mini|250px|Sitz der Stadtwerke am Hafen Münster
Die Stadtwerke Münster GmbH ist als Stadtwerk Träger der öffentlichen Versorgung sowie des öffentlichen Personennahverkehrs in Münster. Die Stadtwerke bieten die Versorgung mit Strom, Erdgas, Fernwärme und Trinkwasser an und sind Grundversorger im Bereich der Stadt Münster. Außerdem betreiben sie weitgehend das Omnibusnetz, den Hafen und die Straßenbeleuchtung der Stadt.
Die Stadtwerke Münster wurden 1901 gegründet, als die Stadt Münster ihre Strom-, Gas- und Wasser-Eigenbetriebe zusammenfasste. Acht Jahre später wurde auch der Nahverkehr in ihren Verantwortungsbereich übergeben. 1941 wurde das Unternehmen aus der städtischen Verantwortung entlassen und als eigenständiger Betrieb weitergeführt, 1967 erfolgte die Umgründung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH).
Das Unternehmen befindet sich vollständig im Eigentum der Stadt Münster.
Unternehmensgeschichte Vorgeschichte und Gründung mini|hochkant=0.5|1880: Umbau des Buddenturms zum Wasserturm Der älteste Zweig der Stadtwerke Münster ist das erste Gaswerk der Stadt, das 1853 eröffnet wurde und ab 1. Januar 1854 die neuen Gaslaternen versorgte. Im Jahr 1880 nahm die Stadt das erste Wasserpumpwerk und damit die öffentliche Wasserversorgung per Hausanschluss in Betrieb. Ab 1888 verwaltete die Stadt das Gas- und Wasserwerk gemeinschaftlich, ab 1901 ergänzte das neue Elektrizitätswerk das städtische Versorgungs-Portfolio. Ebenfalls 1888 wurde die erste Pferdeomnibuslinie in Münster eröffnet, nach 13 Jahren lösten die ersten drei elektrisch betriebenen Straßenbahnlinien die Pferde im öffentlichen Personennahverkehr ab.
1901 fasste die Stadt die Versorgungs-Betriebe im Städtischen Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerk zusammen, somit gab es in Münster Wasser, Strom sowie Gas aus städtischer Hand. Das Jahr gilt damit als Gründungsjahr der heutigen Stadtwerke Münster. 1909 wurde der Straßenbahnbetrieb hinzugefügt, das Unternehmen lief ab diesem Zeitpunkt unter dem Namen Städtische Betriebsverwaltung.
Zweiter Weltkrieg mini|hochkant|links|Wie hier der Prinzipalmarkt wurde Münster weitgehend zerstört Über die Auswirkungen der Machtübernahme der NSDAP auf die Stadtwerke gibt es nur wenige Informationen, da kaum Unterlagen aus dieser Zeit auffindbar sind.Stadtmuseum Münster 2001, S. 39. Mündlichen Aussagen ehemaliger Mitarbeiter zufolge galt der erste Generaldirektor der Stadtwerke, Richard Tormin, den Nazis als „unliebsamer Werkleiter“; er starb 1933 und wurde durch Franz Schräder ersetzt. Dass die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation im Unternehmen aktiv war, belegt ein Foto aus dem Verkehrsbetrieb von 1933 oder 1935, das Mitarbeiter vor der Straßenbahnhalle mit einem entsprechenden Transparent sowie teils mit zum Hitlergruß erhobenem Arm zeigt.Stadtmuseum Münster 2001, S. 39 f.
1941 wurden die Betriebe aus der städtischen Verwaltung entlassen und als Stadtwerke Münster (Westf.) eigenverantwortlich weitergeführt. Grund hierfür war die Eigenbetriebsverordnung, die die Nationalsozialisten am 21. November 1938 erlassen hatten. Im Zweiten Weltkrieg wurden auch viele Stadtwerke-Mitarbeiter zum Kriegsdienst eingezogen; 1940 beispielsweise 108 von 682, fünf Jahre später 195 von 790.Stadtmuseum Münster 2001, S. 41. Ob diese Lücken auch durch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter geschlossen wurden, lässt sich durch die vorhandenen Akten nicht belegen, ist aber auf Grund ähnlicher Vorgänge in anderen Versorgungseinrichtungen sowie dem bekannten Einsatz von Kriegsgefangenen für die Stadt MünsterZwangsarbeit für die Stadtverwaltung auf den Seiten des Stadtarchivs Münster. wahrscheinlich.Stadtmuseum Münster 2001, S. 32.
Die Stadt Münster wurde im Laufe des Krieges mehrmals schwer bombardiert, die Innenstadt lag zu Kriegsende zu 90 % in Schutt und Asche. Auch die Erzeugungs- und Versorgungsanlagen der Stadtwerke wurden weitgehend zerstört oder schwer beschädigt. Schon wenige Tage nach der Kapitulation der Stadt Münster am 2. April 1945 nahmen die Stadtwerke die Grundversorgung der Bevölkerung zuerst mit Strom und Wasser, später auch mit Gas wieder auf.
Nachkriegszeit mini|Hafen Münster (2010), mit Kohle-/Fernwärmespeicher vorn und GuD-Kraftwerk rechts Ab den 1950er Jahren erweiterte sich der Verantwortungsbereich der Stadtwerke deutlich: 1953 fiel ihnen der Betrieb des münsterschen Binnenhafens zu, der bisher von der Stadt selbst betrieben wurde. Ebenso übergab die Stadt ihnen 1956 das Stadtbad am Zoo, 1966 dann auch die restlichen Bäder, die sie bis 1983 behielten. Danach übernahm die Stadt den Bäderbetrieb wieder in Eigenregie. 1967 erfolgte die Umgründung des bisherigen städtischen Eigenbetriebs in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, um das Unternehmen einerseits flexibler zu machen, andererseits aber auch die finanziellen Risiken für die Stadt zu begrenzen. Alleiniger Gesellschafter blieb jedoch die Stadt Münster.
1968 gründeten die Stadtwerke Münster und Dinslaken als gemeinsames Tochterunternehmen die Westfälische Fernwärmeversorgung GmbH, wodurch Fernwärmeversorgung das Portfolio ergänzte.
In Zusammenhang mit der kommunalen Neugliederung 1975 durch das Münster/Hamm-Gesetz vergrößerte sich das Stadtgebiet – und damit das Versorgungsgebiet der Stadtwerke – von 74 auf 302 km² und um 60.000 neue Einwohner, die bisher von den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen (VEW) versorgt wurden.Stadtmuseum Münster 2001, S. 43.
Neuere Geschichte Im September 1996 gründeten die Stadtwerke die Citykom, die als Tochter Telekommunikationsdienstleistung für die Bürger Münsters erbringen sollte. Mit dem Fall des Telekommunikationsmonopols der Telekom am 1. Januar 1998 nahm die Gesellschaft ihren Betrieb als einer der ersten lokalen Telefon- und Internetanbieter (City-Carrier) auf. Zum 1. Juli 1998 beteiligte sich die Helsinki Telephone Corporation mit 25,1 % am Unternehmen. Ende 1998 hatte die Citykom 4000 Kunden in Münster.Geschäftsbericht der Stadtwerke Münster 1998, S. 50 f. Ein Jahr später telefonierten 7000 Privat- und 1600 Geschäftskunden mit dem lokalen Anbieter.Geschäftsbericht der Stadtwerke Münster 1999, S. 50. Da sich die Geschäfte jedoch nicht wie erwartet entwickelten, entschlossen die Stadtwerke sich, die Citykom 2000 in die neue Gesellschaft Tropolys zu überführen, an der sie fortan 11,1 % der Anteile hielten. 2003 verkauften die Stadtwerke auch diese Anteile an Elisa und zogen sich damit aus dem Telekommunikationsgeschäft zurück. 2017 begannen die Stadtwerke mit dem Wiedereinstieg in Breitband-Internet. Dafür verlegen sie seit 2018 ein eigenes Glasfasernetz im innenstadtnahen Kreuzviertel, seit 2019 auch im Hansaviertel am Hafen. Dafür investieren die Stadtwerke 10 Mio. Euro.Blog der Stadtwerke Münster: „Breitband kommt nach Münster!“ Langfristig soll in ganz Münster schnelles Internet über Glasfaser bis ins Haus angeboten werden.
2001 beschloss der Stadtrat mit seiner Mehrheit aus CDU und FDP, die Stadtwerke zu 49 % an einen privaten Investor zu verkaufen. Gegen diesen Verkauf formierte sich eine Bürgerinitiative, die 2002 über 17.000 Unterschriften gegen den Ratsentschluss gesammelt hatte und so einen Bürgerentscheid erzwang. Am 16. Juni 2002 stimmten 42.929 Münsteraner (65,4 %) gegen die Privatisierung, 22.706 (34,6 %) dafür. Da die Gegner auch das 20-%-Quorum erreichen konnten, wurde der Ratsbeschluss ungültig, die Stadtwerke verblieben vollständig in städtischer Hand.Bürgerentscheid auf den Seiten des Wahlamtes der Stadt Münster. Mehr Informationen im Abschnitt „Versuchte Teilprivatisierung 2001/2002“.
Zum 1. Januar 2006 übernahmen die Stadtwerke den Betrieb der Straßenbeleuchtung von der Stadt Münster. Dafür zahlten sie der Stadt rund 21 Millionen Euro Kaufpreis, erhalten dafür aber im Jahr eine Pauschale von 14,69 Euro pro Leuchte (2006), im Jahr also rund 4,5 Millionen Euro. Grund hierfür war, dass die Stadtwerke in den vorhergehenden Jahren ohnehin rund 85 % der anfallenden Arbeiten erledigt hatten. Außerdem wollte die Stadt durch die Verschiebung rund 60.000 Euro Stromsteuervorteile im Jahr heben.Öffentliche Beschlussvorlage V/0806/2005 (PDF; 25 kB) auf den Seiten der Stadt Münster.
2007 entschied der Stadtrat mit seiner Mehrheit aus CDU und FDP, dass die Stadtwerke sich am Bau der neuen Blöcke des Kohlekraftwerks Westfalen beteiligten sollten. Für 40 Millionen Euro erwarben die Stadtwerke daraufhin rund 2 % an der Gemeinschaftskraftwerk Steinkohle Hamm GmbH & Co. KG. 2015 stiegen die Stadtwerke nach einer entsprechenden Aufforderung von SPD, Grünen, Linken, ödp, UWG und Piraten, die Beteiligung aus ökologischen und finanziellen Gründen abzustoßen, wieder aus dem Projekt aus und veräußerten ihre Anteile am Kraftwerk. Im gleichen Jahr setzten die Stadtwerke erstmals Elektrobusse ein. Die Busse des Herstellers VDL wurden über das europäische Forschungsprojekt Zero Emission Urban Bus System (ZeEUS) gefördert.
Betriebsbereiche Versorgung mini|hochkant|Gasometer von 1952 Gas Ab 1841 plante der städtische Magistrat die Einführung der Gasversorgung als Ergänzung der alten Öllampen. Auf Grund von Streitigkeiten über die Finanzierung dauerte es bis 1852, bis der Aachener Unternehmer A. Sabey das Werk als städtisches Eigentum errichtete und als Pächter ein 25-jähriges Monopol auf die Gasproduktion in Münster erhielt. 1853 gingen die ersten Laternen ans Gasnetz. Nach Unstimmigkeiten zwischen Sabey und Stadt wurde der Pachtvertrag 1872 aufgelöst, woraufhin die Stadt das Gaswerk übernahm.
Bereits um 1890 war das Gaswerk an seiner Leistungsgrenze angelangt, auch weil es inzwischen immer mehr Haushalte versorgte. Daher wurde 1897 eine neue Gasanstalt eröffnet, die alte wurde stillgelegt. Auch diese konnte jedoch nur wenige Jahre mit dem steigenden Bedarf mithalten, so dass die Stadt ab 1917 mit Ferngas aus der Kokerei der Zeche Radbod bei Hamm versorgt wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Pipeline und die beiden Gasometer von Bomben getroffen, so dass die Gasversorgung immer wieder ausfiel. Nach Kriegsende versorgten die Stadtwerke im Frühjahr 1947 die ersten Haushalte wieder mit Gas, ein Jahr später alle ans Gasnetz angeschlossenen.Stadtmuseum Münster 2001, S. 14–16.Stadtmuseum Münster 2001, S. 31–34. 1952 wurde ein neuer Gasometer mit einer Speicherkapazität von 75.000 Kubikmetern eröffnet, der die alten Gasometer ersetzte.
1971 stellten die Stadtwerke ihren Bezug von Kokereigas auf Erdgas um. 2004 wurde der Gasometer außer Betrieb genommen und stattdessen im Stadtteil Albachten ein unterirdischer Erdgasröhrenspeicher mit 260.000 m³ Speicherkapazität errichtet. Der Gasometer blieb jedoch als geschütztes Industriedenkmal erhalten.
Die Stadtwerke Münster liefern im Stadtgebiet Münster Erdgas der Sorte „L“, lediglich im Stadtteil Sprakel wird „H“-Gas geliefert. Für L-Gas bestehen in Mecklenbeck zwei und in Roxel ein Netzkopplungspunkt, in Sprakel ein eigener für H-Gas.
Wasser mini|Unterseite des Wassertanks im Buddenturm
Eine öffentliche Wasserversorgung mit Hausanschlüssen entstand in Münster 1880. Im Eigenbetrieb eröffnete die Stadt in diesem Jahr das erste Pumpwerk in Mecklenbeck. Außerdem wurde der Buddenturm zum Wasserturm umgebaut, um die Versorgung sowie einen ausreichenden Wasserdruck sicherzustellen.
Der schnell steigende Verbrauch – von 676 Verbrauchern mit rund 400.000 Kubikmetern 1880 auf über 4000 Verbraucher mit über 1,7 Millionen Kubikmetern im Jahr 1900 – verlangte neue Wasserwerke, so dass zwischen 1888 und 1899 drei weitere Pumpwerke im Bereich Vennheide im Süden der Stadt in Betrieb genommen wurden. Im Jahr 1903Stadtwerke Münster: Hinweisschild am Eingang zum Gelände des Wasserturms, abgelesen am 9. August 2010. wurde der Wasserturm „Auf der Geist“ in Betrieb genommen, der bis zu 2500 Kubikmeter Wasser fasst. 1906 wurde in der damals noch eigenständigen Gemeinde Hiltrup bereits das fünfte Pumpwerk entlang des Münsterländer Kiessandzuges eröffnet, das Wasserwerk Hohe Ward.