Johanna Huber (* 9. Juni 1869 in München; † 3. April 1935 ebenda) war eine deutsche Lehrerin, Kindergärtnerin, Fach- sowie Kinderliteraturschriftstellerin und „eine der bedeutendsten Vertreterinnen des katholischen Kindergartenwesens“.Wasmuth 2011, S. 346. mini|Familiengrab Huber auf dem Alten Südfriedhof München
Leben und Wirken Sie war das jüngste von neun Kindern des Oberrevisors Xaver Huber und dessen Ehefrau Franziska, geb. Menhart. Trotz bescheidener finanzieller Verhältnisse durfte sie das Königl. Lehrerinnenseminar absolvieren. Von 1889 bis 1916 war Johanna Huber als Hauptlehrerin tätig. In Erkenntnis ihrer besonderen pädagogischen Befähigung berief Georg Kerschensteiner sie an die Münchner Versuchsschule, seinerzeit ein „pädagogisches Mekka“. Johanna Huber setzte sich dafür ein, im Religionsunterricht der Schulanfänger den Arbeitsschulgedanken zu verwirklichen. Ihre Frage „Kann man im Religionsunterricht der 1. Klasse den Arbeitsschulgedanken anwenden?“, beantwortete die Pädagogin wie folgt:
Aus gesundheitlichen Gründen zog sich Johanna Huber 1916 vom Schuldienst zurück. Fortan setzte sie sich für den (katholischen) Kindergarten ein. Diesen betrachtete sie ganz im Sinne von Friedrich Fröbel als „Schule des kindlichen Spiels“ und nicht als „Stätte schulischen Lernens“:Gosheim 2000, S. 76.
In Vorträgen und Veröffentlichungen setzte sie sich immer wieder mit der Frage „Familienerziehung oder Kindergarten?“ auseinander. Dabei bevorzugte sie die Familienerziehung und sah den Kindergarten nur als eine „Notwendigkeit bei absolut ungünstigen Familienverhältnissen“:
1917 gründete Johanna Huber in Zusammenarbeit mit anderen Frauen den Bayerischen Landesverband katholischer Kinderhorte und Kleinkinderanstalten, Krippen und Säuglingsheime inbegriffen. Als Elisabeth von Aretin 1921 den 1. Vorsitz des Verbandes niederlegte, schlug sie Johanna Huber als ihre Nachfolgerin vor, die bis 1932 dieses Amt innehatte.
Zusammen mit Alexandrine Hegemann rief Johanna Huber 1918 die Fachzeitschrift Kinderheim ins Leben, die noch heute als Welt des Kindes existiert. Maßgebend war sie an der Ausbildung der vielen seinerzeit im Erziehungsdienst tätigen unausgebildeten Klosterschwestern beteiligt. Diesbezüglich organisierte sie an mehreren bayerischen Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnenseminaren halbjährliche bis ganzjährige Kurse, die für die Nachschulung der unausgebildeten Klosterfrauen verantwortlich zeichneten.
Sehr erfolgreich war ihr 1916 erstmals veröffentlichtes Büchlein Die religiös-sittliche Unterweisung des Kleinkindes im Kindergarten und in der Familie. Darin zeigte die Verfasserin anhand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis auf, „wie das religiöse Vorstellungs- und Gemütsleben des Kleinkindes geweckt und gefördert werden kann […] Dabei legte Johanna Huber, die ‚sittliche Erziehung‘ des Kindes betreffend, besonderen Wert auf die Erziehung zur Selbstbeherrschung, zum Gehorsam, zur Wahrhaftigkeit sowie zu altruistischen Tugenden“.Gosheim 2000, S. 122. Das Werk wurde seinerzeit wie folgt rezensiert:
Neben ihren theoretischen Beiträgen hatte Johanna Huber Lieder für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter gedichtet und komponiert, ferner Verse, Gedichte, Theaterstücke, Märchen sowie Geschichten verfasst, die sie u. a. auch in der Fachzeitschrift Kinderheim publizierte. Dort wurde ihr erfolgreiches Bilderbuch Lustige Geschichten für unsere Kleinsten wie folgt rezensiert:
Besonders intensiv arbeitete sie mit dem Verlag Otto Maier, Ravensburg, zusammen. Dort erschien 1930 ihr wohl erfolgreichstes Werk Das Buch der Kinderbeschäftigungen, dessen „pädagogische Grundlage die Erziehungsmethode Friedrich Fröbels, ausgebaut und weiterentwickelt auf den Ergebnissen der damaligen wissenschaftlichen Forschungen, bildet“.Gosheim 2000, S. 156. Genanntes Buch erscheint noch heute, wenn auch in neuer und veränderter Aufmachung. Jede Neuauflage der Publikation wurde positiv rezensiert, wie beispielsweise die 9. Auflage:
Für den Otto Maier Verlag zeichnete Johanna Huber als Autorin mehrerer Bilderbücher verantwortlich, des Weiteren war sie Herausgeberin der Reihe Neue Arbeitsbücher für Mutter und Kind. Einige ihrer Gedichte erschienen noch nach 1945 in mehreren Bayerischen Lesebüchern. Beispielsweise die Die SchuheFärber 1946, S. 11 oder Auf dem Herd.Färber 1946, S. 22
Nach einem längeren Herzleiden verstarb Johanna Huber überraschend im Alter von 65 Jahren. In ihrer Todesanzeige wurde sie als „bayerische Kleinkindertante“ tituliert.
Werke (Auswahl) Theoretische Beiträge Die religiös-sittliche Unterweisung des Kleinkindes im Kindergarten und in der Familie. Kempten 1916 Durch Selbsterziehung zur Selbstzucht. In: Kinderheim 1918/H. 1, S. 5–12. Familienerziehung oder Kindergarten? In: Pharus, Erster Halbjahresband 1916, S. 218–225. Zur Vorbildung der Kleinkindlehrerinnen. In: Pharus 1919, S. 228–236. Fröbel und Montessori. In: Kinderheim 1920, S. 134–140. Erster Schuleintritt mit dem 6. oder 7. Lebensjahr? In: Kinderheim 1921/H. 3, S. 65–76. Religiös-sittliche Arbeitsschule im ersten Schuljahr. In: Johanna Huber, Karl Raab: Das Arbeitsprinzip im Religionsunterricht der Grundschule. München/Kempten 1923, S. 1–50. Körperliche Erziehung im Kindergarten. Kempten 1926 Einige Winke zur Vor- und Fortbildung des Erzieherpersonals in den Kindererholungs- und Heilstätten. In: Kinderheim 1926/H. 4, S. 103–108. Katholische Kleinkindererziehung im Rahmen der pädagogischen Strömungen der Gegenwart. In: Josef Beeking (Hrsg.): Erster Gesamtkongress der katholischen Kinder- und Jugendfürsorge Deutschlands. Freiburg i. Br. 1928 Die Krabbelstube. Ravensburg o. J.
Beschäftigungs-/Spielbücher/Theaterstücke Was soll ich schenken? Ravensburg o. J. Ausschneidearbeiten für Kinder. Ravensburg o. J. „Wer kommt denn da?“ und andere neue Fingerspiele für Mutter und Kind. Ravensburg o. J. Einfache Ausschneidearbeiten für Kinder. Ravensburg o. J. Weihnachtsspiele für Krippenkinder. München o. J. Im Kindergarten. Acht kleine Kinderspiele. München o. J. Das Buch der Kinderbeschäftigungen. Ravensburg 1930Das Buch der Kinderbeschäftigungen, 9. Auflage 1961 auf uni-bielefeld.de, abgerufen am 10. Januar 2025 Lustiges Papier-Faltbüchlein mit allerlei Drum und Dran. Ravensburg 1947 Diemut. Ein Mysterienspiel in acht Bildern. München o. J. Licht und Finsternis. Ein Lehrstück von Erde, Mond und Gott. München o. J.
Bilder-/Kinderbücher Kindergeschichten. München o. J. Lustige Geschichten für unsere Kleinsten. Ravensburg o. J. Allerlei Schwätzchen für kleine Spätzchen. Ravensburg o. J.
Literatur Bücherschau: Pädagogik des Kleinkindes. In: Pharus. 1919, S. 440–441. E. Meyer: Das gute Bilderbuch. In: Kinderheim. 1925/H. 2, S. 40–47. Fritz Färber (Hrsg.): Bayerisches Lesebuch 2. Klasse, München 1946. Kinderheim. 1962/H. 1, S. 44. Manfred Berger: Frauen in der Geschichte des Kindergartens. Ein Handbuch. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-86099-255-4, S. 96–101. Werner zu Gosheim: Johanna Huber und ihr Beitrag für das katholische Kindergartenwesen in Bayern. München 2000. (unveröffentlichte Diplomarbeit) Helge Wasmuth: Kindertageseinrichtungen als Bildungseinrichtungen. Bad Heilbrunn 2011, ISBN 978-3-7815-1809-4, S. 346–347.
Manfred Berger: Johanna Huber. In: Kurt Franz, Günter Lange, Franz-Josef Payhuber (Hrsg.): Kinder- und Jugendliteratur – Ein Lexikon. (Loseblattsammlung). Meitingen 1995 ff.; 45. Erg.-Lfg. 2012, S. 1–11.
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