 wieder verworfen wurde, integrierte man eine Anschlussstelle für ein Gewerbegebiet und einen Autohof in das Kreuzungsbauwerk. Zunächst in nordöstliche, später östliche Richtung führt die BAB 60 dann zunächst vierstreifig an den Vororten von Bingen und an Ingelheim vorbei. In diesem Bereich verläuft der Rhein abschnittsweise unmittelbar nördlich der Fahrbahn, was einen Ausblick auf den gegenüber liegenden Rheingau mit seinem Bergpanorama ermöglicht. Die Richtungsfahrbahn Mainz hat ab Ingelheim, die Richtungsfahrbahn Bingen nur in einem kurzen Bereich zwischen dem Dreieck Mainz und Heidesheim drei Fahrspuren pro Richtung. Bei Heidesheim steigt die Autobahn dann zum Lenneberg hinauf, ehe die BAB 643 nach Wiesbaden abzweigt. Diese bildet den westlichen Teil des Autobahnrings um Mainz, während die BAB 60 ab hier den südlichen Teil bildet.

Der Abschnitt vom Dreieck Mainz bis zum Kreuz Mainz-Süd, an dem die BAB 63 nach Kaiserslautern beginnt, ist wiederum nur vierstreifig und weist außerdem keinen Standstreifen auf. Über die B 40, die eine autobahnähnliche Verlängerung der BAB 63 nördlich des Kreuzes bildet, ist die Mainzer Innenstadt zu erreichen. Das ZDF-Sendezentrum befindet sich ebenfalls in der Nähe. Hinter dem Kreuz beginnt dann der sechsstreifig ausgebaute Abschnitt des Mainzer Rings, der zunächst an Hechtsheim vorbeiführt und dort aus Lärmschutzgründen in einem 350 m langen Tunnel verläuft. Anschließend folgt die Querung des Geländes eines ehemaligen Steinbruchs. Bis zur Einstellung des Betriebs im Jahr 2003 musste bei Sprengungen im Gelände die Autobahn gesperrt werden. Nach dem Anschluss der am linken Rheinufer verlaufenden B 9 überquert die BAB 60 auf der Weisenauer Brücke den Rhein.

Nach der Rheinquerung wechselt die Autobahn ins Bundesland Hessen. Unmittelbar hinter der Brücke zweigt die BAB 671 ab, die den östlichen Teil des Mainzer Rings bildet, und die BAB 60 führt, nun wieder vierstreifig, weiter nach Osten und wird in diesem Bereich auch als Süd-Main-Schnellweg bezeichnet. Sie führt südlich an Rüsselsheim vorbei und endet schließlich im Rüsselsheimer Dreieck an der BAB 67.

Geschichte Planungen für eine Autobahn zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und Belgien sind noch relativ jung – in den Netzplänen des Vereins HaFraBa aus den 1920er Jahren, der zunächst die Autostraße Hamburg/Hansestädte–Frankfurt–Basel plante und später ein landesweites Netz an dem Kraftverkehr vorbehaltenen Straßen entwarf, ist diese Verbindung nicht enthalten. Auf Netzplänen aus der Zeit des Nationalsozialismus, als das aus den HaFraBa-Plänen hervorgegangene Netz der Reichsautobahnen im großen Rahmen gebaut wurde, war eine Strecke zwischen Mainz und Trier ohne Weiterführung an die belgische Grenze geplant, mit deren Bau allerdings nicht mehr begonnen wurde.

Der östliche Abschnitt zwischen Bingen, Mainz und Rüsselsheim ging größtenteils aus dem vierstreifigen Ausbau der B 9 der 1950er und 1960er Jahre hervor, bei dem westlichen Abschnitt zwischen Winterspelt und Wittlich handelt es sich im Wesentlichen um eine Neubaustrecke aus den 1980er und 1990er Jahren. Der seit den 1970er JahrenNetzplankarte von 1976 geplante Lückenschluss zwischen Wittlich und Bingen wurde schon nach einigen Jahren wieder aufgegeben, stattdessen soll die B 50 zwischen Wittlich und Rheinböllen durchgehend vierstreifig und kreuzungsfrei ausgebaut werden.

Erste Planungen Die frühesten bekannten Planungen für eine Autobahnanbindung des Gebiets zwischen Trier, Bingen und Mainz stammen aus den 1940er Jahren, als eine Reichsautobahn Mainz–Trier als Ergänzungsstrecke vorgesehen war. Der damals geplante Streckenverlauf im Bereich von Mainz entsprach einem Plan von 1944 nach bereits stark dem letztlich realisierten. Der Beginn der Strecke war als Abzweig von der Reichsautobahn Köln–Frankfurt bei Raunheim vorgesehen, ungefähr an der Stelle des heutigen Mönchhof-Dreiecks. Sie sollte von dort südwestlich an Rüsselsheim vorbeiführen, zwischen Ginsheim und Laubenheim den Rhein überqueren und anschließend südlich und schließlich westlich an Mainz vorbeiführen. Zwischen Gonsenheim und Heidesheim wäre die Strecke weiter nach Westen verlaufen, nördlich an Ingelheim vorbei parallel zum Rhein in Richtung Bingen.

Aufgrund des ausgebrochenen Zweiten Weltkriegs, im Zuge dessen sämtliche Arbeiten an den Reichsautobahnen zunächst temporär, schließlich vollständig eingestellt wurden, kam es zu keinerlei Inangriffnahme der Strecke mehr. In den Nachkriegsjahren konzentrierten sich die Straßenbauarbeiten auf die Wiederherstellung des bestehenden Straßennetzes, so mussten zahlreiche Bauwerke, die von Truppen der Wehrmacht gesprengt wurden, um ein Vorrücken der Alliierten zu erschweren, wiederaufgebaut werden. Erst in den 1950er Jahren begann die Fertigstellung bereits vor dem Krieg begonnener Autobahnstrecken, schließlich auch die Planung neuer Verbindungen.

Schnellstraßenplanung um Mainz Das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre und die fortschreitende Motorisierung machte in der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland den Bau zahlreicher neuer Straßen notwendig. Insbesondere dem Fernverkehr war an vielen Orten, wo unter den Nationalsozialisten keine Reichsautobahn mehr fertiggestellt wurde, nur ein unzureichend ausgebautes Straßennetz verfügbar. Die den Rhein entlang führende und stark befahrene Bundesstraße 9 verlief mitten durch das Mainzer Stadtgebiet und war dem Verkehr nicht mehr gewachsen.

Der einzige Anschluss ans bestehende Autobahnnetz war bis 1950 bei Wallau gegeben, wo sich der südliche Endpunkt der ehemaligen Reichsautobahn nach Köln und in Richtung Ruhrgebiet befand. Schrittweise wurde diese Autobahn auf der noch vor dem Krieg vorbereiteten Trasse weiter nach Osten verlängert, sodass 1956 das Frankfurter Kreuz mit der wichtigen Nord-Süd-Strecke Hamburg–Frankfurt am Main–Basel (HaFraBa) dem Verkehr übergeben werden konnte. Da diese Autobahn in einiger Entfernung zu den Städten Mainz und Wiesbaden verlief, sollten die Städte Mainz und Wiesbaden über zwei Zubringerstrecken, eine nördlich und eine südlich des Mains, an diese angebunden werden.

Schon 1954 wurde die B 54 zwischen Wiesbaden-Erbenheim und Weilbach vierstreifig und kreuzungsfrei ausgebaut, wobei das heutige Wiesbadener Kreuz entstand. Dabei handelte es sich um das erste Teilstück des geplanten Rhein-Main-Schnellwegs zwischen den Städten Wiesbaden und Frankfurt am Main.

Der Mainzer Ring entsteht Erstmals nach Kriegsende wurde 1956 ein Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen aufgestellt, der die Entwicklung des Bundesstraßen- und Autobahnnetzes vorgeben sollte. Besonderes Augenmerk wurde auf die Ballungsräume entlang des Rheins gelegt, die damals die industriellen Zentren Westdeutschlands bildeten. Um die Städte Köln, Bonn und Mainz sollten ringförmige Umgehungsstraßen gebaut werden, um den Verkehr aus dem Stadtgebiet zu halten und das umliegende Gebiet besser zu erschließen. Während der Kölner Autobahnring in großen Teilen schon vor dem Krieg gebaut wurde, war für Mainz und das rechtsrheinisch gelegene Wiesbaden als neue hessische Landeshauptstadt die Erschließung über eine Ringautobahn, die beide Städte tangieren sollte, vorgesehen. Damit einher ging der Bau zweier Rheinbrücken sowie einer Mainbrücke.

Der letztlich festgelegte Entwurf bestand im Wesentlichen aus dem vierstreifigen Neubau bestehender Bundesstraßen. Die südliche Umgehung von Mainz wurde als Neubau der B 9 ausgeführt, der Zubringer südlich von Mainz als Neubau der B 26. Der nördliche und östliche Teil bestand aus dem Neubau der rechtsrheinischen B 42, gemeinsam mit der Verlängerung der B 54 nach Westen, die damals noch an einem Kreisverkehr bei Erbenheim endete. Das westliche Teilstück war ebenso als Kraftfahrstraße geplant, allerdings nicht als Ersatzneubau einer bestehenden Bundesstraße konzipiert.

Mit dem Bau der ersten Rheinbrücke bei Schierstein wurde am 15. September 1959 begonnen, nachdem am 13. Juli desselben Jahres der Planfeststellungsbeschluss erging. Zwei Jahre später begannen im Jahr 1961 schließlich auch an der zweiten Rheinbrücke bei Weisenau die Bauarbeiten. Beide Rheinbrücken wurden zeitgleich am 12. Dezember 1962 eröffnet, als sich der größte Teil des Schnellstraßenrings noch im Bau befand.

Neubau als Bundesstraße 9 Die südliche Umgehungsstraße als Neubau der B 9 war bereits ab 1960 im Bau. Bis 1966 wurden sowohl der südliche als auch der westliche Teil des Schnellstraßenrings zwischen der Schiersteiner und der Weisenauer Brücke fertiggestellt. Die Straße war autobahnähnlich ausgebaut mit vier Fahrstreifen und höhenfreien Anschlüssen ans nachgeordnete Straßennetz, wies jedoch keine Standstreifen auf.

Auch westlich von Mainz wurde mit dem Neubau der B 9 in Richtung Bingen begonnen und Mitte der 1960er Jahre in Teilen fertiggestellt. Es ist allerdings nicht bekannt, ob die Strecke westlich von Heidesheim bereits vierstreifig ausgebaut wurde oder dies erst Anfang der 1970er Jahre mit der Umwidmung der B 9 in eine Bundesautobahn geschah. Wahrscheinlich war dieser Bereich zunächst nur als einfache Landstraße mit zwei Fahrstreifen ausgeführt.

Bau des Süd-Main-Schnellwegs