Die Schlacht auf der Abraham-Ebene war eine Schlacht des Siebenjährigen Krieges, der auf dem nordamerikanischen Schauplatz auch als Franzosen- und Indianerkrieg bekannt ist. Sie fand am 13. September 1759 in der Nähe der Stadt Québec im heutigen Kanada statt. Britische und französische Truppen standen sich auf der Abraham-Ebene, einem Hochplateau unmittelbar südwestlich der Stadtmauern von Québec, gegenüber. Zwar waren insgesamt weniger als 10.000 Mann an der Schlacht beteiligt, doch diese erwies sich als entscheidendes Ereignis im Konflikt um die Herrschaft von Neufrankreich und hatte später einen Einfluss auf die Entstehung Kanadas.
Die eigentliche Schlacht dauerte nur rund 15 Minuten, bildete aber den Höhepunkt der zweieinhalb Monate dauernden Belagerung von Québec durch die britische Armee und Marine. Mit Erfolg widerstanden die unter dem Kommando von General James Wolfe stehenden Briten einem Ausfallangriff französischer Truppen und kanadischer Milizen unter General Louis-Joseph de Montcalm. Sie wendeten neue Taktiken an, die sich gegen standardmäßige militärische Formationen, wie sie in den meisten großen europäischen Konflikten zur Anwendung gelangten, als ausgesprochen effektiv erwiesen. Beide Generäle wurden während der Schlacht tödlich verwundet. Wolfe wurde von drei Gewehrkugeln getroffen und starb wenige Minuten nach Beginn der Schlacht; Montcalm erlag einen Tag später den Verletzungen, die er durch eine Musketenkugel erhalten hatte.
Als Folge der Schlacht gaben die Franzosen die Stadt auf und ihre verbliebenen Truppen in Nordamerika gerieten unter immer stärker werdenden Druck der Briten. Zwar kämpften die Franzosen nach der Eroberung Québecs weiter und behielten in einigen Gefechten die Oberhand, doch die Briten gaben die strategisch wichtige Stadt nicht mehr preis. Mit dem Pariser Frieden 1763 gingen die meisten französischen Territorien im östlichen Nordamerika in britischen Besitz über.
Belagerung
mini|links|Beginn der Belagerung Ende Juni 1758 hatten die Briten die Festung Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel, das Fort Duquesne im Ohio-Tal und das Fort Niagara am Ontariosee eingenommen. Die Franzosen waren eingekreist, konnten aber die gänzliche Eroberung Neufrankreichs mit dem Sieg in der Schlacht um Fort Carillon zunächst aufhalten. Als Misserfolg erwies sich die britische Blockade des Sankt-Lorenz-Stroms während des Winters, da es zahlreichen französischen Schiffen gelang, Nachschub nach Québec zu liefern. Im Mai 1759 begannen die Franzosen, die Bevölkerung zu evakuieren und sich zu verschanzen. Am 26. Juni landete die britische Flotte in der Umgebung Québecs, woraufhin die Soldaten die Île d’Orléans besetzten und dort das Hauptlager errichteten. Ein französischer Angriff auf die Flotte mit Brandern schlug fehl. Am darauf folgenden Tag besetzten die Briten auch das Südufer des Sankt-Lorenz-Stroms und begannen mit dem Aufbau von Artilleriebatterien.
Der britische Artilleriebeschuss vom gegenüberliegenden Ufer aus setzte am 12. Juli ein und hielt die nächsten zwei Monate unvermindert an. Der heftige Beschuss, dem die Franzosen kaum etwas entgegenzusetzen hatten, fand vor allem in den Nachtstunden statt und richtete große Schäden in der Stadt an. Zahlreiche Gebäude, darunter die Kathedrale Notre-Dame de Québec und die Kirche Notre-Dame-des-Victoires, wurden ein Raub der Flammen. Am 31. Juli versuchte General James Wolfe einen ersten ernsthaften Angriffsversuch auf das Nordufer. Die Briten landeten bei Beauport, wurden aber von den Franzosen zurückgeschlagen. Insgesamt forderte diese Schlacht von Beauport 443 Verluste auf britischer und 60 Verluste auf französischer Seite. Als Vergeltung befahl Wolfe die Zerstörung sämtlicher Häuser in einem mehrere Dutzend Kilometer langen Abschnitt entlang dem Südufer des Sankt-Lorenz-Stroms, ebenfalls nordöstlich von Beauport. Während des Verlaufs dieser Aktion entwarf er neue Angriffspläne, die er aber wieder verwarf. Seine Arbeit musste er aufgrund einer länger andauernden Krankheitsphase im August unterbrechen.
Vorbereitungen und Landung Ende August einigten sich Wolfe und seine Brigadiere darauf, westlich der Stadt den Sankt-Lorenz-Strom zu überqueren. Zahlreiche Soldaten waren bereits an Bord der Schiffe gegangen und hatten sich mehrere Tage lang den Fluss hinauf- und heruntertreiben lassen,Hibbert: Wolfe At Quebec. S. 125. als Wolfe am 12. September den endgültigen Entschluss fasste und seine Wahl der Landestelle auf Anse au Foulon fiel. Diese kleine Bucht liegt südwestlich der Stadt bei Sillery, etwa drei Kilometer von Cap Diamant entfernt. Sie befindet sich am Fuße einer 53 Meter hohen Felswand, die in das darüber liegende Plateau übergeht; geschützt wurde sie damals durch eine Kanonenbatterie. Es ist nicht bekannt, weshalb sich Wolfe für diese Stelle entschied, da die Landung ursprünglich weiter flussaufwärts vorgesehen war. Dort hätten die Briten einen Landekopf aufbauen und gegen die weiter westlich lagernden Truppen von Louis Antoine de Bougainville vorgehen können, um dadurch Louis-Joseph de Montcalm aus der Stadt heraus auf das Hochplateau zu locken. Laut Brigadier George Townshend habe der General seine Meinung aufgrund von Späher-Berichten geändert.Hibbert: Wolfe At Quebec. S. 121. In seinem letzten Brief, datiert am 12. September um 20:30 Uhr auf der HMS Sutherland, schrieb Wolfe:Lloyd: The Capture of Quebec. S. 117.
mini|Landung der britischen Truppen am 12. September mini|Zeichnung eines britischen Soldaten, der die Landung darstellt Wolfes Angriffsplan hing von Geheimhaltung und Überraschung ab. Eine kleine Gruppe sollte nachts am Nordufer an Land gehen, den steilen Hang hinaufklettern, eine kleine Straße besetzen und die dort Wache stehende Garnison überwältigen. Der Großteil der Armee (5000 Mann) sollte den Hang über die kleine Straße überwinden und sich danach auf dem Hochplateau formieren. Selbst wenn die erste Gruppe erfolgreich wäre und es der Armee gelänge, ihr zu folgen, wären seine Truppen innerhalb der französischen Verteidigungslinie platziert – mit dem Fluss als einzige Rückzugsmöglichkeit. Möglicherweise hatte Wolfes Entscheidung, die Landestelle zu ändern, weniger mit dem Wunsch nach Geheimhaltung zu tun, sondern vielmehr mit seiner allgemeinen Geringschätzung seiner Brigadiere (ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruhte). Vielleicht litt er auch noch immer an den Auswirkungen seiner Erkrankung in der zweiten Augusthälfte und der Opiate, die er als Schmerzmittel einnahm.Anderson: Crucible of War. S. 353. Der Historiker Fred Anderson ist der Meinung, Wolfe habe den Angriff im Glauben befohlen, dass die Vorhut zurückgeschlagen werden würde und er damit rechnete, ritterlich mit seinen Männern zu sterben, anstatt in Ungnade nach Hause zurückzukehren.Anderson: Crucible of War. S. 354, 789.
Bougainville, der mit der Verteidigung des weitläufigen Hochplateaus beauftragt war, befand sich am Abend des 12. September mit seinen Truppen weiter flussaufwärts bei Cap Rouge und bemerkte nicht die zahlreichen flussabwärts treibenden britischen Schiffe. Eine Gruppe von 100 Milizionären unter dem Kommando von Hauptmann Louis Du Pont Duchambon de Vergor hatte den Auftrag, die schmale Straße bei Anse au Foulon zu überwachen, die dem Ufer des Saint-Denis-Baches folgte. In der Nacht auf den 13. September waren wohl nur gerade 40 Mann auf ihrem Posten, da die anderen damit beschäftigt waren, die Ernte einzufahren.Lloyd: The Capture of Quebec. S. 103. Vaudreuil und andere hatten sich über die mögliche Schwachstelle bei Anse au Foulon besorgt gezeigt, doch Montcalm wies sie zurück und sagte, 100 Mann genügten, um eine Armee bis Sonnenaufgang aufzuhalten. Er bemerkte dazu: „Es ist nicht davon auszugehen, dass der Feind Flügel besitzt, so dass er in derselben Nacht den Fluss überquert, von Bord geht, den hindernisreichen Hang hinaufsteigt und die Mauern überklettert, wobei er für letzteres Leitern mit sich tragen müsste.“Casgrain: Wolfe And Montcalm. S. 164.
Wachen entdeckten tatsächlich Boote auf dem Fluss, doch sie erwarteten einen französischen Nachschubkonvoi – ein Plan, der annulliert worden war, ohne dass Vergor davon in Kenntnis gesetzt worden wäre.Reid: Quebec 1759: The Battle That Won Canada. S. 55. Als die ersten Boote landeten, wurde die Besatzung aufgefordert, sich zu erkennen zu geben. Daraufhin antwortete ein ausgezeichnet Französisch sprechender Offizier der 78th Fraser Highlanders und zerstreute den Verdacht.Reid: Quebec 1759: The Battle That Won Canada. S. 37.Lloyd: The Capture of Quebec. S. 125. Die Boote waren ein wenig vom Kurs abgekommen. Anstatt am Ende der Straße zu landen, fanden sich zahlreiche Soldaten am Fuße eines Hanges wieder. Eine von William Howe angeführte Gruppe von 24 Freiwilligen wurde ausgesandt, um den Zaun entlang der Straße zu räumen und den Hang hinaufzuklettern. Dies erlaubte es ihnen, hinter Vergors Lager aufzutauchen und es rasch einzunehmen. Wolfe folgte eine Stunde später, als er eine bequeme Zufahrtsstraße nutzen konnte, um zum Hochplateau zu gelangen. Als die Sonne über der Abraham-Ebene aufging, verfügte Wolfes Armee über eine solide Basis oberhalb des Hanges.Reid: Quebec 1759: The Battle That Won Canada. S. 58–61.
Die Schlacht Mit Ausnahme von Vergors Lager war das Hochplateau unverteidigt, da Vaudreuil einem der französischen Regimenter kurz vor der Landung befohlen hatte, sich auf die Ostseite der Stadt zu begeben. Wären die unmittelbaren Verteidiger zahlreicher gewesen, wäre es den Briten möglicherweise nicht gelungen, sich aufzustellen und wären sogar zurückgedrängt worden. Ein Offizier, der üblicherweise nachts den Felsen entlang patrouillierte, war in dieser Nacht nicht zur Stelle, da eines seiner Pferde gestohlen worden war und seine beiden anderen lahmten.Eccles: France in America. S. 123. Die erste Meldung von der Landung kam von einem Laufburschen, der aus Vergors Lager geflohen war, doch einer von Montcalms Stabsmitarbeitern meinte, der Mann sei verrückt, schickte ihn fort und legte sich wieder schlafen. Vizeadmiral Charles Saunders hatte vor Beauport Manöver durchgeführt, um eine Landeoperation vorzutäuschen. Zu diesem Zweck feuerte er auf die Uferbefestigungen und ließ Boote mit Truppen beladen (wobei viele der Soldaten Patienten der Feldspitäler waren). Dadurch lenkte er Montcalms Aufmerksamkeit auf sich.Anderson: Crucible of War. S. 355–356.
Montcalm war verblüfft, als er von der britischen Landeoperation erfuhr und seine Reaktion wurde als überstürzt bezeichnet.Anderson: Crucible of War. S. 359. Er hätte auf Verstärkung durch Bougainvilles Kolonne warten können, was es ihm erlaubt hätte, die Briten gleichzeitig von vorne und hinten anzugreifen. Auch hätte er die Schlacht vermeiden können, während er seine Truppen konzentrierte. Stattdessen entschied er sich dazu, Wolfes Truppen direkt anzugreifen. Hätte er gewartet, so wären die Briten vollkommen abgeschnitten gewesen – auf dem gesamten Rückweg nach Anse au Foulon wären sie unter Beschuss geraten.Eccles: France in America. S. 203–204. Einem Artillerieoffizier namens Montbelliard erklärte Montcalm seine Entscheidung wie folgt: „Wir können das Eingreifen nicht vermeiden; der Feind verschanzt sich, er hat bereits zwei Kanonen. Wenn wir ihm Zeit geben sich einzurichten, werden wir nie die Möglichkeit haben, ihn mit den Truppen, die wir haben, anzugreifen.“Reid: Quebec 1759: The Battle That Won Canada. S. 72–73.
Erste Gefechte mini|Erste Phase der Schlacht mini|Montcalm führt die Truppen in die Schlacht; Aquarell von C.W. Jefferys