Laiz ist ein Ortsteil der baden-württembergischen Stadt Sigmaringen im Landkreis Sigmaringen (Deutschland). Bis 1974 war Laiz eine selbständige Gemeinde. Im Jahr 1975 wurde der Ort in die Kreisstadt Sigmaringen eingemeindet.

Geographie Geographische Lage mini|Donaubrücke in Laiz, hinten Kirche St. Peter und Paul Laiz liegt im Naturpark Obere Donau, rund 1,7 Kilometer westlich des Sigmaringer Stadtzentrums, das schnell per Bus oder Fahrrad zu erreichen ist.

Geologie Geologisch liegt Laiz an einer interessanten Übergangsstelle, wo sich das durch steile Jurafelsen eingeengte Flussbett der Donau in Richtung der angrenzenden Kreisstadt Sigmaringen in die Flussaue, bis hin zum Schloss Sigmaringen, verbreitert und das von eiszeitlichen Moränen geprägte Gebiet beginnt. Nordwestlich von Laiz befindet sich auf der Hochfläche ein eiszeitlicher Erratischer Block, der als besonderes Geotop und Geopoint des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb ausgezeichnet ist.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Begünstigt durch seine Lage war Laiz ein früher Siedlungsraum. Funde der bronzezeitlichen Urnenfelderkultur sprechen nachweislich für eine erste Besiedlung zwischen 1000 und 500 v. Chr. Aus der eisenzeitlichen Hallstattzeit wurden zahlreiche keltische Grabhügel mit reich bemalten und ornamentierten Gegenständen entdeckt. Die Kelten in Laiz standen durch die Donau in Verbindung mit der Heuneburg. Von etwa 50 bis 80 n. Chr. bildete die Donau die Grenze des Römischen Reiches. Zu dieser Zeit führte über Laiz eine Römerstraße aus der Schweiz zur Provinzhauptstadt Mogontiacum (Mainz). Sie hatte einen hohen Stellenwert im damaligen römischen Straßennetz. Die Furt lag unterhalb des Donauwehres, wo bei der Donauregulierung 1975 Reste einer Holzbrücke gefunden wurden.Römische Brücke. Zeitungsausschnitt Nr. 197. Bestand N 1/53: Albert Waldenspul (1885–1979). Staatsarchiv Sigmaringen Funde und Ausgrabungen von zwei römischen Gutshöfen im Laizer Gewann „Bergöschle“ sowie im angrenzenden Inzigkofer Gewann „Krummäcker“ weisen auf die Bedeutung als fruchtbare Agrarregion im beginnenden 3. Jahrhundert hin. Die Überreste eines der Höfe wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden, der zweite Hof wurde 1976 bei einer Flugerkundung entdeckt. Ein gefundener römischer Wurfspeer mit dreikantiger Spitze und eine vierkantige Lanzenspitze aus Eisen befinden sich in der Vor- und Frühgeschichtlichen Sammlung im Schloss Sigmaringen.Ludwig Lindenschmit: Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit: Nach den in öffentlichen und Privatsammlungen befindlichen Originalien. zusammengestellt und hrsg. von dem römisch-germanischen Centralmuseum in Mainz, Verlag Victor von Zabern, Mainz 1858

Mittelalter mini|Laiz um 1798 Frühe Zeugnisse aus dem Mittelalter untermauern die Ansicht, Laiz als einen bedeutenden Dorfflecken bezeichnen zu können. Ein erstes urkundliches Zeugnis stammt aus dem Hochmittelalter; in einer Originalurkunde von 1231 wurde ein Dominus Adalbert de Laizen als Zeuge genannt. Dieser könnte für einen kurzfristig auftauchenden Laizer Ortsadel stehen oder erster Pfarrer von Laiz gewesen sein. Dies würde erklären, weshalb Burg und Stadt Sigmaringen zunächst dem – vermutlich älteren – Pfarrsprengel Laiz angeschlossen wurden, obwohl Sigmaringen eine urkundlich frühere Erwähnung findet. Die enge Verbindung von Laiz und Sigmaringendorf mit Sigmaringen hat also auch historische Wurzeln. 1275 gehörten zum Dekanat Laiz 15 Pfarreien. Aus dem Jahr 1282 stammt eine Erwähnung des Ritters Johannes von Hornstein, der als Mühlenbesitzer genannt wurde.

Ende des 13. Jahrhunderts ging die Herrschaft an die Habsburger über. Im Habsburger Urbar von 1300 wurden die Laizer Liegenschaften und ihre Steuerkraft aufgelistet. Man ging für Laiz im Mittelalter von einer maximalen Einwohnerschaft von 200 Personen aus. Zum Kirchspiel Laiz gehörend, wurden 1377 die Filialen Sigmaringen, Brenzkofen, Gorheim, Hedingen, Bold (Paulterhof), Inzigkofen, Ober- und Unterschmeien genannt. 1399 stand Laiz im Besitz der Grafen von Werdenberg zu Heiligenberg und Sigmaringen. 1535 herrschten die Grafen von Hohenzollern-Sigmaringen über Laiz. Im Jahr 1586 fand das Gnadenbild aus Ebingen in Laiz höchste Verehrung. Der Dreißigjährige Krieg brachte 1630 Pest, Plünderungen und Kontributionen nach Laiz. Verstorbene aus Sigmaringen fanden trotz späterer eigener Pfarrei bis 1744 auf dem Laizer Friedhof bei der Kirche ihre letzte Ruhestätte.

Für die 300 Jahre von der Reformation (ab 1517) bis zur Französischen Revolution (1789 bis 1799) liegt bereits kontinuierliches Quellenmaterial zur Ortsgeschichte von Laiz vor. Prägend sind auch für diese Jahrhunderte die bäuerliche Landwirtschaft und die überschwemmungsgefährdete Lage an der Donau. Hier geben vor allem die Steuerunterlagen interessante Auskünfte. Es zeigte sich unter anderem eine deutliche Trennung in wohlhabende Bauern und Tagelöhnern. Was die Laizer schon immer gekennzeichnete, ist ihr Autonomie- und Selbstbewusstsein, mit dem sie sich gegen Herrschaften und Nachbarn behaupteten und behaupten. Das Dreieck zwischen österreichischer Landesherrschaft, hohenzollerischer Ortsherrschaft und Untertanen begünstigte dies.

Moderne Mit der Zeit der Napoleonischen Kriege (1800–1814/15) begann 1803 aus sozialer Not eine große Auswanderungswelle in Laiz, zunächst nach Osten, später nach Übersee. 1810 kam Laiz zum souveränen Staat Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen. Am 15. April 1811 schloss die Gemeinde Laiz mit dem Sigmaringer Fürsten ein erstes Abkommen über die Aufhebung der Leibeigenschaft. 1813 wurden die Fürstentümer in den Deutschen Bund aufgenommen. In Laiz gab es in den Jahren 1816/1817 und 1847, wie in ganz Deutschland, große Hungersnöte. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt Hohenzollern – und damit auch Laiz – eine neue Gemeindeordnung mit einem Bürgermeister und Gemeinderäten. 1887 gründete Franz Eisele eine Pumpenfabrik mit Eisengiesserei.

Das 20. Jahrhundert war geprägt durch die beiden großen Weltkriege. Im Ersten Weltkrieg beklagte Laiz 31 Gefallene. Der Nationalsozialismus hinterließ in Laiz seine Spuren, auch wenn im Archiv erhebliche Lücken klaffen, da offensichtlich gewisse Säuberungen stattgefunden hatten. Dennoch blieb in Laiz auch bei unfreien Wahlen lange das katholische Zentrum an erster Stelle der Wählergunst. Nach 1933 drehte sich auch hier das Personalkarussell; einen Widerstand gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung gab es jedoch nicht. Eines der einschneidendsten Ereignisse in dieser Zeit war die Eingemeindung nach Sigmaringen am 1. April 1938. Nach Kriegsausbruch wurden bei der Firma Eisele zahlreiche Zwangsarbeiter verpflichtet. 92 Soldaten fielen im Zweiten Weltkrieg. Am 22. April 1945 rückten die Franzosen ein.Christoph Wartenberg: Laiz präsentiert seinen gediegenen Erinnerungsschatz. In: Schwäbische Zeitung vom 25. April 2010

Am 1. Oktober 1945 wurde Laiz unter Berufung auf die NS-Diktatur durch die französischen Besatzungsbehörden wieder von Sigmaringen getrennt. Laiz nahm nach dem Krieg zahlreiche Flüchtlinge aus den Ostgebieten auf. In den 1950er- und 1960er-Jahren stand das Dorf im Zeichen der Modernisierung und Erweiterung: 1949 wurde eine neue Donaubrücke als Symbol für den Neubeginn gebaut, das Neubaugebiet „Borren“ wurde 1950 erschlossen und der Flussverlauf 1975 korrigiert.

Anlässlich der Gemeindereform in Baden-Württemberg verlor Laiz erneut die Selbstständigkeit; am 1. Januar 1975 erfolgte die zweite Eingemeindung nach Sigmaringen.

Politik Bürgermeister und Ortsvorsteher Die Bürgermeister von Laiz nach 1911 Alois Stroppel (1946–1948) Paul Henselmann (1949–1965) Hans-Peter Maier (1965–1974)

Die Ortsvorsteher von Laiz ab 1975: Hermann Pfaff (1975) Konrad Kienle (1976–1980) Lothar Scheit (1980–2004) Werner Kirschbaum (2004–2014) Wolfgang Querner (seit 2014)

Wappen Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Laiz zeigt in geteiltem Schild oben in Gold zwei schwarze Kammräder (Industrieräder), unten in Rot ein stehender goldener Hirsch.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kontrastierend zur heutigen Situation schrieb der Heimatdichter Anton Schlude 1858: „Bemerkenswertes hat Laiz nichts Weiteres, als das am Kirchthurm angemalte kolossale Bild des heiligen Christoph.“

Museen Das ehemalige Siechenhaus Laiz, eines der ältesten Bauwerke in Laiz, in dem im Mittelalter leprakranke Patienten behandelt wurden, beherbergt heute die Sammlung des Bildhauers Josef Henselmann und dessen Frau, der Malerin Marianne Henselmann. Bis zur gründlichen Renovierung des Siechenhauses durch deren Schwiegersohn Lothar Henselmann befand sich die Sammlung in München. Führungen durch das Museum werden in der Regel jeden ersten Sonntag im Monat im Auftrag des „Hohenzollerischen Geschichtsvereins“ angeboten.Vera Romeu: Das Laizer Siechenhaus hat sich als Museum zum Geheimtipp gemausert. In: Schwäbische Zeitung vom 5. Juli 2008

Bauwerke Das Kloster Laiz hatte seinen Ursprung in einer Klause aus dem Jahr 1356, direkt neben der Pfarrkirche „Unserer Lieben Frau“ gelegen. 1456 wurde es als Kloster der Franziskaner-Tertiarinnen genannt. Als es 1525 zu einem Klosterbrand kam, ließ Graf Felix von Werdenberg († 1530) das Kloster wieder aufbauen. Die Einrichtung erfuhr darauf einen großen Aufschwung, der auch durch umfangreiche Stiftungen unterstützt wurde. Ein enger Kontakt bestand zum Kloster Gorheim. Das Laizer Kloster wurde 1782 durch Kaiser Joseph II. aufgehoben. Unter den rund 15 Frauen, die bis zur Aufhebung im Kloster waren, gab es keine aus Hohenzollern-Sigmaringen. Die Wallfahrtskirche „St. Peter und Paul“, neben dem unscheinbaren ehemaligen Frauenkloster, wurde 1308 erbaut. Die Laizer Pfarrkirche verfügt über zahlreiche sakrale Kunstwerke der Gotik und des Barock. Die Chorfresken stammen aus der Zeit um 1430, die Chorbilder und Fresken sind ein Werk des Sigmaringer Barockmalers Andreas Meinrad von Ow (1712–1792). Die Kirche beherbergt des Weiteren den Gnadenaltar und den Magdalenenaltar. Darüber hinaus verfügt sie über mehrere bedeutende figürliche Werke, darunter diverse Madonnendarstellungen sowie einige interessante Grabmale. Im 19. Jahrhundert wurden an der Laizer Pfarrkirche zahlreiche Reparaturen notwendig, diese konnten aber mangels Geld nur schleppend behoben werden. Erst 1887 wurde die Kirche restauriert und es entstand ein neues Pfarrhaus. In der Zeit des Nationalsozialismus machten Repressionen das kirchliche Leben schwierig. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden die Glocken zu Kanonen umgeschmolzen. Im Juni 1949 gab es drei neue Glocken. Bis in die Gegenwart gibt es immer wieder dringende Renovierungsarbeiten. 1972 wurde ein neuer Friedhof eingeweiht. Garnison Laiz: Nachdem es bereits einen Militärübungsplatz gegeben hatte, entstand von 1939 bis 1941 die „Kaserne Nonnenhof“. Aus Gründen der Geheimhaltung wurde vom Bau eines Hühnerhofs gesprochen. Die Funkzentrale war eine Außenstelle des deutschen Militärgeheimdienstes unter Admiral Wilhelm Canaris, von der aus der Funkverkehr mit den Agenten im Ausland aufrechterhalten wurde. Nach Kriegsende zog 1948 eine französische Garnison ein, bis 1958 die ersten Rekruten der Bundeswehr kamen. Inzwischen ist hier das „Grüne Zentrum“ des Landkreises untergebracht.Michael Hescheler: Laizer Heimatbuch. Balsam für die geschundene Seele. In: Schwäbische Zeitung vom 10. April 2010 mini|Millenniumsbrunnen Laiz Im Jahr 2000 wurde der „Millenniumsbrunnen“ von Ursula Stock als Symbol für ein neues Jahrtausend vor dem Laizer Rathaus eingeweiht. Die Donaubrücke wurde zwischen 1949 und 1950 gebaut. 1999 wurde das Bauwerk renoviert und mit einem prächtigen Geländer versehen. Der „Christophorusbrunnen“ ist ein durch Josef Henselmann geschaffener Trinkwasserbrunnen, er befindet sich am Anfang der Donaubrücke direkt am Donauradweg.