Der Begriff Hofkirche hat zwei unterschiedliche Bedeutungen: ein einem Fürstenhof zugeordnetes Kirchengebäude, siehe Abschnitt Kirche des Hofes ein auf oder in einem Hof liegendes Kirchengebäude, siehe Abschnitt Kirche im Hof
Kirche des Hofes Eine Hofkirche in diesem Sinn ist ein Kirchengebäude, das – anders als Bischofs-, Pfarr- oder Klosterkirchen – einem Fürstenhof zugeordnet ist. Meist ist sie Teil der Schlossanlage und beherbergt in der Krypta die Grabmale ihres Fürstengeschlechts. miniatur|hochkant=1.2|Ehemalige Katholische Hofkirche zu Dresden, seit 1980 Kathedrale Ss. Trinitatis
Hofkirchen gibt es unter anderem in folgenden Städten: Berlin: Berliner Dom Breslau: Hofkirche (Breslau) Bruchsal: Hofkirche Bruchsal Dresden: Katholische Hofkirche Dresden: Evangelische Hofkirche (Sophienkirche) Düsseldorf: Hofkirche St. Andreas Innsbruck: Hofkirche Karlsruhe: Evangelische Stadtkirche Ludwigslust: Hofkirche Luzern: Hofkirche St. Leodegar im Hof Mannheim: Jesuitenkirche München: Allerheiligen-Hofkirche, Theatinerkirche und St. Michael Neuburg an der Donau: Hofkirche Unserer Lieben Frau Neumarkt in der Oberpfalz: Hofkirche Neumarkt Wien: Augustinerkirche und Michaelerkirche Würzburg: Hofkirche in der Würzburger Residenz Zerbst/Anhalt: St. Bartholomäi
Siehe Schlosskirche (des Adels oder Großbürgertums)
Kirche im Hof thumb|Hofansicht der Hofkirche Köpenick Seltener wird das Wort im topografischen Sinn für „ein auf einem Hof liegendes“ Kirchengebäude verwandt, wie in Breslau. So gibt es Hofkirche genannte protestantische Kirchenräume, die in den Innenhöfen errichtet wurden, von der Straße aus also nicht oder weniger gut zu sehen waren. Diese Art von Kirchenbau trat in Gebieten auf, wo die Protestanten ab dem 17. Jahrhundert zwar geduldet waren, aber kein Aufsehen erregen sollten und zum Selbstschutz auch nicht wollten. Deshalb errichtete man die Kirchen entweder so, dass sie wie die niederländischen Schuilkerk in die Straßenfront eingebunden waren und auf den ersten Blick als ganz normales Wohnhaus wirkten oder verlegte sie in den Hof des Komplexes. Zur Straße hin befand sich dann ein Haus, das als Pfarrhaus und/oder Schule diente, während man durch das Hoftor zur Kirche gelangte. Da man die Kirchen nicht sehen sollte, sollten sie auch nicht gehört werden, so dass Hofkirchen in der Regel keine Glocken hatten. Einige dieser Hofkirchen existieren noch heute, zum Beispiel die Neanderkirche und die Berger Kirche in Düsseldorf, die Mennonitenkirche in Krefeld sowie reformierte Kirchen in Wassenberg, Kaldenkirchen, Süchteln und Erkelenz-Lövenich.
Weiterhin nennt die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde in Berlin-Köpenick ihre in einem Innenhof gelegene Kirche Hofkirche.Hofkirche Köpenick, abgerufen am 11. November 2013 Auch hier scheinen „Störungen während des Gottesdienstes“ am früheren Standort mit zum Entschluss beigetragen zu haben, das neue Kirchengebäude in einem Innenhof zu bauen.Streiflichter aus der Geschichte der Gemeinde, abgerufen am 15. September 2014
Die typische Berliner Hofkirche fügt sich mit der oft schmalen Fassade in die Blockbebauung ein, das gesamte Kirchenschiff erstreckt sich dann aber in den von der Straße aus nicht sichtbaren Hinterhof. Das gilt hauptsächlich für katholische, aber auch für evangelische Kirchen Berlins.
Siehe auch Kirche am Hof (Wien) (Am Hof ist ein Platz in der Wiener Innenstadt) Hofkirche St. Leodegar (St. Leodegar im Hof ist eine der acht katholischen Stadtpfarreien Luzerns) Hofkapelle (Begriffsklärung)
Einzelnachweise
Kategorie:Liste (Kirchengebäude nach Name) Kategorie:Höfische Gesellschaft