Schwarzburg ist eine Gemeinde im Schwarzatal im thüringischen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Die Gemeinde gehört der Verwaltungsgemeinschaft Schwarzatal an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Schwarzatal hat.

Lage Schwarzburg liegt im Thüringer Wald an der Nordabdachung des Gebirges und am Fluss Schwarza. Die Landesstraße 1112 verbindet Schwarzburg mit Bad Blankenburg und dem Umland.

Angrenzende Gemeinden sind Allendorf, die Stadt Bad Blankenburg, Bechstedt, Döschnitz, Saalfeld/Saale und Sitzendorf.

Geschichte Die Ersterwähnung 1071 als „Swartzinburg“ erfolgte in einer Grenzbeschreibung der Orlasenke.

Das Dorf unterhalb der Burg wuchs durch Ausnutzung der Wasserkraft (Mahlmühle, Schneidemühle, Lohmühle, Eisenhammer) bis zum 19. Jahrhundert als kleines Industriezentrum. Besonders im Hochmittelalter war es durch Goldwäscherei (Seifengold) ein wichtiger Ort im Schwarzatal. Nach Aufgabe des Eisenhammers 1846 erfolgte eine große Auswanderungswelle (mehr als 20 % der Einwohner) nach Nordamerika. Danach brachte Fremdenverkehr einen Aufschwung. Die Urburschenschaft, Ludwig Bechstein und Maler der Romantik hatten das wildromantische Tal der Schwarza (Saale) gerühmt. Auch Goethe, in einem Brief an Charlotte von Stein vom 5. Juli 1781, fand das Tal erwähnenswert: „NB. von Schwarzburg auf Blanckenburg ist ein fürtrefflicher Weeg der Schwarze nach, durch ein tiefes Thal zwischen Fels und Wald Wänden.“Richard Müller-Freienfels (Hrsg.): Briefe an Frau von Stein. Mit dem Tagebuch aus Italien und Briefen der Frau von Stein (= Sonderreihe des Volksverbandes der Bücherfreunde. 9, ). Band 1. Wegweiser-Verlag, Berlin 1923, S. 137. 1887 wurde in Schwarzburg der Schwarzburgbund gegründet, ein Zusammenschluss von christlich geprägten farbentragenden, nichtschlagenden Studentenverbindungen. In jener Zeit galt Schwarzburg (im sächsischen Idiom) als „Berle von Düringen“.Arthur Barth: Meine Universitätszeit. Corpsbericht der Franconia zu Jena, Winter-Semester 1930/31, S. 26

Besondere historische Bedeutung erlangte Schwarzburg, als Reichspräsident Friedrich Ebert im Urlaub am 11. August 1919 die Weimarer Verfassung unterzeichnete. Dieser Akt fand im Zimmer 7 der damals zum Hotel „Weißer Hirsch“ gehörigen Villa „Schwarzaburg“ (heute: „Hotel SchwarzaBurg“) statt, in der Ebert wohnte, nachdem er vom Hauptgebäude des Hotels dorthin umgezogen war.Hotel Weißer Hirsch[diverse Autoren]: Friedrich Ebert und seine Zeit : Ein Gedenkwerk über den ersten Präsidenten der Deutschen Republik, Verlag Dr. Wilhelm Glass & Co., Berlin-Charlottenburg 1928 Im Park zwischen den beiden Gebäuden befindet sich ein Gedenkfels mit der Inschrift: Eine Metalltafel an der früheren Villa und jetzigem Hotel „SchwarzaBurg“ verlautet:

Im Jahre 1944 waren im Schloßberg-Hotel 30–40 Schüler im Rahmen der Kinderlandverschickung (KLV) untergebracht. Diese Verschickung wurde von der HJ-Führung organisiert und hatte zur Aufgabe, die Kinder aus den bombengefährdeten Gebieten in „friedlicher“ Umgebung zu schützen. So wurde das KLV-Lager im Schloßberg-Hotel von Schülern mit ihren Lehrern durch das Düsseldorfer Lessing-Gymnasium belegt. Das Hotel wurde damals von Familie Schildbach geführt.

Schwarzburg besaß bis 2015 das Prädikat als staatlich anerkannter Erholungsort.

Bevölkerungsentwicklung mini|Schwarzburg 1857 mini|Schwarzburg 2014 mini|Unterzeichnung der Reichsverfassung 1919 durch Reichspräsident Ebert Entwicklung der Einwohnerzahl der Gemeinde

1895: 703 1994: 742 1995: 735 1996: 728 1997: 707 1998: 708 1999: 707 2000: 698 2001: 688 2002: 689 2003: 665 2004: 645 2005: 619 2006: 609 2007: 578 2008: 569 2009: 562 2010: 542 2011: 535 2012: 542 2013: 532 2014: 554 2015: 560 2016: 551 2017: 557 2018: 550 2019: 533 2020: 525 2021: 501 2022: 500 2023: 519 2024: 515

Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik, Stichtag 31. Dezember

mini|400px|links|Einwohnerentwicklung von Schwarzburg von 1895 bis 2017

Politik Gemeinderat Dem Gemeinderat Schwarzburgs gehören sechs ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger an. Sie werden alle fünf Jahre neu gewählt. Bei der Gemeinderatswahl am 26. Mai 2024 wurden auf der Liste „Gemeinsam für Schwarzburg“ mit einem Stimmenanteil von 54,5 % vier Sitze besetzt, die Liste „Bürger für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Ortsgruppe Schwarzburg“ erreichte 45,5 % der gültigen Stimmen und damit zwei Sitze. Drei Sitze sind mit Frauen, drei mit Männern besetzt. Daneben gehört dem Rat auch die Bürgermeisterin mit Sitz und Stimme an. Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2024 in Thüringen - endgültiges Ergebnis: Schwarzburg

Bürgermeisterin Frau Heike Printz ist seit 2015 Bürgermeisterin Schwarzburgs. Am 25. April 2021 wurde sie als einzige Kandidatin mit 92,6 Prozent der gültigen Stimmen für eine zweite Amtszeit gewählt.Thüringer Landesamt für Statistik, Bürgermeisterwahl 2021 in Schwarzburg

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Schwarzburg: links das Zeughaus, rechts das Schlossgebäude mini|Ehrenhain des Schwarzburgbundes

Das Schloss Schwarzburg war seit dem 12. Jahrhundert Stammsitz der Grafen von Schwarzburg. Nach wiederholten Aufteilungen in verschiedene Linien entstanden 1599 die zwei Hauptlinien Schwarzburg-Sondershausen (1909 erloschen) und Schwarzburg-Rudolstadt, die 1697 und 1710 in den Reichsfürstenstand erhoben wurden. Schwarzburg gehörte bis 1918 zur Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. Teile des Schlosses wurden renoviert.

Im ehemaligen Pädagogium (Privatschule von 1919, die zur mittleren Reife und zum Abitur führte) wurde 1946 eine Landesforstschule eingerichtet. 1950 wurde sie Fachschule, 1968 Ingenieurschule, seit 1992 Fachhochschule für Forstwirtschaft. Die Fachhochschule wurde durch die Freistaaten Sachsen und Thüringen als verwaltungsinterne Ausbildungsstätte für den gehobenen Forstdienst gemeinsam betrieben und mit Ausbildungsende des letzten Studienjahrgangs 2008 geschlossen. Im Norden von Schwarzburg befindet sich der frei zugängliche „Forstbotanische Garten Schwarzburg“.

Etwas oberhalb der Stadt liegt das Bahnhofsgebäude von 1900, es ist das schönste und aufwendigste der Schwarzatalbahn. Das Dach ist mit farbig glasierten Ziegeln gedeckt. An der Westseite wurde für die Schwarzburger Fürsten ein separater Anbau errichtet. Das Empfangsgebäude ist seit dem 1. Juni 1992 geschlossen und fungiert nach der Wiedereröffnung der Strecke nur noch als Haltepunkt. Es ist von der Firma Faller als Modell in den Spurweiten H0 und N erhältlich.

In der Nähe des Ortseinganges zum unteren Tal Schwarzburgs befindet sich der öffentliche Zugang zum sogenannten Ehrenhain. Es finden sich hier zwei Gedenksteine. Einmal für die Gefallenen der Gemeinde und zum anderen für die des Schwarzburgbundes.

Religion Die evangelische Kirchengemeinde Schwarzburg gehört zum Kirchspiel Döschnitz-Lichte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland mit den Kirchengemeinden Döschnitz, Meura, Sitzendorf, Unterweißbach und Schwarzburg sowie Lichte-Wallendorf, Piesau und Schmiedefeld.

Söhne und Töchter der Gemeinde Florenz Friedrich Sigismund (1791–1877), Jurist und Dichter Friedrich Moll (1948–2018), Journalist und Fernsehmoderator

Literatur Friedrich Ebert in Schwarzburg. Aus Anlaß des 75. Jubiläums der Unterzeichnung der Weimarer Verfassung (= Rudolstädter Heimathefte. Sonderausgabe. ). Landkreis Rudolstadt, Rudolstadt 1994. Ludwig Friedrich Hesse: Rudolstadt und Schwarzburg nebst ihren Umgebungen. Historisch und topographisch dargestellt (= Taschenbuch der Geschichte u. Topographie Thüringens gewidmet. Bändchen 1). Verlag der Hof-Buch- u. Kunst-Handlung, Rudolstadt 1816, (Digitalisat).

Weblinks

Gemeinde Schwarzburg bei der Verwaltungsgemeinschaft Schwarzatal Fremdenverkehrsverein Schwarzburg Bahnhof Schwarzburg der Schwarzatalbahn Kirchspiel Döschnitz-Lichte

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Kategorie:Ehemaliger Residenzort in Thüringen Kategorie:Studentendenkmal Kategorie:Ort im Naturpark Thüringer Wald

Kategorie:Ersterwähnung 1071 Kategorie:Gartendenkmal in Thüringen Kategorie:Ehemaliger staatlich anerkannter Erholungsort in Thüringen